Bofinger prognostiziert mal wieder die D-Mark-Apokalypse.

Vor ein paar Tagen durfte Bofinger in der Welt über Japan, China und die Schweiz ablästern. Das sind die drei Staaten, die ich schon oft als Vorbild für die Wiedereinführung der D-Mark genannt habe. Diese Staaten halten ihre Währungen auf dem von ihnen gewünschten Niveau, indem sie bei Bedarf einfach massenweise ausländische Staatsanleihen kaufen, die als sicher gelten. Zum Beispiel amerikanische und deutsche.

Deutschland handelt angeblich intelligent.
Viel sinnvoller ist laut Bofinger die deutsche Politik: Die Milliarden an die GIIPS-Staaten verleihen. Weil diese Staaten ja vertrauenswürdig sind und sicher. Wobei man dazu sagen muss, dass Deutschland sein Geld in einigen Fällen nicht einmal verleiht. Es wird mehr oder weniger verschenkt. Und wenn es doch verliehen wird, dann zu Zinsen, die weit unter Marktpreisen liegen. Deutschland geht enorme Risiken ein, ohne dass das Risiko belohnt wird. Im Gegenteil.

Umverteilung im supranationalen Maßstab.
Bofinger und Co wissen heute schon genau, dass große Summen nicht zurückbezahlt werden können. Das ist so gewollt. Bofinger und seinen Mitstreitern geht es um Umverteilung im supranationalen Maßstab.


 
China, Japan und die Schweiz handeln angeblich falsch.
Man beachte auch das geänderte Narrativ: Bisher war China immer die superreiche Weltmacht. Die hohen Devisenreserven Chinas waren für diverse rechte und linke Ökonomen und unzählige Journalisten ein untrügliches Zeichen von Dominanz und Stärke.

Jetzt allerdings, da es Bofinger und Co aktuell nicht in die Ideologie passt, sollen die Chinesen und Japaner plötzlich Idioten sein, die dumm genug seien amerikanische Staatsanleihen zu kaufen.

Von den GIIPS-Anleihen hingegen lassen die Chinesen überwiegend die Finger. Und an den „Rettungspaketen“ beteiligen sie sich erst recht nicht. Dafür gibt es ‚wirklich‘ nur eine logische Erklärung: Dummheit.


Gegensätzliche Behandlung von Bofinger und Berlusconi
verdeutlicht deutsche Gleichschaltung.

Zu Bofinger erschienen in der Online-Version der Welt in den letzten Tagen einige Artikel. Bofingers Meinung wird in der Welt nach meinen Recherchen kritiklos hingenommen.

Wenn dagegen jemand wie Silvio Berlusconi vernünftigerweise fordert, Deutschland müsse endlich aus dem Euro austreten, wird er sogleich in einem Meinungsartikel der Welt-Online-Redaktion niedergeschrieben und als Irrer dargestellt.

Unter anderem Bofingers Einfluss verhindert Wiedereinführung der D-Mark.
Der gewerkschaftsnahe Bofinger ist ein wichtiger Berater von Angela Merkel. Von Bofingers zum Teil richtiger Kritik an Merkels Austeritäts-Kurs, hält die Kanzlerin nicht viel.

In anderen Punkten hingegen ist Bofingers Einfluss auf Merkel gewaltig: Die deutsche Kanzlerin ist wie Bofinger davon überzeugt, dass die D-Mark eine apokalyptische Katastrophe für Deutschland und Europa darstellt.

16 Gedanken zu „Bofinger prognostiziert mal wieder die D-Mark-Apokalypse.

  1. Aus meiner Sicht ist Bofinger ein verkappter Stamokap-Ideologe, der auffällig viel Beifall von anderes Stamokaps (Hickel, Schui) und dem Linkspartei/DKP Milieu erhält. Einde Schande, dass der von Rotgrün in den Sachverständigenrat gehievt wurde. Bofinger hat weder im Sachverständigenrat, noch auf der Uni etwas zu suchen!

  2. Diese Beurteilung ihrerseits findet ich höchst interessant, sie machen damit auf eine Thematik aufmerksam die es seit es den Euro gibt, aktuell ist.
    Prinzipiell könnten sie es auch laut aussprechen, die ständige Investition deutscher Überschüsse in die schwachen Südstaaten der EU dient lediglich dazu durch ein Minimal an Sozialismus, gewährleistet durch den nun seit der Einführung des Euro unter die Basisgrenze gesunkenen Zinssatz, das Projekt Europa auf Gedeih und Verderb zu zementieren.
    Wie sie ganz richtig erkennen sind es Leute wie der Herr Bofinger, die als Systemplayer den demokratischen Willen der Deutschen ihren Wohlstand für sich zu haben, ins Perverse ziehen.
    Dass was daran schuld hat, wäre leicht zu erkennen, wenn man sich mit dem Kontext der derzeitigen Weltwirtschftssituation setzt, die Historie hat gezeigt dass Sozialismus in den Staaten in denen es ihn gab, auch immer eine bestimmte Funktion hatte, und zwar Menschen unterschiedlichster Coleur für’s erste unter einen Hut zu bringen.

    • Das hört sich jetzt sehr intellektuell für mich an. Da kann ich nicht immer ganz folgen. Aber es stimmt: Man will alle Menschen unter einen Hut bringen, man will sie gleich machen. Deshalb auch die supranationale Umverteilung.

      • Ganz genau, sie erkennen.
        Man will alle gleich machen, nur ein wenig versteckter als beim Ansinnen der Kommunisten.
        Der Effekt einer auf solche Art und Weise gleich gemachten Gesellschaft in den EU-Ländern ist für mich ebenso wie im sowjetischen „Paradies“ keinesfalls als positiv zu erachten, da diesem Projekt keinerlei Freiheit, oder auch freier Wille zu Grunde liegt. Einerseits der deutschen Arbeitnehmer, die seit nun mehr 2 Jahrzenten vertröstet werden und deren Lohnanstieg selten mit der Inflation Schritt hielt, und andererseits auch des deutschen Unternehmermittelstandes, dieser hat es immer schwerer an Investitionsgüter für fortschrittliche und innovative Projekte zu kommen, für ihn wurden ja kürzlich in der Schweiz auch die „härteren“ Vergabekriterien von Krediten fest gemacht,
        Schlussendlich kann man sagen dass es wichtiger geworden ist das vollkommen amoralische Finanzkapital zu retten und zu deregulieren, man denke nur an den wirtschaftswissenschaftlichen Konsens aller ökonomischen Schulen dass Geld Gemeinschaftsgut ist, anstatt es der Realökonomie einfacher zu machen unbedingt erforderliche innovative Schritte zu gehen, die unser Verhältniss zum Planeten wenn auch nur minimal verbessern könnten.

        Dieses Beharren auf dem Euro, und an Europa zeigt mir wie wenig demokratisch unsere Länder mittlerweile geworden sind, die breite Masse, obgleich ihrer Unaufgeklärtheit, war bis zu seiner Einführung immer gegen den Euro, auch im nachhinein noch, und nach 2008 wieder.
        Heute wird mit aller Macht versucht das gescheiterte Projekt am Leben zu erhalten, wie sehr dass der Masse der Griechen gefällt, sehen wir mittlerweile.
        Und wie sehr dass den Deutschen gefallen wird, werden wir auch noch zu spüren bekommen.

        Und aus diesem Grunde halte ich liberale Ideale zur Zeit für mehr als wichtig und angebracht, es wird Zeit sein Glück wieder in die eigene Hand zu nehmen, die Hochfinanz, die Politik und dadurch in letzter Instanz die ganze derzeitige Ökonomie sind annähernd dem Wahnisnn nahe, nach ihnen die Sinnflut, ich zitiere Mises – „Ökonomie ist die Philosophie des menschlichen Lebens und Handelns und betrifft alle und jeden. Sie ist die Wiege der Zivilisation und der Existenz des Menschen.“, aus genanntem Grunde wiederstrebt es mir mich auf dass nicht mehr von den Massen getragene Geldkonstrukt Euro zu verlassen.
        Deswegen ist für mich das allererste Gebot der Stunde die produzierende Realwirtschaft in meiner Region durch eine komplementäre Zweitwährung einerseits zusammenzuhalten, und andererseits jedem der bereit ist etwas zu tun und mit seiner Hände Arbeit etwas zu erschaffen, die Möglichkeit eines halbwegs abgesicherten Daseins zu bieten.
        Dass hat während der großen Depression in Deutschland und Österreich funktioniert, und Irving Fisher sah das Potenzial dessen und hat es in die USA exportiert.

        Verlässt man sich auf die die dieses System lenken, so ist man verlassen, da sie noch am aller meisten daran verdienen.

      • Von Steinbrück habe ich noch ein besseres Video gesehen. 2008 auf dem vorläufigen Höhepunkt der Krise. Er war dort bei Beckmann im 1:1-Gespräch.

        Er war damals amtierender Finanzminister und hatte wirklich keine Ahnung. Das ist keine Übertreibung von meiner Seite aus. Es war wirklich extrem. So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Ich war geschockt.

        Leider finde ich das Video bisher nicht mehr. Es ist ein Lehrstück, wie wenig Ahnung die Regierenden in DL haben. Vielleicht findet das Video ja jemand von Euch. Dann bitte mir einen Tipp geben. Danke.

    • Es ist extrem wie die WELT Bofinger unterstützt. Seit letzter Woche kommt jeden Tag mindestens ein neuer Artikel zu ihm. Das ist alles Werbung für sein neues Buch.

      Die FAS dagegen lässt Bofingers Buch heute kritisch rezensieren. Von Thilo Sarrazin.

      Oder hat sich die SPD-Medienholdingkrake schon bei Springer reingeschlängelt?

      Friede Springer und Merkel sind enge Freundinnen. Ihre Ziele sind sehr gleich, wenn nicht identisch. Im Falle des Euros lautet die Vorstellung der beiden: Rettung um jeden Preis.

      • Ich bin echt mal gespannt wie Merkel sich die Positionen von Steinbrück zu eigen macht und ihn letztlich programmatisch aussaugt, Das kann sie gut.

      • Welche Position soll sie aussaugen? Ich verstehe nicht was du meinst. Die Programme von Steinbrück und Merkel sind sehr ähnlich.

        Wir sehen hier ein sehr häufiges Phänomen: Das linke Lager nominiert einen sehr rechten Kandidaten und das rechte Lager hat einen sehr linken Kandidaten. Im Grunde ist es sogar so, dass die persönlichen Ansichten von Steinbrück viel rechter sind als die von Merkel. Damit will man Wähler aus dem anderen Lager gewinnen.

        Steinbrück glaubt wirklich an Dinge wie Ordnungspolitik, Kapitalismus und Markwirtschaft oder hat zumindest eine Vorstellung davon. Merkels Werte dagegen sind viel beliebiger und viel weniger rechts.

        Im Grunde ist das Wahlangebot in DL eine Frechheit. Wenn ich einen rechten Kandidaten habe, will ich doch zumindest jemanden wie Romney: Moderat, aber klar im rechten Lager.Und wenn ich einen linken Kandidaten habe, dann will ich einen Obama: Zum Teil moderat, aber klar im linken Lager.

      • Ich meinte damit dass sie ja vor Steinbrück bleiben muss um weiterhin Kanzlerin zu bleiben. Aber vielleicht hast Du Recht…die Frage stellt sich womöglich gar nicht da die CDU weit vor der SPD bleiben wird. Ich tippe auf GroKo.
        Die Programme der Parteien laufen darauf hinaus.

      • Das sehe ich auch so. Vieles spricht für eine große Koalition. Wer dort am Ende vorne ist, weiß ich nicht. Aber Merkel ist bisher klar im Vorteil, das stimmt. Deshalb hat die SPD ja Steinbrück aufgestellt. Steinbrück ist attraktiv für rechte Wähler. Allerdings hat er einen Fehler gemacht: Er hat schon ausgeschlossen, dass er im Falle einer GroKo Kanzler wird. Nicht besonders klug, aus meiner Sicht. Warum sollte ihn unter dieser Voraussetzung jemand aus dem rechten Lager wählen?

        Es gibt mal wieder genau zwei Konstellationen in DL: Große Koalition oder Rot-Grün. Rechte Wähler müssen also dieses Mal CDU wählen, um Rot-Grün zu verhindern. Das kommt Merkel natürlich entgegen.

        2009 war die Wahl nach rechts verschoben: Große Koalition oder Schwarz-Gelb. Bei dieser Auswahl haben viele rechte Wähler letztere Option bevorzugt. Das konnte ich nachvollziehen.

        So ähnlich war es auch schon 2005. Die FDP bestand zu weiten Teilen aus Wählern rechts der CDU. Die FDP hat sich dann allerdings nie um die Interessen ihrer Wähler gekümmert. So einen totalen Realitätsverlust habe ich bei einer Partei noch nie erlebt.

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