Die Bundeskanzlerin hat alles im Griff.

Gestern war ein Abend der Selbsttäuschung. Die Regierung weiß nicht einmal, wie viele Flüchtlinge im Land sind, aber die Bundeskanzlerin habe die Lage im Griff. – „Die Bundeskanzlerin hat die Lage im Griff“, dieser Satz stammt von Angela Merkel selbst. Wie ehedem bei Monarchen üblich, spricht Merkel mittlerweile von sich in der Dritten Person. Ihr Auftritt in der gestrigen ZDF-Sendung „Was nun, Frau Merkel?“ war die irrsinnig anmutende Offenbarung einer Politikerin, die vielfach den Bezug zur Realität verloren hat. (Textquellen siehe unten).

Als es in Japan im Zuge eines Jahrhundert-Tsunamis auch zur Zerstörung eines Atomkraftwerkes kam, reagierte Angela Merkel sofort. Es spielte dabei keine Rolle, dass die Sache glimpflich ausging und es im Wesentlichen keine Atomtoten zu beklagen gab. Merkels Stab hatte eine Abneigung gegen Atomkraftwerke, weshalb man die Katastrophe auf keinen Fall ungenutzt verstreichen lassen wollte.

In Madrid, London und Paris starben in den letzten zehn Jahren mehrere Hundert Menschen durch eingewanderten islamischen Terrorismus. Ernsthaft reagiert hat die Politik darauf nicht, zumindest nicht in Festlandeuropa. Eine Kurskorrektur gab es nie, im Gegenteil man versteift sich mit jedem neuen Terroranschlag auf die Eskalation des bisherigen Kurses: Mehr islamische Einwanderung. Mehr, mehr, mehr.

Die Politiker und Medien in Europa sind mittlerweile in einem therapieresistenten Stadium angekommen. Sie leben in ihrer ganz eigenen Welt. Sie sind gegenüber Fakten, Vernunft und immer neuem Terror immun. Ihre Antworten sind schon vorher festgelegt. Die ZEIT leitartikelte schon einen Tag nach den Terroranschlägen: Nur mehr Willkommenskultur könne den islamischen Terror besiegen. Mit Teddybären, Selfies und „Refugees-welcome“-Schildern gegen den islamischen Terror. Die ZEIT-Journalisten sollten an dieser Stelle einmal in ihrem Leben konsequent sein und sich bitte in die erste Reihe stellen.

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Dumb German Money

Holger Steltzner (FAZ) kommentiert die Kritik an den deutschen Exportüberschüssen und die deutsche Art Kapital anzulegen:

…ein Treppenwitz ist es, dass ausgerechnet die größten Bewunderer der geldpolitischen Hilfe bei der Finanzierung von Euro-Krisenstaaten die in der Tat niedrigen Investitionen in Deutschland am lautesten beklagen, obwohl die EZB mit ihrer Rettungspolitik auch das deutsche Sparkapital jetzt wieder in Richtung Süden lenkt.

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Tauwetter, Perestroika und Westbindung in der Ukraine?

Wacht die Ukraine langsam auf? Die Welt schreibt:

Wenn man der gewöhnlich gut informierten Kiewer Zeitung „Dserkalo Tyschnja“ (Wochenspiegel) glaubt, kam Janukowitsch nach weiteren Beispielen zu dem Schluss, „eine partnerschaftliche und respektvolle Haltung des Nachbarn im Norden [Putins Russland!] gegenüber der Ukraine sei nicht zu erwarten.

Daher sei sein Entschluss zugunsten der europäischen Integration alternativlos.“ Abschließend habe der Staatschef gefragt, ob jemand im Saal dagegen sei – der möge bitte aufstehen. Niemand stand auf. Seitdem gilt als Kurs in der Ukraine: Go West.

Wenn diese Geschichte wirklich stimmt, ist es eine Ironie der Geschichte, dass gerade Janukowitsch, der bisher als Putins Pudel galt, die Westintegration der Ukraine einleitet.

Es ist anzunehmen, dass Putin auf diese Entwicklung in seiner gewohnt brutalen Art reagieren wird. Von erneuten Vergiftungen (wie im Fall Wiktor Juschtschenko) bis zu Putschversuchen und Militäraktionen ist alles denkbar.

Wird der Westen dieses Mal wieder zugucken? Man muss es leider annehmen.

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Der Staat vs. George Zimmerman

Zimmermans Schuld stand fest, als Obama meinte, er müsse das offene Strafverfahren kommentieren. „If I had a son, he’d look like Trayvon“, meinte Obama schon vor Monaten zum Fall. „Wenn er einen Sohn hätte, würde er wie Trayvon aussehen.“

Zimmerman sieht nicht aus wie Trayvon Martin. Zimmerman hat Trayvon Martin erschossen. Das „Kind“ (der 17jährige Trayvon ist in linken MSM generell „das Kind“), von dem der Präsident sagt, es sehe aus wie sein Sohn. Man kann nimmt diese beispiellose Parteinahme des mächtigsten Mannes der Welt am besten mit Humor und Zynismus, anstatt sich komplett von Obama nach unten ziehen zu lassen. Die Kommentare von Libertären auf Reason.com waren in dieser Hinsicht für mich sehr aufmunternd. Ein paar freie Übersetzungen:

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Vorschlag zum deutsch-amerikanischen Verhältnis: Freunde bleiben und Pfeife rauchen.

Dianne Feinstein ist mit 80 Jahren die älteste Politikerin in unserem Senat. Politisch steht sie sehr weit links. Ihre erste Aktion nach dem Amoklauf von Newtown bestand darin, ihre schon lange geplanten Entwürfe zur massiven Verschärfung der Waffengesetze aus der Schublade zu holen. Sie war außerdem gegen den Defense of Marriage Act. Ein Gesetz zum Schutz der Ehe, dass 1996 mit überwältigenden 2/3-Mehrheiten in House und Senat verabschiedet wurde. Mit der Mehrheit der regierenden Demokraten, darunter Politiker wie Harry Reid und Joe Biden, und unterzeichnet von einem Präsidenten namens Bill Clinton. Offenbar waren die Demokraten 1996 alle homophob und wussten es bis jetzt nicht. Feinstein forderte auch George W. Bush und Obama immer wieder dazu auf Guantánamo zu schließen.

Auf den ersten Blick überraschend sind deshalb ihre Äußerungen zu Edward Snowden: „Ich denke er hat Verrat begannen.“ Und weiter: „I feel I have an obligation to do everything I can to keep this country safe. So put that in your pipe and smoke it.“

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Deutsche Politik ohne ökonomischen Sachverstand.

Hans-Werner Sinn hat mal wieder ein Interview gegeben. Darin vertritt Professor Sinn auf einen Streich drei Thesen, die auch auf diesem Blog immer wieder genannt wurden:

1. Ein Ausstieg Deutschlands aus dem Euro bedeutet nicht, dass die D-Mark extrem aufwertet. Es gibt mittlerweile mehrere von China und der Schweiz erprobte Maßnahmen, die den Hütern einen starken Währung nahezu jeden gewünschten Wechselkurs erlauben. Die Bundesbank selbst könnte entscheiden, ob und wenn ja wie stark die D-Mark aufwertet.

2. Deutschlands Sonderweg bezüglich des „Klimaschutzes“ ist teuer, aber sinnlos. Es gibt keine Hinweise, dass andere Staaten die fossilen Lagerstätten der Erde unangetastet lassen, nur weil Deutschland sich zum Affen macht.

3. Die deutsche Politik ist wirtschaftlich unglaublich schlecht beraten.

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Bofinger prognostiziert mal wieder die D-Mark-Apokalypse.

Vor ein paar Tagen durfte Bofinger in der Welt über Japan, China und die Schweiz ablästern. Das sind die drei Staaten, die ich schon oft als Vorbild für die Wiedereinführung der D-Mark genannt habe. Diese Staaten halten ihre Währungen auf dem von ihnen gewünschten Niveau, indem sie bei Bedarf einfach massenweise ausländische Staatsanleihen kaufen, die als sicher gelten. Zum Beispiel amerikanische und deutsche.

Deutschland handelt angeblich intelligent.
Viel sinnvoller ist laut Bofinger die deutsche Politik: Die Milliarden an die GIIPS-Staaten verleihen. Weil diese Staaten ja vertrauenswürdig sind und sicher. Wobei man dazu sagen muss, dass Deutschland sein Geld in einigen Fällen nicht einmal verleiht. Es wird mehr oder weniger verschenkt. Und wenn es doch verliehen wird, dann zu Zinsen, die weit unter Marktpreisen liegen. Deutschland geht enorme Risiken ein, ohne dass das Risiko belohnt wird. Im Gegenteil.

Umverteilung im supranationalen Maßstab.
Bofinger und Co wissen heute schon genau, dass große Summen nicht zurückbezahlt werden können. Das ist so gewollt. Bofinger und seinen Mitstreitern geht es um Umverteilung im supranationalen Maßstab.

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Erste Beobachtungen zur Olympiade 2012

Fußball vor der Eröffnung
Großbritannien startet bei Olympia mal wieder mit einer gemeinsamen Mannschaft. Interessant, dass die Briten zu Olympia eine gemeinsame Auswahl hinbekommen, zu wirklich wichtigen Turnieren aber nicht. Als England-Fan schmerzt mich das. Ich werde wohl nie verstehen, warum sich Großbritannien bei großen Turnieren immer selbst schwächt mit ihrer Vierteilung in Nordirland, Wales, England und Schottland. Man will offensichtlich die nächsten 50 Jahre ohne Titel bleiben. Die Briten erscheinen mir paradox. In der Einwanderungspolitik haben sie ihre Schleusen über Jahre waghalsig geöffnet, träumen den ganzen Tag von Multi-Kulti, aber in anderen Bereichen machen sie für jeden Furz ihre eigenen Teams auf und verkünden: „Ich bin Waliser, Engländer, Schotte, Nordire!“ Muss man das verstehen? Ja selbst die Stadt aus der man kommt, ist essentiell wichtig. Die Dialekte sind so krass verschieden, ich habe regelmäßig das Gefühl die Briten verstehen sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst nicht.

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Deutsches First World Problem:             Die D-Mark würde aufwerten!

Rudi-Marek Dutschke schreibt seit einigen Monaten für das Handelsblatt. In seinem letzten Beitrag legt er die Argumente der deutschen Euro-Befürworter noch einmal dar. Er wendet sich direkt an Blogger. Aus meiner Sicht ist seine Argumentation eine typische Bestandsaufnahme der deutschen Mentalität. Darauf eine Replik.

Laut Dutschke sind Euro-Skeptiker wie ich Asoziale, die nicht das geringste Mitgefühl für die Südländer zeigen. Das Gegenteil ist der Fall. Wir sind die Einzigen, die wirkliche Lösungen anbieten, damit die Südländer wieder auf die Beine kommen und voller Stolz für sich selbst sorgen können. Es sind Menschen wie Dutschke, die Südländer von Almosen abhängig machen und damit ihre Lebensgrundlage und ihr Selbstwertgefühl zerstören.

Der Euro wirkt wie ein Goldstandard. Das sagt sogar der bisher nicht für rechte Umtriebe bekannte Paul Krugman. Die Südländer haben aufgrund des Euros extreme Probleme sich gegen den starken Wettbewerber Deutschland durchzusetzen.

Um diese Differenzen auszugleichen, kann man zwei gegensätzliche Strategien verfolgen:

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Bo Xilai, der Linkskonservative

Spiegel Online ist doch immer wieder lustig. In praktisch jedem Medium dieser Welt wird Bo Xilai als das beschrieben was er ist: Ein strammer Maoist und Populist (SZ). Soweit links außen stehend, dass es selbst den Funktionären der Chinesischen KP und der SZ unwohl wird. Wohl auch angesichts der Kulturrevolutionstöne, die Bo regelmäßig verbreiten lies.

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Solarwahn – Immer schon gewusst

Alles schon vorher gewusst. Diese Tendenz ist typisch Journalisten, typisch Medien, vielleicht auch einfach typisch Mensch. Das ist aber kein Zwang. Es gibt auch Menschen, die sich im Nachhinein wenigstens hinstellen und sagen: „Ja es stimmt. Wir haben Fehler gemacht. Gewaltige Fehler. Es tut uns Leid. Wir haben unsere Fehler eingesehen und wollen es in Zukunft besser machen.“

Haben Sie eine solche Entschuldigung schon einmal im deutschen Medienzirkus gelesen? Ich noch nie. Ich lese immer nur folgende Artikel:

Bestes Beispiel ist Q-Cells. Das Unternehmen begann erst im Sommer 2011 damit, größere Teile seiner Produktion nach Malaysia zu verlagern. Dabei war zu diesem Zeitpunkt längst klar, dass die deutschen mit den asiatischen Produzenten nicht mithalten können. Entsprechende Warnungen gab es schon Jahre zuvor – und sie erforderten auch keine hellseherischen Fähigkeiten.

Nein, hellseherische Fähigkeiten brauchte man dazu wirklich nicht. Sie werden auf meiner Seite keinen Artikel finden, der sich auch nur eine Sekunde für diese lächerlichen westlichen Solar-Firmen ausspricht. Das ist keine Kunst, aber Spiegel und Spiegel Online können nicht von sich behaupten, das sie je kritisch waren. Auf hundert Spiegel-Artikel, die diese Firmen rosarot in den Himmel loben, kommt vielleicht ein einziger Artikel, der ein bisschen kritischer ist. Wenn überhaupt.

Diesen einen Artikel picken die Spiegel-Trickser dann bei Bedarf heraus und sagen: „Seht her, wir haben es schon immer gewusst.“ Den Artikel muss es nicht einmal geben. Sie sagen es auch einfach so. Siehe auch die Missbrauchsfälle durch Gaddafi.

FTD, New York Times, SZ, FR, Washington Post, ZEIT oder Guardian machen es natürlich auch nicht anders. Dabei hat sich selbst der „böse“ Sender Fox, the belly of the beast, schon mehrfach entschuldigt, wenn man seine Viewer aus Versehen verarscht hat. Vielleicht liegt da der Unterschied: Murdoch macht es aus Versehen, Augstein macht es mit Absicht und aus Überzeugung.

Essentielle Strategie dieser Dünnbrettbohrer ist dabei, dass man immer nur das feststellt, was sowieso schon längst eingetreten ist. Q-Cells ist pleite, das kann nun selbst der Spiegel nicht mehr leugnen. Mehr gibt man niemals zu. Es gilt die Salami-Taktik. Nur das zugeben, was sowieso schon offensichtlich ist. Prognosen zur Zukunft werden in den „Wir-haben-es-immer-schon-gesagt“-Artikeln plötzlich tunlichst vermieden oder später einfach wieder unter den Tisch gekehrt. So ist man immer auf der sicheren Seite, egal was kommt.

Der Euro und die langsamen Deutschen

Deutschland hätte in ähnlichen Schritten schon 2010 aus dem Euro austreten müssen. Mir ist es ein Rätsel, warum die Deutschen so Angst vor Aufwertung haben. Natürlich würde eine starke D-Mark dem Export „schaden“, aber im gleichen Maße würden die Deutschen an Importkraft gewinnen.

Die linken Ökonomen und Politiker weltweit reden immer gerne von „Ungleichgewichten“, die man unbedingt abbauen müsse. Ungleichgewichte baut man am einfachsten ab, indem man jedem Land wieder seine eigene Währung zurückgibt. Das ist der Königsweg. Die linke Umverteilungspolitik ist eine Kahnfahrt auf der Styx. Diese Art der Umverteilung beraubt und bestraft gut organisierte Länder und degradiert schlecht strukturierte Staaten zu Empfängerländern. Anstatt dass man dringende Reformen angeht, hängen beide Seiten auf ewig am Tropf der Politik. Das kann und wird nicht gut gehen.

Ähnlich aufgestellte Länder können sich auch zusammenschließen. In Europa zum Beispiel könnten Italien, Spanien und Frankreich einen Südeuro gründen. Deutschland selbst braucht eigentlich keine Verbündeten. Aber wenn sie nicht allein sein wollen, kämen zum Beispiel Österreich, Holland und Finnland in Frage.

Das „Aufwertungsproblem“ ist in Wahrheit gar keines. Es heißt die Schweizer seien sehr langsam, aber selbst die Schweizer haben es seit einigen Monaten kapiert. Die landeseigene Notenbank legt einfach einen Grenzwert in gewünschter Höhe fest und diesen Wechselkursgrenzwert setzt sie dann mit allen Mitteln durch. Es reicht allein schon die Drohung, niemand kann es sich leisten gegen eine entschlossene Notenbank anzutreten. China praktiziert im Prinzip seit Jahrzehnten nichts anderes.

Öl-Embargo Iran und linke Medien

Die taz schreibt über die Sanktionen gegen den Iran. Die Einleitung zum Artikel endet mit den Worten: „Doch ein Ölboykott trifft das Land kaum.“ Als einfacher Leser weckt diese steile These eine ganz naive Erwartungshaltung in mir: Die Begründung der These im nachfolgenden Text. Argumente wären zum Beispiel nett. Antworten auf die Frage: Warum trifft ein Ölembargo den Iran kaum?

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Taliban jetzt auch für Menschenrechte

Der deutsche Tagesspiegel schreibt über das Urinieren auf Leichen durch unsere Soldaten auf afghanische Taliban.

Besonders eine Sache hat den Tagesspiegel dabei erstaunt: Die Reaktion der Taliban. Die Taliban würden nämlich trotz der „unmenschlichen“ Tat weiter mit uns sprechen wollen. Dadurch entstünden neue „Hoffnungen“ auf ernsthafte Verhandlungen. Vor allem den Deutschen hätte man diese Hoffnung zu verdanken, denn diese hätten die Gespräche maßgeblich eingefädelt. Danke Deutschland! Ihr seid die Besten!

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Was sind Tyranneien und was sind Menschenrechte?

Ich schätze Ayn Rand sehr und stimme ihr und dem Feuerbringer gerne zu,
aber in diesem Fall absolut nicht.

Wer sagt uns denn was ein „Rechtsstaat“ ist und was „Menschenrechte“ sind? Wer sagt uns außerdem welche Staaten diese Kriterien erfüllen und welche nicht? Wen befragen wir als höchste Instanz? Ayn Rand? Unseren Präsidenten? Den Papst? Den UN-Menschenrechtsrat mit den illustren Mitgliedern Pakistan, China, Russland, Kuba und Saudi-Arabien?!

Jeder dieser Staaten behauptet von sich er wäre ein „Rechtsstaat“ und achte die „Menschenrechte“. Die DDR nannte sich meines Wissens frei und demokratisch. Die Kommunisten des Kalten Krieges träumten davon die ganze Welt nach ihrem vorbildlichen „Rechtsstaat“ umzuwandeln. Ich finde es schade, wenn wir ähnliche Fehler wiederholen.

Ich mag unser westliches System und ich halte das amerikanische System für am besten und allen anderen etablierten Systemen überlegen. Trotzdem, nein gerade (!) aus Verpflichtung zu den amerikanischen Werten will ich sie niemanden aufzwingen. Die Menschen müssen revolutionäre Ideen immer noch zuerst selbst artikulieren.

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Burschenschafter fechten mit dem Spiegel

Der Spiegel berichtet über den Fall eines deutsch-chinesischen Burschenschafters dessen Verbleib in seiner deutschen Burschenschaft innerhalb des Dachverbandes höchst umstritten sei. Jedenfalls laut Spiegel. Hier nun eine kleine Analyse.

In der Einleitung zu einem Interview mit der Politologin Alexandra Kurth zum Thema heißt es, diese erkläre nun „weshalb die Rechtsextremen immer stärker werden“.

Eine Bestätigung für diese Behauptung habe ich im ganzen Interview nicht gefunden. Im Gegenteil. Gleich im ersten Satz sagt Kurth über den laut Spiegel rechtsextremen Dachverband „Deutsche Burschenschaft“:

Der Einfluss des Verbandes hat abgenommen, aber unterschätzen sollte man ihn nicht.

Natürlich steigert es die Leserschaft, wenn man das Klischee vom „immer stärker werdenden Rechtsextremismus“ erfüllen kann, aber dann sollte man doch bitte auch das Versprochene liefern.

Wir lesen weiter:

SPIEGEL ONLINE: Muss man gleich die Nazi-Keule herausholen? Das Abstammungsprinzip galt schließlich bis zum Jahr 2000 auch in der Bundesrepublik – bis die Verfassung unter Rot-Grün für das neue Staatsbürgerschaftsrecht geändert wurde.

Kurth: So argumentieren auch die rechten Burschen, und es ist eine ebenso perfide wie falsche Argumentation: Die Abstammung war eben auch vor dem Jahr 2000 nicht das ausschließliche Kriterium dafür, Deutscher werden zu dürfen. Dieser Weg stand prinzipiell allen offen, die sich über einen längeren Zeitraum legal in Deutschland aufhielten – und viele haben auch davon Gebrauch gemacht.

Der Spiegel greift hier geschickt die Argumente der „Rechtsextremen“ auf und formuliert sie als scheinheilige Frage um, für die Kurth ganz offensichtlich schon eine Antwort parat hat. Wie das Interview tatsächlich ablief, weiß kein Mensch, aber wohl kaum auf diese Art und Weise. Die Antwort von Kurth erscheint jedenfalls koscher und walzt auf den ersten Blick alle Zweifel glatt. Auf den zweiten Blick fällt allerdings ein weiterer Kniff auf: Die Kunst des Weglassens.

Was meint Kurth mit schwammigen Formulierungen wie „nicht das ausschließliche Kriterium“ und „dieser Weg stand prinzipiell allen offen“? Kurth mag ja Recht haben, aber diese vage Ausdrucksweise nährt doch den Verdacht, dass man hier absichtlich nicht genauer werden will. Welches Gesetz meint Kurth konkret? Das Ausländergesetz? Dann hätte ich über Jahre etwas verpasst, denn ich konnte mich nie einbürgern. War mein Wille nicht groß genug oder war ich zu selten in Deutschland? Ich habe mich wiederholt von deutschen Behörden beraten lassen zwecks deutscher Staatsbürgerschaft, aber da ging nichts! Wie das heute ist, weiß ich nicht, aber wie es war, weiß selbst wikipedia:

Bis in die 1990er Jahre hatten nur nach Deutschland eingewanderte deutsche Volkszugehörige (im Sinne von Artikel 116 des Grundgesetzes) einen Anspruch auf Einbürgerung.
Die Kriterien richteten sich nach uneinheitlich praktizierten Einbürgerungsrichtlinien der Bundesländer (Verwaltungsvorschriften).

Ooooops!

Siehe auch hier:

Seit dem Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz 1913 galt im Deutschen Reich ein reines ius sanguinis. Mit der Staatsangehörigkeitreform 2000 wurde mit dem sogenannten „Optionsmodell“ ein ergänzendes ius soli für die zweite Einwanderergeneration eingeführt.

Ganz am Ende des Interviews erfährt man dann doch noch in überraschender Ehrlichkeit, worum es dem Spiegel und Kurth eigentlich geht:

Die Burschenschafter beklagen, nur in unappetitlichen Zusammenhängen thematisiert zu werden. Ihnen fällt gar nicht auf, dass ihre sonstigen Aktivitäten vollkommen uninteressant sind.

Gerade einmal ein (!) Satz davor wundert sich Kurth noch, warum Außenstehende und vor allem die Presse bei diesen Gruppierungen als feindlich gesinnt gelten. Geht es noch dreister?! Warum sollten die Burschenschafter mit jemandem reden wollen, der ganz offen zugibt, sich nur für Aktivitäten zu interessieren, die man skandalisieren kann? Bin ich im falschen Film?

Aber die Burschenschafter geben trotzdem Interviews. Sogar dem Spiegel.
Dabei erfährt man dann, dass der Antrag auf Ausschluss zurückgezogen wurde und was der Betroffene Kai Ming Au von seiner Burschenschaft, von seinem Verband und von Deutschland hält:

Ich bin stolz, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, ich bin stolz, als Wehrdienstleistender meinem Vaterland gedient zu haben, und ich bin stolz, Deutscher zu sein. Wenn ich mich hier nicht wohlfühlen würde, dann wäre ich gar nicht hergekommen. Im nächsten Jahr würde ich sogar gern als Verbandsobmann kandidieren – also für die Führungsebene des Dachverbands.

Im gesamten Interview äußert sich Kai Ming Au rundweg positiv über seine Burschenschaft, nur der abgelehnte Antrag der Raczeks machte ihn verständlicherweise „fassungslos“. Diese Aussage wird dann natürlich vom Spiegel als Titel genommen. Damit werden die positiven und zuversichtlichen Kernaussagen des Burschenschafters ins Negative verdreht. Wer kann da die pressekritische Einstellung der Burschenschafter nicht nachvollziehen?

Anmerkung:
Berühmte Mitglieder der Raczeks waren Ferdinand Lassalle und Wilhelm Wolff. Ursprünglich kommen die Raczeks aus Breslau. Ich bezweifle stark, dass dieser Teil der deutschen Geschichte in deutschen Klassenzimmern gelehrt wird.
Wer die Geschichte Breslaus trotzdem kennt, versteht vielleicht eher, warum die Raczeks noch immer mit dem Verlust ihrer Heimat hadern und in einigen Punkten weltfremd und anachronistisch erscheinen. Sind sie deshalb Nazis? Wohl kaum.

Der Standard und Herr Galtung

Aron Sperber berichtet wie der österreichische Standard Johan Galtung in seiner Printausgabe erheblichen Platz einräumt. Bei Linken geht irgendwie immer alles. Es gibt ja laut der europäischen Medienkultur nur Rechte und Rechtspopulisten, die erstens gefährlich sind und zweitens immer falsch liegen.
Deshalb bin ich auch nicht wirklich überrascht welchen Einfluss traditionelle Marxisten wie Chomsky, Ziegler, Felicia Langer und Galtung immer noch auf europäische Meinungsmacher und Politiker haben. In den USA gibt es dieses Phänomen zwar auch, aber in Europa erscheint es mir deutlich stärker. Diese Journalisten würden auch die Weisen von Zion abdrucken, wenn es nur von einem ihrer Lieblinge kommt. Im Prinzip machen sie genau das. Es sind alte Worte in neuem Gewand.

Auch ein Vergleich der deutschen und englischen Wikipedia lohnt sich in diesen Fällen immer. Der deutschsprachige Eintrag zu Galtung zum Beispiel ist eine regelrechte Lobpreisung, die mit einer Nostradamus-Prognose endet:

1980 hatte er die Vorhersage gewagt, dass vor 1990 die Mauer zusammenbrechen würde und danach das sowjetische Imperium.
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks sagte er, dass entweder die Grünen oder der Islam das neue Feindbild des Westens würden.
Im Jahr 2000 datierte er den Zusammenbruch des US-Imperiums in den Zeitraum von 2020 bis 2025. Aufgrund der beschleunigenden Wirkung der Präsidentschaft von George Bush jr. kürzte er später diese Frist um fünf Jahre ab und prognostizierte das Ende des US-Imperiums auf vor 2020.

Der Trick bei diesen Vorhersagen ist offensichtlich. Man erwähnt immer eine angebliche Prognose aus der Vergangenheit, die natürlich haargenau so eingetreten ist. Ich dachte das gäbe es sonst nur auf dem Jahrmarkt. Als „Beleg“ dient den deutschen Wikipedianern dann ein Interview der marxistischen jungen Welt mit Galtung – natürlich Jahre nach dem Mauerfall. Galtung belegt Galtung. Wie nennt man das auf Deutsch? Kreislaufwirtschaft? Recycling? Päpstliche Unfehlbarkeit? Das DDR-Gans-Prinzip?

Das war dann jedenfalls schon von der deutschen Seite. Für weitere Informationen muss man den englischsprachigen Eintrag lesen. Nach dem amerikanischen City Journal hat er zum Beispiel schon 1953 vorausgesagt, dass Stalin die westliche Wirtschaft überholen würde. Ein glatter Volltreffer. Und so geht es weiter. Jahr für Jahr. Marxisten können gar nicht anders. Ein Auszug:

Though Galtung has opined that the annihilation of Washington, D.C., would be a fair punishment for America’s arrogant view of itself as “a model for everyone else,” he’s long held up certain countries as worthy of emulation—among them Stalin’s USSR, whose economy, he predicted in 1953, would soon overtake the West’s. He’s also a fan of Castro’s Cuba, which he praised in 1972 for “break[ing] free of imperialism’s iron grip.” At least you can’t accuse Galtung of hiding his prejudices. In 1973, explaining world politics in a children’s newspaper, he described the U.S. and Western Europe as “rich, Western, Christian countries” that make war to secure materials and markets: “Such an economic system is called capitalism, and when it’s spread in this way to other countries it’s called imperialism.” In 1974, he sneered at the West’s fixation on “persecuted elite personages” such as Solzhenitsyn and Sakharov. Thirty years later, he compared the U.S. to Nazi Germany for bombing Kosovo and invading Afghanistan and Iraq. For Galtung, a war that liberates is no better than one that enslaves.
His all-time favorite nation? China during the Cultural Revolution.

Mao Zedong Cultural Revolution