Euro, Irak und Vietnam – Self-fulfilling prophecies?

Argumente mit self-fulfilling prophecies sind wieder modern geworden. Auch bei Aron Sperber. Grund genug mich etwas näher mit diesen Argumenten zu beschäftigen.


Vietnam
Aron Sperbers Erzählung zur Tet-Offensive stimmt: Rein Militärisch war es ein Sieg für uns. Nur bestehen Kriege eben nicht nur aus dem militärischen Anteil. Es ist mindestens genauso elementar die Herzen und Köpfe einer klaren Mehrheit zu gewinnen. Dieses wichtige Ziel wurde damals nicht erreicht.

Warum war das so? Haben wir Amerikaner einfach nicht fest genug an Kapitalismus und Demokratie geglaubt? Wohl kaum. Es lag ein typisches Vermittlungsproblem vor. Die Vietnamesen wollten in großer Zahl einfach nicht unserer Weltanschauung folgen. Sie fanden die kommunistische Weltsicht interessanter, vielversprechender und viel versprechen, das kann der Kommunismus wirklich gut. Die Annahme liegt also nahe, dass von Anfang an die Voraussetzungen nicht gestimmt haben. Die Vietnamesen waren damals intellektuell noch kulturell dazu bereit unseren Ansichten zu folgen. Das meine ich jetzt ganz ohne Wertung. Das ist einfach eine Feststellung. Von self-fulfilling prophecy kann also keine Rede sein. Self-fulfilling prophecy ist der Irrglaube man müsse nur fest genug an etwas glauben um erfolgreich zu sein. Ein Scheitern ist dann logischerweise nur der Beweis dafür, dass man den Weg einfach nicht entschlossen genug gegangen ist.

Irak und Afghanistan
Auch im Irak (und in Afghanistan) haben wir die meisten Menschen nicht für unsere Sache gewinnen können und auch in Zukunft wird das wohl kaum gelingen. Verwunderlich ist das nicht, denn auch im Irak haben von Anfang an die Grundvoraussetzungen nicht gestimmt. Ich hoffe und bin mir auch ziemlich sicher, dass große Teile unserer Regierungen das von vorneherein mit eingeplant haben. Alles andere fände ich erschreckend naiv. Aber bei Bush und Obama weiß man leider nie. Ich persönlich kann mir den Irakkrieg nur so erklären, dass der Grund für diesen Krieg ein anderer war. Ein rein taktisch motivierter Grund, den ich nicht unbedingt aussprechen will, der aber durchaus einen Hang zur Genialität versprüht und sein Ziel nicht verfehlt hat.

Der Euro
Es ist kein Zufall, dass die Fanatiker (und leider auch die „Normalen“) unter den Euro-Anhängern genauso argumentieren. Die Pleite Griechenlands ist nach dieser Lesart auch eine self-fulfilling prophecy. Die Ausbreitung auf andere EU-Staaten: Self-fulfilling prophecy. Der Niedergang des Euro: Self-fulfilling prophecy. Krugman spricht nur noch von self-fulfilling prophecies. Fundamentaldaten und reale Ursachen werden einfach beiseitegewischt. Es wird so getan als wäre in der Euro-Zone eigentlich alles bestens, wenn nur das böse, das „raffende“ Kapital nicht wäre.

Kaum jemand spricht offen an, dass beim Euro von vorneherein die Grundlagen nicht gestimmt haben. Kaum jemand spricht an, dass die ganze Euro-Idee abgrundtief dämlich und typisch gutmenschlich war, gar nie funktionieren konnte und auf Dauer auch nie funktionieren wird.

Es wird so getan, als wäre die Eurozone eine kerngesunde deutsche Eiche, die von bösen jüdischen Spekulanten und Finanzkapitalisten entwurzelt werden soll. Die gierigen Spekulanten würden Gerüchte streuen und unbedarfte, noch nicht „aufgeklärte“ Menschen würden diese Gerüchte dann verbreiten. Der hochvitale europäische Stier: Hinterrücks erdolcht. Eine altbekanntes Narrativ. Self-fulfilling prophecy? Nein danke.

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5 Gedanken zu „Euro, Irak und Vietnam – Self-fulfilling prophecies?

  1. Ein rein taktisch motivierter Grund, den du nicht unbedingt aussprechen willst, der aber durchaus einen Hang zur Genialität versprüht und sein Ziel nicht verfehlt hat?

    Kannst du nicht mal einen Hinweis geben?

    • Naja überlegt euch mal die Geographie von Afghanistan, wo man als erstes einmarschiert ist und dann die Geographie des Irak. Wir Amerikaner kannten den Irak schon sehr gut aus dem Golfkrieg. Wüste, Sand, alles sehr flach, sehr geometrisch und damit relativ einfach kontrollierbar ganz im Gegensatz zu Afghanistan. Man hatte vor dem Irakkrieg jede Menge angeworbene Al-Quaida-Kämpfer, die nur darauf warteten nach Afghanistan zu kommen. Da dies aber meist Araber waren, konnte man ihnen im Irak eine Falle stellen. Im Krieg ist es immer gut, wenn man das Schlachtfeld selbst wählen kann. Al Quaida hat sich bewusst nach Afghanistan und Pakistan zurückgezogen. Wir konnten einen großen Teil umleiten in den Irak.

      Der Fehler bei diesen Kriegen war allerdings, dass man nie den 800-pound gorilla in the roomangegangen ist.

  2. zu Vietnam:

    es waren da nicht nur einfach „die Vietnamesen“, die lieber den Kommunismus als die „freie Welt“ wollten, sondern hinter den Vietcong standen kommunistische Regime, die eine militante Minderheit in Südvietnam massiv unterstützten.

    Südvietnam wurde letztlich vom wesentlich aggressiveren Nordvietnam erobert.

    zu Afghanistan und Irak:

    ich glaube schon, dass bei Bush und den Neocons eine gehörige Portion Naivität dabei war – gerade das machte sie mir sympathisch, auch wenn ich stets meine Zweifel am Erfolg hatte:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/08/25/die-ruckkehr-der-realpolitik/

    Bushs und Blairs hehre „neokonservative“ Ziele, den „edlen Wilden“, die „westliche Demokratie“ aufzuzwingen, mögen naiv gewesen sein – die „realpolitische” taktische Unterstützung der Mudschaheddin, aus denen später die Al Qaida hervorging (um ohne eigenes Blutvergießen die UdSSR zu bekämpfen) u. Taliban (um ohne eigenes Blutvergießen den Bürgerkrieg zu beenden) fallen jedoch eindeutig unter die Carter bzw. Clinton Ära.

    Werden die USA unter Obama abziehen und das Feld den „gemäßigten Taliban” überlassen, wird natürlich auch nicht er schuld an ihrer wohl darauffolgenden Schreckensherrschaft sein, sondern der naive Bush und die verschlagenen Neocons bzw deren zukünftige Nachfolger

    was mich an den Bush-Hassern so störte, war, dass der Krieg nicht aus faktischen – guten – Gründen abgelehnt wurde, sondern aus moralischen Gründen:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/09/08/911/

    So wie der Vietnamkrieg mögen der Afghanistan- und der Irakkrieg faktische Fehler gewesen sein. Ob dadurch eine Verbesserung der Sicherheitslage erreicht wurde, ist noch nicht gesagt. Vielleicht wäre es möglich gewesen, sich mit dem Saddam Regime wieder zu arrangieren (ähnlich wie spaeter mit Gaddafi).

    Verurteilt werden diese Kriege jedoch aus moralischen Gründen, was gerade angesichts der europäischen Geschichte nicht nachvollziehbar ist. Alle von den Westmächten besetzten Länder waren von tyrannischen Diktaturen befreit worden.

    Dass die Errichtung von funktionierenden Demokratien in Europa auch den wirtschaftlichen Interessen der USA entsprach, ändert nichts an der Richtigkeit jener amerikanischen Politik.

    Hätte Bush Erfolg gehabt, hätten sich die angeblichen Gegner von Hitler & co eigentlich freuen müssen, stattdessen wünschten sich fast alle ein Scheitern

    Selbst wurde man von den Amis von Hitler befreit – den Irakern wollte man dies nicht gönnen bzw. zumuten.

    P.S.

    Mich mit Krugmann in einen Topf zu stecken, ist wirklich nicht nett 😉

    • Meine volle Zustimmung. Das sind druckreife Sätze, die du schreibst.
      Ich fasse mal die zusammen, die mir besonders gefallen:

      Südvietnam wurde letztlich vom wesentlich aggressiveren Nordvietnam erobert.
      Verurteilt werden die Kriege aus moralischen Gründen, was gerade angesichts der europäischen Geschichte nicht nachvollziehbar ist. Selbst wurde man von den Amis von Hitler befreit – den Irakern wollte man dies nicht gönnen bzw. zumuten.

      Du schreibst außerdem:

      So wie der Vietnamkrieg mögen der Afghanistan- und der Irakkrieg faktische Fehler gewesen sein.

      Das glaube ich nicht. Als erstes frage ich mich: Was will man erreichen, welche Ziele hat man? Dann kann man fragen, ob und wenn ja welche Ziele erfüllt worden sind.

      Vietnam zum Beispiel war für mich absolut kein Fehler. Mit dem Wissen von heute wäre ich erst Recht für einen Eingriff gewesen. Vietnam war ein Stellvertreterkrieg, das sollte man nicht vergessen. Vietnam war eine starke Botschaft an die Kommunisten: Bis hierhin und nicht weiter! Dieses Ziel wurde erreicht.

      Vietnam ging zwar verloren, aber die Russen haben es sich danach zweimal überlegt, ob sie noch einmal so einen Aufwand betreiben wollen. Nach Vietnam sind nicht mehr viele Staaten dem Kommunismus verfallen. Man konnte außerdem auch nicht vorher wissen, dass man in Vietnam nicht erfolgreich ist. In Korea hatten wir ein paar Jahre vorher eine sehr ähnliche Situation. Dort haben wir immerhin eine Teilung erreicht. Das verleugnen die angeblichen Vietnamkrieg-Kritiker gerne. So wie die Europäer generell gerne ihre Befreiung verleugnen. Europäer führen gerne unsere angebliche Kriegslust ins Feld und vergessen dabei in der Tat, dass sie es waren, die mit Gewalt berfreit werden mussten.

      Vietnam hat auch dazugeführt, dass Nixon zähneknirschend die Ping-Pong-Politik mit China begonnen hat. Die Vietnamnesen mögen die Chinesen aus historischen Gründen nicht besonders, um nicht zu sagen, sie waren Todfeinde. Grund genug für Nixon in den sauren Apfel zu beißen und mit China zu sprechen. Dadurch wurde der extreme Wirtschaftsaufschwung Chinas erst ermöglicht. Von starken Ökonomien profiert die ganze Welt. Letztendlich war der Ping-Pong auch sehr schlecht für die Russen, die mit China zerstritten waren.

      Man hat von Vietnam auch gelernt, dass teure, lange Kriege einen in den Ruin treiben können. So entstanden mit die Pläne für den Afghanistankrieg der Russen. Letztendlich hat dieser Krieg der UdSSR mit das Ende bereitet.

      Dumm nur, dass wir im Irak und in Afghanistan ähnlich viel Geld verloren haben. Das hätte man auch anders lösen können, wenn nicht sogar müssen. Man kann dort auch keine Ausbreitung des Islam verhindern, denn der ist in diesen Ländern schon lange verhanden. Eine Kommando-Aktion gegen Bin Laden und enge Komplizen hätte aus meiner Sicht völlig ausgereicht. Ansonsten wäre die gleiche Basis-Strategie wie gegen den Kommunismus angesagt: Containment, Containment, Containment.

      Mich mit Krugmann in einen Topf zu stecken, ist wirklich nicht nett.

      So war das natürlich nicht gemeint. 😉

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