Occupy Wall Street und die Religion der 99%

Lange habe ich überlegt, ob, wie und was ich zur Occupy-Bewegung schreiben soll. Letztendlich hat mich mal wieder Aron Sperber und sein Hinweis auf die 99%-Ideologie animiert etwas zu schreiben. Es ist so typisch für Linke, dass sie meinen die ganze Welt stünde hinter ihnen.

Was soll eigentlich so toll daran sein, wenn man zu den 99% gehört? Wo bleibt das Unrechtsbewusstsein, das Herz für die Minderheit, das die Linken angeblich so auszeichnet? Was ist toll daran, wenn sich 99% auf 1% der Bevölkerung stürzen? Was ist toll daran zu einer Gruppe zu gehören, die angeblich aus 99% der Bevölkerung besteht? Nichts ist für mich schlimmer als Konformität und der Verlust von Individualität. Wer auf wahnhafte 99%-Bewegungen steht, sollte zum Islam übertreten und in ein beliebiges islamisches Land einwandern. Kommt daher die Liebe der Linken für den Islam?


Die selbsternannten Antirassisten haben das Wort „jüdisch“ gestrichen, die anderen Worte sind die gleichen geblieben. Menschen ändern sich scheinbar nicht. Die OWS-Bewegung behauptet ernsthaft sie vertrete 99% der Bevölkerung. Jetzt müssten endlich die 1% „Superreichen“ dran glauben. Impulsgeber sind Menschen wie Stiglitz und Krugman, Obama klemmte sich sofort mit ein, viele Medien feiern mit.

Man braucht natürlich immer ein Narrativ um diese Umverteilung zu rechtfertigen: Nicht man selber sei ungesetzlich, sondern die 1% seien es. Stiglitz sagt nicht er wolle das Vermögen der 1% stehlen, sondern die 1% hätten das Vermögen der 99% gestohlen. Krugman spricht ganz offen von Oligarchie.

Die Linken brauchen immer einen Sündenbock, den sie plündern können. Unter Hitler waren es „die Juden“, unter Stalin „die Kulaken“, bei den politisch korrekten Linken sind es nun „die Reichen“, die die Gesellschaft aussaugen würden. Das „Verbrechen“ der Juden und Kulaken war dabei immer ihre im Durchschnitt höhere Kompetenz, ihre höhere Bildung, ihre höhere Stellung und ihr größerer Reichtum.

Nach der Logik der Linken entstehen höhere Bildung und größerer Reichtum in aller Regel auf ungesetzlichem, mindestens aber auf moralisch verwerflichem Wege. Reichtum ist unter Linken immer verdächtig. Reichtum gehört bestraft und bekämpft. Genauso verhält es sich mit dem Korrelat des Reichtums, der Bildung. Wenn einer oder eine Gruppe gebildeter ist als eine andere, dann ist das per Definition „sozial ungerecht“.

Milton Friedman hat einmal richtig festgestellt: Wer die Anhäufung von Reichtum bestraft, zerstört den Motor jeder Gesellschaft, zerstört die Anreize für Arbeit und Fortschritt, zerstört das Fundament unserer Zivilisation. Aber das werden Linke nie verstehen.

Auf den Einwand eines Zuschauers die Reichen seien gierig und müssten deshalb etwas von ihrem Reichtum abgeben, meinte Milton Friedman lachend: Was ist Gier?! Er wisse nur eines: Gierig, das sind im Weltbild der Umverteiler immer die anderen.

Ein guter Freund von mir sagt immer: Linke sind beratungsresistent, sie sind zerfressen von Neid. Es tut nichts zur Sache, aber wir sind beide alles andere als reich. Ich kann die Anreiz-Theorie nur sehr gut nachvollziehen. Ich merke an mir selbst, dass mich die hohen Steuern und die netten staatlichen Fürsorgepakete in Europa dazu verleiten, meine Arbeit spürbar zu reduzieren. Ich nehme langsam das europäische Lebensgefühl an. La Dolve Vita. Ich sitze im warmen Cafe und schlürfe Cappuccino anstatt meiner Arbeit nachzugehen.

Linke sprechen sich bevorzugt gegen „die Verhältnisse“ und „den Kapitalismus“ aus. Sie werden in ihrer „Kapitalismuskritik“ dabei ungern persönlich. Sie beschreiben ihren Gegner bevorzugt ohne Gesicht. Das Finanzjudentum, die Wall Street, die Banker, die 1%. Als aufrechter Linker hat man auch absolut nichts gegen Juden, man ist einfach nur gegen den Staat Israel. Entmenschlichung macht die Sache so viel einfacher. Das wusste schon Eichmann.

Es gibt „die Superreichen“ und „die Spekulanten“, aber konkrete Namen nennen, das wäre ja Autobahn. Ein gutes Beispiel für meine These ist der Lindwurm: Bei Occupy Wall Street brauche niemand mehr antisemitische Plakate hochzuhalten, denn eine Kapitalismuskritik, die personalisiere und mit vermeintlichen Mehrheiten argumentiere, sei keine Kapitalismuskritik!

Ein anders Beispiel sind der deutsche Stern und Otto Schily. Im aktuellen Heft interviewt der Stern Otto Schily. Es geht natürlich um die Dönermorde. Eine Frage ist dabei typisch deutsch:

Stern: Auch die extreme Rechte agitiert jetzt gegen kapitalistische Ausbeutung und Militäreinsätze aus aller Welt. Geht davon eine besondere Verführungskraft aus?

Schily: Auch die NSDAP hatte diese antikapitalistischen Affekte, die sie auf widerliche Weise verbunden hat mit ihrer antisemitischen Hetze. So eine Mixtur kann es wieder geben. Da werden Kampagnen gegen die Allmacht der Wall Street mit Antizionismus zusammengerührt und es entsteht ein hochexplosives Gemisch.

Für den Stern sind Nazis erst seit „jetzt“, also erst seit neuestem anti-kapitalistisch. Das ist ein alter Trick. Man tut gerne so als wären die Nazis keine Antikapitalisten gewesen. Was entdeckt der Stern morgen? Dass Hitler Antisemit war? Oder doch mal wieder Hitlers Tagebuch?

Bei Schily kommt ein anderer linker Trick zum Tragen: Die Trennung von Antisemitismus und Antikapitalismus. Historisch waren diese Dinge immer zusammen, aber auch das wird heute gerne verschwiegen. Man beachte die Formulierungen Schilys. „Antikapitalistische Affekte“ sind offensichtlich kein Problem, auch die „Allmacht der Wall Street“ scheint für Schily ein Faktum zu sein und keine Verschwörungstheorie. „Widerlich“ wird es für Schily erst wenn man diese angeblichen Fakten – die natürlich keine anti-amerikanische Hetze sind (wie auch?!) – mit Antisemitismus und Antizionismus zusammenrührt. Das ist als ob man gerne Saumagen essen will, aber dann darauf besteht, dass das Gericht weder Sau noch Magen enthält.

Noch raffinierter ist die Masche der Linken ihre Blockade- und Zerstörungswut einfach gegen Institutionen, Firmen und Technologien zu richten. Es geht dann ja schließlich nicht gegen Menschen, es geht gegen Atomkraftwerke, Castoren, Gentechnik und Bahnhöfe. Ganz so als stünden hinter diesen Projekten keine Physiker, keine Biochemiker und keine Architekten. Ganz so als wäre Gewalt gegen Sachen keine Gewalt. Ganz so als wäre es legitim die Arbeit andere Menschen aufgrund eigener ideologischer Vorstellungen zu zerstören. Ganz so als wären diese Unternehmungen nicht demokratisch legitimiert. Das Anketten an Gleise und das Unterschottern von Gleisanlagen fällt bei deutschen Medien wie Spiegel Online unter die Kategorien „Demonstration“, „Protestnacht“ und „Widerstand“. Legitime Aktionen, die durch „Polizeigewalt“ unterdrückt würden. Für mich ist Deutschland eine Bananenrepublik, ich sage es ganz ehrlich.

People who say it cannot be done should not interrupt the people doing it. Die Linken machen regelmäßig aber genau das. Natürlich kann man gegen neue Technologien sein, aber die Linken sind notorische Nein-Sager. Antiliberale Verbotsapostel. Im Grunde sind sie erzkonservative Spießer. Spinner noch dazu. Die europäischen Linken, an der Spitze die deutschen Grünen, sind so technik- und wirtschaftsfeindlich, dass konservative Parteien im Vergleich dazu aussehen wie Parteien des Fortschritts.

Wenn doch einmal konkrete Namen von Superreichen fallen, dann meist die von Buffet, Gates, Jobs, Soros. Das sind dann lustigerweise die Verbündeten der Linken. Superreiche und Spekulanten im Kampf gegen Superreiche und Spekulanten. Die Privilegierten aus unseren Megastädten prangern sich selbst an. David Brooks hat diese einseitige Fokussierung auf die 1% in unseren Megastädten treffend analysiert:

That’s because the protesters and media people who cover them tend to live in or near the big cities, where the top 1 percent is so evident. That’s because the liberal arts majors like to express their disdain for the shallow business and finance majors who make all the money. That’s because it is easier to talk about the inequality of stock options than it is to talk about inequalities of family structure, child rearing patterns and educational attainment. That’s because many people are wedded to the notion that our problems are caused by an oppressive privileged class that perpetually keeps its boot stomped on the neck of the common man.

Ich biete hier mal eine roughe Übersetzung an:
Die Fokussierung der Protestler und Medienleute auf die Top 1% geschieht, weil die Protestler und Medienleute in oder nahe der großen Städten leben. Sie geschieht, weil die Künstler und Geisteswissenschaftler die Wirtschaftsabsolventen, die das ganze Geld verdienen, verachten. Sie geschieht, weil es leichter ist über die ungleiche Verteilung von Aktienoptionen zu sprechen, als über ungleiche Familienstrukturen, ungleiche Kindererziehung und ungleiche Bildungsabschlüsse. Sie geschieht, weil die Menschen mit der Idee verheiratet sind, dass unsere Probleme durch eine privilegierte Klasse verursacht werden, die den Nacken des kleinen Mannes permanent mit schweren Stiefeln in den Boden stampft.

Der kleine Mann wird von den Juden, von den Kulaken, von den Reichen in den Boden gestampft. Das ist das Narrativ seit Hitler, genau genommen seit Marx.
Bis heute.

Ich finde das sollte man einfach wissen, wenn man in diese Welt geboren wurde.

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3 Gedanken zu „Occupy Wall Street und die Religion der 99%

  1. die Liebe zum Islam der Linken hat wohl eher mit Neid und Schadenfreude zu tun.

    in islamischen Ländern lehnen die Menschen das westliche Modell von Demokratie ab

    auch wenn das islamische Modell eigentlich sogar „rechter“ oder „konservativer“ als unser Staatsmodell ist, so ist es zumindest „antiwestlich“

    diese Niederlage des verhassten westlichen Modells, das durch keine freie Wahl von Linken in Europa je abgeschafft werden konnte (selbst in Italien kam die PCI nie über 30 %) bereitet den linken Losern zumindest ein wenig Genugtuung.

    • da hast du sicher recht. schadenfreude spielt eine rolle. sie erfreuen sich am schaden, den der böse rechte westen real oder angeblich durch die nadelstiche der islamischen welt erleidet. nur übersehen sie dabei ganz bewusst, dass die islamischen staaten viel nationalistischer, viel rassistischer, ja viel „rechter“ sind als der moderne westen. von daher ist das ein pyrrhus-sieg der linken. mit die ersten opfer von khomeini waren tausende linke. auch stalin hat viel mehr treue anhänger umgebracht wie echte gegner. auch der aufwand war bei der ersten gruppe größer. trotzki zum beispiel wurde um die ganze welt gejagt. bei mao war es nicht anders.

      ganz offen bewundern die linken auch die „einheit“ und die „solidarität“ der 99%-islam-staaten. das gefällt linken immer, wenn alle das gleiche denken, wenn man massen steuern kann.

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