Mufti muss entlassen werden

Dieser Mufti muss entlassen werden, fordert Jörg Lau in seinem Blog. Fordern ist offensichtlich Volkssport in Deutschland. Wie niedlich. Als könne man den Einfluss von religiösen Führern stoppen, indem man sie entlässt. Wer soll dem Mann denn das Wort verbieten? Der Papst? Jörg Lau? Oder erklären deutsche Wortklauber den Mufti jetzt zum Un-Mufti des Jahres?

Werden die „Palästinenser“ moderater, indem man sie moderat anstreicht? Mir sind offene Antisemiten lieber als übermalte. Bei offenen Antisemiten weiß man wenigstens woran man ist. Aus dem gleichen Grund sind mir auch die antisemitischen Strömungen in Ungarn lieber als die der heuchlerischen, linken „Israel-Kritiker“ in der EU. Mir ist Ungarn generell lieber. Die sind wenigstens klein und unbedeutend. Antisemitismus, politische Einflussnahme auf die Notenbank, Medienkontrolle, Demokratie-Defizit. Über wen sprechen die EU-Kommissare eigentlich? Über Ungarn oder doch eher über sich selbst? In all den Tagen habe ich bisher nur einen einzigen westeuropäischen Artikel zu Ungarn gefunden, der nicht verlogen ist. Es handelt sich um ein aktuelles Interview in der deutschen Welt.


Es ist auch nicht irgendein Mufti, dessen Entlassung Lau hier fordert. Muhammad Ahmad Hussein ist der Groß-Mufti von Jerusalem. Ein Groß-Mufti ist die höchste religiöse Instanz der Sunniten. Wenn ihn jemand entlassen kann, dann nur Mahmud Abbas. Aber warum sollte Abbas das machen? Abbas hat Hussein im Jahr 2006 selbst ernannt. Es ist sein Mufti! Abbas weiß ganz genau, was sein Mufti da predigt. Es ist die Feier der Fatah-Gründung. Im besten Fall ist Lau naiv, im schlimmsten Fall ein Heuchler. Lau insinuiert die Entlassung des Muftis würde etwas ändern. Ganz so als stünden hinter Hussein Muftis bereit, die andere Inhalte predigen. Oh honey.

Schon direkt nach seinem Amtsantritt 2006 hat Hussein verkündet, dass Selbstmord-Attentate halal sind. Hussein gilt trotzdem als „moderat“. Der direkte Vorgänger von Hussein hieß Ekrima Sa’id Sabri und wurde noch von Arafat ernannt. Abbas hat ihn dann 2006 entlassen. Zur Ermordung von Rafik Hariri meinte Sabri damals trocken, man müsse nur die Protokolle der Weisen von Zion lesen, dann wüsste man wer dahintersteckt. Sabri predigt bis heute in der Al-Aqsa-Moschee.

Ein weiterer Vorgänger von Hussein ist der Namensvetter und alte Bekannte Husseini. Foto siehe unten. Hussein Jahrgang 2012 ist also in bester Gesellschaft. Er führt nur fort, was schon lange Tradition ist.

Reden dieser Art werden in der islamischen Welt jeden Freitag von bedeutenden religiösen Führern und Politikern gehalten. Allein der kleine Ahmud aus dem Iran hält jedes Jahr so eine Rede zum Al-Kuds-Tag. In die westlichen Medien tauchen diese Reden auch immer wieder auf. Die Reaktionen von Leuten wie Lau sind dabei immer wieder die gleichen: Wie bitte, wo bitte, was bitte? Schockierend! Das konnte ja keiner ahnen! Das habe ich nicht gewusst.

Heuchelei pur.

Bundesarchiv, Bild 146-1980-036-05 / CC-BY-SA

Nachtrag: Auch Ruprecht Polenz ist überrascht und schwer empört.

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7 Gedanken zu „Mufti muss entlassen werden

    • Danke für den Tipp. Ich wundere mich immer wieder, wie wenig Sie mit ihrer Partei-Linie gemeinsam haben. Sie sind so ein bisschen wie Sarrazin: In vielen wichtigen Grundlagen nicht mehr auf Heimatverein-Linie, aber trotzdem ímmer noch nicht bereit die Farben zu wechseln. Zum Teil ist das auch verständlich. Wohin sollte man in Deutschland auch wechseln. Die anderen Vereine sind auch nicht (viel) besser.

  1. Es wär doch zumindest wert, das einmal auszuprobieren. Der letzte Großimam, der in die Wüste geschickt wurde, war, soweit mir erinnerlich, Ayatollah Ruhollah Chomeini zu Zeiten des Schahs. Hat man in letzter Zeit nicht viel gehört von…

    • In die Wüste geschickt ist gut. Saddam Hussein hattte Chomeini aus dem Land geworfen und auch kein anderes islamisches Land wollte ihn aufnehmen. Frankreich (!) hat ihn bekanntlich bei sich aufgenommen und jahrelang in Paris behütet. Dann liesen Jimmy Carter, Giscard, Callaghan und Schmidt den Schah fallen und Chomeini, damaliger Spitzname „der iranische Gandhi“ (!), durfte zurück in den Iran.

      Die Europäer haben irgendwie ein Händchen dafür totalitäre Ideologen und zukünftige Diktatoren bei sich aufzupäppeln. Man denke nur an Marx in Paris oder an Luxemburg und Lenin in der Schweiz. Lenin wurde dann bekanntlich von der deutschen Heeresleitung mit einem geschützten Sonderzug Richtung Russland gefahren. Es gibt Menschen, die sollte man nicht einmal seinem schlimmsten Feind schicken.

      • Zitat aus dem Spiegel, 2007: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-54841257.html

        Ohne die Hilfe Wilhelms II. für Lenin hätte es die Oktoberrevolution vor nunmehr 90 Jahren so nicht gegeben. Mehr noch: Ohne deutsche Unterstützung hätten Lenins Bolschewiki das erste Jahr an der Macht wohl kaum überstanden.

        Vermutlich wäre keine Sowjetunion entstanden, den Aufstieg des Kommunismus hätte es dann nicht gegeben, keine Millionen Gulag-Tote.

      • Danke für den Link. Es ist in der Tat so, dass Europa die drei Grundübel unserer Zeit hervorgebracht hat: Den Kommunismus, den Faschismus und die theokratische Diktatur im Iran. Und bis auf den Fall Iran waren die Deutschen da immer ganz vorne mit dabei.

        Ich habe auch mal einen Artikel zum Thema geschrieben, allerdings nie veröffentlicht. Vielleicht finde ich ihn ja wieder.
        Das schreiben geht seit ein paar Tagen wieder besser. Habe technisch umgestellt. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.
        Ich weiß gar nicht mehr wie ich das vorher hinbekommen habe.

  2. Ja die Amerikaner würden natürlich nie mit einen miesen Diktator gemeinsame Sache machen,nicht wahr? Oder etwa doch? Warum sind die US denn so „beliebt“ in Südamerika?Der betreffende Gentelman brauchte nur zu sagen er ist gegen den Komunismus und schon gab es die Carte Blanche aus Washington für was auch immer. Und wenn Sie sich hier über Khomeni beklagen dann erinnern Sie sich doch wer die demokratische Regierung in Iran gestürzt hat und dann diesen Humanisten Pahlevi an den Thron gesetzt hat.Aber das wurde ja alles gemacht um die Freiheit und Demokratie zu verbreiten.Oder die Massenvernichtungswaffen die mussten ja auch oft herhalten.
    Eure Hände sind so dreckig wie unsere,da ist kein großer Unterschied
    PS;Was ist denn falsch daran dass Lau fordert dass dieser Mufti entlassen werden soll?Soll er ihm etwa ein Glückwunschtelegramm schicken?

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