Ein Notfallteam für Herr Galtung

Wir brauchen dringend eine Art Notfallteam, das sich um Menschen wie Breivik kümmert. Menschen, die ihre wahnsinnigen Ansichten im Internet ausbreiten und dort entwickeln. Breivik lebte und arbeitete in Norwegen, aber seine Seele breitete er im Internet aus. Da müssen wir ansetzen. Wir brauchen stärkere Internetkontrollen. Und wir müssen verstehen, wie Leute wie Breivik denken. Die norwegische Polizei, die Sicherheitsdienste haben versagt: Sie haben die Gefahr nicht ernst genommen.


Die Helfer müssen mit Menschen, die extremistisch denken, in Dialog treten, sie müssen sie im Gespräch herausfordern. Ich selbst habe viel mit Radikalen gearbeitet, mit Rassisten in den Südstaaten der USA, die ähnlich realitätsferne Gedanken hatten wie Breivik. Meine Freunde haben immer gesagt, das bringe doch nichts. Aber das stimmt nicht: Diese Leute wollen, dass man ihre Ideen in Frage stellt, sie lechzen danach, als Gesprächspartner ernst genommen zu werden.
Spiegel 2011

Im Vergleich dazu:

Johan Galtung: Fünf Dinge sind nötig. Erstens: Denkpause. Zweitens: Dialog. Drittens: Versuche, zu verstehen, worum es geht. Viertens: Versöhnung. Und fünftens: die Konflikte lösen.

Es bedarf ein wenig Anstrengung von unserer Seite, um zu hören, was die Probleme der anderen Seite sind.

Man muss natürlich fragen, warum die Radikalen einen Nährboden gefunden haben. Das hat auch mit unserer Politik zu tun. Extremisten gibt es auch auf amerikanischer Seite, das haben wir in Oklahoma gesehen. Ich vermeide die Vokabel „Terrorist“ – auch Extremisten haben Gründe für ihr Handeln.

Der globale Konflikt ist ein Klassenkonflikt zwischen armen und reichen Ländern, armen und reichen Menschen. Es ist kein Konflikt zwischen Zivilisationen.
Spiegel 2001

Gemeinsamkeiten? Unterschiede?

Siehe auch:
Zwei Soulmates in Tübingen

Der Standard und Herr Galtung

Obama und Osama

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4 Gedanken zu „Ein Notfallteam für Herr Galtung

  1. Mit Terroristen zu reden ist in der Tat keine gute Idee. Anders verhält es sich mit Staaten, wobei es hier auch Ausnahmen gibt(Nazideutschland, Talibanafghanistan). Immerhin konnte Kennedy mit Chruschtschow reden, Nixon mit Mao, Carter und Begin mit Sadat, Reagan mit Gorbatschow usw.
    Aber einer wie Johan Galtung würde es schlimmer machen als Chamberlain.

    • warum „in der tat“? habe ich gesagt man solle nicht mit staaten oder terroristen reden? man kann mit fast jedem reden.
      selbst mit nazideutschland zum beispiel konnte man über einige dinge reden. in afghanistan kann man auch reden, noch besser wäre allerdings ein abzug, ganz ohne langes reden. galtung ist nun aber so eine art pazifisten-marxist. er tut zum beispiel so als sei reden die einzige option. das ist natürlich fatal. erst recht bei leuten wie breivik oder den 9-11-flugzeugentführern. mit terroristen kann man in der tat nicht reden. breivik kann sich wie loughner auch immer noch als schizophrener herausstellen. auch da hilft galtungs gesprächstherapie allein nicht weiter. da müssen starke antipsychotika wie olanzapin oder clozapin her. medikamente, die man auch mal bei galtung probieren sollte. 😉

  2. Ich sagte „in der Tat“, weil ich diesen Artikel so interpretiert habe, dass du Galtungs Thesen, mit Terroristen zu reden, als falsch bezeichnet hast. Zum Thema Verhandlungen mit totalitären Staaten:http://arprin.wordpress.com/2011/08/04/china-1964-iran-2011-der-weg-zur-aggressiven-annaherung/
    Aber die Taliban haben für mich Breivik-Niveau, und da sie womöglich wieder die Macht übernehmen würden, halte ich einen Abzug zu dieser Zeit für falsch.

    • die taliban haben vielleicht eine massenpsychose. das kann sein. dagegen kann man aber nicht viel machen. der afghanistankrieg wird so ähnlich enden wie der vietnamkrieg. man wird aus den afghanen in absehbarer zeit niemals demokraten usw. machen. das ist ein hirngespinst.

      außerdem ist es aus meiner sicht auch nicht wünschenswert, dass sich der westen überall einmischt und andere kulturen nach seinem vorbild gestaltet. und seien diese kulturen noch so rückständig. ein einsatz um osama zu töten war gerechtfertigt, die „bekehrung“ eines ganzen volkes ist nur zu rechtfertigen, wenn weite teile des volkes diesen weg wirklich bestreiten wollen und vom bildungsstand & hintergrund her auch können. in südkorea, deutschland oder japan war das gegeben. in afghanistan ist es das eindeutig nicht. das muss man nach all den jahren erfolglosen ringens endlich einmal zur kenntnis nehmen. im irak ist es ähnlich. in libyen auch. in ägypten auch. die gutmenschen zündeln mit dem feuer.

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