Obama-Kritiker der ersten Stunde.

Die Medien sind sich einig, Barack Obama hat seinen „ersten legitimen Skandal“. Er hat Journalisten bespitzeln lassen. Diese Überwachung sei „der neueste, womöglich folgenschwerste in einer ganzen Serie von Skandalen, die Washington gerade erschüttern: Nach der Affäre um den Terroranschlag auf das US-Konsulat in Bengasi und den Strafaktionen der Steuerbehörde IRS gegen Tea-Party-Gruppen.“

Über die „illegitimen“ Skandale von Benghazi und die Strafaktionen der Steuerbehörde IRS gegen Tea-Party-Gruppen haben Medien wie der Spiegel selbstverständlich ausführlich und obamakritisch berichtet. War es nicht so? Natürlich war es so.

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Osama V – die Querfront schließt die Reihen

Die Ähnlichkeit der Formulierungen quer durch alle Lager ist auffallend.
Die westlichen Medien würden keine Kritik äußern, heißt es bemerkenswert oft.
Man wertet den eigenen Artikel auf, indem man behauptet, man sei der Einzige, der sich der medialen Übermacht entgegenstelle. An dieser Stelle muss man nachhaken:
Was sind die westlichen Medien? Was liest man in Deutschland?
So weltoffen sich die Deutschen auch immer gerne geben:
In Deutschland liest man deutsche Medien und sonst nichts. Punkt eins.

Punkt zwei: Die deutschen Medien äußern quer durch alle Lager erhebliche Kritik.
Das Lustige dabei ist wie oben erwähnt: Viele dieser Artikel geben sich Anti-Mainstream. Generieren quasi ihre eigene Dolchstoßlegende. Seht her ich stelle mich gegen die bösen westlichen Medien. Dabei hat kein deutsches Medium ausschließlich gejubelt. So weit ich das aus der Ferne beurteilen kann, haben die meisten gar nicht gejubelt. Im Gegenteil. Von der ersten Minute an wurde die Aktion schlechtgeredet. Beteiligt haben sich dabei praktisch alle wesentlichen deutschen Medien. Die ARD, die FAZ, die taz, die SZ, die FR, der Spiegel, der Focus, der Deutschlandfunk, SpOn, die Zeit, das Handelsblatt und so weiter. Um es kurz zu machen: Alle von der Jungen Welt bis zur Jungen Freiheit. Ich habe die lustigsten Kommentare sogar in den Teilen I-IV gesammelt. Aber weit gefehlt:

Es ist Zeit, aus der medial verabreichten Jubel-Narkose in der Causa Osama bin Laden (OBL) aufzuwachen und den Verstand wieder einzuschalten. An dieser Stelle möchte ich ein wenig Starthilfe in Form von offenen Fragen und Gedankenspielen geben, die sich im Hinblick auf die Tötung des „Terrorfürsten“ aufdrängen, die in westlichen Medien als Heldenstück der US-Navy-Seals beziehungsweise als Ausdruck der Entschlossenheit von US-Präsident Obama verklärt worden ist.
(JF)

Ja selbst die deutschen Libertären wollen nicht Abseits stehen:

Die Jubelschreie der Gedankenlosen über den staatlichen Lynchmord eines ohne Anklage und ohne Richterspruch Verurteilten sind abstoßend, ein deutliches Zeichen vorangeschrittener Entzivilisierung und gleichzeitig Beleg für eine Absurdität: Amerika feiert den Sieg eines Krieges – gegen einen einzelnen Mann. Die wahre Tragik dieser Massenhysterie ist aber folgende: Die ganze filmreife Aktion dient zwar der Hebung der Moral im Lande, kann aber nur kurzzeitig die Tatsache übertünchen, dass die USA ein inzwischen auf tönernen Füßen stehender, bröckelnder Riese ist, dessen Zusammenbruch kaum noch abzuwenden ist.
(ef)

Wie wäre es mal mit Belegen zur Abwechslung? So von Front zu Front:

Warum wird immer wieder behauptet, OBL sei der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 gewesen, obwohl er laut FBI wegen dieser Anschläge gar nicht gesucht wurde? Laut Fahndungsliste des FBI – Danke an Rainer Rupp, das er darauf in der Jungen Welt erneut aufmerksam gemacht hat – wurde er wegen der Anschläge auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam gesucht, nicht aber wegen der Vorgänge im Zusammenhang mit 9/11.
(JF)

Große Klasse.
Aber vielleicht kommt ja hier was:

In einer Zeit, in der fast jeder, sogar die alt-ehrwürdige Tagesschau mitmacht beim allgemeinen Jubel über eine Exekution; in der an dortiger Stelle kritische Fragen nach dem Verbleib der Leiche bin Ladens automatisch als Verschwörungstheorie etikettiert werden; in der man offensichtlich vergessen hat, daß gerade die Art und Weise des Umgangs mit Verbrechern den Unterschied zwischen Rechts- und Unrechtsstaat ausmacht; in solch einer Zeit sind die handgezählten kritischen Stimmen einem Atheisten ein Dorn im Auge, sofern sie von Christen stammen.
(Feyd Braybrook)

Es wird dieser Link gesetzt, der beweisen soll, dass „sogar die alt-ehrwürdige Tagesschau mitmacht beim allgemeinen Jubel über eine Exekution“. Also schön, nur folgendes Problem: Wenn ich auf den Link klicke, lande ich bei einem Bild mit jubelnden Amerikanern, in welchem die ARD beschreibt, dass Amerikaner jubeln und sich Regierungen freuen. Ich zitiere die Bildunterschrift vollständig, weil das Online-Angebot der ARD zeitlich beschränkt ist:

Die Nachricht vom Tod des Terroristenführers wurde von vielen Regierungen mit großer Erleichterung aufgenommen. In Washington versammelten sich spontan Tausende Menschen vor dem Weißen Haus zu einer Freudenkundgebung. (Foto: AFP)

Da kann ich die Aufregung von Feyd Braybrook verstehen. Beim nächsten Mal muss die aktuelle Kamera ARD endlich wieder wahrheitsgemäß untertiteln:

Die Nachricht von der Ermordung des Freiheitskämpfers wurde von vielen imperialistischen Diktaturen mit großer Erleichterung aufgenommen. In der Hauptstadt des Bösen versammelten sich staatlich inszeniert ein halbes dutzend Faschisten vor dem Braunen Haus zu einem Fackelzug.

Ich schaue in aller Regel keine deutschen Sender, aber die ARD hat meinen Informationen nach das kommentiert:

Das ist jetzt vielleicht ein bisschen billig, aber es wird auch mal wieder Zeit, finde ich. (via überschaubare Relevanz)

Das ist nicht billig, das ist genial. Hier weiterlesen.

Mathis Gothart Grünewald 023