Der Fall Khodorkovsky – ein Lehrstück.

Vor einigen Tagen wollte ich einen Artikel über Mikhail Khodorkovsky schreiben – als bitter nötige Gegenargumentation zu deutschen Presseberichten. Das Augstein und Kollegen Khodorkovsky nicht mögen, war absehbar.

Wirklich überrascht und getroffen haben mich die Kommentare von Achgut-Urgesteinen wie Dirk Maxeiner und Wolfgang Röhl.

Dirk Maxeiners fragte „kritisch“ nach, warum sich Hans-Dietrich Genscher gerade für Mikhail Khodorkovsky eingesetzt habe. Sein Argument war unter anderem:

Politische Gefangene, die unter schlimmen Bedingungen und ohne rechtsstaatliches Verfahren festgehalten werden gibt es in reicher Zahl überall auf der Welt. Also warum der so dezidierte Einsatz für Chodorkowski?

Der Kommentar ginge gerade noch, wenn es Maxeiner nur darum gegangen wäre die Person Genscher kritisch zu beleuchten – gerade vor dem Hintergrund, dass Putin in den letzten Wochen auch schon zwei andere deutsche Greise (Schmidt, Ströbele) für seine Zwecke einspannte. Wenn man den Kommentar so betrachtet, ist er okay.

Man kann den Schwerpunkt der Bewertung aber auch auf Maxeiners oben genanntes Argument legen: „Politische Gefangene gibt es in reicher Zahl überall auf der Welt, warum gerade Chodorkowski?“

Dieses Argument ist für sich genommen natürlich ein Scheinargument aus der Kategorie „Nirvana fallacy/Perfect solution fallacy“: Eine Lösung wird abgelehnt, weil sie nicht perfekt ist. So kann man natürlich auf alle Probleme der Welt antworten. Wenn man nur einem helfen kann oder will, sollte man lieber niemandem helfen? Das – so scheint es mir – ist die verquere Logik hinter Maxeiners Argument. Diese Art der Scheinargumentation sollte man nicht ernst nehmen. Maxeiners Argumentation lädt geradezu zum Kontern ein: Wie vielen politischen Gefangenen hat Herr Maxeiner denn bisher in seinem Leben geholfen?! Null? Dachte ich mir. Es steht bei diesem Thema mindestens 1:0 für Genscher. Ich halte Genschers Rolle – früher und heute – für überschätzt, deutsche Politiker seiner Generation werden – typisch Nostalgie – maßloß in den Himmel gelobt, aber die Argumentation von Maxeiner ist in diesem Punkt sehr schwach.

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Grenzen der Meinungsfreiheit im Vergleich.

Noch ein Beispiel von SpOn zu meiner Serie „Meinungsfreiheit“:

Er muss jetzt aufpassen. Ein ‘Sieg Heil’-Ruf auf einem Konzert oder ein ähnliches Vergehen bringt ihn ins Gefängnis.

Zuerst dachte ich, das sei ein Witz. Aber dann las ich bei wiki das hier:

Today in Germany, Nazi salutes in written form, vocally, and even straight-extending the right arm as a saluting gesture (with or without the phrase), are illegal. It is a criminal offence punishable by up to three years of prison (Strafgesetzbuch section 86a).

Aber um Pussy Riot macht man eine Show. Heuchelei pur. Was wäre wohl passiert, wenn Querfront-Skinheads eine Synagoge gestürmt hätten und im heiligen Bereich etwas von „Scheiße Gottes“ philosophiert hätten?

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Wer ist schuld an Breivik? Sind es die Advocates of Silence?

Das ist ein Artikel, den ich schon lange im Kopf habe. Warum ich ihn nicht vorher geschrieben habe? Ich denke, ich wollte unterbewusst das Breivik-Urteil abwarten. Ich wollte sehen, ob die Richterin und die Medien das wirklich durchziehen.

Sie haben es durchgezogen.

Ermutigt hat mich ein Satz, den ich heute im Tagesanzeiger gelesen habe: „Bislang hat es keine ernst zu nehmende Partei gewagt, Breiviks Taten als etwas anderes als puren Wahnsinn zu klassifizieren.“ So sehe ich das auch. Nicht nur die Politiker, sondern auch die meisten Menschen halten Breiviks Tat für puren Wahnsinn.

Gleichzeitig aber, und das war für mich das Interessante, wollten viele dieser Menschen, dass Breivik in seinem Strafverfahren nicht für „wahnsinnig“ erklärt wird. Diese heuchlerische Doppelbödigkeit fasziniert mich bis heute.

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Game of Thrones

Ich habe jetzt ein paar Tage nichts geschrieben. Mögliche Themen, die ich habe, sind Organspende, Pussy Riot, Peter Thiel und zum hundertsten Mal die Eurokrise. Zu all diesen Themen müsste ich allerdings recht viel schreiben. Dazu fehlt mir im Moment die Zeit.

Die grundlegende Frage ist doch, wie man sich in diesen Krisenzeiten verhalten soll. Ich sehe da drei Möglichkeiten: Selbst politisch aktiv werden, auswandern oder in die innere Emigration gehen. Innere Emigration ist dabei im Prinzip nichts anders als Realitätsflucht. Das meine ich jetzt nicht abwertend.

Was eignet sich gut zur Realitätsflucht? Da gibt es in der heutigen Welt mannigfaltige Möglichkeiten: Bücher, selbst schreiben, Spiele, TV-Serien, Filme, handwerklich tätig werden, den Garten umgraben, ein Haus bauen. Und so weiter.

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