Der Hassverbrechen-Wahnsinn

Spiegel Online berichtet über einen aktuellen Fall bei uns. Anklagt ist der Amerikaner Dharun Ravi. Er stammt aus Indien und war zu Tatzeit 18 Jahre alt. Was hat der Mann gemacht? Nun, er hat auf dem College seinen neuen Roommate Tyler Clementi bei einem homosexuellen Date gefilmt, das Video eines Kusses eventuell veröffentlicht und homophobe Lästereien über Clementi auf Twitter und Facebook verbreitet.

Das geht in Richtung Mobbing. Ziemlich mies, ziemlich kindisch und sehr verletzend. Ich kann da gut mit Clementi mitfühlen, diese Erfahrungen vergisst man nicht. Wahrscheinlich kann sich fast jeder in Clementi hineinversetzen, denn jeder macht in seinem Leben solche Erfahrungen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Man kann der Kleinste in der Klasse sein, der Dickste, der Dümmste, der Beste, der Schönste oder einfach nur der Arroganteste. Jeder der „anders“ ist, kann zum Angriffsziel werden. Ich glaube Mobbing ist zu großen Teilen ein sehr altes Programm. So eine Art Rudelkampf. Der Kampf um Homogenität. Die Gemeinschaft stärken durch die Verschwörung gegen Einzelne, gegen Schwächere. Alle gegen den Anderen. Die Volksgemeinschaft im Kleinen quasi.

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Die neue Unschuld

Wo wir gerade beim Thema geniale Kolumnen sind:
Harald Martenstein hat diese Woche auch eine ganz besonders gelungene.

Zettels Kommentar
Zettel hat den blinden Fleck in Martensteins Theorie thematisiert. Wir sind eine Gesellschaft, in der ständig von Verantwortung die Rede ist. Und zwar ganz extrem. Es kann gar nicht genug Sündenböcke geben. Nicht nur für die Rechten. Die Rechten haben erstaunlich wenig Sündenböcke: Den Islam, Ausländer, die Juden und alles Linke wahrscheinlich. Die Linken haben meinem Eindruck nach mehr Sündenböcke: Die Banken, die Industrie, die Rechten, die Neoliberalen, die Juden, diverse Lobbies: Pharma-, Atom-, Israel-Lobby. Israel an sich. Amerika. Religionen, außer der Islam natürlich. Der Kapitalismus, die Kapitalisten. Das Geld, die Märkte, der Zins und natürlich die „Verhältnisse“.

In den letzten Monaten gab es alleine in Deutschland eine Menge Sündenböcke: Wulff. Die Banken. Die Merkel-Regierung. OB Sauerland. Kapitän Schettino. Ich habe sicherlich einige Personen vergessen.

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Von Wulff zu Gauck

Ich hatte einen Kommentar zur grotesken Jagd auf Wulff in Arbeit. Ich habe mir Zeit gelassen, denn es war nicht damit zu rechnen, dass Frau Merkel eine schnelle Entscheidung trifft. Ausnahmen bestätigen die Regel. Mein Wulff-Artikel ist jetzt also ein bisschen out of date. Außerdem ist er wie immer zu lang und kein Ende in Sicht. Ein Fall für den Shredder.

Glücklicherweise gibt es Wolfram Weimer. Herr Weimer schafft es immer wieder alles Wesentliche zu einem Thema wunderbar auf den Punkt zu bringen. So auch im Fall Gauck. Alles drin, alles dran und trotzdem nur eine Seite.

Für mich die beste Kolumne, die man in Deutschland zur Zeit lesen kann.
Eine ähnliche Güteklasse schaffen sonst nur Jan Fleischhauer und Harald Martenstein.

Hans-Olaf Henkel schrieb auch sehr gute Texte, hat aber dem Anschein nach schon wieder aufgehört beziehungsweise schreibt wie Herr Broder nicht regelmäßig Woche für Woche in einer Kolumne.