What a difference a week makes.

Am 08.06.2016 verkündeten die altbekannten Medien noch großspurig:

Die FPÖ versucht mit ihrer Klage, Zweifel an der Legitimität des neuen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen zu wecken. Dass der Verfassungsgerichtshof eine komplette Wahlwiederholung anordnet, gilt als unwahrscheinlich.

Nur eine Woche später klang der gleiche Sachverhalt schon ganz anders:

Die FPÖ will vor Gericht eine Wiederholung der österreichischen Präsidentenwahl erzwingen. Verfassungsrechtler räumen den Rechtspopulisten inzwischen große Chancen ein.

Und die ganzen Kommentare à la die FPÖ wolle Rechtsstaat und Demokratie aushöhlen, sei ein schlechter Verlierer und so weiter, sind hier noch gar nicht zitiert.

Die simple Wahl zwischen einem linken und einem rechten Kandidaten wurde von den meisten großen Medien mal wieder zu einer Schicksalswahl zwischen Jesus 2.0 und Hitler 2.0 hochstilisiert. Allein schon deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass sich so manche selbst ernannte *gute* Menschen dazu verpflichtet sahen, das Wählervotum in die *richtige* Richtung anzupassen. Freie Wahlen sind ja nett, aber nur so lange am Ende das *richtige* Ergebnis herauskommt.

In meinem Heimatland sehen wir aktuell ganz ähnliche Dinge. Auch dort schreiben die selbst ernannten *seriösen* Medien ganz offen gegen einen der beiden Kandidaten an, ganz so als handele es sich um einen neuen Mega-Faschisten, dessen Wahl nichts anderes bedeuten würde als den Untergang der Welt. Kleiner geht es nicht mehr, das verkauft sich sonst so schlecht. Angesichts dieser *Berichterstattung* ist es nicht verwunderlich, dass sich der eine oder andere Medienkonsument dazu verpflichtet sieht, die *Inkarnation des Bösen* und die *Bedrohung des Weltfriedens* eigenhändig und im Sinne einer *guten* Tat für immer aus der Welt zu schaffen.

12 Gedanken zu „What a difference a week makes.

  1. In England muss ja Deiner Logik nach die Presse richtig fett Pro-Brexit geschrieben haben so dass sich ein Irrer sich bemüßigt sah Jo Cox umzubringen.

    Geht halt auch andersrum.

    • Das ist nicht „meine Logik“ allein, das ist schlicht die Wahrheit. In England hat die Presse tatsächlich „richtig fett“ pro Brexit geschrieben: So ungefähr 50% Presse waren für den Brexit und ca. 50% waren dagegen. Das ist für mich eine differenzierte (sprich: breit gestreute, ausbalancierte) Presselandschaft, die es in Deutschland in dieser Form absolut nicht gibt.

      Man muss auch kein Deutschlandhasser sein, um diese simple Wahrheit zu erkennen. Deutschland hat viele Vorteile, aber eine ausbalancierte Presse, die alle Aspekte einer Sache beleuchtet, gehört absolut nicht dazu. Nichts für ungut, aber so ist es nun Mal.

    • @besucher: „In England muss ja Deiner Logik nach die Presse richtig fett Pro-Brexit geschrieben haben so dass sich ein Irrer sich bemüßigt sah Jo Cox umzubringen.“

      Die Tatsache, dass Sie diesen Mord für Sich ausschlachten, bezeugt eher einen Vorteil der Brexit-Gegner.

  2. Bei der Betrachtung dieser Wahl und des ganzen Drumherums ist mir etwas aufgefallen:

    Es handelte sich um ein bizarr knappes Wahlergebnis. In manchen Bundesstaaten der USA gibt es bei solch knappen Wahlergebnissen etwa automatische Neuauszählungen oder andere Maßnahmen, um die Sache genauer zu überprüfen. Das erscheint angebracht; menschliche Fehler o. Ä. können hier sehr schnell das Ergebnis um einige Prozentpunkte ändern. Die FPÖ möchte einigen Unregelmäßigkeiten zumindestens nachgehen. Und die FPÖ-Gegner ziehen jetzt eine riesige Show ab, wie komplett lächerlich dies doch sei und das die FPÖ dieses Wahlergebnis gefälligst sofort zu akzeptieren habe.
    Das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Denn dieselbe Klientel, dass die FPÖ nun wenig diplomatisch zum sofortigen „Runterschlucken“ des Ergebnisses auffordert, hat wahrscheinlich bis heute nicht die ganze Geschichte um die Auszählung in Florida bei der US-Präsidentschaftswahl 2000 verdaut. Da hätte man ruhig solange „nachzählen“ dürfen, bis Weltklimaretter Nr. 1. – Herr Gore – die Auszählung „gewonnen“ hätte.

    Man sieht also, dass wohlsituierte „Linksliberale“ nicht unbedingt bei ähnlichen Situationen gleiche Maßstäbe anlegen. Wenn das Ergebnis von vornherein passt, kann man auf eine Nachzählung verzichten, während man anderswo gar nicht oft genug das Ergebnis überprüfen kann.

    • Man sieht also, dass wohlsituierte „Linksliberale“ nicht unbedingt bei ähnlichen Situationen gleiche Maßstäbe anlegen.

      In gewisser Weise ist solches Verhalten ja auch menschlich, wenn es nicht zu extrem ausfällt. Wenn den entsprechenden Leuten dann aber jegliche Selbstkritik fehlt, wird es hässlich.

  3. Update 01.07.2016: Österreichisches Verfassungsgericht erklärt Stichwahl zum Bundespräsidenten für ungültig. Wahl muss wiederholt werden!

    • Ich kommentiere immer noch viel auf Blogs wie AronSperber und Tapfer im Nirgendwo. Und unter anderen Namen treibe ich die Kahane-Stasi bei Medien wie ZEIT in den Wahnsinn. Ich habe aktuell max. 1-2 Stunden am Tag Zeit für diese Dinge, die sind so effektiver genutzt.

      Trotz der vielen Ereignisse hat sich auch nicht wirklich etwas Neues gegeben. Die Aktionen der deutschen Medien und Politiker sind klischeehaft, langweilig und ermüdend. Das lohnt kaum ein Wort.

      Blogger wie AronSperber und ich haben auch immer schon gesagt, dass Erdowahn ein Diktator ist. Und dass sie jetzt mit Autos und Äxten kommen werden, schrieben wir auch schon vor Monaten. Leider haben wir mit unseren Vorhersagen recht behalten. Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten komplett Unrecht gehabt. Leider war dem nicht so.

      So langsam geht mir auch das Mitleid aus, muss ich sagen. Wir sagen schon seit vielen Jahren, was man beachten muss, wenn man möglichst nicht abgeschlachtet werden will. Ich habe für diese Meinung schon viel riskiert in meinem Leben (meine Karriere zum Beispiel) und extrem viel Freizeit geopfert. Ich habe alles getan, was ich machen konnte. Ich habe ein ruhiges Gewissen.

      Ich werde sicherlich auch wieder hier schreiben, aber nur wenn die Motivation und die Freizeit hierfür wieder da sind. Das kann morgen sein oder aber erst in 14 Tagen. Ich schreibe hier vor allem, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Schriftdeutsch einrostet.

      • Also ich fühle auch nichts mehr, wenn ich von Anschlägen erfahre. Da muss wohl erst eine Bombe in Berlin, Hamburg oder anderen großen Stadt hochgehen oder ähnliches. Dass Du die Karriere riskiert hast, ist krass. Ich dachte Du hälst dich außerhalb des Blogs sehr zurück, weil es am Ende ja doch fast nur Nachteile für einen hat, leider😦

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