Am Geldende ist immer noch Merkel übrig.

Die Kritik an Merkel in der Eurokrise kommt mir in einigen liberalen und konservativen Kreisen zu kurz. Von Beginn der „Krise“ an, hat der deutsche Kanzler erschreckend wenig zur Überwindung derselbigen beigetragen. Man kann mittlerweile kaum noch von „Krise“ sprechen, die Krise ist zum Dauerzustand geworden.

Letztendlich ist es wirklich Merkel. Politikern wie Tsipras und Varoufakis erscheint es nur logisch, immer mehr Geld von Europa zu erpressen. So sind diese Typen, das wusste man schon vorher. Diese Leute nehmen sich, was sie kriegen können. Es war Merkel, die es geschlagene sieben Jahre lang versäumt hat, geeignete Gegenmaßnahmen gegen diese dreisten Erpressungen zu ergreifen. Ein Euroaustritt ist weiterhin nicht einmal in der Theorie möglich. Und Merkel ist sowieso dagegen. Nicht einmal jetzt arbeitet Merkel an Alternativen und Gegenmaßnahmen.

Es steht zudem wirklich in keinem Ökonomielehrbuch der Welt, dass man aus einer Great Depression wie in Südeuropa ganz ohne monetarische oder fiskalische Maßnahmen herauskommt. Rechte amerikanischen Ökonomen bevorzugten hierbei wie immer monetarische Maßnahmen (mit oder ohne Austerität), während linke amerikanische Ökonomen wie immer darauf drängten, die Staatsausgaben massiv auszuweiten.

Einzig die österreichische Schule würde wohl im Sinne eines extremen Laissez-faire empfehlen in einer Great Depression gar nichts zu unternehmen. Es ist dabei die Ironie der Geschichte, dass die staatsgläubige Merkel mit ihrer Nicht-Politik hier unabsichtlich den in Deutschland so gehassten Vertretern des Laissez-faire am nächsten kommt.

Merkel lehnte jahrelang montarische und fiskalische Ausweitungen ab und setzte einfach nur auf Austerität und angebliche Strukturprobleme. Welcher etablierten Wirtschaftstheorie Merkel dabei folgt, bleibt bis heute im Dunklen. Monetarismus oder Keynesianismus sind es schon einmal nicht.

Merkel ist zwar nicht Schuld am Ausbrechen der Krise und auch nicht am hoffnungslosen Fall Griechenland. Merkel ist allerdings eine Hauptverantwortliche für die lange Krisendauer in vielen anderen Ländern Europas. Es war letztendlich der Italiener Mario Draghi, der sich gegen Merkels widersprüchliche Politik stellte und doch noch monetarische Gegenmaßnahmen einleitete.


Die Verachtung der bösen angelsächsischen Fachwelt macht die brundhild’sche Merkel durch die Liebe des deutschen Wählers wieder wett. Ich führe zu diesem Thema seit Monaten immer wieder Gespräche mit Patienten, Freunden und Verwandten und treffe dabei fast nie auf Deutsche, die Merkel für ungeeignet halten. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Je mehr fragwürdige Weichenstellungen Merkel zu verantworten hat (Atomausstieg, Mindestlohn, Asylmissbrauch, anhaltende Great Depression), desto kompetenter scheint Merkel in den Augen ihrer Wähler zu werden. Die Treue ihrer Anhänger scheint dabei unerschütterlich zu sein, getreu nach dem Motto: Merkel wird es schon richten. Welche vergangenen Merkel’schen Großtaten diesen doch recht optimistischen Blick in die Zukunft rechtfertigen, wird dabei nicht klar.

In Wahrheit ist Merkel nicht qualifiziert genug, um Kanzlerin zu sein, geschweige denn um Europa zu führen. Mit den aktuellen und zukünftigen Problemen Europas ist sie überfordert. Zehn Jahre Merkelherrschaft sind mittlerweile ins Land gezogen. Es ist nicht klar, was Merkel dabei positiv in und für Europa verändert hat. Das mag eine harte Beurteilung sein, vorschnell ist sie nicht.

So kritisch die Deutschen auch sonst gegenüber allem sein mögen, sobald man in Deutschland eine gewisse Position erreicht hat, gilt man beinahe automatisch als kompetent.

Die Möglichkeit, dass der Herr Professor, Doktor, Pfaffe, Kanzler oder welche Obrigkeit auch immer in einem wichtigen Teilgebiet eine Fehlbesetzung sein könnte, wird gar nicht mehr in Erwägung gezogen.

Es gibt durchaus „Strukturprobleme“ in Europa, das will ich nicht leugnen. Merkel trägt allerdings nicht zu deren Lösung bei, und zwar deshalb, weil sie selbst mit das größte Strukturproblem darstellt. Der Fisch stinkt – wie so oft – vom Kopfe her.

Merkels Stuhl wackelt nicht. Sie ist der ewige Kanzler, der demnächst sogar Helmut Kohl eingeholt haben wird. Es kann kommen was will, am Geldende ist immer noch Merkel übrig. Und eine Besserung ist nicht in Sicht. Es spricht nicht für die anderen deutschen Politiker, die deutschen Wähler und die deutsche Demokratie insgesamt, wenn sich eine bestenfalls durchschnittliche Figur wie Merkel zehn Jahre unangetastet an der Spitze des formal mächtigsten europäischen Landes halten kann.

106 Gedanken zu „Am Geldende ist immer noch Merkel übrig.

  1. Vielleicht sollte man die Amtszeit des deutschen Bundeskanzlers auf zwei Legislaturperioden begrenzen. Alles darüber hinaus gehende führt nur dazu dass die Protagonisten Person und Amt verwechseln, siehe Kohl.

  2. Aus der klassischen Sicht des Machterhalts handelt sie perfekt. Nur glaubt man bei ihr nicht, dass sie eigentlich anders denkt, zumindest was die Schuldenkrise anbelangt. Das Gefühl hatte ich bei allen anderen Kanzlern, außer Kohl, zumindest in der Retrospektive, nicht.

    • Ich habe deine Ausführungen wegen der Verneinungen nicht ganz verstanden. Was ich verstanden habe war: Kohl und Merkel handelten bzw. handeln fast nur aus dem Motiv des Machterhaltes heraus. Bei anderen deutschen Kanzlern hatte man das Gefühl, es sei nicht immer nur um Machterhalt gegangen.

      Wenn es so gemeint war, sehe ich es auch so.

  3. Laissez Faire besteht aber gerade nicht darin, ein bodenloses Faß weiter mit Milliarden zu füttern.

    Was Merkel macht, würde ich als Extrem-Opportunismus bezeichnen. Sie ist ein gut geöltes Wetterhühnchen ohne jedes Eigenleben, ohne Prinzipien, ohne Strategie, von Verantwortungsbewußtsein ganz zu schweigen. Oberste Priorität: Merkel bleibt im Amt. Und darin erschöpft sich die Prioritätenliste schon.

    Merkel ist m.E. in diesem Spiel eine nicht minder stereotypische Figur wie Tsipras. Auch sie wird sich nicht ändern. Wer bleibt noch übrig: das Publikum, die Wähler. Ich habe Kohl ein oder zweimal gewählt, aber ich habe nie auch nur ansatzweise nachvollziehen können, wie man eine Merkel-CDU wählen kann.

    Fazit: jeder kriegt, was er verdient. Am Ende regelt sich alles von selbst. Und für viele wird das hochverdient sehr schmerzhaft werden.

    • So ähnlich sehe ich es auch.

      In der Wirtschaftspolitik für ganz Europa unternimmt Merkel praktisch nichts, das war mit Laissez faire gemeint. Sie war sowohl strikt gegen eine andere Geld- als auch gegen eine andere Finanzpolitik.

      In der Wirtschaftspolitik spricht sie gerne von neoliberalen Reformen. In der Realität ist ihre Wirtschaftspolitik für DL dann aber genau gegenteilig. Siehe Mindestlohn und so weiter.

      Und in der Wirtschaftspolitik bezüglich Griechenland, macht sie genau das, was du gesagt hast: Dem schlechten Geld gutes hinterwerfen in ein Fass ohne Boden. Das ist extreme Insolvenzverschleppung, für die ein Privatmann hat bestraft wird. Politiker wie Merkel hingegen werden mit dieser Politik ewiger Kanzler. Das ist doch wirklich pervers.

      Merkels Politik ist so voller extremer Widersprüche. Und trotzdem wird sie immer und immer wieder gewählt. Das spricht nicht für die deutsche Demokratie, die deutschen Politiker und die deutschen Wähler, wenn sich so jemand 10 Jahre lang unangetastet an der Spitze halten kann.

  4. Tsipras hat erkannt, dass Merkel eine feige, linke Kreatur ist, die auf den deutschen Steuerzahler sch….! Das Merkel zahlt immer, um jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Leider sind die deutschen Wähler strunzdumm und wählen diese Kreaturen immer wieder.

    • Deftig, aber durchaus zutreffend. Tsipras macht es wie Putin. Er holt gegen Merkel das Maximale für sein Volk heraus. Merkel macht es den beiden aber auch extrem einfach, indem sie Eskalationen, die ihrer Position nützen würden von vorneherein ausschließt. Zu Tsipras sagt sie zum Beispiel immer wieder, dass für sie ein EU- und/oder ein Euro-Austritt nicht in Frage kommen. Und zu Putin sagt sie, dass sie niemals Waffen an die Ukraine liefern würde oder andere militärische Unterstützung. Dümmer geht es nicht mehr. Was für ein Volk muss man sein, wenn man sich von jemandem wie Merkel anführen lässt?

      • Merkel ist halt das politische Ebenbild des Durchschnittsdeutschen. Der ist für EU, Mindestlohn, Energiewende, Asylmissbrauch und etc. Ihr wird sogar positiv-genommen, dass sie die FDP, die eine linke Mehrheit im Bundestag verhindern könnte, rausgekegelt hat. Das einzige was ihr je vorgeworfen wurde ist, dass sie das No-Spy-Abkommen nicht ernst gemeint hat.
        Merkels Erfolgsrezept: Moral kommt besser an als schnöde Fachkompetenz. Ausserdem sind die Alternativen SPD, Linke, Grüne, FDP und AfD nicht wirklich clever genug um daraus Kapital zu schlagen oder überhaupt mal zu Punkten.

      • @shaze86
        Merkel ist der Kanzler gewordene Mainstream. Aber Mainstream ist weder Mehrheit noch Vernunft noch Intelligenz. Mainstream folgt keinem Prinzip, keiner Strategie. Mainstream ist die Summe der Einflüsse derer, die öffentlich am lautesten schreien: Journalisten, Medien, Aktivisten, NGOs, Politiker, Interessenvertreter, Funktionäre etc.. Mainstream ist das Gegenteil von Intelligenz und Vernunft. Er ist Waschen und Nicht-nass-machen zugleich und in einem, everybodies Darling und everybodies Depp.

        Schröder war interessanterweise das genaue Gegenteil von Merkel: ein intelligenz-, vernunft-, prinzipien- und strategien-gesteuertes Individuum als Kanzler. Er hatte nie Hemmungen, gegen den Mainstream pro Vernunft zu operieren, und er hatte die Medien und damit den Mainstream aufgrund seiner rhetorischen Brillianz genügend im Griff. Er war nur leider in der falschen Partei, in einer CDU hätte er wesentlich länger durchgehalten.

        Schröder wäre der Kanzler, den Deutschland benötigt. Merkel ist die Kanzlerin, die Deutschland verdient.

      • Mainstream ist die Summe der Einflüsse derer, die öffentlich am lautesten schreien: Journalisten, Medien, Aktivisten, NGOs, Politiker, Interessenvertreter, Funktionäre etc..

        Das hast du schön formuliert.

      • @Feldheld

        Schröder war interessanterweise das genaue Gegenteil von Merkel: ein intelligenz-, vernunft-, prinzipien- und strategien-gesteuertes Individuum als Kanzler. Er hatte nie Hemmungen, gegen den Mainstream pro Vernunft zu operieren, und er hatte die Medien und damit den Mainstream aufgrund seiner rhetorischen Brillanz genügend im Griff. Er war nur leider in der falschen Partei, in einer CDU hätte er wesentlich länger durchgehalten.

        Das ist mir zu schwarz-weiß und zu nostalgisch. Ich glaube in Wahrheit konnte Schröder viel besser Populist als Merkel. Man denke nur an den Irakkrieg, an Bush und so weiter.

        Die beiden haben einen Wahlkampf gegeneinander geführt, den Wahlkampf von 2005. Merkel forderte darin eine Mehrwertsteuererhöhung um 2%, eine Kopfpauschale in der Krankenversicherung, bessere Kündigungsmöglichkeiten für Arbeitgeber und eine Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke. Alles vernünftige Dinge, aber alles auch sehr unbeliebt beim Durchschnittswähler.

        Schröders Wahlkampf bestand darin mehr Geld für alle zu versprechen und Merkel wegen ihrer Haltung zum Irakkrieg immer wieder hart anzugreifen. Simple Botschaften, inhaltlich nicht völlig daneben und das immer wieder wiederholen – damit gewinnt man eigentlich Wahlen.

        Schröder hätte damals auch locker gewonnen, aber er hat sich im Wahlkampf gegenüber Merkel extrem hochnäsig und arrogant verhalten. Das kam gerade bei weiblichen Wählern gar nicht gut an.

        Merkel hat immer von diesem Frauenbonus gelebt. Merkel hat in diesem Wahlkampf gelernt, dass es nur gut für sie ist, wenn männliche Gegner sie im direkten Duell aggressiv angehen. Als zweiten wichtigen Punkt hat sie gelernt, dass sie, um die nächsten Wahlen wieder gewinnen zu können, besser 99% ihrer Reformvorhaben begräbt oder besser gleich in ihr populistisches Gegenteil umkehrt. Und das hat sie gemacht. Sie wollte nicht wie Schröder enden, der letztendlich natürlich auch für seine Reformen von einigen SPD-Stammwählern abgestraft wurde. Letztendlich ist Merkel also wirklich zu großen Teilen ein Produkt der veröffentlichten Meinung und des deutschen Wählers.

        In gewisser Weise ist das natürlich immer so. Selbst Politiker wie Adenauer und Schmidt kamen immer wieder an Punkte in ihrer politischen Karriere, an denen sie dem Wähler extrem hinterhergerannt sind. Man hat allerdings den Eindruck, dass es bei Merkel mittlerweile besonders extrem ist. Das kann natürlich nur an Merkels schwachem Charakter liegen oder aber auch daran, dass sich unsere Medienlandschaft verändert hat. Bei Adenauer waren viele Medien noch zurückhaltend und haben freundlich und sachlich berichtet. Heute haben Medien wie z.B. SZ oder Spiegel ihre eigene Agenda, die sie viel aggressiver durchdrücken wollen, als das vielleicht die relevanten Medien der 50er oder 70er Jahre gemacht haben.

      • Oder das Ebenbild der veröffentlichten Meinung.

        Solange es keine Abstimmungen zu diesen Themen gibt, werden wir es nie raus finden.

        Merkel ist der Kanzler gewordene Mainstream. Aber Mainstream ist weder Mehrheit noch Vernunft noch Intelligenz.

        Naja, dass keine Mehrheit vorhanden ist, kann man nicht behaupten. Ich kann schon eine Intelligenz bei ihr erkennen und diese ist zynisch und ignoriert bewusst die Vernunft mit dem Ziel im Amt zu bleiben. Sie ist nicht der Mainstream. Sie benutzt den Mainstream. Merkel ist ein Chamäleon, das versucht die politische Stimmung wieder zugeben und manchmal versucht sie mit Moral und Polemik die politische Stimmung zu ihren Gunsten zu manipulieren (Sarrazin – nicht hilfreich; Fällt der Euro, fällt auch Europa).

      • Solange es keine Abstimmungen zu diesen Themen gibt, werden wir es nie raus finden.

        Bitte nicht öffentliche und veröffentlichte Meinung verwechseln. Ich sprach von der veröffentlichten Meinung. Das ist die Meinung, die Politiker und große Medien kundtun und dabei so tun als sei es die öffentliche Meinung.

        Die meisten Medien und Politiker steuern lieber die öffentliche Meinung als Abstimmungen (wie z.B. in der Schweiz) über sensible Themen durchzuführen, die dann eventuell zu unerwünschten Ergebnissen führen.

      • @AV
        Populist … für mich ist ein Populist jemand, der der sich an der Mehrheit und nicht am Mainstream orientiert. Was ist für Dich ein Populist?

        Zum Wahlkampf 2005 kam es ja nur, weil Schröder mit der neoliberalen Agenda 2010 in der eigenen Partei auf Grund gelaufen war. Gescheitert ist er m.E. nicht aufgrund seiner angeblichen Arroganz, sondern einfach weil der Mainstream und die SPD nach der Wende kontinuierlich nach links gedriftet sind. (Ich wundere mich heute noch, warum es Kohl mit der Wende derart eilig hatte. Was hat er geglaubt? Daß 15 Millionen Ex-Kommunisten plötzlich mehrheitlich rechts wählen?).

        Es ist ja nicht gerade so, daß man Merkel 2005 als eine große Wahlsiegerin bezeichnen kann. Die CDU hat sich damals von 38% auf 35% verschlechtert! Außer 1949 hatte kein Kanzler je ein schwächeres Wahlergebnis im Rücken. Nur weil die SPD noch mehr verlor, die kleinen Parteien zugleich deutlich zulegten, die SPD aber nicht mit der Linkspartei koalieren wollte, war Schröder am Ende. Ich bin überzeugt, daß die Mehrheit der Deutschen Schröder behalten wollte. Abgewählt wurde nicht Schröder, sondern die SPD.

      • @Feldheld

        für mich ist ein Populist jemand, der der sich an der Mehrheit und nicht am Mainstream orientiert. Was ist für Dich ein Populist?

        Populist ist ein Begriff, der oft negativ belegt ist. Ich benutze den Begriff sowohl im negativen, als auch im positiven Sinne.

        Ein Populist im negativen Sinne ist für mich jemand, der einfache, populäre Maßnahmen verspricht, aber schon von im Vorfeld weiß, dass er die Versprechen nicht umsetzen kann/will.

        Eine andere negative Definition laut: Ein negativer Populist ist jemand, der Dinge behauptet, die zwar populär sind, aber nicht wahr. Dinge, die oftmals das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich bewirken sollen. (Bsp: Mindestlohn, Energiewende, etc.)

        Ein Populist im positiven Sinne ist für mich jemand, der Sachverhalte anspricht, die wahr sind und bei einfachen Leuten auf Zustimmung stoßen, die aber von amtierenden Machthabern mehrheitlich abgelehnt und mit fragwürdigen Methoden unterdrückt werden.

        Zum anderen Punkt. Mir ist deine Unterscheidung von Mehrheit und Mainstream nicht klar. Mehrheit und Mainstream sind nicht immer exakt deckungsgleich, das kann ich noch nachvollziehen. Aber beide liegen schon relativ oft relativ dicht beieinander. Es sei denn man sagt Mainstream ist die veröffentlichte Meinung und die Mehrheit bei Abstimmungen/Wahlen ist dann die öffentliche Meinung. Aber dann würde ich diese Begriffe benutzen und nicht Mehrheit/Mainstream.

        sondern einfach weil der Mainstream und die SPD nach der Wende kontinuierlich nach links gedriftet sind.

        Abgewählt wurde nicht Schröder, sondern die SPD.

        In deiner Analyse gibt es ein paar Widersprüche wie ich finde. Schröder ist also eher rechts gewesen, hätte im Grunde auch bei der CDU sein können (Zustimmung). Der Mainstream und die SPD sind nach der Wende kontinuierlich nach links gedriftet (Zustimmung). Die Verschiebungen gab es auch deshalb, weil viele Ex-DDR-Bürger mehrheitlich weiterhin links wählten (Zustimmung).

        Es gab also einen Linksruck der Mehrheit, des Mainstreams und der SPD und trotzdem wurde die linke SPD abgewählt und die Mehrheit der Wähler hätte gerne den rechteren Schröder behalten? Ich weiß vielleicht was du meinst, aber so wie du es aufgeschrieben hast, erscheint die Theorie nicht unbedingt logisch.

        Ist es nicht eher gegenteilig? Die Deutschen wollten Schröder loswerden, hätten aber gerne die SPD behalten? Oder anders ausgedrückt: Die Deutschen haben Merkel gegenüber Schröder ganz knapp vorgezogen, hätten aber mehrheitlich lieber das Wahlprogramm der SPD gehabt, was Merkel ihnen dann auch umgehend geliefert hat.

        Außer bei der Mehrwertsteuer. Die Merkel-CDU wollte 2% Erhöhung, während die SPD im Wahlkampf hoch und heilig versprach mit Ihnen würde es keine Erhöhung geben. Am Ende wurden es 3%! Diese Erhöhung hat der SPD dann in den nächsten Wahlkämpfen logischerweise mehr geschadet als der CDU.

        Am Ende der großen Koalition hatte die SPD dann kein eigenes Programm mehr. Merkel hatte fast das ganze SPD-Programm leergeplündert. So gesehen ist Merkel die beste Kanzlerin, die die SPD je hatte.

      • @AV

        Aus eigenem Antrieb benutze ich den Begriff Populist garnicht, eben weil er jedem das Seine bedeutet. Zitierend versuche ich wenigstens meine eigene Definition mitzuliefern. Meiner Beobachtung nach wurde der Begriff populär in den 90ern und zwar vor allem bei linken Journalisten, die alles als Populist bezeichneten, was wie die Mehrheit wollte und nicht wie der (von linken Journalisten dominierte) Mainstream. Und das hat sich m.E. bis heute nicht geändert.

        Der Linksruck in den Medien war nach der Wende sehr deutlich, die Mehrheit ist aber zunächst sogar nach rechts gerückt. Dummerweise ist es ein Teil des deutschen Naturells, daß die Mehrheit es schlecht erträgt nicht Mainstream zu sein – aus purer Zivil-Feigheit und Mimosenhaftigkeit übrigens – , daher folgt die Mehrheit dem Mainstream, mit ein paar Jahren Delay dazwischen. In Ossi-Deutschland ist diese Mentalität übrigens noch wesentlich ausgeprägter als im Westen.

        Daß Merkel Kanzlerin wurde, war schlicht ein Resultat des Zufalls, ein Unfall sozusagen. Schröder war bei CDU-Wählern beliebter als bei SPD-Wählern und Merkel wollte eigentlich keiner. Die Wähler wußten: Schröder ist am Ende und was danach kommt, darauf haben wir eh keinen Einfluß, schlechter als Schröder wirds in jedem Fall. Sieht man auch schön an der damals niedrigsten aller Wahlbeteiligungen.

        Merkel war von Anfang an eine Hure der Medien. Von Anfang an hat sie jeden aus den eigenen Reihen ohne zu zögern den Journalisten ans Messer geliefert, dessen Kopf von diesen gefordert wurde. Danach hat trotz weiterhin deutlichem Auseinnanderklaffen von Mehrheit und Mainstream (schön sichtbar an den kurzzeitigen Protestwahlerfolgen von Rep, Schill-Partei, AFD etc) der Mainstream in Merkel eine unangreifbare Burg, was den Wählern angesichts der danach brutal nach unten wegkippenden Wahlbeteiligungen offenbar klar war.

        Im Prinzip haben wir derzeit eine ähnliche Parteienstruktur wie die alte DDR. Es gibt eine dominierende sozialdemokratische Partei, nämlich die CDU. Der Rest sind Blockparteien, die mit ihrer jeweiligen Geschmacksrichtung von Sozialdemokratie versuchen ein bescheidenes Wählerbiotop zu beackern, keines davon mehrheitsfähig, keines davon mainstreamfähig. Echte Alternativen und Oppositionen wie die AFD werden vom Mainstream erfolgreich dämonisiert und haben auf Dauer keine Chance.

        Eine ganz zentrale Rolle im Mainstream spielen übrigens die zwangsgebührenfinanzierten Staatsmedien. Solange diese existieren, wird sich an Merkel-Deutschland nichts mehr ändern außer dem Namen des Kanzlers.

      • Ablenkunng und Destabilisierung.
        Desillusionierung.
        Wenn ich den genauen Plan wüsste, dann wäre ich sehr vorsichtig.
        Wie sind die meisten derzeit wichtigen Führungskader sozialisiert?
        Stichwort Kulturmarxismus der Frankfurter Schule, Mao, Pol Pot, Arafat, … Merkel, Obama, Baroso, Tsapiras, …
        Dazu äussert sich ein Herr Bezmenov:

        Um sich nicht den Kopf zerbrechen zu müssen hat man ja das Zauberwort VT.

      • Ach Krokodil. Du und deine VTs. Davon halte ich nicht viel. Es gilt eine ganz simple Regel: Erkläre nie etwas durch eine VT, was man genau so gut auch durch schliche Dummheit und Inkompetenz erklären kann.

        Mit den europäischen Politikern lässt sich die europäische Krise mehr als hinreichend erklären. Merkel zum Beispiel ist so unfassbar unvorbereitet, ahnungslos, naiv und inkompetent, dass es einem die Sprache verschlägt.

        Es besteht kein Grund für VTs.

      • Die Welt dreht durch und Du schreibst es Merkel und den anderen EU Deppen allein in die Schuhe.
        Wer steht hinter diesen unsäglichen Gestalten?
        Alles VT?
        Deine VT finde ich zwar deutlich drolliger und lustiger als meine, aber meine hat wenigstens einen Ansatz von Logik.
        Ich schreibe einfach frei von der Leber weg, da kommt was anderes bei raus als wenn man nur bei seinen Stereotypen bleibt. Mein Geist braucht auch mal die Möglichkeit sich ohne Angst zu irren. Sonst verirrt er sich in der Angst, zum Beispiel vor den „bösen Russen“, und glaubt nur noch an den Grossen Besieger der Finsternis, das „freie Amerika“.
        Wohin blinder Patriotismus so führen kann scheint Ihr Amis wirklich noch lernen zu müssen. Du liebst Dein Land. Du kennst den Unterschied zwischen Bürgern und Regierung. Und Trotzdem ist Obama für Dich Amerika, Putin ist die Sowjetunion. Solche Gedankengänge finde ich absolut nicht nachvollziehbar.

      • Du hast eine VT, ich nicht. Ich verfolge keine VT. Obama ist für mich nicht sicher nicht Amerika. Das hat aber alles nichts mit der schlechten Politik von Merkel zu tun. Deine Argumentation ist reichlich wirr.

      • „Mit den europäischen Politikern lässt sich die europäische Krise mehr als hinreichend erklären. Merkel zum Beispiel ist so unfassbar unvorbereitet, ahnungslos, naiv und inkompetent, dass es einem die Sprache verschlägt. “
        Hüstel… Ich bin nun wirklich nicht als großer Verteidiger der europäischen Politik bekannt geworden, aber diese „Feststellung“ treibt selbst mir die Fußnägel hoch. Vor allem, wenn man seinerseits die „simple Regel“ missachtet: „look, who is talking“. Denn, sich so über eine kontinentale Politik lustig zu machen, bedarf es einer gewissen Portion erarbeiteter Arroganz. Aber als Verteidiger der – ausgerechnet – miserablen amerikanischen Politik ist man von dieser erarbeitenden Arroganz eine ganz große Distanz entfernt. Oder, auch wieder so eine „simple Regel“: talking is cheap. Oder?

      • @salamshalom

        Du bist so ein typischer europäischer Dummkopf. Die FED hat in der Wirtschaftskrise keinen perfekten, aber doch immerhin einen guten Job gemacht. Die Arbeitslosigkeit in den USA liegt schon lange wieder bei 6%, die Arbeitslosigkeit der Eurozone hingegen stagniert bei extremen 12%.

        Die extremen Arbeitslosenzahlen von 20-30% in den Südländern und absurden 50%+x bei Jugendlichen habe ich da noch nicht einmal angesprochen.

        Du solltet und wirst bei mir nicht mehr kommentieren, das zieht das Niveau extrem nach unten. Es ist schon schlimm genug, dass du immer wieder AronSperbers Blog zumüllst. Ich werde diesen Müll auf meinem Blog nicht tolerieren.

      • Hmm, also bei den Geldgebern, der Troika und den ganzen anderen Gläubigern hat dieser Kulturmarxismus allerdings noch keine Spuren hinterlassen🙂

      • „Du hast eine VT, ich nicht. Ich verfolge keine VT.“

        Sehr überzeugend dargestellt.

        Wir haben einfach unterschiedliche Sichtweisen.
        Naja, damit können wir doch leben, oder?

        Und die Merkel, – die liefert wie bestellt.

        „Deine Argumentation ist reichlich wirr.“

        Ich wollte Dich nicht verwirren.
        Aber manches lässt sich nicht so leicht erfassen,
        wenn man nicht wirklich möchte.

        Sagen wir mal so: Ich sehe einen Unterschied
        zwischen Engstirnigkeit und Standhaftigkeit.

    • Merkel hat die Macht „Nein“ zu sagen. Sieht man doch an Tsipras, der sagt auch „Oxi“. Die deutschen Politpfeifen werden zu nichts gezwungen, sie machen den ganzen Murks freiwillig mit antideutscher Begeisterung. Ich will garnicht ausschließen, dass die Alliierten und „EU-Freunde“ andere Saiten aufziehen würden, wenn das deutsche Sklavengeld nicht mehr fließt, aber darauf könnte man es ja mal ankommen lassen. Sie werden das Merkel schon nicht an die Wand stellen oder den Gollum aus dem Stuhl die Klippe runterkippen.

      • Es stimmt, zumindest Varoufakis handelt relativ streng im Interesse seiner Mitbürger, so wie man es von Politikern erwarten sollte.

        Merkel hingegen geht es nur um ihre Macht.

        Tsipras ist eine Mischung aus beiden. Ihm ist seine Macht sehr wichtig, aber anders als bei Merkel nicht um jeden Preis.

      • @ Viewer

        Das ist zu kurz gedacht.
        Jetzt wo Merkel bald geht, da soll sie noch schnell die ganze Misere allein auf ihren Zettel nehmen.

        „Nu isse ja weg, alles wird nun gut.“

        Soll ich Dir was versprechen?
        Das Chaos wird weiter grösser, bis der Nächste geht und alle „Schuld“ mit in den Ruhestand nimmt.

      • @Krokodil
        Ich sage nirgends, dass es ohne Merkel besser wird. Das kann niemand wissen.

        Der springende Punkt ist der: Merkel ist nicht geeignet für den Posten des Kanzlers.

      • Richtig.
        Weil Name und Person des Vorturners meist eine untergeordnete Rolle spielen.
        Man muss schon wissen wie die Leute am anderen Ende der Strippe so ticken.

        Irgend jemand aber hielt das Merkel mal für geeignet, die wurde schliesslich wiederolt zur Wahl aufgestellt und bekam auch die nötige Unterstützung von Film, Funk und Kasperletheater + Wahlsieg. Wahlsiege in unseren Bananenrepubliken hier scheinen nach stalinschem Muster zu entstehen.
        Wann immer ein Ergebnis überprüft wurde hatten die „eatablierten“ Parteien hinterher weniger Stimmen.
        Was muss man noch wissen, um endlich klar zu sehen?
        Das sind aber keine VT, das ist traurige Praxis.
        So schliesst sich auch schnell der Kreis zum bösen Putin,
        der rotzfrech von „gelenkter Demokratie“ spricht. Da bekommt so mancher „Volksvertreter“ Schnappatmung.
        „Er hat Jehova gesagt…“

      • Friede Springer hielt Merkel für geeignet, und die ist gelernte Windelwechslerin und Zweitfrau, die muß es wissen.

      • Es ist gut möglich, dass Friede Springer intelligenter ist als Merkel. Es ist auch wahrscheinlich, dass sie mehr von Wirtschaft versteht als Merkel. Wobei das zugegebenermaßen keine große Kunst ist.

      • @Olaf
        Hätte der alte Axel die mal nicht geheiratet. Was wäre uns erspart geblieben!

  5. es wäre eigentlixh konsequent wenn Merkel und Schäuble nach Varoufakis auch zurückträten, ihre tolle jetzt schon über fünf Jahre andauernde Austeritätspolitik ist ja krachend gescheitert.

    • Bevor man über das Scheitern spricht, finde ich es besser, wenn man sich überlegt, welche Ziele die Beteiligten eigentlich haben könnten.

      Varoufakis hat aus meiner Sicht das Ziel das Maximale für Griechenland herauszuholen. Am liebsten sind ihm immer neue Kredite, am besten bis in alle Ewigkeit und möglichst ohne ernsthafte Auflagen. Dieses Ziel ist bisher nicht wirklich verfehlt. Im Gegenteil es spricht sogar einiges dafür, dass Griechenland bald wieder Milliardenkredite erhält. So gesehen hätte er auch jetzt noch nicht zurücktreten müssen. Er trat trotzdem zurück, weil er glaubt, damit aktuell seinem Ziel noch näher zu kommen, denn er ist in Brüssel nicht mehr gern gesehen und wenn er jetzt jemand anderen schickt, werden die Chancen auf mehr Kredite noch besser.

      Dasselbe gilt für Merkel und Schäuble. Was war denn überhaupt ihr Ziel? Wenn ihr Ziel ein Grexit war, dann sind beidem diesem Ziel mittlerweile so nah wie noch nie.

      Ich glaube aber etwas anderes: Merkel und Schäuble haben schlichtweg keine festen politischen Ziele. Es geht beiden nur um ihren Machterhalt. Merkel noch mehr als Schäuble. Wer keine politischen Ziele hat, kann in diesem Sinne auch nicht scheitern. Und das Ziel Machterhalt? Das beherrschen beide bis zur absoluten Perfektion.

      • Es wäre wohl sinnvoller gewesen vor fünf Jahren mal eine Horde von Steuereintreibern nach Griechenland zu schicken als immer nur absurde Sparvorgaben zu formulieren. Da müssen sich die Europäer an die Nase fassen. Warum wurden Papandreou und Samaras nicht unter Druck gesetzt endlich dahingehend etwas zu unternehmen?

      • Das ist typisch linkes Denken. Wenn man das Geld von fremden Leuten komplett verbraten hat und nicht mehr viel zu holen ist, muss es daran liegen, dass ein paar reiche Bonzen mit ihrem Vermögen getürmt sind.

      • So ein Quatsch. Nenn mir irgendein Staatswesen der einigermaßen funktioniert ohne Steuern einzutreiben. Gibt es keinen. Was ist denn Dein Lösungsansatz? Glaubst Du wenn die da jetzt die Drachme einführen ist da alles wieder in Butter? Es gibt zwei Grundübel: Die Perspektivlosigkeit der europäischen Wirtschaftspolitik und die Klientelwirtschaft in der griechischen Gesellschaft.

        Wie kam es eigentlich dazu das soviel Vermögen außer Landes geschafft wurde? Welche Regierungen haben das denn zugelassen?

      • So ein Quatsch. Nenn mir irgendein Staatswesen der einigermaßen funktioniert ohne Steuern einzutreiben.

        Ich habe nirgendwo geschrieben, dass Griechenland keine Steuern eintreiben sollte. Zieh‘ hier keine Strohmann-Argumente auf, das bringt doch nichts. Es ist außerdem zu erwarten, dass in einer Great Depression deutlich weniger Steuern eingetrieben werden und eben nicht mehr. Man kann natürlich immer fordern, Griechenland solle in einer Great Depression mehr Steuern aus dem Arsch zaubern. Mir erscheint diese Forderung allerdings ein bisschen arg weltfremd.

        Es wäre wohl sinnvoller gewesen vor fünf Jahren mal eine Horde von Steuereintreibern nach Griechenland zu schicken als immer nur absurde Sparvorgaben zu formulieren.

        Den Punkt habe ich oben im Grunde schon abgehandelt. Hinzufügen kann man dem noch, dass es Sache der Griechen ist, wie und wann sie ihre Steuern eintreiben oder eben nicht. Außerdem gilt: Wenn die “Sparmaßnahmen” schuld sein sollen an der Wirtschaftskrise, dann können Steuererhöhungen nicht die Lösung sein. Das widerspricht sich selbst. Ich weiß diesen Punkt sieht man als Linker selten ein, es ist aber so.

        Auch fremde Steuerbeamte nach Griechenland zu schicken, ist wohl kaum eine Lösung. Das hat die EU den Griechen sogar angeboten, wurde aber immer abgelehnt, was man ja auch verstehen kann, DL würde auch keine griechischen Finanzbeamten bei sich haben wollen.

        Was ist denn Dein Lösungsansatz? Glaubst Du wenn die da jetzt die Drachme einführen ist da alles wieder in Butter?

        Schnell in Butter, das wird es nicht geben. Das wäre einmal die erste Erkenntnis. Die Drachme ist kein Wundermittel, aber sie würde helfen. Der Euro wirkt wie ein Goldstandard und hat neben positiven, auch viele negative Folgen für Griechenland. Zu viele negative Folgen. Griechenland braucht eine andere Geldpolitik als Länder wie Deutschland und das nicht nur temporär für ein paar Monate, sondern auf Dauer.

        Die Alternativen zu den Lösungen und Gesetzen des von mir geschätzten Monetarismus gibt es auch, das will ich nicht verschweigen. Es sind jahrzehntelange Transferleistungen in Milliarden- bis Billionenhöhe an Griechenland. So wie es jetzt schon begonnen hat, aber für viele viele Jahre. Mindestens 10, 20, 30 Jahre. Vielleicht für immer. Das läuft dann so ähnlich wie beim Länderfinanzausgleich, den es ja in DL schon gibt. Diesen „EU-Länderausgleich“ kann man auch wollen, keine Frage. In diese Richtung bewegt sich die EU auch jedes Jahr mehr. Die Südländer freuen sich darüber und genug deutsche Politiker, die behaupten dies sei „sozial“ und „solidarisch“ werden sich auch finden. Alles legitim. Aber dann sollte man das auch offen sagen und zu dieser Frage auch mal NAI-OXI-Abstimmungen in allen anderen EU-Staaten abhalten.

        Wie kam es eigentlich dazu das soviel Vermögen außer Landes geschafft wurde? Welche Regierungen haben das denn zugelassen?

        Guck dir die Grafiken zur Kapitalflucht an. Die größte Kapitalflucht gab es natürlich unter Tsipras. Interessant dabei: Tsipras und Varoufakis haben bis zur allerletzten Sekunde auch keine Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, um diese Flucht zumindest einzudämmen. Offenbar mit voller Absicht. Varoufakis war ausdrücklich immer gegen diese Kontrollen. Syriza hat zudem bisher nie die versprochenen Milliarden, die es angeblich gibt, eingetrieben, geschweige denn auch nur erkennbare reale Schritte in diese Richtung unternommen. Auch das ist interessant und war von Linksextremen nicht unbedingt zu erwarten. Ich hätte gedacht, sie tun wenigstens so als ob.

    • Es sollte Sache der Griechen sein, wie sie ihre Steuern eintreiben oder eben nicht. Mir ist das egal. Außerdem gilt: Wenn die „Sparmaßnahmen“ schuld sein sollen an der Wirtschaftskrise, dann können Steuererhöhungen nicht die Lösung sein. Das widerspricht sich selbst.

      • Natürlich ist es ihre Sache aber ich finde es nicht gänzlich unmoralisch Hilfsmaßnahmen (damit meine ich nicht unbedingt die von Merkel, sondern ganz allgemein gesprochen) an eine Verbesserung der Steuersituation zu koppeln. Das gilt eigentlich für alles. Jemand der permanent säuft, dem würde ich wohl helfen. Wenn ich aber weiß, er macht eh weiter, egal wie sehr ich mich anstrenge, dann…Du verstehst?

      • Man muss Griechenland aus dem Euro drängen und teilweise kollabieren lassen. Sobald Griechenland einen Schuldenschnitt ohne Kollaps bekommt, werden sich alle anderen Schuldnerländer zurecht fragen, warum sie eigentlich so blöd sind und ihre Schulden bezahlen.

    • Dass Merkel die falsche Politik macht, steht auch in meinem Artikel. Dass ich dem Aufruf der linken bis linkextremen Ökonomen trotzdem nicht zustimmen kann, liegt daran, dass ich nicht glaube, dass ihre Maßnahmen die Lage wesentlich verbessern würden. Eher das Gegenteil ist der Fall. De facto wollen diese Leute, dass Griechenland auch für die nächsten Jahre bis Jahrzehnte mit Milliardensummen von den anderen EU-Ländern getragen wird. Das sollte man voher wissen, bevor man diesen Leuten nachrennt.

      Deshalb ist Merkel auch an der Macht. Weil in Deutschland nur die Nicht-Politik von Merkel und als Scheinalternative dazu, die linksextreme Politik dieser Ökonomen diskutiert wird. Das erklärt natürlich zumindest teilweise recht gut, warum sich Merkel trotz ihrer falschen Politik so lange an der Macht halten kann. Wenn man die Pest schon hat, wählt man nicht auch noch Cholera.

      • Griechenland wird auch in 10 bis 20 Jahren Empfängerstaat sein, das sehe ich genauso. Es kommt aber immer auf die Beträge an die dorthin überwiesen werden. Man muss da kein Geld mit vollen Händen hinterherwerfen. Es wird darauf hinauslaufen dass man soviel gibt dass es für den Patienten zu wenig zum Leben ist und zum Sterben zuviel. Da sprechen auch außenpolitische und strategische Gründe für. Die Griechen müssen aus Ihrer Klientelwirtschaft raus und ein vernünftiges Steuern-, Abgaben- und Verteilsystem einführen. Pauschale Steuererhöhungen wie MwST sind natürlich totaler Blödsinn.

      • Es kommt aber immer auf die Beträge an die dorthin überwiesen werden. Man muss da kein Geld mit vollen Händen hinterherwerfen.

        Seit 2010 hat Griechenland ca. 250 Milliarden Euro an direkten Zahlungen von IMF und den Eurostaaten bekommen. Diese Summen werden nicht geringer werden, die Griechen sagen selbst, das Geld war viel zu wenig. Die Summen werden also noch einmal ansteigen. In 10 Jahren kommt man so locker auf über 1000 Milliarden Euro. Wenn diese Summen für dich nicht viel sind, musst du „viel“ neu definieren.

        Und dabei wird es nicht bleiben. Sobald Griechenland einen Schuldenschnitt ohne Breakdown bekommt, werden sich alle anderen Südländer fragen, warum sie eigentlich so blöd sind und ihre Schulden bezahlen.

        Das ist die wahre Gefahr. Der Grexit ist keine Gefahr. Der umgekehrte Grexit, also Schuldenschnitt ohne Kollaps, wird Europa killen. It’s the same with cancer. If you don’t cut it out, it will spread.

      • Schäuble sagt zu Draghi, er wäre doch nicht blöd. Die Fakten sprechen bei Merkel und Schäuble eine andere Sprache. Dass sie wieder Einknicken war so absehbar wie das Amen in der Kirche. Sie sind ja nie aufgestanden.

      • @Olaf It’s the foreign policy not only economy, stupid😉

        sieh mein kommentar vom Juni 30, 2015 um 13:38.

      • Poste beim nächsten Mal gleich deinen Kommentar-Link:
        https://americanviewer.wordpress.com/2015/06/28/eurokrise-geldpolitk-merkel-draghi/#comment-6816

        Das macht die Sache einfacher.

        Wobei das kein Kommentar ist, sondern ein simpler Link auf einen ZEIT-Artikel, der an sich schon dämlich ist, aber du wertest in weiter ab, indem du daraus eine anti-amerikanische VT konstruierst.

        Als würden Merkel und Juncker für die Peanuts von amerikanischen Hedgefonds arbeiten. Das ist das falsche Blog für solchen Unsinn. Es gibt genug andere Blogs, wo du solchen Schrott insuieren kannst. Wenn du das nötig hast, mach es dort.

      • Ich konstruiere hier gar nichts. Das findet nur in Deinem Gehirn statt welches von simplen Freund- und Feindbildern geprägt ist. Man ja nielmals das Eigene kritisieren. Das Andere, das Unbekannte, mit Argwohn beäugte, das hat denn Bock geschossen. Das ganz allein.

      • Jetzt schwurbelst du nur noch herum. Man muss schon sehr VT-technisch veranlagt sein, wenn man die Eurokrise amerikanischen Hedgefonds in die Schuhe schieben will. So „hochkomplexe“ Freund-Feindbilder habe ich in der Tat nicht, das überlasse ich Leuten wie dir.

      • Wo habe ich behauptet, dass die Hedgefonds allein daran schuld sind? Andererseits wirst Du wohl kaum ausschließen können dass die dort auch mit im Spiel sind. Dafür ist das alles zu sehr verzahnt. Das Problem was Du hast ist das sobald mal jemand mit dem Finger in die USA zeigt denjenigen für einen Verschwörungstheoretiker hältst. Ich befürchte Du liest zuviel Spiegel.

      • Wo habe ich behauptet, dass du behauptest, dass die Hedgefonds alleine schuld sind? Lass‘ doch diese Strohmann-Argumente. Es sagt sehr viel über dich aus, wenn du das Thema Hedgefonds bei der Griechenlandkrise extra anführst und damit offenbar als wichtig ansiehst. Darum geht es.

      • „Dafür ist das alles zu sehr verzahnt. Das Problem was Du hast ist das sobald mal jemand mit dem Finger in die USA zeigt denjenigen für einen Verschwörungstheoretiker hältst. Ich befürchte Du liest zuviel Spiegel.“
        Oh,oh… jetzt bist du auch weg😉

      • Das Neue Deutschland lügt in aller Regel. Du verlinkst auf ein berühmtes Interview mit Varoufakis, das aus dem New Statesman stammt. Das ND druckt das Interview nur nach, das müsste dir eigentlich aufgefallen sein.

        Varoufakis ist ein intelligener Mann, den ich durchaus schätze und der immer wieder auch richtige Dinge anspricht. In dem Interview spricht er richtigerweise an, dass Schäuble nicht auf ökonomische Argumentationen eingeht. Das ist genau meine Beobachtung, die ich versucht habe in meinem Artikel darzustellen. Mein Eindruck ist Schäuble versteht viele ökonomische Zusammenhänge gar nicht. Mein Eindruck ist zudem, dass dies fatalen Schwächen auf Merkel noch einmal stärker zutreffen. Das habe ich versucht in meinem Artikel darzustellen.

      • @Besucher
        Die US-Hedge-Fonds machen laut deines Artikels 10 Milliarden aus, also eine relativ kleine Summe. CSU-Weber hat gestern in der Münchner Runde im BR zugegeben, dass die Franzosen kategorisch „Non“ gesagt haben zu einem Grexit und die Deutschen den Bruch mit Frankreich nicht riskieren wollten und klein beigegeben haben. Prof. Sinn hat dann nochmal die Mittelmeer-Strategie Frankreichs dargelegt, und das die Franzosen nur das deutsche Geld wollen, aber keine Fiskalunion oder sonstige Souveränität abgeben. Hollande hats diesmal verbockt und Merkel und den Gollum zum Kriechen gebracht. Siehe Münchner Runde, BR, letztes Drittel der Sendung.

      • Ah ja, die Franzosen wollen das deutsche Geld. Soweit ich weiß stehen Franzosen bei der nächsten Tranche mit 21% gerade (Deutschland mit 27%) Frankreich hätte also genau so gute Gründe einen Grexit zu fordern.

      • Im ND-Gespräch mit Varoufakis gibt es einige Knaller, das ist echt erheiternd. Z.B. dieser:
        „Und der britische Finanzminister George Osborne? Wie waren ihre Verhandlungen mit ihm?
        Oh, sehr gut, exzellent. Aber er ist nicht mit dabei, er ist nicht in der Eurogruppe. Als ich mit ihm zu unterschiedlichen Anlässen sprach, merkte ich, dass er sehr verständnisvoll war. Wenn man den »Telegraph« aufschlägt, waren ja tatsächlich die Tories die größten Unterstützer unserer Sache!“

        Klar, die Briten zahlen ja auch nix, niente, null, Zero😉
        Hat nicht Churchill ein paar Streichhölzer auf ne Landkarte gelegt und gemeint die „Umsiedlung“ der Deutschen nach Westen sei kein Problem;)

      • Es ist kein Gespräch mit dem ND. Es ist einfach ein Nachdruck. Besucher hat das falsch dargestellt. Das sehr gute Interview kenne ich seit dem ersten Tag, weil es berühmt ist und durch sehr viele Medien ging.

      • “Umsiedlung” der Deutschen nach Westen sei kein Problem😉

        Letztendlich war es das ja auch nicht, wenn man es mal halb realistisch, halb zynisch betrachtet.

      • @AV Ich bin mir nicht sicher ob Du wirklich glaubst das Merkel das alles so macht weil sie es so will. Nur mit wirtschaftlicher Stärke kannst Du nicht wuchern. Deutschland ist keine Großmacht, Da gelten andere Sachzwänge.

        @Olaf
        Sicher ist GB nicht im Euro. Deswegen ist diese Passage auch vollkommen belanglos. Übrigens wg. Churchill: Wenn es nach den Westalliierten gegangen wäre dann wäre die Oder heute die Westgrenze. Bedank Dich bei Väterchen Stalin.

      • @besucher
        Ich glaube Merkel liegt diversen Illusionen auf und glaubt dadurch, sie müsse es so machen, wie sie es macht. Soweit gebe ich dir recht.

        Aber das sind wie gesagt Illusionen. DL ist mit Abstand die größte Macht in Europa. Ohne DL wäre der Euro sofort verloren. Die deutsche Regierung ist dadurch in einer Position, in der sie die Europolitik nahezu beliebig bestimmen könnte, wenn sie denn wollte.

        Aber du hast in diesem Punkt wie gesagt recht, Merkel will das gar nicht. Erstens weil Merkel meint, sie habe nicht ausreichend Macht. Und zweitens, weil sie selbst gar keine nennenswerten Visionen hat. Merkel hat keinen echten Plan, keine Vision, wie es überhaupt weitergehen soll mit Europa.

      • Da gelten andere Sachzwänge.

        Merkel ist also im Grunde schuldlos. Sie ist ein Opfer äußerer Umstände und Zwänge, für die sie nichts kann. Hätte Merkel mehr Macht, würde alles besser laufen.

        Versionen dieser Geschichte höre ich im Gespräch mit Deutschen extrem oft. An diesem einen Punkt erinnert mich der Merkel-Kult stark an den Hitler-Kult. Alle „Erfolge“ wurden damals Hitler zugesprochen. Alle negativen Dinge schrieb man jedem Anderen zu, aber nicht dem verantwortlichen Führer.

      • Aber du hast in diesem Punkt wie gesagt recht, Merkel will das gar nicht. Erstens weil Merkel meint, sie habe nicht ausreichend Macht. Und zweitens, weil sie selbst gar keine nennenswerten Visionen hat. Merkel hat keinen echten Plan, keine Vision, wie es überhaupt weitergehen soll mit Europa.

        D’accord. Aber Merkel könnte auch hingehen und sagen: Ab dafür mit dem Grexit. Macht sie aber nicht. Weil Frankreich und USA das nicht wollen. Deutschland ist nicht allmächtig in Europa.

      • Wie gesagt, Merkel könnte sich locker gegen Frankreich und Amerika durchsetzen, aber sie will nicht. Erstens weil sie glaubt, DL habe nicht ausreichend Macht. Dabei hat DL diese Macht sehr wohl. Und zweitens weil sie selbst keine eigenen alternativen Pläne hat.

      • Was macht Dich so sicher dass sie sich gegen Frankreich UND die USA durchsetzen könnte? Die Bundeswehr😉 ?

      • Das Geld. Wer bezahlt, der kann auch die Musik bestimmen. Merkel müsste nur Thatcher spielen und drohen: I want my money back. Was ist daran so schwer zu verstehen?

        Wenn die deutschen Regierungen ein gesundes Selbstbewusstsein hätten, könnten sie die EU locker dominieren.

      • @AV

        Halte ich für problematischen Ansatz. It’s the history, man. Deutsches Dominanzgebaren (wir haben es ja schon, gerade was die Exportüberschussdebatte betrifft) in Mitteleuropa kommt nicht gut, wir haben einfach zu viele Nachbarn. Das UK ist da in einer ganz anderen Lage.

      • Deutschland hat in Europa sehr viel Macht, das ist ein Faktum. Macht bedeutet Verantwortung. Sich wie ein Kleinkind vor der Führungsrolle zu drücken, macht alles noch viel schlimmer. Anführer müssen oft unbequeme und hart anmutende Entscheidungen treffen. Wer Chef ist, ist oft einsam. Chef sein ist kein Beliebtheitswettbewerb. Man kann und darf es nicht jedem Recht machen, sondern muss die Entscheidungen treffen, die langfristig alle weiterbringen. Im Fall von Griechenland bringt uns aktuell nur ein Grexit dauerhaft weiter.

        Es ist nicht die Schuld der Griechen, dass sie als abhängige Geldjunkies immer neuen Stoff brauchen. Problematisch sind die Leute, die die Junkies immer wieder mit neuem Stoff versorgen.

      • @Besucher
        Deutschland hat aber in Osteuropa auch traditionelle Verbündete, Balten, Slowaken, Ungarn. Gerade Ungarn hat ja eine vernünftige Regierung und wird dafür von den deutschen Linkspolitikern bekämpft. Dafür kriechen sie Frankreich in den Hintern, und das kostet viel Geld und bringt nix.
        60 CDUler haben heute mit Nein gestimmt, dabei haben 118 das letzte mal eine Erklärung verfasst, das sie ein drittes Rettungspaket ablehnen werden. Die Soziverräter waren natürlich von der Merkel-Kriecherei begeistert, das wurde in den Staatsmedien als starke Koalition verkauft.

  6. @AV
    sehe ich ähnlich, ändert aber ja nichts an der Argumentation. Hier auf dem Blog wird sonst selten das Argument „ist deren Sache“ genannt, daher glaube ich, Du sagst es nur, um den anderen Kommentator abzuwatschen. Natürlich ist es deren Sache, lächerlich und kritisierbar ist es ja trotzdem. Du kritisierst Deutschland ja auch und hast soweit ich weiss keinen deutschen Pass (?). Jetzt hör ich auch auf😉

    • Seit wann braucht man einen deutschen Pass um die deutsche Regierung zu kritisieren? Ich kritisiere auch die griechischen Regierungen, brauche ich deshalb einen griechischen Pass?

      Meine Meinung bezüglich der fremden Steuerbeamten ist, dass dies eine unrealistische, weltfremde Maßnahme ist. Wie soll das funktionieren? Das ist schlechte Politik.

      So wie auch der aktuelle Deal von Schäuble schlechte Politik ist. Auf dem Papier sieht das vielleicht seriös aus, aber jeder müsste doch mittlerweile wissen, dass Verträge mit griechischen Regierungen das Papier nicht wert sind.

      Merkel allein hätte sogar einen noch schlechteren Deal ausgehandelt.
      http://www.welt.de/wirtschaft/article143963324/Erst-die-Merkel-Schaeuble-Strategie-brachte-den-Durchbruch.html

      Das ist schon sehr krass, was die deutsche Regierung veranstaltet. Und die „Opposition“ aus SPD und Grünen hätte einen noch (!) schlechteren Deal vereinbart. Das darf man ruhig extrem finden und kritisieren, oder nicht?

      • Deine Krebstherapie wird auch nichts bringen. Man könnte die ganzen Krisenstaaten aus der Eurozone herausschneiden und die sich selbst überlassen. Was wäre damit gewonnen? Failed states um das Mittelmeer herum?

      • Was wäre damit gewonnen?

        Du hast offensichtlich Essentielles zum Thema nicht kapiert. Der Euro wirkt wie ein Goldstandard. Sogar noch schlimmer. Selbst Lafontaine und Krugman haben das mittlerweile verstanden. Warum kommentierst du zu Themen zu denen du bestenfalls 5% verstanden hast? Das macht keinen Sinn.

      • Eben hast Du gesagt, es sei deren Sache und impliziert, man solle es nicht kritisieren, jetzt sagst Du das Gegenteil. Ich kann dir nicht ganz folgen. Von fremden Steuerbeamten habe ich nie gesprochen, bloß vom desaströsen Zustand der griechischen Steuerpolitik (und damit mein ich nicht bloß Bonzen).
        Ich bin sowieso der Meinung, man darf es kritiseren. Das war ja mein Argument (ich bin auch pro Grexit).

      • Die Steuerbeamten waren auf den Kommentar von „besucher“ bezogen. Wenn das nicht deine Idee war, ist es ja in Ordnung. Ich habe gedacht, du liest parallel mit und meinst das gleiche.

      • Du hast nicht verstanden dass es anscheinend ein Interesse abseits aller währungspolitischen Vernunft gibt Griechenland im Euro halten (zu müssen) . Merkel macht das nicht weil sie Merkel ist sondern weil sie sich von ihren finanz- wirtschafts- und außenpolitischen Beratern so ihre Agenda zusammenstellen lässt.

      • Merkel stellt sich Berater zusammen, die Merkel sagen, was Merkel hören will.

        Oder anders formuliert: Merkel macht das, was sie will, weil sie Merkel ist.

        Das hast du gut erkannt.

  7. Bei Griechenland gibt’s doch keine Hoffnung. Vor 5 Jahren war man genauso weit. Die Überbrückungskredite von 83 Milliarden Euro sind zu wenig. Die brauchen wohl oder übel noch einen „Haircut“. Und dann wird es in Spanien ein ähnliches Szenario geben. Sollten dann noch Gelder für Hilfspakete fliessen, wird es auch für andere Länder Domino-Effekte geben. Dann wird man versuchen die Schulden wegzuinflationieren. Keine Ahnung was dann passiert. Aber die Zeit wird dann für den nächsten globalen Abschwung auch schon wieder reif sein.

    • Eine Chance hat jeder. Die Größe der Chance ist eine andere Frage.

      Völlig unabhängig hiervon ist leider einmal wieder die „Berichterstattung“ der Medien, die jede Hemmung fallen lassen und Trump extrem einseitig als unfähigen, naiven, irren Clown darstellen.

      Das ist leider schon lange keine „Berichterstattung“ mehr. Ich erinnere mich noch gut daran, als die Medien das letzte Mal so extrem gegenüber einem Kandidaten waren: Der Mann hieß Ronald Reagan und wurde bekanntlich am Ende Präsident.

      Was viele Menschen heute vergessen haben: Reagan wurde damals nicht trotz der Medien Präsident, sondern auch wegen der Medien. Viele Menschen hatten damals einfach genug von der Einseitigkeit und den Vorschriften der Medien, die ihnen durch propagandistische Artikel befehlen wollten, wie sie zu wählen haben.

      Viele Menschen wollen berechtigterweise eine Balance (im Sinne einer Trennung) zwischen Politik und Medien – und keine Eintracht wie aktuell bei Obama.

      Viele rechte Vordenker sagen, seit es die Fox-Sender gibt, haben rechte Ansichten zwar wieder eine Medienstimme, gleichzeitig sind wir dadurch nun aber auch Teil des Systems/Teil der Medien und haben dadurch den Nimbus der unabhängigen Außenseiter-Partei verloren, die frische Luft in den Medien- und Politikzirkus nach Washington bringen kann. Dieses verlorene Image könnte mit dazu beigetragen haben könnte, dass wir seit den 90er Jahren alle (!) Popular Votes verloren haben.

      Außerdem halte ich Multimillionäre wie Romney oder Trump für potentiell gute Präsidenten, weil man meinen darf, dass sie weniger abhängig von Spenden sind. Bestechenen kann man diese Leute erst Recht nicht. So „nett“ und „cool“ ein Obama auch sein mag, wenn man aus Chicago kommt und mittellos ist, wird man nicht einfach Senator und dann Präsident, ohne dass man vorher hunderte Verpflichtungen und Abhängigkeiten eingegangen ist. Letztendlich ist Obama nur ein sehr gutes Image-Produkt. An Leuten wie Romney und Trump hat mir hingegen immer gefallen, dass man bei diesen Leuten meinen kann, sie seien weitgehend ihre eigenen Herren. Dass sind Leute mit Ecken und Kanten, keine glattpolierten Image-Produkte auf die unserer Medienzirkus leider so steht.

      Unabhängig davon ist Trump auch deshalb kein schlechter Kandidat, da er in Wirklichkeit sehr moderat ist bzw. sehr weit links steht. Er über viele Jahre sehr demokratisch orientiert, was die Medien jetzt natürlich alles „vergessen“ haben. Wenn der halb-demokratische Trump jetzt die Vorwahlen dominiert, ist das besser, als wenn es wieder religiöse Rechte tun. Damit wird der Weg in die Mitte nach den Vorwahlen deutlich einfacher – egal für wenn. Romney hat den letzten Wahlkampf leider auch deshalb verloren, weil der Weg von den Vorwahlen in die Mitte so weit war.

      Wenn sich dann am Ende ein hispanophiler Sozialkonservativer wie Jeb Bush in den Vorwahlen durchsetzt, besteht auch eine Chance gegen Hillary zu gewinnen.

      Ansonsten werden wir wohl mit Hillary leben müssen, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Wobei ich aktuell davon ausgehe, dass Hillary nicht so schlimm ist wie Obama. Obama macht den Eindruck er sei ein JFK, bei Hillary fällt mir als erstes Lyndon B. Johnson oder auch Nixon ein. Nicht gerade beliebt beim Volk, aber kompetenter als manch einer bis heute denkt.

      Der nächste Präsident sollte sich endlich wieder ernsthaft darum bemühen Brücken über die Parteigrenzen hinwegzubauen. Die letzten drei Präsidenten waren dazu nicht in der Lage. Der letzte Präsident, der dies wirklich meisterhaft beherrschte, war Ronald Reagan, der große Teile seiner Regierungszeit mit einem demokratischen (!) Kongress zusammenarbeitete. Das können sich die Menschen heutzutage gar nicht mehr vorstellen, aber so war es.

      Die meisten GOP-Präsidenten mussten mit demokratischen Kongressen regieren, während demokratische Präsidenten diese Situation gar nicht kannten und es gewohnt waren einfach durchzuregieren. Im Grunde war von 1933-199X der Kongress fast immer demokratisch, weshalb sich viele Demokraten und die verbündeten Medien bis heute einbilden, sie hätten die Regierungsmacht auf alle Ewigkeit gepachtet. Auch das ist den meisten Menschen nicht bewusst.

      Demokraten und die etablierten Medien tun wie alle Linken gerne so, als seien sie die ewigen Underdogs, dabei haben sie in Amerika seit spätestens 1933 relativ fest die Hosen an. Wehe man stellt diese Machthegemonie in Frage. Dann wird der Hühnerhaufen hochgradig aggressiv.

      • Demokraten und die etablierten Medien tun wie alle Linken gerne so, als seien sie die ewigen Underdogs, dabei haben sie in Amerika seit spätestens 1933 relativ fest die Hosen an. Wehe man stellt diese Machthegemonie in Frage. Dann wird der Hühnerhaufen hochgradig aggressiv.

        Das haben die Amis ja noch mal Glück gehabt dass sie nicht sozialistisch geworden sind. Zeit genug hatten die Donkeys ja.

      • @besucher
        Kommt darauf an wie man Sozialismus definiert. Roosevelt war ein erklärter Anhänger sozialistischer Strömungen. Und nicht nur von Stalin, sondern schon voher von Mussolini. Auch den Kollektivismus unter Hitler hat er zu Beginn nicht abgelehnt.

        Der Staat hatte unter Roosevelt faktisch die Macht über die wichtigen Produktionsmittel übernommen, gleichzeitig wurden durchweg alle Steuern auf heute undenkbare Höhen angehoben. Am bekanntesten sind aus dieser Zeit wohl die Einkommenssteuern, die damals bei bis zu 90% lagen.

        Die Republikaner wurden 1933 abgewählt, weil sie (wie praktisch alle Konservativen) die Bedeutung der Geldpolitik bis heute nicht verstanden haben. Damit konnten sie die Great Depression nicht lösen. Das bedeutet aber leider nicht, dass die Demokraten die Geldpolitik verstanden haben.

        Heutzutage ist die FED (zum Glück) so unabhängig von der Politik und so fortgeschritten in ihren Erkenntnissen, dass es ziemlich egal ist, wer unter ihnen regiert.😉

      • Was natürlich implizieren würde dass die FED die richtige Geldpolitik betreibt. Ich bin mir nicht sicher ob sie das tut. Apropos Kollektivismus: Für den sozialen Frieden im Land ist es wohl besser wenn es etwas davon gibt (siehe skandinavische Staaten und hier), dann braucht es auch keinen Elvis der „In the Ghetto“ singt. Das funktioniert allerdings nur wenn man sich nicht als Hipp-Hipp-Hurra-Einwanderungsland versteht und die Sozialkassen plündert.

      • @besucher
        Ideal ist die FED-Politik nicht, das stimmt. Das eigene Ziel (!) der FED ist eine Inflation von wenigstens 2% pro Jahr. In Krisenjahren besser mehr. Dieses Ziel wird immer noch (!) leicht unterschritten. Aber immerhin die FED hat schon relativ früh Schritte in die richtige Richtung (=mehr Inflation) unternommen.

        Die EZB hat das gleiche Inflationsziel von 2%, aber leider trotzdem erst viel später die Geldpolitik gelockert. Das war ein großer Fehler, der leicht erklären kann, warum die Arbeitslosenquote in Amerika nun bei 5,3% liegt, während die Eurozone immer noch (!) eine Arbeitslosenquote von 11-12% hat. Daran sind übrigens ausnahmsweise mal die Deutschen wirklich zu großen Teilen mit Schuld, weil es Merkel und Co waren, die Draghi dazu genötigt haben, die Geldpolitik nicht zu lockern.

        Natürlich kann man lange darüber diskutieren, wie nun die richtige FED- und die richtige EZB-Politik aussehen sollten. Letztendlich ist das Defintionssache. Man muss immer fragen: Was ist denn ihr Ziel? Witzigerweise sind die Ziele von EZB und FED festgeschrieben. Es gibt sogar ganz genaue Zielvorgaben, womit wir wieder bei 2%-Punkten Inflation pro Jahr wären.

        Die FED ist besser als die EZB, weil sie ihren eigenen Zielen näher kommt. Ist es nicht furchtbar witzig, dass die Deutschen immer so auf Regeln pochen, dann aber in der EZB mit die wichtigsten Regeln der Eurozone ignorieren?

        Natürlich kann man jetzt noch über den Zielwert sprechen. Inflation als Zielwert halten moderne Monetaristen mittlerweile für nicht mehr ideal. Besser wäre es, wenn man direkt das nominale Bruttoinlandsprodukt (=NGDP) eines Landes als Zielwert. Das ganze hieße dann NGDP-Targeting und wäre wahrscheinlich eine ziemlich geniale Sache. Aber so weit ist die FED aktuell noch nicht. Also muss man in den sauren Apfel beißen und feststellen: Inflationsziele sind besser als nichts.

        Damit hat man in Amerika aktuell wieder eine Arbeitslosigkeit erreicht, die im Grunde schon wieder Vollbeschäftigung bedeutet. Das FED-System ist wie gesagt auch deshalb so genial, weil es ziemlich unabhängig von der Politik abläuft. Ob die Präsidenten nun Obama, Clinton oder Reagan heißen: Ihr Einfluss auf die Wirtschaft ist – im Vergleich mit der FED – viel kleiner als die meisten Menschen denken.

        siehe skandinavische Staaten

        Wenn man zu Kollektivismus Gemeinschaft sagt, meinetwegen. Natürlich reden wir hier immer über Grade, und natürlich ist ein gewisser Grad an „Sozialismus“ und „Kollektivismus“ in einer Gemeinschaft immer vorhanden. Es kommt wie gesagt auf den Grad an. Die Dosis macht bekanntlich das Gift.

        Dass Skandinavien immer als Vorbild erwähnt wird, finde ich lustig. Schweden ist in den letzten Jahren immer kapitalistischer geworden – und ihre Einwanderungspolitik fällt den Schweden immer massiver auf die Füße. Schweden erinnert in dieser Hinsicht stark an Deutschland, wo sehr ähnliche Probleme bestehen. Die Finnen lassen praktisch keine „exotischen“ Ausländer ins Land (die einzige große Ausländergruppe in Finnland sind die Schweden). Deshalb ist in Finnland der Zusammenhalt relativ groß, gleichzeitig leiden die Finnen aber massiv unter dem Euro. Da können sie so homogen und gut ausgebildet sein, wie sie wollen. Die Norweger spielen eine Sonderolle. Die Norweger kleistern all ihre Probleme mit ihren Öl- und Gasmilliarden zu – aber auch das wird wohl kaum ewig gut gehen. Bleibt noch Dänemark: Die Dänen verschärfen bekanntlich alle paar Jahre ihre sowieso schon strengen Einwanderungsregeln. Auch deshalb, weil sie mit den letzten Einwanderungswellen schon mehr als genug Probleme haben. Den Dänen traue ich aufgrund ihres Umsteuerns am ehesten zu, dass sie noch einmal die Kurve kriegen.

  8. Ich finde Trump auch cool. In seinen Interviews merkt man, dass er kompetent ist (und dies teilweise mit „populistischen“ Dingen vermischt“. Generell ist es mir sympathisch, wenn jemand kandidiert, der vorher nicht ein Leben lang darauf hingearbeitet hat und daher seit der High School all seine Aussagen vorher auf politische Korrektheit überprüfen musste.
    Wenn Trump sagt „political correctness is killing America“ muss ich ihm zustimmen. Ich hab da, wenn natürlich übertrieben, so eine zerstörte Stadt vor Augen, in denen alle zu Grunde gehen und plötzlich einer sagt „War doch eigentlich jedem klar, dass dieser Quatsch nicht funktioniert“ und ihm dann alle zustimmen.
    Soweit ist es mittlerweile: aus Angst vor dem Shitstorm belügen sich die Leute so lange (gegenseitig), bis sie es selber glauben.

    Jeb Bush finde ich soweit eigentlich auch ok. Allerdings finde ich mehrere Leute aus einer Familie an der Spitze der USA sehr komisch, vielleicht weil ich Deutscher bin. Bush vs. Clinton, das Duell der Polit-Dynastien.

    Gibt es eine gute Quelle um sich über die Schaffenszeit der einzelnen Präsidenten zu informieren?

    • @libertylauch

      Ich finde Trump auch cool. In seinen Interviews merkt man, dass er kompetent ist (und dies teilweise mit “populistischen” Dingen vermischt”.

      Das sehe ich auch so. Es ist mal wieder extrem arrogant und verlogen von den diversen Medien (=den üblichen Verdächtigen), dass sie ihn als extrem dumm darstellen. Das ist er sicherlich nicht.

      Es gibt ein neues journalistisches Projekt von Ezra Klein namens Vox.com. Diese Leute sind sehr linksliberal, aber auch (oftmals) weitaus ehrlicher als ihre Kollegen. Diese Leute um Ezra Klein haben mittlerweile ein paar Artikel veröffentlicht, in denen sie öffentlich zugeben mussten, dass Trump gar nicht so dumm ist und ein besseres Verständnis der Materie aufbringt, als zum Beispiel seine Mitbewerber. Zum Beispiel beim Thema Krankenversichtung:
      http://www.vox.com/2015/8/7/9116127/donald-trump-insurance-regulation

      Gibt es eine gute Quelle um sich über die Schaffenszeit der einzelnen Präsidenten zu informieren?

      Ich weiß keine bestimmte Seite, aber wikipedia ist immer ziemlich gut. Man liest sich am besten die deutsche Version und das englische Original durch, dann bekommt man mindestens zwei verschiedene Ansichten zum gleichen Sachverhalt.

    • @libertylauch
      Begeistert bin ich von der FED auch nicht. Aber sie haben seit der Great Depression dazugelernt und sie sind auch weiterhin bereit noch mehr zu lernen.

      Das haben sie den meisten (bzw. allen) anderen demokratischen Institutionen des Westens voraus.

  9. Zum Thema Skandinavien (Achtung Halbwissen). Ich meine, Schweden war in der Vergangenheit auch mal ein extrem kapitalistisches Land und konnte dann Jahre/Jahrzehnte davon zehren. Die Zeit ist aber auch vorbei

    • @libertylauch
      Es kommt darauf an, was du mit „Vergangenheit“ meinst. Schweden ist fast ein Paradebeispiel für die kapitalistische Entwicklung. Von Alfred Nobel bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 war man sehr kapitalistisch, ab dann war man sehr sozialdemokratisch. Erst in den letzten Jahren ist man wieder ein bisschen mehr kapitalistisch geworden.

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