Geld ist nicht alles.

PPQ bringt noch einmal eine Erkenntnis der Krimkrise gut auf den Punkt:

Die Nato, stärkste Militärmacht der Welt, beobachtet die Annexion der Krim hilflos, gelähmt von der plötzlichen Erkenntnis, dass Waffen allein nichts nützen, wenn ihr Besitzer über Jahre hinweg glaubhaft seinen Willen bekundet hat, sie niemals und unter keinen Umständen einsetzen zu wollen. Der Friede ist dann bis an die Zähne bewaffnet. Und absolut unfähig, seine Interessen zu verteidigen.

Europa und die USA leisten sich zusammengerechnet Verteidigungsausgaben von mehr als einer Billion US-Dollar. Und Russland, das nicht einmal auf 100 [Milliarden] kommt, führt das Bündnis dennoch lächelnd am Nasenring durch die Weltarena.

Wie glaubwürdig ist in der heutigen Zeit (mit den heutigen Politikern) eigentlich die NATO?
Michael Stürmer stellt in der Welt zum NATO-Versprechen fest:

Heute wird Artikel Fünf viel zitiert und wenig verstanden. Moralisch und politisch beruht das Nordatlantische Bündnis auf der Einigung aller Mitgliedstaaten, dass ein Angriff auf einen ein Angriff auf alle bedeutet. Das klingt sehr viel verbindlicher, als es in der Bündnis-Wirklichkeit jemals war oder ist. Der Text enthält ein Beistandsversprechen, das ist richtig. Aber er löst nicht eine Automatik aus, und eine Antwort militärischer Art ist nur eine unter mehreren Möglichkeiten.

Wer glaubt nach diesen Zeilen noch, dass Obama und Merkel den Abzug drücken, wenn jemand wie Putin – sagen wir mal – ins Baltikum einfällt? Menschen wie Putin spüren diese Haltung natürlich auch. Und genau das macht die Sache so gefährlich.

30 Gedanken zu „Geld ist nicht alles.

  1. 100 Millionen Rüstungsausgaben Rußlands sind Quatsch. Es sind für 2014 ca. 78 Milliarden $.

    Wesentlich interessanter als die absoluten Zahlen ist aber, das die Rüstungsausgaben Rußlands seit einigen Jahren massiv ansteigen und es auch weiterhin tun sollen.
    m.E. ein möglicher Indikator für weitere Pläne.

    Ich zitiere mal ( Jane’s ist da normalerweise sehr zuverlässig.):
    It’s estimated the Russian military budget for 2014 will be $78 billion. The national plan is to increase defense spending by more than 44 percent over the next three years, to $98 billion in 2016, according to IHS Jane’s Annual Defense Budgets Review.

    Russia’s defense expenditure has more than doubled since 2007, and will be triple by 2016, the study says. The share of military expenditure in the Russian budget will rise from 15.7 percent in 2013 to 20.6 percent in 2015.

    • Sehe ich auch so. Putin hat über die Jahre hundertfach klar gemacht was er will: Ein Russland mindestens so groß und mächtig wie zu Zaren- bzw. SU-Zeiten. Am liebsten ist ihm eine Kombination aus beidem.

  2. Wieso sollte es im deutschen Interesse sein, sich in den Konflikt zwischen Russland und der Großukraine einzumischen? Eine Zerschlagung der Ukraine und die Rückgabe Ostpolens mit folgender Ostverschiebung von Deutschland und Polen in die angestammten Grenzen von 1937 wäre in deutschem Interesse. Allerdings habe ich es noch nie erlebt, dass ein BRD Politiker die deutschen Interessen im Sinne hatte. Die Unions Politiker denken nur an ihre Kohle, die sie abzocken können, sei es im Parlament, oder danach in der Wirtschaft, sie haben keine Werte oder Moral. Sozis, Grüne und Linke haben eine knallharte, antideutsche Ideologie und wollen Deutschland abschaffen und vernichten, das verkünden sie ständig, ist kein Geheimnis. Wieso sollte ein vernünftiger Deutscher (Soldat) diesem Pack folgen? Sie können ja mit ihren Türken gen Stalingrad marschieren, dann wünsch ich Putin Waidmanns Heil.

  3. Also meine Arbeitskollegen sind felsenfest davon überzeugt, dass der Majdan-Aufstand von den USA inszeniert wurde und das Russlands Sicherheit durch die Annäherung der Ukraine an Russland gefährdet gewesen sei. Außerdem überfällt die USA ständig Länder.

    • dass der Majdan-Aufstand von den USA inszeniert wurde

      Unterstützt? Hoffentlich.

      Außerdem überfällt die USA ständig Länder.

      Annektieren wir sie auch? Wäre im Falle von Deutschland vielleicht besser gewesen. Aber was will man schon mit DL?

      • Unterstützt? Hoffentlich.

        Nein sie meinten verursacht.

        So sieht deren Meinung aus. Natürlich ist es absurd.
        Die USA besticht weite Teile der Bevölkerung -> aber keiner verrät es. Na klar.
        Eine westliche Ukraine ist eine Gefahr für Russland -> Schwachsinn! Russland ist eine Atommacht und hat ein großes Militärbudget.
        In der Ukraine sind Neonazis an der Regierung beteiligt -> Welches Land hat auch ein großes Problem mit Neonazis? Doch nicht etwa Russland?

        Ich verstehe nicht wie intelligente Menschen auf so plumpe Maschen reinfallen.

      • Ich verstehe nicht wie intelligente Menschen auf so plumpe Maschen reinfallen.

        Vielleicht überschätzt du ihre Intelligenz? Aber es stimmt, so einige meiner Kollegen lassen mich auch am Sinn der Demokratie zweifeln. Wenn es nach vielen von denen ginge, würde in DL der „starke Mann“ Putin regieren bzw. es würden „russische Verhältnisse“ herrschen – getreu nach Alice Schwarzers Motto: „Ein Russland ohne einen Putin würde vermutlich in der Faust der Mafia enden.“ – Ganz so als wäre Putin ein Heiliger und nicht der Mega-Pate schlechthin. Die Frau ist – wie alle Putinversteher – nicht mehr ganz knusper. Alice, Augstein, kewil, Wagenknecht – immer wenn man glaubt diese Querfront kann nicht mehr tiefer sinken, setzen sie noch mal einen oben drauf.

      • Zwei Beispiele:
        In den zwanziger und dreißiger Jahren war die Kriminalität in Süditalien auch sehr viel geringer als in der Nachkriegszeit.
        Unter einem starken Al-Sisi haben die Moslembrüder in Ägypten nichts mehr zu lachen.

        Gibt halt immer zwei Seiten der Medaille.

        Ein demokratisches, westliches System ist dem allerdings vorzuziehen. Solange es auch in der Lage ist einen wehrhaften Standpunkt einzunehmen.

      • Gibt halt immer zwei Seiten der Medaille.

        Das ist eher die gleiche Seite der Medaille. In Putins Russland hat die russische Mafia heute ein bisschen weniger zu melden, weil nun Putin der größte Mafiosi ist, der ernsthafte Mafia-Konkurrenten nicht neben sich duldet. Bei Mussolini war es auch so. In diesen Ländern ist/war der Staat selbst der Verbrecher. Da bleibt kein Platz mehr für privat organisierte Gangster. Ist das nicht einleuchtend?

        Al-Sisi sehe ich als Notlösung. So wie die Juntas in Südamerika. Oder Putin gleich nach Jelzin. Für kurze Zeit muss man sie wohl akzeptieren. Aber dann muss eine kontinuierliche fortschrittliche Entwicklung stattfinden. Putin ist stehen geblieben, geht sogar rückwärts – obwohl er anders könnte. Damit hat er sein Verfallsdatum überschritten. Die Annexion der Krim war der Anfang seines Endes.

      • Vielleicht überschätzt du ihre Intelligenz? Aber es stimmt, so einige meiner Kollegen lassen mich auch am Sinn der Demokratie zweifeln.

        Glaube nicht. Hohe oder überdurchschnittliche Intelligenz bedeutet ja nicht dass diese Leute rational denken können. Und in kaum einen Bereich wird so viel ideologisiert.

        Wenn es nach vielen von denen ginge, würde in DL der “starke Mann” Putin regieren bzw. es würden “russische Verhältnisse” herrschen – getreu nach Alice Schwarzers Motto: “Ein Russland ohne einen Putin würde vermutlich in der Faust der Mafia enden.” – Ganz so als wäre Putin ein Heiliger und nicht der Mega-Pate schlechthin. Die Frau ist – wie alle Putinversteher – nicht mehr ganz knusper. Alice, Augstein, kewil, Wagenknecht – immer wenn man glaubt diese Querfront kann nicht mehr tiefer sinken, setzen sie noch mal einen oben drauf.

        Hehe. Interessant ist aber, dass die Linken auf Führer stehen. Berthold Brecht hat zum Bleistift ein Gedicht über Stalin geschrieben.

  4. Solange die Ukraine völlig vom russischen Gas abhängig und außerdem militärisch nicht auf Augenhöhe ist, bedeutet ein Krieg lediglich sinnloses Blutvergießen.

    Wenn die EU die Ukraine (und sich selbst) aus der Abhängigkeit von Putins Gas lösen will, muss sie endlich damit beginnen, auf dem Energiesektor dem Beispiel der USA zu folgen.

    Die Förderung von Schiefergas ist ein realistischer Ausweg aus der Abhängigkeit von Rohstoff-Despoten.

    • Die Förderung von Schiefergas ist ein realistischer Ausweg aus der Abhängigkeit von Rohstoff-Despoten.

      Ein schöner Vorschlag, aber wie wir beide wissen wird er nicht umgesetzt werden, vor allem in DL nicht.

      Erstens aus ideologischen Gründen (siehe SPD, Grüne, Linke).

      Zweitens aufgrund von ziemlich offensichtlicher Korruption (siehe Gas-Gerd).

      Drittens wird die Gasfrage aus meiner Sicht total überbewertet. Nicht Europa ist von russischem Gas abhängig, sondern Russland von europäischem Gasgeld. Selbst auf den absoluten Höhepunkten des Kalten Krieges haben russische Politiker nie die Gaslieferungen eingestellt. Warum? Nun, weil sie sich damit weit mehr Schaden würden als Europa.

      Europa würde schnell Ersatz finden (Flüssiggas zum Beispiel), aber einen so reichen Großabnehmer, der für extrem große Mengen Höchstpreise bezahlt, wird Russland nie wieder finden, schon gar nicht in den nächsten 20 Jahren.

      • Starke wirtschaftliche Rückschritte (die ja auch ohne Sanktionen/Gas-Boykott durch den Westen schon vorhanden sind) würden außerdem an Putins Zarenstuhl rütteln. Die wirtschaftsliberale Elite findet ihn sicherlich eh völlig deppert und die finanzieren den Wahlkampf der Gegner und haben Einfluss. Ein so simples und effektives Manöver, doch hier tut man so, als würden wir im nächsten Winter erfrieren, wenn man das Gas einfach abbestellt und umsattelt, was man auch ohne die Krim-Krise schon längst hätte tun sollen

      • Starke wirtschaftliche Rückschritte würden außerdem an Putins Zarenstuhl rütteln.

        Das sehe ich auch so. Das ist ein sehr erfolgversprechender Plan. Putin hat jede Legitimation verloren.

      • Damals hatten wir ja auch noch den Atomsektor ausgebaut.
        Heute soll ja der Strom zu 100% aus einer frischen Brise und den durchschnittlich 4 Sonnenstunden pro Tag in Mitteleuropa kommen.

    • Die Rohstofffrage ist sehr interessant. Deutschland versucht ja auch unabhängiger zu werden, das ist übrigens der nationalistische Anteil an der Energiewende, den ich aber noch am interessantesten finde. Doch man setzt aufs falsche Pferd. Man benötigt nicht nur die 20-25% Ökostrom. Sondern eher 85*15/7+15 = mindestens ca. 200%, also Überkapazitäten. (15 sind als Dauerhaft gesichert angenommen: OffShore-Windkraft, Wasserkraft, Müllverbrennung, Biomasse, Abdeckung durch Pumpspeicherwerke; In einem Drittel (wahrscheinlich sehr optimistisch) der Zeit wird Strom erzeugt, 4/5 der Energie geht bei er Speicherungen nach Methan-Gas und Rückgewinnung in Strom verloren. Man benötigt also noch zehnmal so viele Ökostromanlagen.

      Es sei denn man baut eine Stromtrasse nach Norwegen *hust* oder man baut solche Gaskraftwerke http://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/a-763773.html (dann gehen nur 2/3 der Erzeugten Energie flöten)

      • Der Grund für die Energiewende war ja ein Meeresbeben vor Japan. Deshalb wird jetzt in Deutschland der Wald abgeholzt, bei mir in der Gegend, die schönsten Naturwälder in wenig besiedelter Gegend. Dabei tun sich die grünen Fanatiker als die fanatischsten Naturzerstörer hervor, immer mit dem schaumigen Wort Fukushima auf den bebenden Lippen. Zwei Worte hört man von diesen Geisteskranken jedoch nie, denn die würden das grüne Kartenhaus der Lüge zusammenfallen lassen, nämlich:
        Cattenom und Westwind.

  5. Was sollen den unsere Inetressen auf der Krim sein? Ob sie nun zu Russland oder der Ukraine gehört, ist weitgehend egal.
    Stattdessen wird hier wieder Selbzerfleicschung des Westens betrieben. Selbst wenn die Ukraine eine große Relevanz hätte sieht Russlands Bilanz doch eher miserabel aus. Vor einem halben Jahr hatte es noch mittelbaren Einfluss über die gesamte Ukraine. Der ist nun erstmal verloren und die neue Regierung assoziert sich mit der EU.
    Hier geht es nicht um Interessen, sonden um Symbolpolitik, und hier haben die westlichen Politiker mit Ihren unrealistischen Forderungen nach Rüchgabe der Krim tatsächlich ideotisch gehandelt. Angemessen wäre eine schlichte Bestrafung Russlands gewesen, auch wenn die von Putin sicher schon eingepreist worden ist.

    • Sie erklären sehr vieles sehr richtig, widersprechen sich aber dann extrem und ziehen falschen Schlüsse. Ich gebe mal ein Beispiel:

      Vor einem halben Jahr hatte es noch mittelbaren Einfluss über die gesamte Ukraine.

      Richtig.

      Der ist nun erstmal verloren und die neue Regierung assoziiert sich mit der EU.

      Richtig.

      Hier geht es nicht um Interessen, sondern um Symbolpolitik,

      Ja was denn nun? Sie haben zwei Sätze zuvor selbst geschrieben, dass es um Einfluss geht, nicht nur um Symbole. Und wie Sie richtig sagen: Der Westen setzt sich gerade durch,

      und hier haben die westlichen Politiker mit Ihren unrealistischen Forderungen nach Rückgabe der Krim tatsächlich idiotisch gehandelt.

      Warum idiotisch? Sie begründen diese Aussage nicht.

      Angemessen wäre eine schlichte Bestrafung Russlands gewesen.

      Das eine schließt doch das andere nicht aus – ganz im Gegenteil es gehört zusammen: Man muss die Annexion der Krim lautstark für illegal erklären, damit eine Bestrafung erfolgen kann. Oder wofür wollen Sie Putin bestrafen? Für falsches Einparken?

  6. „The Saudi Monarchy and Putin aren’t afraid of Barack Obama or even of an F-35; they’re afraid of fracking. Saudi Arabia’s Prince Alwaleed Bin Talal said that “North American shale gas production is an inevitable threat.” And Putin suddenly turned into an environmentalist when it came to fracking warning that it makes “black stuff comes out of the tap.” Daniel Greenfield
    http://www.frontpagemag.com/2014/dgreenfield/the-environmentalist-world-war/

    Greenfield 2011 in Zusammenhang mit Ägypten:
    „Take the Cold War. We defeated Communism without a massive war. Democracy came to Russia. Except here we are back to square one. The situation in the region has been reset back to before WW2, with a chaotic Eastern Europe and a predatory Russia. Economic liberalization (…) did not change the underlying pattern. Despite a brief period of democracy, Russia reverted to a totalitarian regime with designs on the rest of the region. And that should have shocked no one, because it is exactly what happened after the fall of the Czars (…). All the reforms and liberalization did not give the average Russian what he wanted most– stability, order and a strong nation.

    Freedom is culturally determined. It is not the same thing as democracy. Like all forms of power, (democracy) can only be exercised by those who are ready for it. Much of the world is not ready for it (…) Given the power to choose, they will choose tyranny. They will choose the known over the unknown, the stable over the unstable, and order over freedom.“
    _
    “Obama ist sehr konsequent, in dem Sinne perfekt: Wenn er etwas tun soll, tut er nichts. Wenn er nichts tun soll, tut er etwas. Aber ansonsten ist er ein netter Kerl.”
    “Amerikas Feinde sind glücklich, Amerikas Freunde haben Angst. Mehr muss man über Obamas Außenpolitik nicht wissen.” Dan Shueftan

  7. Die Ukraine ist kein NATO-Mitglied, deshalb erübrigen sich Schlußfolgerungen aus der Annexion der Krim auf die Schlagkraft der NATO. Die NATO war hier nicht gefragt, genausowenig wie 2008 in Georgien (wobei dort zu dem Zeitpunkt immerhin einige US-Truppen stationiert waren).

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