Vom Konsument zum Produzent.

Bisher hat Eva Ziessler in den meisten ihrer Artikel Marktmechanismen schön und verständlich erklärt. Aber in diesem Artikel übernimmt sie die Theorien von Udo Vetter und anderen, die behaupten jeder Konsument von Kinderpornografie sei auch ein Produzent. Was soll das für ein komischer Markt sein, in dem jeder Konsument auch Produzent ist?


Genauso gut könnte man behaupten jeder Konsument von normaler Pornografie, würde zuerst einmal eigene Produktionen ins Internet stellen. Reichlich irreal.

In Wahrheit produzieren die allermeisten Pädophilen natürlich keine eigenen Bilder und Filme. Aber sie konsumieren sie. Sie bezahlen bares Geld für dieses Material und fördern so die Produktion dieser Bilder und Filme. Die Produzenten selbst sind oft nicht pädophil. Aber sie kommen oft aus armen Ländern, wo das Geld der Pädophilen viel wert ist.

Das wäre die ehrliche Argumentation gewesen.

11 Gedanken zu „Vom Konsument zum Produzent.

  1. Es ist ja ein weithin grassierender Denkfehler, daß in einer Art Kausalitätsumkehr die Nutznießer von irgendwas mit den Verursachern von irgendwas vermischt und verwechselt werden. Dabei lassen es die verschlungenen Zusammenhänge unserer modernen Welt schwerlich zu, dem Käufer die Verantwortung für die Herstellung zu übertragen. Wenn eine Textilfabrik in Bangladesch zusammenbricht, liegt das eben nicht an den deutschen Abnehmern der T-Shirts, sondern an kriminellen Eigentümern maroder Gebäude in Bangladesch. Aber sofort heißt es: die Konsumenten sind schuld! Erstens weil sie Geld bezahlen (pfui!) und zweitens weil sie das falsche Bewußtsein haben (doppel-pfui!).

    • Die Denkfehler begehen Sie, Herr Müller-Ullrich.

      Sie vergleichen die Herstellung von Kinderpornographie mit der Herstellung von T-shirts. Das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ersetzen Sie in ihrem Text mal T-shirts mit Kinderpornographie. Warum der Themenwechsel auf T-shirts? Damit tun Sie sich argumentativ keinen Gefallen.

      Es gibt tausende Wege T-shirts so herzustellen, dass keine Kinder missbraucht werden. Bei Kinderpornographie gibt es keinen einzigen. Die „Kunden“ können sich auch nicht herausreden, dass sie nicht wüssten wie Kinderpornographie entsteht, schließlich wird in Form von Bildern und Filmen gerade die Art der „Herstellung“ dokumentiert und gehandelt. Das gehandelte Produkt ist der Kindesmissbrauch selbst. Ihr Kommentar erstaunt mich immer mehr.

      Dabei lassen es die verschlungenen Zusammenhänge unserer modernen Welt schwerlich zu, dem Käufer die Verantwortung für die Herstellung zu übertragen.

      Das ist nett formuliert, aber falsch. In Wahrheit ist es ziemlich egal, ob die Zusammenhänge nun verschlungen sind oder nicht.

      Bei Kinderpornographie sind die Zusammenhänge oftmals sogar sehr direkt: Ein kleiner, kaufkräftiger Kreis an Konsumenten bildet die Kunden und 2-3 Produzenten produzieren für diesen Kreis. Und die Kunden wissen – wie oben dargelegt – sehr genau wie die „Herstellung“ abläuft, weil sie genau das sehen wollen. Man kann kaum näher und direkter an einer Sache beteiligt sein.

      Theoretisch kann die Kette aber auch ewig lang sein. Das würde moralisch nicht unbedingt etwas ändern. Sehr lange Vertriebswege sind zum Beispiel typisch für den internationalen Drogenhandel.

      Trotzdem tragen auch hier die Endabnehmer einen großen Teil, wenn nicht den entscheidenden Teil der Schuld. Südamerikaner, Iraner und Afghanen produzieren nicht massenhaft Cannabis, Kokain und Heroin, weil sie die Produkte so toll finden, sondern sie produzieren diese Produkte, weil die reiche, verwöhnte Erste-Welt-Schickeria nach diesen Drogen giert und bereit ist dafür sehr, sehr hohe Summen zu bezahlen.

      Das ist der Grund. Und so ähnlich ist es bei Kinderpornographie auch.

      • „Es gibt tausende Wege T-shirts so herzustellen, dass keine Kinder missbraucht werden. Bei Kinderpornographie gibt es keinen einzigen. “

        Nur so als Anmerkung: Da wäre ich nicht so sicher. Das ist derzeit sicher so, in absehbarer Zukunft wird aber wohl das Problem virtuell produzierter Kinderpornographie auftreten. D.h. computergenerierte, animierte Kinderpornographie, die so realistisch wirkt, das sie von echter nicht zu unterscheiden ist. Wie geht man dann damit um?

      • Das Problem nicht-realer Kinderpornografie gibt es schon sehr lange. Man denke nur an Thomas Manns Kaufmann in Venedig. Oder gefühlte 95% aller japanischen Hentai. Oder die riesigen Bereiche der Pornoindustrie in der Erwachsenendarsteller so tun, als seien sie Teenager.

        In Ländern wie Schweden, Schweiz, Deutschland und den USA ist es nun aktuell in der Tat so, dass Werke die komplett ohne die Mitwirkung von Kindern zustande kommen, trotzdem schon strafbar sein können. Das halte ich für hinterfragenswert. Schon die Begrifflichkeit „nicht-reale Kinderpornografie“ macht eigentlich deutlich, dass es sich nicht um echte und damit auch nicht um strafwürdige Kinderpornografie handelt.

      • „… computergenerierte, animierte Kinderpornographie …“ gibt es längst, wenn auch natürlich noch nicht hyperrealistisch. Ist meines Wissens auch nicht verboten. So wenig wie Literatur oder Comics in dieser Richtung. Außer sie stiften dazu an, die Sache „in echt“ umzusetzen. Bin aber, wie gesagt, nicht sicher.
        Meines Erachtens sollten nicht reale kinderpornographische Darstellungen, bei denen kein Kind einbezogen ist, nicht anders behandelt werden als nicht reale Gewaltdarstellungen. Wenn Pädophile die Möglichkeit haben, legal auf die nicht reale Ersatzdroge zurückzugreifen, bewahrt das wahrscheinlich Kinder davor, für den „real stuff“ missbraucht zu werden.

  2. Ich meine gelesen zu haben, dass ein sehr großer Anteil der schwersten Pornografie durch Angehörige ((Stief)-Väter) hergestellt wird, das wird dann mit anderen getauscht. Meist ohne jeden finanziellen Aspekt.
    Natürlich gibt es (sehr teure) Methoden zur opferlosen Produktion: Digital rendering z.b.
    Übrigens ist K.P. auch in Romanform illegal, oder wenn ein Minderjähriger vor der Webcam onaniert. Damit macht er sich in vielen Ländern auch selbst strafbar.

    • Übrigens ist K.P. auch in Romanform illegal

      Dann müssten viele klassische Pornoromane wie „Fanny Hill“ von John Cleland oder „Der gelüftete Vorhang“ von Mirabeau wegen einschlägiger Szenen verboten sein.

      Es kommt da wohl sehr auf die Darstellungsweise an.

      „Zwei bekennende Pädophile wurden wegen Verbreitung von Kinderpornografie im Internet verurteilt. Allerdings handelt es sich nicht um pornografische Bilder, sondern um den angeblichen Bekenntnisbericht eines Mannes, der als Kind sexuelle Beziehungen zu erwachsenen Männern hatte.“

      Dieses Urteil ging in Revision, das Ergebnis ist mir nicht bekannt.

      —> http://www.heise.de/tp/artikel/14/14601/1.html

  3. den Vergleich mit den Drogen finde ich sehr passend.

    selbstverständlich sind Konsumenten und Dealer nicht dasselbe,

    bei den Drogen will man ja die Konsumenten am liebsten völlig aus der Verantwortung nehmen und die Schuld nur den Dealern und am liebsten nur „den Großen“ geben.

    dabei steuern zum Phänomen Drogensucht alle ihren wichtigen Teil bei, wenn auch nicht den gleichen.

      • Ein Teil der Lösung für das Drogenproblem ist wohl die Aufhebung der Prohibition. Das Verbot aufheben, geht bei KiPos natürlich nicht. Aber das Verbot nicht-realer Kinderpornografie könnte man aufheben.

  4. Sie bezahlen bares Geld für dieses Material und fördern so die Produktion dieser Bilder und Filme.

    Das meint die Dame wahrscheinlich. Konsumenten von egal was tragen durch den Konsum zur vermehrten Herstellung bei. Insofern ist ein Konsument von Kinderpornografie schon mitverantwortlich für ihre Herstellung. Das ist allerdings nicht genau dasselbe wie ein Hersteller zu sein.

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