Dumb German Money

Holger Steltzner (FAZ) kommentiert die Kritik an den deutschen Exportüberschüssen und die deutsche Art Kapital anzulegen:

…ein Treppenwitz ist es, dass ausgerechnet die größten Bewunderer der geldpolitischen Hilfe bei der Finanzierung von Euro-Krisenstaaten die in der Tat niedrigen Investitionen in Deutschland am lautesten beklagen, obwohl die EZB mit ihrer Rettungspolitik auch das deutsche Sparkapital jetzt wieder in Richtung Süden lenkt.


Andere Staaten mit chronischen Leistungsbilanzüberschüssen wie Norwegen, Saudi-Arabien oder den Emiraten konsumieren ihre Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport nicht vollständig, sondern investieren über Staatsfonds Billionen in ausländische Vermögenswerte. Auch Länder die durch Manipulation der Wechselkurse hohe Devisenreserven aufbauen wie China, Singapur oder die Schweiz legen das Geld über ihre Notenbanken oder über Staatsfonds in internationalen Aktien oder Anleihen an und erwirtschaften damit ordentliche Renditen.

Das Gegenteil passiert in Deutschland. Hier arbeiten die Leute fleißig und sind stolz darauf, Exportweltmeister zu sein. Aber unsere leistungsfähige Volkswirtschaft verkauft hochwertige Produkte zu guten Preisen in die ganze Welt, ohne dabei reich zu werden. Denn die Deutschen schneiden in internationalen Vermögensvergleichen regelmäßig schlecht ab.

Der Weg der Schweiz.
Meine Artikel von 2011-2013 stehen bis heute gut da. So schrieb ich Anfang 2013: „Ein Ausstieg Deutschlands aus dem Euro bedeutet nicht, dass die D-Mark extrem aufwertet. Es gibt mittlerweile mehrere von China und der Schweiz erprobte Maßnahmen, die den Hütern einen starken Währung nahezu jeden gewünschten Wechselkurs erlauben. Die Bundesbank selbst könnte entscheiden, ob und wenn ja wie stark die D-Mark aufwertet.“

Oder im Juni 2012: „Die Schweizer und Chinesen haben seit einigen Jahren diverse Methoden entwickelt wie man eine starke Währung schwächer machen kann. So drucken die Schweizer einfach massenhaft Franken und kaufen sich damit ausländische Devisen. Die Chinesen machen mit ihrem Renminbi seit Jahrzehnten dasselbe.“

Der deutsche Weg.
Deutschland beklagt sich gerne über Währungsmanipulationen in China, Amerika und in der Schweiz. Was die Deutschen vergessen: Auch die Teilnahme am Euro ist eine Preismanipulation. Allerdings eine Manipulation mit unklarem Nutzen. Kritiker stellen fest: Die Südländer erleben durch den Euro zuerst Blasen, dann Arbeitslosigkeit und dann wieder Blasen. Die Deutschen wiederum verlieren Kapital wie oben von Steltzner erklärt und haben zudem nur eingeschränkt Kontrolle über ihre Manipulationen. Nicht wenige lästern Deutschlands Einfluss auf die EZB sei nicht größer als der Einfluss von Ländern wie Estland, Zypern und Malta.

6 Gedanken zu „Dumb German Money

  1. Die Wege von China und Schweiz sind sozialistisch. Sie enthalten der Bevölkerung die Kaufkraftsteigerung vor und exportieren ohne dafür tatsächlich etwas zu importieren.

    Der deutsche Weg ist noch blöder. Ohne Ende exportieren, aber keine Gegenleistung (Importe) dafür erhalten, dazu kommen noch große Kaufkraft Einbußen durch den Euro. Im Prinzip läuft es aber ähnlich wie das Model von China und der Schweiz. Der deutsche Staat kann halt im Gegensatz zu China und der Schweiz nicht mit Aktien spielen. Das getauschte Geld wird vor sich hin inflationären. Gewinner sind die Bürger von Drittländer wie z.B. der USA, die sich günstig chinesische Produkte und schweizerische Kuckucksuhren kaufen können.

    • China, Schweiz und DL sind ähnlich, mit den Unterschieden, die ich im Artikel genannt habe: China und Schweiz haben die volle Kontrolle, DL hat die Kontrolle über seine Währung verloren. DL muss Draghi und Malta anbetteln, um dann erst nicht gehört zu werden.

      Der Kaufkraftverlust der Schweizer ist minimal bis nicht vorhanden, weil umgebende Staaten wie DL über den Euro noch stärker nach unten manipulieren. Die Schweizer haben sowieso nicht mit diesem Wahnsinn angefangen, sondern es ist eine zwangsläufige Reaktion auf das Verhalten von DL bezüglich des Euro.

      Natürlich könnten die Schweizer auch noch die Negativmanipulation im Euroraum als ihren Kaufkraftgewinn verbuchen. Aber ein noch einmal deutlich stärkerer Franken, wäre wohl selbst für die abgehärtete Schweizer Exportindustrie zuviel. Deshalb die Obergrenze.

      Eine Obergrenze, der übrigens viele deutsche Ökonomen prophezeiten, dass sie nie funktionieren würde. Ökonomische Analphabeten (Bofinger, Straubhaar), die bis heute (!) weiter steif und fest behaupten, ohne den Euro würde die D-Mark unaufhaltsam in den Himmel steigen. Erst haben sie die Schweizer Währungskontrolle für aussichtslos erklärt, und jetzt da die Schweizer das Gegenteil bewiesen haben, ignorieren sie einfach die Ergebnisse.

      • Ich kenne mich zu wenig mit der Schweiz aus. Ich vermute aber, dass bei der möglichen Aufwertung des Franken (1 Schweizer Franken =
        0,81296351 Euro laut Google) übertrieben wird. Das liegt daran, dass die Politiker vor allem nur auf die Exporte schauen. Dabei bezahlt man mit den Exporten doch nur die Importe. Zitat von Ifo-Präsident Sinn: „Exportüberschüsse sind nichts weiter als ein Kapitalabfluss.“

        Diese Ökonomen sind doch das Letzte. Experten halt.

      • Ich mag den Begriff „Übertreibung“ in diesem Zusammenhang nicht. Wer legt fest, was eine „Übertreibung“ ist und was nicht? Fakt ist jedenfalls, dass 2011 der Franken die Schallmauer von 1,2000 im EUR/CHF-Kurs nach unten durchbrochen hat. Nach einer monatelangen Rallye, die aufgrund der Eurokrise sicherlich noch lange nicht zu Ende gewesen wäre. Die Schweizer Nationalbank hat daraufhin festgelegt, dass ab dem 6.9.2011 der Franken gegenüber dem Euro nicht mehr unter 1,2000 gehen darf, seither hat sich der EUR/CHF-Kurs bei knapp über 1,2000 stabilisiert. Sobald die Schweizer Nationalbank mit dieser Politik aufhört, würden wir schnell die 1,1000 sehen, dann eine 1:1-Parität und am Ende gar 0,9000 oder noch weniger.

  2. Ich mag den Begriff “Übertreibung” in diesem Zusammenhang nicht. Wer legt fest, was eine “Übertreibung” ist und was nicht? Fakt ist jedenfalls, dass 2011 der Franken die Schallmauer von 1,2000 im EUR/CHF-Kurs nach unten durchbrochen hat. Nach einer monatelangen Rallye, die aufgrund der Eurokrise sicherlich noch lange nicht zu Ende gewesen wäre. Die Schweizer Nationalbank hat daraufhin festgelegt, dass ab dem 6.9.2011 der Franken gegenüber dem Euro nicht mehr unter 1,2000 gehen darf, seither hat sich der EUR/CHF-Kurs bei knapp über 1,2000 stabilisiert. Sobald die Schweizer Nationalbank mit dieser Politik aufhört, würden wir schnell die 1,1000 sehen, dann eine 1:1-Parität und am Ende gar 0,9000 oder noch weniger.

    Wahrscheinlich unterschätze ich die negativen Effekte von der Deflation. Immerhin hat Deflation einige Krisen ausgelöst. In diesem Fall macht die Schweiz es richtig. Sie sollten aber die Bevölkerung an den Gewinnen teilhaben.

    • Ich sehe keinen direkten Zusammenhang zum Thema Deflation. Ich würde gern einmal sehen, was passiert, wenn man Deflationen freien Lauf lässt. Ich habe die Vermutung, dass Erhohlungen dann schneller einsetzen, als die aktuell mit der jetztigen Politik bzw. der Politik nach der Great Depression der Fall ist. Aber das ist jetzt ein anderes Thema.

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