Tauwetter, Perestroika und Westbindung in der Ukraine?

Wacht die Ukraine langsam auf? Die Welt schreibt:

Wenn man der gewöhnlich gut informierten Kiewer Zeitung „Dserkalo Tyschnja“ (Wochenspiegel) glaubt, kam Janukowitsch nach weiteren Beispielen zu dem Schluss, „eine partnerschaftliche und respektvolle Haltung des Nachbarn im Norden [Putins Russland!] gegenüber der Ukraine sei nicht zu erwarten.

Daher sei sein Entschluss zugunsten der europäischen Integration alternativlos.“ Abschließend habe der Staatschef gefragt, ob jemand im Saal dagegen sei – der möge bitte aufstehen. Niemand stand auf. Seitdem gilt als Kurs in der Ukraine: Go West.

Wenn diese Geschichte wirklich stimmt, ist es eine Ironie der Geschichte, dass gerade Janukowitsch, der bisher als Putins Pudel galt, die Westintegration der Ukraine einleitet.

Es ist anzunehmen, dass Putin auf diese Entwicklung in seiner gewohnt brutalen Art reagieren wird. Von erneuten Vergiftungen (wie im Fall Wiktor Juschtschenko) bis zu Putschversuchen und Militäraktionen ist alles denkbar.

Wird der Westen dieses Mal wieder zugucken? Man muss es leider annehmen.

„Lümmel“ Putin vs. Dummschwätzer Obama
Ich erinnere mich gut daran, als der von mir sehr geschätzte Blogger Aron Sperber eine missverständliche Ausdrucksweise von Obama falsch interpretierte bzw. die Interpretation der Medien übernahm.

Im „besten“ Fall war Obamas Lümmel-Aussage ein typisches Beispiel für Obamas fatale Außenpolitik: Eine symbolische Geste ohne jegliche realpolitische Bedeutung.

In der Sache selbst (Syrien!) hat sich Obama bekanntlich die Butter vom Brot nehmen lassen. Rote Linien? War da was? Aber auch diesen kompletten Fehlschlag verkaufen die meisten Medien bekanntlich als „Erfolg“ Obamas. Der aktuelle amerikanische Präsident hat eine schon lange vor sich hin köchelnde Perversion massentauglich gemacht: „Humanes“ Abschlachten mit konventionellen Waffen hui, Einsatz von Chemiewaffen pfui.

Obama kann auch ganz hart sein – gegen die wirklich Bösen.
Man muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die einschlägigen Medien es feiern, wie Obama mit den Regimen aus Iran, Russland und Syrien verhandelt. Obama kommt diesen Regimen in einer Vielzahl von Punkten entgegen, während er in den ersten Tagen des Shutdowns, auch daran sei erinnert, nicht einmal bereit war sich mit der GOP an einen Tisch zu setzen. In der Sache selbst ist er gegenüber den Republikaner sowieso eisenhart.

Kompromisse, das ist für Obama klar, gibt es nur für waschechte Diktatoren. Aktuell hat sich die Sicht Obamas auch in den Medien durchgesetzt: Die Regime in Russland, Iran, Syrien sind missverstandene Kreaturen, die – kulturell und ökonomisch bedingt – gar nicht anders können – das muss man nachvollziehen und verstehen. Die Republikaner hingegen haben selbstverständlich keine nachvollziehbaren Motive, das sind arme Irre, denen darf man keinen Fußbreit entgegen kommen.

Wenn die Überlassung Syriens an Assad, Iran, Russland und China ein „Erfolg“ sein soll, dann brechen wieder ganz dunkle Zeiten für alle Staaten an, die unter Iran, Russland und China zu leiden haben. Ganz zu Schweigen von den iranischen, russischen und chinesischen Bürgern selbst.

17 Gedanken zu „Tauwetter, Perestroika und Westbindung in der Ukraine?

  1. Interessanter Artikel, viele Interessante Themen.
    Irgendwie gibt es aktuell so etwas wie den kalten Krieg Teil 2. Auf der einen Seite der Westen. Auf der anderen Seite Diktaturen, die sich gegen Demokratien verbünden, aber teilweise untereinander Krieg führen oder sich belauern.
    Die Stärken des Westens: Kapitalismus, technologischer Fortschritt -Schwächen: Linke Utopien, anfällig für Moral
    Die Diktaturen: Gewalt, Rohstoffe, eine gewisse Abgebrühtheit Schwächen: Wirtschaft
    Um es kurz zu fassen: Ich glaube nicht das die Obamas und Putins dieser Welt auf Dauer den Wandel zu mehr Demokratie torpedieren können.
    Allerdings kann es immer wieder einen Fallback geben: Beispiel Europäische Union, die ein Parlament ala oberste Sowjet mit Scheinwahlen pflegt.

      • Ja es ist eine Stärke, weil ohne Gewalt diese Diktaturen nicht mehr existieren würden.
        Außenpolitisch erlaubt es den Diktaturen sich aufzuplustern, denn Gewalttätigen ist alles zuzutrauen. Dagegen kann der Westen inzwischen fast überhaupt nicht mehr militärisch intervenieren, da die Bevölkerung grundsätzlich gegen Auslandseinsätze ist.

  2. zu den Medien: Vor ein paar Tagen wurden amerikanische Abgeordnete im österreichischen Rundfunk, in der Hauptnachrichtensendung Zeit im Bild wörtlich als „durchgeknallte Republikaner“ bezeichnet. Für diesen Indoktrinations“service“ und ständiges Klimaschutz- und Erneuerbarengeschwätz zahlen Österreicher je nach Bundesland zwischen 19 bis 25€ Zwangsabgabe monatlich. Wenigstens gibt es im Gegensatz zu D die Möglichkeit, überhaupt abzumelden, was viel zu wenig praktiziert wird. Ich glaube, die Anmeldequote beträgt 97%.

    • wenn man Internet hat, darf man sich nicht abmelden, da man dann theoretisch ORF konsumieren könnte.

      gäbe es tatsächlich die Möglichkeit, sich frei zu entscheiden, würde die Abmeldequote der heutigen Anmeldequote von 97 % entsprechen

    • Danke für die interessanten Hinweise. Ich bin zu faul, jetzt die deutschen ÖRF-Seiten nach identischen „Nachrichten“ abzusuchen, aber wir wissen alle, dass man schnell fündig werden würde.

      Artikel identischer Machart kommen bei SpOn unter Nachrichten > Politik > Ausland. Es gab einmal echte Journalisten, die machten sich nicht mit Sachen gemein, auch nicht mit vermeintlich guten und es gab Zeiten, da wussten Journalisten noch zwischen „Nachricht“ und „Meinung“ zu unterscheiden. Mit diesen Mindestanforderungen sind besagte Möchtegern-Journalisten von heute freilich komplett überfordert.

      Wenigstens gibt es im Gegensatz zu D die Möglichkeit, überhaupt abzumelden, was viel zu wenig praktiziert wird. Ich glaube, die Anmeldequote beträgt 97%.

      Ich denke Aron hat Recht, die Abmeldemöglichkeit ist mehr Feigenblatt als reale Möglichkeit. In einem System, in dem die ÖRF-Anstalten – wie jedes andere Medium auch – um ihre Seher, Leser und Hörer mit Qualität werben müssten, wäre die Zahl der Käufer weit niedriger. Im jetzigen System gibt es keine selbstbestimmten Käufer, es gibt nur Zwang. Der Zwang für die Käufer diesen Schrott bezahlen zu müssen, aber passenderweise kein Druck für den ÖRF ein hochwertiges Produkt anbieten zu müssen.

  3. In der Sache selbst (Syrien!) hat sich Obama bekanntlich die Butter vom Brot nehmen lassen. Rote Linien? War da was? Aber auch diesen kompletten Fehlschlag verkaufen die meisten Medien bekanntlich als “Erfolg” Obamas.

    Die Chemiewaffen und deren Proliferation waren und sind das größte Sicherheitsrisiko für den Westen im syrischen Konflikt und der einzige Grund zu hoffen, das Assads Regime nicht zusammenbricht. Ohne den Druck Amerikas wären weder die Russen und vor allem nicht Assad zu Eingeständnissen bereit gewesen.

    Der aktuelle amerikanische Präsident hat eine schon lange vor sich hin köchelnde Perversion massentauglich gemacht: “Humanes” Abschlachten mit konventionellen Waffen hui, Einsatz von Chemiewaffen pfui.

    Die Amerikaner wählen ihren Präsidenten, um Schaden von ihrem Volk abzuwenden. Das er auch noch die Verantwortung für das Wohlbefinden von Syrern hat, ist mir neu.

    Zudem sollte, wer solche Urteile fällt zunächst mal aufzeigen, welche Alternativen er sich vorstellt.
    Das nun Amerikaner sterben sollen, damit sich Iraner, Hisbollah und sunnitische Radikale in Syrien nicht mehr bekämpfen ist nicht nach jedermanns Geschmack.

    • Die Amerikaner wählen ihren Präsidenten, um Schaden von ihrem Volk abzuwenden.

      Das passt nicht zusammen, sonst hätten sie nicht Obama gewählt. Amerikanischer Eigennutz ist nicht Obamas Motivation, er will Humanist sein. Retter der Armen, Unterdrückten und Entrechteten der Welt, da schlägt das Herz der Obama-Wähler höher. Natürlich will man dafür keine eigenen Opfer bringen, das ist auch klar, aber Eigennutz werfen die Linken traditionell der GOP vor. Obama predigt bis heute, er wolle es „besser“ machen. Das hätten auch Sie mitbekommen können, es sei denn Sie haben die letzten 50 Jahre in einer Höhle verbracht.

      Zudem sollte, wer solche Urteile fällt zunächst mal aufzeigen, welche Alternativen er sich vorstellt.

      Die stehen in meinem Blog und bei Aron Sperber. Eine Zusammenfassung für neue Kommentatoren, nur weil diese zu faul sind ein bisschen den Blog zu lesen, wird es nicht geben.

      Das nun Amerikaner sterben sollen, damit sich Iraner, Hisbollah und sunnitische Radikale in Syrien nicht mehr bekämpfen ist nicht nach jedermanns Geschmack.

      Davon war nie die Rede.

      • Das passt nicht zusammen, sonst hätten sie nicht Obama gewählt.

        Seit wann war in den Wahlkämpfen – ausser der Truppenabzug — Außenpolitik ein großen Thema? Die Mehrheit wollte ihre Sozialleistungen behalten und hat die Bedenken dass es langfristig möglicherweise nicht funktioniert beiseite geschoben.
        Viele mittellose Amerikaner durchzufüttern hat immerhin noch etwas mit Amerika zu tun. Die Syrer aber sicher nicht.

        Obama predigt bis heute, er wolle es “besser” machen.

        Es ging bei meinem Kommentar hier nicht um das messianische Gefasel von Obama, sondern dass er in der Tat in Syrien das Beste für den Westen rausgeholt hat, was bisher rauszuholen war. Sind Assads Chemiewaffen erst mal entsorgt, so ist seine Entsorgung auch einfacher – wenn man sich unbedingt mit diesem dreckigen Bürgerkrieg beschäftigen will.

        Die stehen in meinem Blog und bei Aron Sperber. Eine Zusammenfassung für neue Kommentatoren, nur weil diese zu faul sind ein bisschen den Blog zu lesen, wird es nicht geben.

        Eine Zusammenfassung Ihrer mit Syrien getagten Blogs (soweit es um Syrien geht):
        Bitte nicht mit Gas umbringen
        Obama ist das Abschlachten der Syrer egal. Außer Polemik nichts dazu was man besser machen könnte und das Irak kein Misserfolg war. (wenn schon ein paar Tausend Amerikaner für Befreiung der Iraker sterben durften, warum soll ich davon ausgehen dass sie dasselbe nicht für Syrien befürworten).

        Warum Obama den Syrern nicht hilft.
        Ja, Obama hilft den Syrern nicht. Was er tun sollte steht dort auch nicht.

        Hat Assad auch eine Mätresse?
        Die Medien vergessen das Assad ein Massenmörder ist und reden über seine mutmaslichen Geliebten.

        usw usf.

        Na denn vielleicht a la Reagan in dieser Region: Erst großspurig daherkommen um den Kampf gegen den Kommunismus im Libanon zu führen und dann mit eingezogenem Schwanz unverichteter Dinge wieder abziehen. Wie gesagt ich kann nur spekulieren, was sie eigentlich wollen.

      • Eine Kurzversion kann ich geben, wenn Sie nichts finden.

        Das Grundproblem ist bekanntlich der Iran. In dieser Richtung wird von amerikanischen Präsidenten interessanterweise nichts unternommen seit die drei Stooges Schmidt, d’Estaing und Carter 1979 auf der Konferenz von Guadeloupe auf die glorreiche Idee kamen, man müsse im Iran doch dringend einen gewissen Ajatollah Chomeini installieren.

        Ziemlich genau 30 Jahre später, im Jahr 2009, kam es zum ersten nennenswerten Aufstand im Iran seit langem. Obama hat bekanntlich ein paar dumme Worte von sich gegeben und die Gunst der Stunde ungenutzt verstreichen lassen.

        Zuschauen und messianisches Geschwafel haben bei Obama Methode. In Libyen waren es Briten und Franzosen geführt von Sarkozy, die Gaddafi stürzten. Obama hielt sich zurück, wollte wie immer nichts riskieren.

        Dann beim Beginn des Aufstandes in Syrien versprach Obama den Rebellen Waffen und Unterstützung. Damals war die Freie Syrische Armee noch durchaus westlich orientiert. Das hat sich freilich geändert, seit sie von Obama verraten wurde und dafür Saudi-Arabien, Katar und Libyen einsprangen.

        Seit Obama gibt es eine Politik des Disengagement. Eine Politik der Nichteinmischung, des Abzuges und des messianischen Geschwafels. Obamas Politik lässt überall Machtvakua zurück. Diese entstandenen Vakua werden von feindlichen Gruppierungen ausgefüllt. Ein einziges Mal wurde Obama bisher außenpolitisch laut und drohend, gegenüber den Ägyptern nämlich, die Muslimbrüder wieder zum Teufel jagten.

        Obama ist ein Appeaser, der die Krokodile kräftig füttert, in der Hoffnung, dass sie Amerika als letztes fressen.

      • Eine Kurzversion kann ich geben, wenn Sie nichts finden.

        Ein Link auf den Blogartikel wo sie die Ihrer Meinung nach richtige Syrienpolitik beschreiben hätte es auch schon getan.

        Bei der Dispärität zwischen Obamas Reden und Taten stimme ich Ihnen ganz zu. Allerdings finde ich die Zurückhaltung in Syrien immer noch die bessere Option, denn der Nutzen eines offenes Eintretens Amerikas für die Amerikaner ist mir immer noch nicht klar.

        Dann beim Beginn des Aufstandes in Syrien versprach Obama den Rebellen Waffen und Unterstützung. Damals war die Freie Syrische Armee noch durchaus westlich orientiert. Das hat sich freilich geändert, seit sie von Obama verraten wurde und dafür Saudi-Arabien, Katar und Libyen einsprangen.

        Möglicherweise war es ein Fehler, aber nicht mal das ist im Nachhinein klar. Zumindest hat sich gezeigt, dass Assad einige loyale Unterstützer in Syrien hat und das Iran und sein Proxy im Libanon bereit sind viel einzusetzen um ihn zu stützen. Wie weit die USA hier hätten gehen müssen ist unklar. Das Gemetzel auf dem Boden ließe sich unter diesen Umständen zumindest schwer aus der Luft beenden.
        Zudem liegt es ja auch noch in der Vergangenheit und hinterher ist man immer klüger, schließlich schrieben sie vor einem guten Jahr ja auch noch

        Wegen mir muss er [Obama] gar niemand helfen. Syrien ist mehr relativ egal. Das kostet nur Geld und Assad hat sowieso schon verloren.

      • Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass der amerikanischen Regierung seit Jahrzehnten ein schlüssiges Gesamtkonzept fehlt, das definiert welche Ziele man in dieser Region hat und wie man diese erreicht.

  4. seit die drei Stooges Schmidt, d’Estaing und Carter 1979 auf der Konferenz von Guadeloupe auf die glorreiche Idee kamen, man müsse im Iran doch dringend einen gewissen Ajatollah Chomeini installieren.
    Wie bitte? Der WEsten und ausgerechnet SChmidt und Carter kamen mit der Idee den Shah durch Ayatollah zu ersetzen? Das ist das erste mal das ich das höre.Bis jetzt habe ich immer gedacht Peter Scholl-Latour hat den Ayatollah inthronisiert in jeder Sendung erzählt er doch immer wie er zusammen mit den Ayatollah nach Teheran geflogen ist und damit gerechnet hat von der iranischen Luftwaffe abgeschossen zu werden.Ihm wurde doch sogar die Mappe mit der islamischen Verfassung anvertraut,sagt er

      • Was für eine Idiotie.Ich frag mich warum das keiner dem Schmidt vorhält wenn er uns mit seinen Weisheiten beglückt

  5. Pingback: Nicht Obamas Stärke | Aron Sperber

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