Es wird eng für Uli Hoeneß.

Mehrere hundert Millionen Euro soll der Bayern-Präsident laut Münchener Abendzeitung auf Konten in der Schweiz gebunkert haben. Eine Summe so hoch, dass sie kaum stimmen kann. Aber ab einer Million Euro hintergangenen Steuern ist laut BGH eine Bewährungsstrafe nur noch bei Vorliegen von „besonders gewichtigen Milderungsgründen“ zu verhängen. Deshalb nun die Selbstanzeige, mit der Hoeneß eine Gefängnisstrafe umgeht. Ausgerechnet der Focus, dessen Herausgeber Helmut Markwort im Bayern-Verwaltungsrat sitzt und kaum ein Spiel verpasst, deckte die Geschichte auf.

Welt online kommentiert die Folgen:

Wer Hilfe brauchte, wer in Not war, dem sprang Hoeneß zur Seite. Mit ihm als Obersamariter standen die Bayern auch für Benefiz. Für die Bedürftigen, für soziale Gerechtigkeit, für die Aufdeckung von Missständen war Hoeneß das Sprachrohr. Arroganz hin oder her, Hoeneß war ein höchst moralischer Mensch – dachten wir zumindest.

Nun bricht die schöne Fassade zusammen. Hoeneß wird vom Paulus zum Saulus.

Bei ihm wiegt es schwer, viel schwerer als bei manch anderem. Denn die Moral, die Hoeneß predigte, wird nun als Doppelmoral entlarvt. Für ihn gelte bei seinen geschäftlichen Aktivitäten, ob in seiner Wurstfabrik oder beim FC Bayern, immer das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns. Ein ehrbarer Kaufmann ist Hoeneß nicht mehr.


Steuerflucht. Asozialer geht es nicht?

Die SZ versucht aus der Sache ein Politikum zu machen. Sie zeigt wieder einmal, dass sie nichts weiter ist, als die Parteizeitung der SPD. Florian Pronold, Vorsitzender der bayerischen Soialisten, darf in einer Erklärung verkünden: „Steuerflucht sei kein Kavaliersdelikt, sondern die schlimmste Form asozialen Verhaltens.“

Mich lässt es erschaudern, wenn Politgrößen und ihre verbündeten Medien Steuerhinterziehung als schlimmste Form asozialen Verhaltens darstellen. Ich empfinde es als deutlich asozialer, wenn man andere Menschen verletzt, vergewaltigt oder totschlägt. Nur der gauche caviar aus dem sicheren Ruccola-Distrikt ist am Ausrasten, wenn nicht jede Steuermillion im Staatsäckel landet. Diese Haltung muss man verstehen. Womit sollte man sonst die eigenen Taschen füllen?

Der Rebell.
Ich habe Uli Hoeneß nie besonders leiden können. Er war so ein typisch deutscher Moralapostel. Mit jedem Jahr wurde er weichgespülter und politisch korrekter. Nun stellt sich heraus, dass er ein Heuchler ist. Ein geldgeiler Fatzke, der dem deutschen Staat so wenig Geld gönnt wie nur irgendwie möglich. Das macht ihn mir doch sogleich sympathisch.

Der Mann, der alles risikiert.
Auch wenn es natürlich hochgradig pathologisch ist, so viel Geld in der Schweiz zu bunkern. Was hatte er mit dem Schwarzgeld vor? Wie hätte er es je benutzen wollen? Und für was? Wenn man sein Geld so anlegt, sind es nur Zahlen auf dem Papier. Nett anzuschauen, aber kaum einsetzbar. Hoeneß riskierte alles. Seinen Ruf, seine Stellung bei seinem Lebenswerk FC Bayern und seine Freiheit. Und für was?

Im Englischen gibt es einen schönen Spruch zum Thema:
Money doesn’t change people. It exposes them.

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25 Gedanken zu „Es wird eng für Uli Hoeneß.

  1. Mir ist jeder sympathisch, der Steuern hinterzieht. In einem Staat, wo es völlig normal ist, daß Politiker mit Steuergeldern Wählerstimmen kaufen bzw. Wähler für ihre Parteien aus dem Ausland importieren, und in dem immer größere Wählerschichten im Staat nichts anderes als einen Robin Hood sehen, der ihnen ihr parasitäres Dasein mit dem Geld anderer Leute ermöglicht, in einem solchen Staat ist jeder Steuerhinterzieher ein Held.

  2. wirklich ‚asozial‘ ist es, über das Geld anderer Menschen zu verfügen. Pronold&Co sollten darüber einmal nachdenken, bevor sie in der Tradition von NSDAP und SED Menschen ‚Asoziale‘ nennen.

  3. Asoziale Kinderbefummler bekommen in diesem Land Theodor-Heuss-Preise. Diese Republik hat fertig. Hoeneß mache ich nur einen Vorwurf wegen seines moralinsauren Gelabers. Und dass er einer Zinssteuerzahlung aus dem Weg ging. 25% Abgabe sind nicht die Welt.

    • 25% Abgabe sind nicht die Welt.

      Ich finde Steuern auf Einkommen generell hinterfragenswert. Man sollte nur Konsum besteuern, nicht das Einkommen und nicht die Bildung von Kapital. Auch zu diesem Thema kommt eines Tages ein Artikel.

      • Ich finde Steuern auf Einkommen generell hinterfragenswert. Man sollte nur Konsum besteuern, nicht das Einkommen und nicht die Bildung von Kapital.

        Findest Du es nicht gerecht, dass jemand, der unter Benutzung der staatlichen Infrastruktur zu Kapital kommt, seinen Beitrag zu Ausbau und Unterhalt derselben beisteuern sollte?
        Welche Beitraghöhe angemessen ist, darüber lässt sich natürlich streiten.

      • Findest Du es nicht gerecht, dass jemand, der unter Benutzung der staatlichen Infrastruktur zu Kapital kommt, seinen Beitrag zu Ausbau und Unterhalt derselben beisteuern sollte?

        Doch natürlich. Das ist doch gar nicht das Thema. Ein Hoeneß bezahlt trotz Schwarzgeld wahrscheinlich in einem Jahr mehr Steuern als wir beide in unserem ganzen Leben. Die Frage ist in der Tat der Zeitpunkt und die Beitragshöhe. Beim Zeitpunkt sage ich: Schwerpunkt auf den Konsum. Bei der Höhe gehe ich in Richtung: Flattax für alle, meinetwegen kombiniert mit Sach- und Essensgutscheinen.

  4. Also lieber Viewer,
    diesmal bist Du doch ein wenig über das Ziel hinausgeschossen.
    Wie kommst Du darauf, dass dieses Geld Schwarzgeld ist? Wenn Du mehr dazu weißt als Vermutungen, dann heraus damit.
    Kann es nicht sein, dass dieses Geld aus ordnungsgemäß versteuerten Gewinnen stammt. Bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich mal davon aus.

    Ist es verboten dieses Geld auf einer Bank zu deponieren, die man für vertrauenswürdig hält? Es ist auch nicht verboten dieses Geld im Land meines Vertrauens, z.B. in der Schweiz, zu hinterlegen.

    Die Richtlinie 2003/48/EG regelt die Behandlung der Kapitalertragssteuer innerhalb der EU:
    „Die EU-Richtlinie 2003/48/EG ist eine Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft, welche die Mitgliedstaaten zur gegenseitigen Unterstützung bei der Erhebung der (nationalen) Einkommensteuer auf Zinseinkünfte verpflichtet.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie_2003/48/EG_im_Bereich_der_Besteuerung_von_Zinsertr%C3%A4gen

    Die Schweiz verfährt entsprechend dieser Richtlinie.
    „Mit dem Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft vom 26. Oktober 2004[4] und dem Zinsbesteuerungsgesetz (ZBstG)[5] wurde die Richtlinie in der Schweiz geltendes Recht. Auch hier wird die „Zinssteuer“ von den Zahlstellen einbehalten und anonym an die Wohnsitzstaaten der Kapitalanleger abgeführt.“(Ziff.7 des obigen Links)

    Die einzige Besonderheit in der Schweiz ist, dass die Gelder anonymisiert weiter geleitet werden. Damit wird den Erfordernissen des schweizer Bankgeheimnisses entsprochen.

    Noch etwas:
    In der allgemeinen Hysterie und Desinformation ist untergegangen, dass nicht alle Konteninhaber, die auf den Datenträgern stehen, bestraft werden oder Steuern nachzahlen müssen.
    Denjenigen, die ordnungsgenäß versteuertes Geld in die Schweiz verbracht haben passiert nichts. Die Kapitalertragssteuer wurde von der Bank ordnungsgenäß, wenn auch anonymisiert, nach Deutschland überwiesen.

    Warten wir mal ab, wie es bei Hoeneß war.
    Aber es macht doch einen zu großen Spaß sich erst mal das „Maul zu zerreißen“.
    Herzlich, Paul

      • Nein Viewer, das hat er natürlich nicht.
        Er wollte nur vorbeugen, dass durch eine Indiskretion die Existenz seines Kontos in der Schweiz offenbar würde. Dann wäre seine Situation noch angreifbarer als jetzt.
        Gut ich spekuliere auch nur, ebenso wie Focus und Münchener Abendzeitung (mehrere 100 Millionen Euro, 🙂 ). Der Unterschied ist nur, die Schreiber dort bekommen Zeilenhonorar.
        Aber gut, ich habe Geduld und kann warten.
        Mal sehen was aus der „Sache Hoeneß“ wird.
        Mit Dir lieber Viewer würde ich gerne wetten.
        Ich warte auf Dein Wettangebot.

      • Er wollte nur vorbeugen, dass durch eine Indiskretion die Existenz seines Kontos in der Schweiz offenbar würde.

        Du sagst ja selbst richtigerweise, dass ein Konto in der Schweiz nicht illegal ist. Also kein Grund für Hoeneß sich selbst anzuzeigen. Der einzige Grund für eine Selbstanzeige ist, dass er Geld illegalerweise nicht versteuert hat.

        Mit Dir lieber Viewer würde ich gerne wetten.
        Ich warte auf Dein Wettangebot.

        Du kannst gerne eine Wette formulieren und den Einsatz.

      • Na gut lieber Viewer:
        Ich behaupte Hoeneß hat kein Schwarzgeld in die Schweiz verschoben, weil bei mir jeder bis zum Beweis des Gegenteils unschuldig ist.
        Wer von uns die Wette gewinnt, darf behaupten, dass er Recht gehabt hat. Wenn ich die Wette gewinne spende ich zusätzlich 20€ für einen wohltätigen Zweck.
        Herzlich, Paul

  5. Schon Irre was zur Zeit publik wird, Cohn-Bendit, Buschido+shaker+CDU/CSU und Hoeneß. Alles sehr interessante Fälle. Zum Hoeneß-Fall:
    Ich versteh auch nicht warum er es getan hat. Es ist anscheinend auch noch ein ziemlich später Zeitpunkt und könnte auf eine Haftstrafe hinauslaufen. Wobei der Staat blöd ist, weil er Geld liegen lässt. So einem Steuerhinterzieher kann man außerdem mehr schaden in dem man ihm noch viel mehr Geld abzwackt. So wird er stattdessen auf Staatskosten im Knast durchgefüttert. Aber Hoeneß ist in Sachen Steuerhinterziehung bei weitem kein EInzelfall. Irgendwann hat jeder zweite EInkommensmillionär eine Superidee, wie man Steuern einspaaren kann.

  6. Was für eine Enttäuschung.Hoenß warum?
    Eine Zeitung schreibt es sollen mehrere hundert Millionen € sein.Wo kommt das her? Mit seiner Wurstfabrik wird er doch nicht so viel verdient haben können.Hoffentlich ist der FCB nicht davon betroffen.Ab 1 Mil. das hinterzogen wurde keine Bewährung aber die Totschläger von Alexanderplatz laufen immer noch frei herum.Das zeigt doch ganz deutlich wo der Staat seine Pririoritäten hat.Der Schutz seiner Bürgern ist es jedanfalls nicht.Wenn’s um Steuerhinterziehung geht dann reagiert der Staat ganz altomdisch-knallharte Strafe.Kein Kuschel-Schmusejustiz die mit Erlebnisevents z.B. in Form eines Karibikurlaubs „straft“
    Die Häme mancher Volksvertreter wird jetzt unerträglich werden

    • Ich glaube auch nicht, dass es hunderte Millionen sind. Aber eine hübsche Summe wird es schon sein. Es stimmt, viele Leute fragen sich, wo das ganze Geld herkommen soll. Das ist für mich jetzt kein Mysterium. Wenn er schon seit 40 Jahren sein Einkommen in die CH verschiebt und das Geld gut angelegt war, geht das durchaus.

      • Also ich finde die Frage, woher das Geld stammt, absolut berechtigt. Wie kann man soviel Geld unbemerkt verschwinden lassen? Auch die Frage seit wann ist dabei interessant.

      • Lieber shaze,
        wie kommen Sie denn darauf?
        “ Wie kann man soviel Geld unbemerkt verschwinden lassen?“
        Also ich überweise mein Geld immer ganz normal per Überweisung in die Schweiz.
        Mache ich immer so.
        Wissen Sie eigentlich wie schwer eine Million € ist? Soll ich mich damit abpuckeln?

  7. Steuerhinterziehung ist doch sowieso schon soetwas wie ein Volkssport geworden. Einen Fuffi für die Kaffeekasse bei „geringfügigen Dienstleistungen“, Nutzung des Kleintransporters der Firma beim Wohnungsumzug eines Angestellten, weitsichtig getätigte Schenkungen der Großeltern um ggf. die Erbschaftssteuer zu umgehen, eine kleine Manipulation beim Unfallschaden hier, eine Schwarzarbeit da und Zigarrettenkauf(mit ohne Steuermarke) auf dem „Fidschimarkt“ – nur eine kleine Auflistung dessen, was dem Großteil der Bevölkerung nicht fremd sondern sehr geläufig ist.

    Ich lehne mich sogar mal soweit aus dem Fenster, dass gewisse „Gefälligkeiten“ auch dem Schreiberlink des SZ-Artikels nicht fremd sind. Das die Medien sich aber nur für solche Fälle wie Hoeneß interessieren, liegt wohl in der Natur der Sache (=höhere Auflage, Sensationsgier, etc.).

  8. Kleine Probleme beschäftigen kleine Gehirne!
    Solange Steuerverschwendung nicht strafbar ist, halte ich Steuerhinterziehung für einen Fliegenfurz, für Getöse um nichts.

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