Enteignung in Zypern!?

Ein Aufschrei ging in den letzen Wochen durch Europas Medien und Stammtische. Der zypriotische Anleger stand dabei im Fokus. Viele Menschen waren darüber empört, dass der zypriotische „Kleinanleger“ an der Rettung der zypriotischen Banken zwangsbeteiligt werden sollte. Wahlweise bezeichnete man die Beteiligung der Sparer als Enteignung, als Steuern oder gleich als Diebstahl und Raub.

Ich glaube Enteignung ist das falsche Wort. Bei Enteignungen hat man in westlichen Staaten eigentlich das Recht auf Entschädigung. Steuern trifft es besser. Was in Zypern geplant war, ist eine Steuer. Und deshalb verstehe ich mal wieder die künstliche Aufregung nicht. Steuern sind nichts Neues. Steuern werden breit akzeptiert. Höhere Steuern werden mit Vorliebe eingefordert und zwar genau von der Wählerklientel, die nun (erfolgreich!) durchgesetzt hat, dass der „Kleinsparer“ in Zypern zu schützen sei.

Zypern ist nicht das Problem. Das ganze System ist das Problem. Es wäre an der Zeit das ganze Steuersystem in Frage zu stellen. Wer nicht nachvollzieht, was ich meine, dem empfehle ich diesen Artikel von Eva Ziessler.

Kommen wir noch zu den Begriffen Diebstahl und Raub. Diese Terminologie verstehe ich nun gar nicht. Wie soll man etwas stehlen können, das im Normalfall schon lange vernichtet sein sollte? Noch einmal zur Verdeutlichung: Die Banken in Zypern sind pleite. Der libertäre Normalfall wäre nun, dass die Einlagen aller Kunden erst einmal komplett weg sind. Man lässt die Banken kollabieren und dann klärt man in Zivilverfahren, welcher Gläubiger wie viel bekommt. Aufgrund der immensen Hebel und der minimalen Eigenkapitalquoten, die in unserem aktuellen Bankensystem vorherrschen, würde nicht viel zu holen sein. Man müsste dem Kleinsparer also ganz hart sagen: Dein Geld ist weg.

An dieser Stelle tritt nun aber die allgemeine Empörung ein. Aus irgendeinem Grund, der mir nicht einleuchtet, erwarten die Menschen, dass die Politik die Gesetze der Vernunft ausschaltet und das Vermögen des Kleinsparers erhält. Es herrscht eine extreme Versicherungsmentalität vor. Es wird von den meisten fest erwartet, dass der Staat zu Hilfe eilt, wenn das eigene Haus oder in diesem Fall die eigene Bank abgebrannt sind. Im Fall der Bank nennen sie es „Einlagensicherung“. Aktuell beträgt diese Einlagen-versicherung in ganz Europa auf dem Papier 100.000 Euro. (Das selbst die EU bei einem großen Bankrun niemals jedem preisstabile 100.000 Euro garantieren kann, sollte eigentlich jedem einleuchten. Aber offenbar klingelt es hier bei den meisten nicht.)

Wir halten also fest: Es sind nicht die Politiker allein, die die westlichen Finanzkrisen verursachen. Es sind zu einem großen Teil die Wähler, die aufgrund einer extremen Versicherungsmentalität von der Politik erwarten, dass man ihr Sparguthaben erhält, wenn die eigene Bank das Sparguthaben verzockt hat.

So bleibt der Teufelskreis weiter in Gang. Denn warum sollte man 100.000 Euro bei einer biederen deutschen Sparkasse anlegen, wenn man in Zinsoasen wie Island, Zypern oder Schottland auf dem Papier (und in Zypern nun auch in der Realität) genauso abgesichert ist, aber viel mehr Zinsen dafür bekommt?

Selbst die FAZ hat dieses Prinzip ausnahmeweise einmal verstanden. Zumindest in Teilen. Hier ein lesenswerter FAZ-Artikel zum Thema. Viele liberale Blogs hingegen haben es irgendwie nicht so ganz verstanden.

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12 Gedanken zu „Enteignung in Zypern!?

  1. Eine einmalige Bankenrettungssteuer, die auf ausländischen Befehl ohne vorherige Ankündigung in einer vorsätzlichen Nacht-&-Nebel-Aktion von Sparkonten eingezogen wird, wobei die Konten tagelang für die Inhaber gesperrt bleiben, ist nun wirklich ein Novum. Dass dies mehr Wut auslöst als die vertrauten Steuern, sollte auch einem fiskusfeindlichen Libertären einleuchten.

    • Natürlich. Aber ich habe ja erklärt, warum die Wut unbegründet ist. Es war auch kein ausländischer Befehl, es war ein Angebot. Normalerweise wäre das Geld komplett weg. So müsste es sein. Aber die Menschen sehen das gar nicht mehr. Sie leben in einer Sicherheitsblase und gehen fest davon aus, dass der Staat sie retten wird und retten muss. Und wenn der Staat dann ein Rettungsangebot vorlegt und die Geretteten sich wenigstens ein bisschen an den Kosten beteiligen sollen (und nicht nur der Steuerzahler!), dann ist das Geschrei riesengroß. In so einer Gesellschaft leben wir mittlerweile.

  2. Meine Vermutung, warum man bei Zypern eine Ausnahme macht und auch die Gläubige zur Kasse lässt, liegt darin, dass ein Großteil der Investoren aus Russland und Großbritannien kommen.
    Wann werden diese durchgeknallten Kontrollfreaks, die die Banken möglichst verstaatlichen wollen, raffen, dass eine Verstaatlichung der Schulden der Banken den Großinvestoren dient.
    Außerdem finde ich es absurd, dass diese Einlagensicherung pro Bank zählt. Blöd ist also der, der über 100.000 € bei der Selben Bank hat.

    Bleibt aber noch eine Frage offen: Worin soll man am besten investieren. Das hängt auch vom Volumen des Geldes ab, dass man anlegen möchte. Meine Meinung dazu ist, dass Immobilien völlig überschätzt und Aktien unterschätzt sind. Immobilien bringen bis auf wenige Ausnahmen wenig Rendite und haben durchaus hohe Wertverluste. Zum selber drin Wohnen kann ich nur sagen, vergesst es. Es gibt nur Schrott-Immobilien auf dem Markt, da wohnt man lieber nur zur Miete und ist somit auch noch flexibler. Wer sein Geld sicher anlegen will, der kauft Aktien von großen Unternehmen, die auch Wirtschaftskrisen überstehen.

    Meine Hauptbank mit 0,4% Zinsen aufs Tagesgeld hat keine 1500 € ( und davon gehen noch ca. 500-600 Euro runter für einen neuen Fernseher. Der Rest ist bei einer deutschen Bank mit Online-Tagesgeldkonto, aktuell 1,75 % Zinsen, die nächsten 3 Monate 1,45% Zinsen. Es ist zwar Zins-mäßig nicht der Renner, aber zumindest gefühlt sicherer als eine estnische No-Name Bank oder so und es ist kein Lockvogelangebot mit hohen Zinsen in den ersten Monaten. In ein oder zwei Monaten, wenn ich wieder ein bisschen was zusammen habe, lege ich etwas Geld als 2-4 Jähriges Festgeldkonto an.
    Insgesamt kann man aber sagen, dass die besten Ideen für die Geldanlage nichts nützen, da es immer anders kommen kann als man denkt. Macht aber so auch den Reiz aus.

    • Von Immobilien halte ich auch gar nichts. Sie sind wie der treffende deutsche Name schon sagt vor allem eines: Immobil. Ich kann sie also nicht mitnehmen. Dafür hat der Staat immer schön Zugriff und kann sich neue Abgaben auf sie ausdenken. „Energetische Zwangssanierung“, „Lastenverteilung“ bei Kriegskosten und so weiter.

      Ich selbst habe einige Aktien. Bis 2008 hatte ich gar keine Aktien, aber dann kam der Crash und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben welche gekauft. Das Zittern war groß, weil jeder mir erzählt hat, kaufe nicht in fallende Messer. Da muss man hart bleiben und darf nicht verkaufen. Und vor allem muss man Aktien kaufen, von denen man selbst absolut überzeugt ist. Das war ich bei Porsche und die laufen auch am besten. Was nicht läuft, sind meine Solaraktien. Bei denen dachte ich, komm die kaufst du weil die anderen, die so toll finden. Das darf man nie machen: Aktien kaufen, weil man meint, dass die andere toll finden. Kaufe 2-3 Firmen, von denen du 100% überzeugt bist, am besten Blue Chips und dann lege dich 15-20 Jahre schlafen.

      Womit man in DL auch immer noch pervers viel Geld verdienen kann, sind Photovoltaik-Anlagen. Aber die kaufe ich aus den oben erklärten Gründen niemals: 1. Immobil, 2. ein Trend von anderen, nicht die eigene Überzeugung.

      • Bei denen dachte ich, komm die kaufst du weil die anderen, die so toll finden.

        Ich hoffe das waren keine allzu guten Freunde.
        Ich selber habe noch keine Erfahrung mit Aktien, würde aber es genauso machen, wie du es beschrieben hast. Ab welchen Betrag lohnt es sich eigentlich einzusteigen?

      • Nein, das waren gar keine Freunde. Es war schlichtweg die Beobachtung, dass so viele Leute Photovoltaik toll finden.

        Meine ersten Aktien habe ich für umgerechnet ca. 3000€ gekauft. Eine pauschale Grenze gibt es da nicht. Aber es muss Geld sein, auf dass du komplett verzichten kannst. Ich setze immer nur Geld für Aktien ein, das ich zu 100% verlieren kann. Mit 3000€ kannst du zu deiner „Sparkasse“ gehen und Aktien kaufen lassen.

        Die Gebühren sind in DL nur unfassbar teuer. Wenn man mehr Geld hat, so ab 20.000€ kann man zu amerikanischen Brokern gehen und das ganze online machen. Die Gebühren sind dort ca. 100 – 1000x niedriger.

        Jetzt im Moment würde ich auch nicht unbedingt kaufen. Die Preise sind doch erheblich gestiegen. (Das ist übrigens die Inflation, die ja angeblich ausbleibt. Das ganze gedruckte Geld geht gerade in Aktien und Immobilien usw). Ich würde dann kaufen, wenn alle extreme Angst haben und panikartig verkaufen. Es müssen allerdings Blue Chips sein, von denen du zu 100% überzeugt bist. Ein guter Indikator sind auch die Medien. Im Moment jubeln sie wieder Aktien hoch: „Aktienkauf jetzt! Chancen wie nie!“. Da kaufe ich nicht. Der Titel muss lauten: „Der große Crash. Nie wieder Aktien.“

      • Da die Fed fleißig weiter Dollar druckt (und die wichtigsten Zentralbanken weltweit das gleiche tun), werden Aktien weiter steigen, wie Du schon erklärt hast als reiner Inflationseffekt. Sie steigen natürlich nicht absolut, sondern nur im Vergleich zum Wert des Geldes. Aber das ist völlig egal. Problem ist höchstens, daß eben vorwiegend in Aktien investiert wird und die Inflation sich in anderen Branchen kaum auswirkt. Das gibt obendrauf also wieder ne fette Blase. Also doch Gold und Silber? Keine Ahnung, was das beste ist. Am Ende muß man sein Hab und Gut auch verteidigen können, vor allem gegen den Zugriff des Staates. Da hat Gold den Vorteil, daß mein Name nicht draufsteht. Mit anderen Worten: was kann man illegal besitzen also ohne Wissen des Staates (und anderer Neider und Beutejäger)?

        Als US Bürger würde ich auch ne Menge Kohle in Waffen und Munition anlegen. Als Deutscher auch, illegal natürlich, aber leider kenne ich niemanden, der mir sowas verkaufen würde.

        Vitamin B ist mit Abstand das wichtigste in diesen Zeiten.

  3. Na ja, es ist weniger die Wählerklientel, die höhere Steuern fordert, sondern es sind Berufspolitiker und Parteiführer (vornehmlich aus dem linken Spektrum, aber nicht ausschließlich), Gewerkschaftsfunktionäre und Medienvertreter. Das Wahlvolk steht kaum gegen solche Forderungen auf, weil zwischen den politischen Eliten und vielen Wählern ein mißberständnis besteht: Wenn z.B. ein Siegmar Gabriel eine höhere Besteuerung der „Reichen und Wohlhabenden“ fordert, meint er höhere Steuern für die Mittelschicht, mindestens aber höhere Steuern für diejenigen mit einem Jahreseinkommen über 50.000 EURO. Viele Wähler verstehen aber, wenn von „Reichen“ die Rede ist, höhere Steuern für diejenigen mit einem Jahreseinkommen von über 500.000 EURO. Dieses Mißverständnis hat vor einer Zeit der NDR einer Reportage über Einkommensverhältnisse in (Nord-)Deutschland offengelegt.

    • Viele Wähler verstehen aber, wenn von “Reichen” die Rede ist, höhere Steuern für diejenigen mit einem Jahreseinkommen von über 500.000 EURO.

      Zu diesem Thema gibt es gute Untersuchungen. Reichtum und Armut werden immer relativ gesehen. Für Leute mit 1200€ netto, sind alle ab 3000€ netto reich. Für alle mit 3000€ netto sind alle ab 6000€ reich. Und so weiter. Für die Multimillionäre Krugman und Augstein sind alle reich, die 50% mehr haben als sie.

      Für einen Chinesen mit 10€ Monatsgehalt, sind alle Westler stinkereich. Das macht Occupy auch so lächerlich. Die Möchtegern-99% schießen sich selbst ins Bein. Es gibt nämlich keinen Grund vor Ländergrenzen halt zu machen.

  4. Wenn überhaupt wer hier enteignet wird, dann der Steuerzahler, der wieder mal die Risiken anderer schultern darf. Die armen „zyprischen Kleinsparer“ haben ihr Geld jahrelang für bei uns längst unvorstellbare Zinsen um die 4% angelegt. Möglich wurde das z.B., weil diese Banken dem maroden griechischen Staat Geld geliehen haben, für entsprechend noch höhere Zinsen (die der u.a. deutsche Steuerzahler schon vorher kräftig mitlatzen durfte bei den diversen Griechen-Bailouts). Nun gingen die zyprischen Banken hops, nachdem die griechischen Geldgeber zum Haircut genötigt wurden.

    Was hier marode ist, ist der Schnullerstaat, die rundum-sorglos Gesellschaft, der infantile europäische „Kleinsparer“, der genau diese Bailout-Politik will und endlich, ENDLICH schmerzhaft vor die Wand namens Realität rennen muß um aus seiner Traumtänzerei aufzuwachen.

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