Die Angstmacher. Liste der modernen Ängste.

Ein wunderschöner Gedanke von Megan McArdle auf Daily Beast zu modernen Ängsten:

This seems to be the fear of the week. Something–outsourcing, robots, immigration, or maybe just the greedy rich hoarding all the good jobs in their massive bank vaults–is stealing all the prosperity from the bottom of the income distribution. Pretty soon, those people will be reduced to begging in the streets while the rich stride past them with their robot servants in tow.

In ihrem wirklich guten Artikel erklärt sie außerdem typische statistische Tricks, die Linke benutzen, um Ängste vor Reichen, sozialer Ungleichheit, relativer Armut, sozialem Abstieg usw. zu schüren. Es hängt vieles davon ab, wie die Grafiken zusammengestellt werden. Sie bespricht zum Beispiel diese Grafik. Guckt sie euch genauer an, vielleicht fällt jemandem etwas auf.


 
Linke behaupten von sich gerne, sie würden keine Ängste schüren. Nur rechts orientierte Menschen würden mit den Ängsten der Menschen spielen. Ich halte noch einmal fest, dass das nicht stimmt. Links orientierte Menschen schüren genauso viele Ängste, wie rechts orientierte. Wenn nicht noch mehr. Nachfolgend eine offene Liste mit Ängsten, die mir spontan einfallen.

Ängste, die eher von Rechten befeuert werden:

Inflation
Immigration
Terrorismus
Drogen
Ausländerkriminalität
Überschuldung
Familienzerfall
Werteverfall
Red Scare
Islam als Bedrohung

Ängste, die eher von Linken befeuert werden:

Outsourcing
Automatisierung
Schere zwischen Arm und Reich
Relative Armut
Klimakatastrophe
Waldsterben
Ozonloch
Trinkwassermangel
Nuklearkatastrophe
Lebensmittelskandale
Infektionskrankheiten
Krebs
Bienensterben
grüne Gentechnik
Artensterben
Waffenbesitz
Amokläufe
Krieg
Patriarchat
Rassismus
Sexismus
Israel als Bedrohung
Christentum als Bedrohung
Kapitalismus als Bedrohung
Grenzen des Wachstums
Lebensraumzerstörung
Ende aller Rohstoffressourcen
Selbstzerstörung durch Technologie
Vergiftung durch industrielle Produkte
Überwachungsstaat
Gentrifizierung

Ängste, die beide Seiten ziemlich gleichmäßig schüren:

Überalterung
Fachkräftemangel
Arbeitslosigkeit
Bildungsnotstand
Bevölkerungsexplosion
Niedergang der Mittelklasse
Untergang von Bergbau, Handwerk und Landwirtschaft
Untergang von kleinen Geschäften und mittleren Betrieben
Nanotechnologie
rote Gentechnik
Sterbehilfe
Selektion
Ökonomisierung des Menschen
Globalisierung
Doping
Freihandel
Free Banking
Meinungsfreiheit

Ich nehme gerne noch mehr Einträge auf. Es geht mir im Moment nicht darum, abschließend zu beurteilen, in welchem Maß diese Ängste einen wahren Kern haben oder nicht. Es geht darum, ob diese Ängste über westliche Medien kommuniziert werden. Wenn dies der Fall ist, kommt die Angst auf die Liste.

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4 Gedanken zu „Die Angstmacher. Liste der modernen Ängste.

  1. An der Liste habe ich einiges zu bemängeln.

    Man muss sich ansehen, welche Persönlichkeitstypen zu welchen Ängsten neigen und welche Handlungsoptionen diese Thematiken jeweils eröffnen. Danach kann man eine politische Einordnung versuchen.

    Neurotiker neigen zur Linken. (Aber es sind bei weitem nicht alle Linken Neurotiker.) Dazu zähle ich Robert Misik, der wöchentlich einen Videokommentar auf derstandard.at veröffentlicht. Dort klagt über Neoliberalismus, Ungleichheit und dergleichen, die er als diffuse Phänomene wahrnimmt, die wie eine bleierne Schwere auf die Menschheit drücken und sie langsam ersticken. Rassismus, Patriarchat, Selbstzerstörung durch Technologie, usw. kann man auch so wahrnehmen. Dem Neurotiker reicht meist die Klage und das es ja schon immer gewusst zu haben.

    Rechte haben Angst vor Außenfeinden und Fremdgruppen (Ausländer, Muslime, Juden, Nachbarstaaten, …) Der Rechte fürchtet an der Globalisierung den Ausverkauf nationaler Ressourcen an Fremde, an der Zuwanderung den Diebstahl von Jobs und Sozialleistungen und an der Überalterung die Überwältigung durch numerisch überlegene und junge Fremde.

    Die Rohstoffverknappung passt am Besten zur Rechten. Der nationalistische Rechte will die Grenzen dicht machen, die Ausländer rauswerfen und enteignen und die nationalen Ressourcen militärisch absichern. Der egozentrische und individualistische Rechte baut sich einen Bunker und lagert Munition und Lebensmittel ein. Der imperialistische Rechte fordert mehr Militär zwecks Zugriff auf Rohstoffe anderer Länder. (Letztere Motivation wird von Linken fälschlicherweise den Neokonservativen unterstellt).

    Linksgrüne akzeptieren zwar die Rohstoffverknappung pro forma. Aber sie können kaum Konsequenzen daraus ziehen. Die Verknappung des Öls und der Kohle impliziert schließlich, dass der Klimawandel sowieso automatisch begrenzt wird, der Autoverkehr teuer und Öffis profitabel werden und das Wachstum ein Ende haben könnte. Der Klimawandel hingegen ist viel attraktiver als Legitimation für künstliche Verknappung durch staatliche und internationale Institutionen und für Belehrungskampagnen.

    Neben den linken Neurotikern gibt es linke Lehrer und Priester und linke Rebellen. Die Rebellen verhalten sich zu Staat, Institutionen und Autorität wie Teenager zu ihren Eltern. Die Eltern/Konzerne/Staat sind einerseits an allem Schuld, sollen aber auch alles richten. Solche Linke findet man in NGOs. die den Staat ständig kritisieren, von ihm finanziert werden, an ihn Forderungen stellen, aber selbst nicht Teil des Staates sein wollen (nicht erwachsen sein wollen).

    Der Typ „linker Priester/Lehrer“ hingegen will sehr gerne die Rolle der fürsorglichen Eltern spielen.

    Und dann wäre da noch die konservative, teils unpolitische Mitte der Angepassten, Ordnungsliebenden, die keine Veränderung wollen. Konservative leugnen sowohl den Klimawandel als auch die Rohstoffknappheit, weil das bedeuten würde auf das geliebte Auto verzichten zu müssen. Solche Konservative beschuldigen durchaus Finanzspekulanten und den Staat die Preise für Öl und Nahrung künstlich zu verteuern, an der (angeblichen) Inflation schuld zu sein. Amerikanische Konservative glauben, dass die USA eigentlich genug Öl hätten, dessen Förderung von Obama mutwillig verhindert würde.
    Familienzerfall, Werteverfall und generelle Kriminalitätsängste passen auch zum Konservativen.

    Umweltschutz und Tierschutz waren übrigens große Anliegen der Nazis. Das ging bis zum Veganismus. Die sozialistische Linke hatte für Naturschutz nichts übrig. Die Grünbewegung hatte in den 80ern noch einen rechten Flügel und das Waldsterben war eine große Sorge nationalistischer Kräfte.

    Und Ronald Reagan hat uns vor dem Ozonloch bewahrt.

    • Ich kann nicht auf alle rechten und linken Strömungen eingehen. Es geht mir um das heute. Welche Ängste werden in Amerika und Europa eher von welchem Lager transportiert? Und da ist die Situation aus meiner Sicht so wie in der Liste dargelegt. Das war aber keine Doktorarbeit, sondern ergab sich aus einem Dinner-Gespräch.

      Und Ronald Reagan hat uns vor dem Ozonloch bewahrt.

      Auch Merkel bewahrt die Deutschen vor dem Weltuntergang durch eine Atomapokalpyse und trotzdem sind diese beiden Ängste, wie die meisten Umweltängste, originäre und elementare Bestandteile des linken Lagers.

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