Das große Diktatoren-Quiz

In der aktuellen Ausgabe der FAS gibt es ein Rätselspiel, bei dem man bekannte Diktatoren anhand eines Fotos aus der Kindheit und anhand relativ unkonventioneller Beschreibungen erkennen muss.

Das Quiz ist mittlerweile online verfügbar. Es ist eine Bildergalerie. Am Anfang sind alle Fotos in der Übersicht zu sehen. Wenn man dann weiterklickt, kommt das erste Foto vergrößert mit einem Text. Wenn man dann weiterklickt, kommt leider sofort die Lösung.

Man kann dies umgehen, indem man diesen Link benutzt und manuell nach „offsett=“ immer nur ungerade Zahlen einsetzt, anstatt einfach weiterzuklicken. Dann überspringt man die Lösungen. Die 0 ist erlaubt, dann 1, 3, 5, 7 und so weiter bis 23.

Die Bilder in der Online-Übersicht sind recht stümperhaft zusammengeschnitten und entsprechen nicht immer der korrekten Reihenfolge im Online-Quiz selbst.

In der Printausgabe der FAS ist das Quiz deutlich angenehmer zu spielen, da einem die Lösungen nicht dazwischen kommen können. Man hat alle Texte und Fotos auf einer Seite und die Lösungen stehen an einer ganz anderen Stelle in der Zeitung.


 

Mein Ergebnis.
Ich hatte elf Diktatoren richtig. Alle außer Nummer vier. Ich finde man sieht sofort aus welcher Region Nummer vier kommt. Dann hatte ich eine 50:50-Entscheidung. Ich habe mich letztendlich für den einfachen Namen mit den vier Buchstaben entschieden. Das war falsch.

Nummer 12 erkennt wohl fast jeder sofort am Bild. Lustig fand ich, dass ich Nummer neun auch am Bild erkannt habe. Wenn man die Bilder ein bisschen anguckt, erkennt man überraschend viele Diktatoren am Bild.

Besonders stolz bin ich auf Nummer zwei (nur Übersicht) und Nummer sechs. Die beiden sind bekannt, aber wie ich finde relativ schwierig. Auch die Nummern neun, zehn und elf aus der Übersicht sind nicht ganz einfach, obwohl sie bekannt sind.

Viel Spaß!

Mein Lieblingstext.
Den Text von Nummer zwölf, fand ich besonders interessant:

In seiner Jugend hätte eine Kutsche ihn fast überfahren. Er überlebte den Unfall, nur seine linke Schulter blieb steif. Er wandte sich damit an einen berühmten Nervenarzt, der auch auf dem Gebiet der Psychoanalyse ein Spezialist war. Der untersuchte ihn und stellte die Diagnose, der junge Mann sei paranoid, habe Wahnvorstellungen. Ob es sich dabei um Verfolgungswahn oder Größenwahn handelte, konnte der Arzt nicht mehr erklären. Er starb am Tag nach der Diagnose. Der junge Mann ließ den Namen des Nervenarztes später aus allen wissenschaftlichen Schriften und Lehrbüchern entfernen.

Bei einem Gelage gefiel ihm eine Schauspielerin. Er zeigte ihr seine Zuneigung, indem er sie mit Brotkügelchen bewarf.

Anhand seiner Politik wusste ich, dass der Mann hochgradig paranoid gestört ist. Ich wusste allerdings nicht, dass ein Psychiater diese Diagnose sogar zu Lebzeiten gestellt hat. Wenn ich den Text lese, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken.

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14 Gedanken zu „Das große Diktatoren-Quiz

  1. Lustiges Spiel. Ich hatte alle richtig bis auf Nummer 1 und 11. Es erstaunt mich immer wieder wie so jaemmerliche Wuerstchen doch soviel unheil anrichten koennen.

    • Danke für deinen Kommentar.

      Die Nummer 1 hatte ich als erstes gelöst. Das Gesicht finde ich eindrücklich. Nummer 11 fand ich auch schwer. Das Foto hilft einem nicht viel. Ich dachte erst es sei ein Russe. Vom Denken her, stimmt das ja sogar.

      Es überrascht micht wie viele große Diktatoren Lehrer waren. Lehrer werden scheinbar gerne Politiker.

      Ich denke man sollte all diese Leute nicht unterschätzen. Abgesehen von Baby Doc sind die alle nicht zufällig an der Spitze der Macht gelandet. Je mehr die Machtergreifung ihre eigene Leistung war desto intelligenter und gefährlicher schätze ich sie ein.

  2. Und gerade der Mann mit der Paranoia hat einfach in einer Zeit gelebt, in der das ein ziemlich nützlicher Defekt war. Aber ich will nicht spoilern, auch wenn es mir unter den Nägeln brennt zwei unglaublich gut zu lesende und spannende Bücher zum Thema zum empfehlen.

    • Danke für deinen Kommentar.

      Die Empfehlungen kannst du gerne nennen. Das würde mich interessieren. Ich lese gerade viel zu FDR und Stalin. Wer die Kommentare liest, muss sowieso mit Lösungen rechnen. Notfalls ergänze ich eben im Artikel, dass in den Kommentaren Lösungen stehen. Kein Problem.

  3. „Er zeigte ihr seine Zuneigung, indem er sie mit Brotkügelchen bewarf.“
    Mit Brotkügelchen warf auch:
    „Stalin made small pellets of bread and threw these at the ‚bare surfaces‘ of the lady.“
    http://books.google.de/books?id=cnGQl1fWE-wC&pg=PA206&lpg=PA206&dq=%22Stalin+made+small+pellets+of+bread%22&source=bl&ots=auP5vI0pr6&sig=EP0nnX-NQgXxUHgaxjak9521H3s&hl=de&sa=X&ei=2Vx_UO6uOsmD4gSa34HYDQ&redir_esc=y#v=onepage&q=%22Stalin%20made%20small%20pellets%20of%20bread%22&f=false

    Stunden später wurde Stalins Frau:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nadeschda_Sergejewna_Allilujewa
    „nach einer Party, auf der sie von Stalin beleidigt worden war, mit einem Revolver in der Hand tot aufgefunden.“

    Ein Jahr zuvor – die verhinderte Führer-Nichte:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Geli_Raubal
    Auch mit ’seiner‘, bzw. einer von ‚ihm‘ vermachte Waffe.

    Wegen dieser Latin-Lover-Masche mit den Brotkügelchen hätte ich wohl Mussolini mit dem Georgier Stalin verwechselt.

    • Vielen Dank für ihren Kommentar. Das ist sehr interessant. Stalin interessiert mich sehr und das erspart mir jetzt eine Menge Recherche-Arbeit. Was für Psychopathen. In dieser Hinsicht kann wohl nur noch Mao mit Hitler und Stalin mithalten.

      Wegen dieser Latin-Lover-Masche mit den Brotkügelchen hätte ich wohl Mussolini mit dem Georgier Stalin verwechselt.

      Wer war dann bei ihnen Stalin? Ich hatte es einfach, ich kenne die Gesichter von Stalin und Mussolini nur zu gut.

  4. Einen Ersatzstalin habe ich nicht gefunden und mich dann doch an das Photo mit Klein-Iossif erinnert. Hier gibt es sogar einen Spezialblog zum Thema Adi und Iossif:
    http://hitlerstalinsimilarities.blogspot.de/
    Man könnte auch noch sagen, dass beide in ihrer Frühphase Geheimdienste gelinkt haben. Hilter sollte ja auf Rechtsradikale aufpassen und nicht deren Chef werden und bei Stalins Absprachen mit der Ochrana war auch wohl nicht vorgesehen, dass er das Land auf den Kopf stellt und halb verhungern lässt. Stalin quält in einer britischen Satire einen Genossen mit seiner Beichte in der Sache: ab min. 8.45

    Saddam hat viel gelernt von Stalin – die Kunst, Genossen durch Morde zu Komplizen zu machen, zu Supergenossen …

    • Vielen Dank. Den Film kannte ich bisher nicht.

      Die Ähnlichkeiten im verlinkten Blog sind wohl eher ein typisch menschlicher Fehler. Wenn man nur Ähnlichkeiten sehen und aufschreiben will, dann geht das natürlich immer. Aber sehr unterhaltsam ist es. Der Blog und der Film.

      • So war Stalin: No handshake. No life. End for Yagoda am min. 0.15

        http://de.wikipedia.org/wiki/Genrich_Grigorjewitsch_Jagoda
        Nachfolger Jeschow war noch schlimmer und wurde auch erschossen.
        Dessen Nachfolger war Beria – der Batono*-Georgier aus dem Roten Monarchen.
        *Die fürstliche Anrede, über die Genosse Sergo sich empört

        Beria konspirierte nach Stalins Tod 1953 mit einer Stasi-Fraktion, die evtl. zu einer Finnlandisierten Wiedervereinigung bereit gewesen wäre. Der 17. Juni kam allerdings dazwischen.

        Sonst wären wohl ein Grass, Elsässer, und Todenhöfer ‚Bundespräsidenten‘ geworden.

        „Based on Beria’s own statements, other leaders suspected that in the wake of the uprising, he might be willing to trade the reunification of Germany and the end of the Cold War for massive aid from the United States, as had been received in World War II.“

        http://en.wikipedia.org/wiki/Lavrenty_Beria

        Beria war ein anti-westlicher Pragmatiker, der wusste, dass nur im Abzocken eine Zukunft liegen könnte. Am 23 Dezember 1953 wurde er vom Leiter der Moskauer Wehrkreises persönlich erschossen**. Nach seiner Verhaftung am 26. Juni 1953 waren zwei Elitedivisionen in Moskau eingerückt, darunter die Tamaner Garde Mot. Schützen, die Jelzin später auch gegen die Putsche von 1991 und 1993 aufbrachte.
        **Details identisch mit mit Saddam Putsch

        Man hatte Beria u.a. vorgeworfen, Nazi-Deutschland die Überlassung des Nordkaukasus für einen Separatfrieden angeboten zu haben.

        Zur Geschichte der Diktatoren gehört ihr ruinöses Regieren und die Versuche ihrer Geheimdienst-Bosse, das kaputte Land herauskaufen zu lassen. Moskau ist in vielerlei Hinsicht kein stabilerer Ort als – Damaskus. Aber erst ist Islamabad noch an der Reihe; m.E. die letzte Chance für das Teheraner Regime – sich gegen ein noch asozialeres zu stellen. Dies geschähe dann aber unter der Protektion von: Putin, der damit auch noch mal Zeit gewinnen könnte.

      • Danke.

        Ich arbeite ja gerade an dem Verhältnis FDR und Stalin. Ich sehe es mittlerweile so, dass viele Probleme auf FDRs Politik zurückgehen. Er hat mit Stalin paktiert und damit den Kommunismus erst so richtig stark gemacht. Anstatt ihn auszurotten wie den Nazismus. Eine andere Politik von FDR hätte der Welt viel Leid ersparen können.

  5. Das Verhältnis von Goebbels zu FDR war jedenfalls in:
    Geneva – 1933 , Interview with Dr.Goebbels about Crisis in Europe and USA
    noch ganz ausgezeichnet. Kann man FDR natürlich nicht anlasten; aber der Kreis seiner Belobiger war zeitweise alles andere als appetitlich.

    • Was Goebbels über FDR sagt, ist ja nicht viel. Daraus folgern sie hätten ein gutes Verhältnis gehabt, kann ich nicht.

      Aber man lernt aus dem Interview schön, dass die Nazis als Erstes den Keynesianismus in der Praxis angewandt haben. Höchst erfolgreich, wenn man so will. Man erreichte in atemberaubender Zeit vollbeschäftigt. Keynes war damals ganz begeistert.

      • Vor FDR war Hoover; ab 1928: The story of Hoover Dam – ab min. 4.00 durchaus auch etwas ’sowjetisch‘ anmutende Bilder von der ‚extensiven Phase‘ der US-Industriealisierung. Man hat halt Gott sei Dank keine Staatsdoktrin ‚draus gemacht; wohl auch weil man mit Nazi-Deutschland und später der Sowjetunion ‚die richtigen Feinde‘ hatte, um sich das zu verkneifen. Immerhin sieht man, von was Sheriff Arpaio aus Maricopa County eine Karikatur ist.

  6. In Romantisierungen von ‘extensiven Phasen’ von Industriealisierung lag ein ökonomisches Pathos vonseiten der großen staatlich organisierten Totalitarismen, die uns die Weltgeschichte beschert hat.

    Mit dem frühen Stalin flirteten Teile des linken Spektrums; mit dem frühen Mussolini Teile des rechten Spektrums der Freien (d.h. westlichen) Welt. Ein Pol Pot war ein Dritte Welt Abklatsch davon, während der Islamismus – soweit man ihn in totalitärer Tradition sehen will – staatlich aber auch gar nichts gebacken kriegt an tatsächlicher ‚produktiver‘ Organisierung von Massen.

    Nur für Kinder-Angriffswellen (Iran-Irak-Krieg und Taliban) reichte es hin und dabei scheint es zu bleiben. Und weiterhin gegeneinander; wir erleben quasi den Auftakt zu einer Neuauflage des Iranisch-Sunnitischen Krieges der 80-er mit nach Syrien hinein westwärts verschobener Front.

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