Die Schweizer sind jetzt schuld an der Euro-Krise.

Mein Internetbrowser zeigt mir beim Starten gleich mehrere Seiten auf einmal an. Von diesen Startseiten war bisher auch immer ein deutsches Medium dabei. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es Spiegel Online war. Die sind zwar extrem parteiisch, aber die Seite wird recht oft aktualisiert. Man ist so immer auf einem aktuellen Stand, was in Deutschland gerade passiert.

Vor ein paar Tagen wurde es mir allerdings zu dumm mit SpOn. Die Informationen sind so gefiltert und die Artikel so parteiisch, das ist nicht mehr feierlich. Außerdem habe ich die Online-Version der deutschen Zeitung „Die Welt“ entdeckt, die auch recht gut aktualisiert wird. Also habe ich SpOn mit Welt Online ersetzt.

Mittlerweile frage ich mich allerdings wieso. Die Artikel sind bei der Welt nicht wirklich anders geschrieben. Sie sind im Prinzip genauso parteiisch. Die Artikel und die Titelthemen sind zum Teil sogar identisch.

Die Schweizer sind jetzt schuld an der Euro-Krise.
Ein Beispiel. Vor ein paar Tagen titelte Spiegel Online, die Schweiz finanziere Deutschlands Schulden und sei schuld daran, dass die Zinssätze auseinanderdriften.

Zur gleichen Zeit genau der gleiche Tenor und die gleiche Einseitigkeit bei der Welt: „Schweiz befeuert Auseinanderdriften der Euro-Zone.“ Sogar die Titelbilder sind identisch. Agenturen wie Reuters bilden oft den Nährboden und die Medien drucken es kritiklos ab.


 
Ursache und Wirkung werden vertauscht.
Botschaft in beiden Artikeln: Die Schweiz ist schuld am Euro-Desaster. Die Schweizer sind schuld daran, dass die GIIPS so hohe Zinsen bezahlen müssen. Sie müssten einfach GIIPS-Anleihen kaufen anstatt deutsche und alles wäre in Butter.

Diese Argumentation ist typisch. Ursache und Wirkung wird mal wieder einfach vertauscht. Die GIIPS haben das Vertrauen der Schuldner verspielt. Deshalb kaufen die Schweizer dort keine Anleihen. Eine wichtige Krisenursache ist der Vertrauensverlust in die Euro-Zone. Ein Vertrauensverlust, der laut Reuters, Spiegel und Welt offenbar vom Himmel gefallen ist.

Dieses Sündenbock-Spiel ist typisch und altbekannt.
Bisher waren laut Medien und Politikern der Euro-Zone immer „anglo-amerikanische Spekulanten“ schuld an der Euro-Krise. Ein typischer Jargon aus der europäischen Politik in den 20er und 30er Jahren. Nun sind es die Schweizer. Wer ist als nächstes der Sündenbock? Die Juden?

Die Schuld bei sich selbst zu suchen, wäre ja geradezu absurd.

Weitere Beispiele
Zur gleichen Zeit durfte Bofinger bei der Welt über Japan, China und die Schweiz ablästern. Das sind die drei Staaten, die ich schon oft als Vorbild für die Wiedereinführung der D-Mark genannt habe. Diese Staaten halten ihre Währungen auf dem von ihnen gewünschten Niveau, indem sie bei Bedarf einfach massenweise Staatsanleihen in Dollar und Euro kaufen. Siehe meinen Artikel zum Thema.

Auch das Romney-Bashing lief letzte Woche bei Welt Online auf Hochtouren.
Soll das ein konservatives Medium sein?

Fazit
Spiegel und Welt produzieren an einem Tag so viele schlechte Artikel,
dass es einem schwerfällt die wenigen lesenswerten Artikel herauszufinden.

Zettel hat eine sehr gute Serie über die deutschen „Qualitätsmedien“.
Die deutsche Online-Version der Welt gehört offenbar auch in diese Liste.

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16 Gedanken zu „Die Schweizer sind jetzt schuld an der Euro-Krise.

  1. Na dann halt faz.net. Leider ist die Online-Ausgabe der Faz nicht so gut wie die Print-Ausgabe, aber immer noch besser als Spiegel & Co.

    • Ich teste gerade FAZ.net. Aber sie sind leider nicht sehr aktuell und genug linke Vögel haben sie auch. Bahners, Minkmar, Julia Seeliger und noch einer aus dem Feuilleton mit Glatze und Hipster-Brille.

      Da gibt es noch viel mehr. Ich höre jetzt auf zu überlegen, sonst muss ich mich gleich übergeben.

      Man sollte mal eine Liste der guten Journalisten machen. Das macht mehr Spaß und es dauert auch nicht lang, weil die Liste in DL sehr kurz ist.

      Diese wenigen guten Journalisten muss man leider aus allen deutschen Medien mühsam herausfiltern.

  2. Ich kenne derzeit kein einziges Medienportal, was erträglich wäre. Das Ausmaß an aufdringlicher, ja provozierender Bescheuertheit in sämtlichen deutschen Medien ist für mich immer wieder unfaßbar. Und die Online-Versionen sind stets um etliche Stufen bescheuerter als die Druck-Ausgaben.

    Manchmal frag ich mich, ob diese Bescheuertheit bewußt gewählt ist, weil Bescheuertheit ja Gegenreaktionen provoziert, somit auch Konsumenten anlockt.

    Beklemmend jedenfalls, daß es in der deutschen Medienwelt gar keine Oase der Vernunft zu geben scheint. Offenbar ist dafür kein Markt vorhanden. Sonst würden sich doch z.B. die Achgut-Leute zusammentun und was eigenes aufmachen.

    Medien verknüpfen Information mit Entertainment. Ist nur Bescheuertheit unterhaltsam? Ich denke nicht. Bin ich eine kleine Minderheit? Ich denke nicht. Gerade ein Medium, was die Bescheuertheit der restlichen Medien thematisieren würde, könnte m.E. durchaus unterhaltsam und populär sein.

    • Gerade ein Medium, was die Bescheuertheit der restlichen Medien thematisieren würde, könnte m.E. durchaus unterhaltsam und populär sein.

      Das sehe ich auch so. Das geht aber in DL nur, wenn man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk privatisiert. Die deutschen Sender wären dann wie in Amerika immer noch zu 90% links. Aber es würden eher Alternativen nach oben kommen. Ein alternativer Sender würde mir persönlich schon reichen.

  3. „Auch das Romney-Bashing lief letzte Woche bei Welt Online auf Hochtouren.
    Soll das ein konservatives Medium sein?“

    Gerade ein konservatives Medien neigt eher dazu, bei Wahlen im Ausland für den Kandidaten Partei zu ergreifen, der für das eigene Land der Bessere wäre, und das ist nunmal Obama. Ich selbst bewege mich in sehr konservativen Kreisen, kenne aber keinen, der Romney den Vorzug würde.

    • Na hoffentlich nicht diese „konservativen“ Kreise die irgendwann bei Elsässer und DeeEx landen. Denen wäre ein Obama auch lieber.

    • Danke für deinen Kommentar.

      Gerade ein konservatives Medien neigt eher dazu, bei Wahlen im Ausland für den Kandidaten Partei zu ergreifen, der für das eigene Land der Bessere wäre, und das ist nunmal Obama.

      Diese These entspricht wirklich oft der Realität. Wenn auch in der Art, dass Konservative im Ausland oft gerne Linke an der Macht wollen und andersherum. Ganz egal wie sie nun wirklich für das eigene Land sind.

      Die Logik dahinter liegt im Fall von DL vielleicht in der Geschichte. Man wollte immer, dass die Franzosen und Russen stramm links regiert wurden, dann herrschte dort Chaos und man konnte über sie herfallen.

      Für Amerika hat diese „Logik“ aber noch nie gestimmt. Linke Präsidenten waren immer eher schlecht für DL und rechte Präsidenten waren eher gut.

      FDR hat mit Stalin paktiert, das hat die Teilung von DL besiegelt. Ein rechter Präsident hätte eher nicht mit Stalin gemeinsame Sache gemacht. Eisenhower dagegen war deutschland-freundlich. Reagan hatte die UdSSR zu Fall gebracht. Und so weiter. DL ist mit rechten amerikanischen Präsidenten besser gefahren.

    • Der Browser ist Betriebsgeheimnis. Hamza hätte ruhig in GB bleiben können. Der kostet nur Unsummen an Geld. Das ist eigentlich Aufgabe der Briten, dass sie so jemanden behalten und gegebenfalls verurteilen.

      • Sieht aber die amerikanische Justiz anders sonst hätte man sich nicht so viel MÜhe gegeben ihn zu bekommen.Es scheint jemand will ein paar alte Rechnungen begleichen

  4. Mehr als froh da fliegen die Champegnerkorken.Endlich sind wir den los.Eigentlich ist das ein trauriger Anlass wenn in Europa wir solche Leute nicht einfach abschieben können,Und gefährlich!

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