Obama, der schwarze Muslim

Madonna gibt ein Konzert in Washington und sagt dabei (in Minute 2:00 im Video):
„We have a black Muslim in the White House! Now that’s some amazing s**t.“

Sie meint damit Obama und man solle doch bitte unbedingt für ihn stimmen und so weiter. Man kann sich die ganze wirre Rede angucken, wenn man schmerzfrei ist und nichts Besseres zu tun hat.

Madonna klingt dabei nicht wirklich nüchtern. Ich will jetzt auch nicht zu viel über diese Frau reden. Solche Aussagen macht sie natürlich gerne. Sie will Aufmerksamkeit und ihre Platten verkaufen. (Wer kauft eigentlich Madonna-Platten?).

Mein Fokus richtet sich wieder auf die Reaktion der Medien. Ein paar linke und rechte Medien haben die Aussagen von Madonna als Fauxpas aufgefasst, andere hingegen nicht.


 
Madonnas Korrektur wird akzeptiert.
Ich kann nicht beurteilen, wie ernst sie das gemeint hat. Wie man sieht, ist sie in dem Video ein „bisschen“ durch den Wind, um es mal verharmlosend zu formulieren.

Jedenfalls hat sie sich am nächsten Tag so korrigiert:

Das sei natürlich ironisch gemeint gewesen. Sie wisse, dass Obama kein Muslim sei. Aber sie wisse eben auch, dass viele Menschen in Amerika glauben, er sei einer. Also was wäre wenn? Ihr Argument sei gewesen, dass Obama ein guter Mann ist, egal zu wem er bete.

Selbst diese Botschaft ein Tag nach dem Konzert erscheint mir immer noch reichlich wirr. Madonna ist offensichtlich immer so, nicht nur während Konzerten. Okay. Ihr gutes Recht.

Der Punkt ist, die Medien kaufen ihr die Geschichte mehrheitlich ab. Muslim‘ Comments About Obama Were ‚Ironic‘ (Huffington Post). Madonna entdeckt die Ironie (Focus). Und so weiter.

Jetzt schalten wir mal zur deutschen Welt, was die aus der Story machen. Sie lästern über die „dummen“ amerikanischen Medien ab, die Madonnas angeblich so offensichtliche Ironie nicht sehen wollen:

Die Medien von Youtube und Facebook bis Fox News bewiesen, dass man der Sängerin jeden Blödsinn ernsthaft zutraut: Auch den, die Religion des Präsidenten, für den sie Wahlkampf betreibt, zu fälschen.

Madonnas Fehltritt war in Wirklichkeit ein Geniestreich.
Man kann das ganze natürlich auch aus dem Blickwinkel der deutschen Welt betrachten. Madonna ist nun mal sehr glaubwürdig und wenn sie hinterher sagt, es war ein Witz und ironisch gemeint, dann war es eben ein Witz. Eine Kritik an den „dummen“ Amerikanern quasi, die ja wirklich so „dumm“ sind und meinen Obama sei ein Muslim. Ein genialer Billardstoß über drei Banden!

Das ist ein toller Turnaround, den die Welt in ihrem Artikel hinbekommt: Madonna sagt Obama sei ein schwarzer Muslim, dann macht man eine meisterhafte Überleitung auf die, die wirklich dumm seien: Die vielen Amerikaner, die angeblich glauben, Obama sei Muslim. Wenn Amerikaner in Umfragen angeben Obama sei Muslim (aus welchen Gründen auch immer), soll es Bigotterie sein, wenn Madonna das gleiche vor tausenden Leuten sagt, ist es Gesellschaftskritik.

Die „konservative“ und „amerika-freundliche“ Welt sollte sich ein neues Motto zulegen: Schuld hat immer der Amerikaner. Oder der Klassiker: Der Amerikaner ist unser Unglück.

Aus einem sprachlichen Fehltritt von Madonna wird ein Geniestreich Madonnas, den die Welt sogar noch in ein Amerikaner-Bashing ausarbeitet. Dabei hat nur Madonna vor Kameras gesagt, Obama sei ein Muslim und sonst niemand.

Madonna vs. Romney
Aber okay. Gestehen wir diese Einseitigkeit der Welt zu. Man kennt es ja nicht anders. Und wenn sich jemand verbessert, dann berichtet die Welt immerhin die Verbesserung und stellt klar, dass es ein Witz war.

So wie bei Mitt Romney. Sein Stab streut seit nun einigen Tagen, dass seine Bemerkung zu den Fenstern in Flugzeugen ein Witz gewesen sei. (Siehe auch mein Goldfinger-Artikel zum Thema.)

Seine Frau Ann Romney war bei Jay Leno und hat noch einmal klargestellt: Es war ein Witz. Ihr Mann reagiere oft so, wenn ihr etwas passiert. Er überspiele seine Sorge mit Witzen.

Das Problem ist nur: Weder die linken amerikanischen Medien noch alle (!) deutschen Medien berichten darüber. Im Gegenteil. Die Welt hat immer weiter Romney-Bashing-Artikel fabriziert. Es gibt nicht einmal den Ansatz einer Richtigstellung.

Die Medien könnten ja die Version der Romneys in gewohnter Art und Weise lächerlich machen. Aber nicht einmal das passiert. Die Korrektur der Romneys wird erst gar nicht berichtet.

So läuft im Prinzip der ganze Wahlkampf seit dem ersten Tag. Mit diesen Widrigkeiten hatten auch schon Reagan und Bush zu kämpfen. Das Wunder dabei: Die Republikaner gewinnen trotz des extremen Medienbias doch noch überraschend oft. Ich wundere mich mit jedem Jahr mehr, wie sie das eigentlich immer wieder schaffen.

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19 Gedanken zu „Obama, der schwarze Muslim

  1. Ich finde dieser Beitrag passt hier prima zum Thema des „dummen Amerikaners“ dazu: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/damit_es_auch_kuenftig_schwabinger_monologe_gib_die_sz_fuer_kinder/

    Ich wurde in meiner Kindheit und Jugend ähnlich indoktriniert, auch wenn wir zu dieser Zeit null Interesse an Politik hatten. Diese linke Indoktrination war mal subtil und dann wieder unverblümt, aber sie war stets da. Da spielte es keine Rolle, ob es um Atomkraft, Migration, Krieg oder halt um die USA ging. Schon von Kindesbeinen auf wurden wir auf die „richtige politische Überzeugung“ hin erzogen.
    Das kann ich natürlich erst alles aus der Warte eines Erwachsenen reflektieren, der sich für Politik interessiert und schon lange kein Linker mehr ist.

    Während meiner Ausbildung hatte ich einen Lehrer, der eigentlich strikt gegen Ausländerhass und Rechtsextremismus war, vor der versammelten Klasse eine antiamerikanische Hassrede gehalten. Die Amis schickten machten Tests mit Atomwaffen und schickten ihre Soldaten ins Testgebiet, nur um zu sehen was passiert; die Amis präsentierten die Luftangriffe der Air Force zur Prime Time; die Amis sind fett und verfressen und überhaupt, Amerika ist eigentlich ein schönes Land, wenn da nur nicht soviel Amis wären. usw. usf.

    Die Schüler haben dagegen weder protestiert, noch hatte das Konsequenzen seitens der Schulleitung.

  2. Guy Ritchie hat wohl auch relativ schnell gemerkt was er sich für eine trulla geangelt hat. Kaum war er sie los hat er wieder gute Filme gemacht.

  3. Dazu ein schönes Zitat von Alice Cooper:
    „So when I see all these rock stars up there talking politics, it makes me sick. …. If you’re listening to a rock star in order to get your information on who to vote for, you’re a bigger moron than they are. Why are we rock stars? Because we’re morons. We sleep all day, we play music at night and very rarely do we sit around reading the Washington Journal.“

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Gilt auch für Bono („Ich rette Afrika im Alleingang“) oder Herbert Grönemeyer („Dein Geld gegen meine Armut“)…

    • Das stimmt. Die meisten sind viel zu sehr mit ihrem Beruf beschäftigt. Und was noch dazu kommt: Sie sind in Bereichen außerhalb der Musik oft nicht besonders intelligent. Es gibt sicher Außnahmen, auch linke, wie vielleicht Bob Dylan und so weiter.

      Aber Madonna ist außerhalb der Musik total unbrauchbar. Ja selbst Musik kann sie nicht wirklich. Sie lässt sich die Lieder schreiben und schafft Aufmerksamkeit durch angebliche Provokationen. Das ist ihre Masche seit Jahrzehnten. Für Bono gilt Ähnliches. Grönemeyer kenne ich nicht.

      • „Grönemeyer kenne ich nicht“.

        ist auch kein großer Verlust, obwohl der „frühe“ Grönemeyer doch gute Lieder geschrieben hat (selbst!) und auch als Schauspieler nicht übel war. Zum Kotzen finde ich jedoch, wenn ein sehr gutbetuchter Künstler (wie Grönemeyer oder auch Bono) Leute zum Geldspenden aufruft, selbst aber nichts gibt. Wenn er es ernst meinte, könnte er ja seine Knete verschenken. Macht er aber nicht.

  4. Madonna ist keine Musikerin, sie kann kein Instrument spielen, geschweige denn Musik komponieren.
    Sie war einst Nacktmodel in New York und war mit einem Musiker zusammen, der „Like a virgin“ komponiert hat, das wurde dann ein Hit.
    Von Politik scheint sie auch keine Ahnung zu haben.

      • was ihr Talent betrifft, muss ich entschieden widersprechen.

        Madonna hat in den 80ern verdammt gute Sachen gemacht.

        dass sie dabei genau mit den richtigen Leuten zusammengearbeitet hat, spricht für mich nicht gegen, sondern für sie.

        käme jemand auf die Idee, Elvis nicht als großen Performer zu bezeichnen, nur weil er die meisten seiner Lieder nicht selbst geschrieben hat?

        und auch er ist nicht gerade in Würde gealtert.

        zu ihrem Obama-Statement:

        im Grunde hat sie recht: es wurde ein Mann mit einem arabischen Namen und schwarzer Hautfarbe zum Präsidenten gewählt – und das wenige Jahre nach 9/11.

        die geschlagenen Gegner haben dem Sieger fair gratuliert (was siehe Bush 2000) keine Selbstverständlichkeit ist.

        eigentlich wären das lauter Tatsachen, die zeigen wie unfair und absurd viele der gehässigen Vorwürfe gegen die USA sind.

        in den europäischen Medien wird jedoch selbst aus so einer Sache ein neuer gehässiger Vorwurf konstruiert

      • im Grunde hat sie recht: es wurde ein Mann mit einem arabischen Namen und schwarzer Hautfarbe zum Präsidenten gewählt – und das wenige Jahre nach 9/11.

        Das sehe ich auch so. Im Grunde ist Obama, sehr vereinfacht gesagt, ein schwarzer Muslim. So wirkt er durch seinen Namen, durch seinen Hintergrund, seine Aussagen und durch seine Politik. Das ist auch nicht negativ gemeint. Das ist mehr eine Beschreibung. Madonna hat es ja in der Tat auch nicht negativ gemeint, sondern positiv.

        Wenn man sich die Umfragen anguckt, die die Welt so hämisch anspricht, dann ist es dort genauso. Ich war auf der Seite dieser Organisation. Eine Umfrage von Juli 2012 gibt es dort nicht. Aber Umfragen von Juli 2008 und 2010 mit der gleichen Frage.

        2008 waren Demokraten und GOP-Anhänger noch gleich auf. Beide Lager meinten zu je ca. 12% Obama sei ein Muslim. Wie ernst und was diese Leute damit wirklich meinen, weiß kein Mensch. Wenn mich so eine dumme Telefonumfrage mit der Frage belästigen würde, ob Obama ein Muslim ist, würde ich vielleicht auch mit Ja antworten. Warum auch nicht?

        Für die demokratischen Wähler, die angegeben haben Obama sei ein Muslim, war seine Religion jedenfalls ein wichtiger Grund ihn zu wählen. So weit haben die Umfragen immerhin nachgehakt.

        Für die 12% GOP-Anhänger dagegen war es ein Grund ihn nicht zu wählen. Aber auch das ist legitim.

        was ihr Talent betrifft, muss ich entschieden widersprechen.
        Madonna hat in den 80ern verdammt gute Sachen gemacht.

        Das stimmt sie hat gute Sachen gemacht. Olaf und ich meinen allerdings sie ist keine gute Musikerin. Sie war eine gute Tänzerin, die sich damals gut inszenieren konnte. Das konnte sie wirklich gut, aber das ist nicht mein Ding. Elvis dagegen war wirklich ein guter Musiker. Lange nicht so gut wie Cash oder Dylan, was schreiben und Instrumente angeht, aber er konnte gut singen und so weiter. Madonna hat die Show-Effekte, die u.a. Elvis eingeführt hat, noch einmal perfektioniert. Aber rein musikalisch? Nein danke.

        Like a Prayer ist gut und Papa Don’t Preach, aber schon Like a Virgin hört sich heute nicht mehr gut an. Wahrscheinlich waren es schon damals nur der Text und das Video, das so aufregend war. Holiday, La Isla Bonita und Material Girl kann man noch zählen, wenn man sehr gnädig ist. Aber das ist schon sehr 80s. Mehr Madonna-Lieder fallen mir nicht ein.

        Mir fällt auf wie schlecht sich die 80s generell anhören. Im Vergleich zu anderen Jahrzehnten. 60s zum Beispiel. Ist bei Filmen auch so, aber nicht ganz so schlimm.

      • Madonna hat sich immer wieder neu erfunden – und immer wieder Hits gelandet.

        was ihr oft vorgeworfen wird, dass es bei ihr mehr um Verpackung als um den Inhalt geht.

        aber genau das ist Showbiz

        …so ähnlich hatte es Nile Rodgers der Produzent ihres erfolgreichsten Albums auch ausgedrückt.

        dessen hochinteressante Autobiographie ich gerade verschlungen habe:

        http://www.amazon.com/Le-Freak-Upside-Family-Destiny/dp/0385529651/ref=cm_cr_pr_pb_t/181-0032409-6569034

      • was ihr oft vorgeworfen wird, dass es bei ihr mehr um Verpackung als um den Inhalt geht.
        aber genau das ist Showbiz

        Das stimmt. Das ist Showbiz. Und wer Show will, ist bei Madonna genau richtig.

      • @aron
        Natürlich sind die Songs, wo Madonna draufsteht teilweise sehr gut, „Open your heart“ ist eines meiner Lieblingslieder, „Material Girl“ ist auch gut, aber wer hats erfunden?

  5. die Madonna B*tch, offensichtlich ‚voll stoned‘, mit jeder Menge asozialer F- und S-Bombs ambivalent Obama nennend, repräsentiert zusammen mit dem heruntergekommenen David Crosby die Obama Wähler der US: das sind genau die asozialen Faulenzer, und inesbesondere die parasitären Intellektuellen, die Romney meint.

    • Sich über „F- und S-Bombs“ beklagen und ein paar Wörter vorher das B-Wort benutzen, ist nicht gerade logisch. Ich bevorzuge es, wenn Kritik an einer Person in einem gewissen Rahmen bleibt. Egal wer die Person auch ist.

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