Die Grenzen der Regulation. We’ve basically outlawed the world of stuff.

Arprin hatte vor kurzem einem wunderbar präzisen Artikel über die Nachteile diverser Regulierungen und über Regulation an sich. Nachteile, die leider immer weniger Menschen sehen wollen.

Über falsche Anreize und russische Schachspieler.
Don Furioso hat am Ende dieses Kommentars eine weiterführende Frage. Er beklagt, dass Physiker, Mathematiker und Ingenieure im Investmentbanking mehr verdienen (bzw. verdient haben), als woanders. Er verzweifle an den Anreizen.

Aber was ist die Erklärung für diese ungleich verteilten Anreize? An dieser Stelle fällt mir mal wieder Peter Thiel ein, der vor kurzem ein sehr gutes Streitgespräch auf CNN mit einem Google-Vertreter hatte. Es ging dabei unter anderem genau um diese Frage. Seine Erklärung ist ziemlich interessant wie ich finde:


 

The why questions always get immediately ideological. I’m Libertarian, I think it’s because the government has outlawed technology. We’re not allowed to develop new drugs with the FDA charging $1.3 billion per new drug. You’re not allowed to fly supersonic jets, because they’re too noisy. You’re not allowed to build nuclear power plants, say nothing of fusion, or thorium, or any of these other new technologies that might really work.

So, I think we’ve basically outlawed everything having to do with the world of stuff, and the only thing you’re allowed to do is in the world of bits. And that’s why we’ve had a lot of progress in computers and finance. Those were the two areas where there was enormous innovation in the last 40 years. It looks like finance is in the process of getting outlawed. So, the only thing left at this point will be computers and if you’re a computer that’s good.

[…]

So, if you ask why did all the rocket scientists go to work on Wall Street in the ’90s to create new financial products, and you say well they were paid too much in finance and we have to beat up on the finance industry, that seems like that’s the wrong side to focus on. I think the answer was, no, they couldn’t get jobs as rocket scientists anymore because you weren’t able to build rockets, or supersonic airplanes, or anything like that. It’s like why did brilliant people in the Soviet Union become grand master chess players? It’s not that there’s something deeply wrong with chess, it’s because they weren’t allowed to do anything else.
(Source: CNN)

Alterung ist nicht wirklich ein Problem.
Das ganze Interview enthält diverse interessante Ansichten von Thiel. Es lohnt sich also fast alles zu lesen. Unter anderem sagt er richtigerweise, dass Demographie im Westen nicht wirklich ein Problem darstellt. Auszug:

That’s why demographics are not a problem. If people are living longer and healthier lives they will be productive for much longer. There is no demographic problem whatsoever.

Großkonzerne wie Microsoft und Google sind nicht mehr innovativ.
Laut Peter Thiel sind Großkonzerne wie Google kein bisschen innovativ. Sie waren es einmal. Google habe 30, 40, 50 Milliarden an Cash, aber sie hätten keinen Plan wie sie das Geld effektiv in Innovationen investieren könnten. Google habe vor Jahrzehnten eine einzige Innovation gehabt. Ihre Suchmaschine. Google sei kein Technologiekonzern, Google sei seit Jahrzehnten einfach diese Suchmaschine. Google verwaltet nur noch diese eine Innovation. Wer in Google investiert, wettet darauf, dass niemand eine bessere Suchmaschine erfindet. Google ist eine Wette gegen Innovation. Das interessante an der Sache ist, dass der Google-Chairman und Obama-Berater Erich Schmidt ihm nicht widerspricht. Er gibt zu, dass Geld nicht das Problem darstellt. Google habe in der Tat genug Cash. Aber sie können das Geld nicht ausgeben, weil sie in einem Meer von Grenzen und Regulationen ersticken. Hier der Auszug:

PETER THIEL: But, if we’re living in an accelerating technological world, and you have zero percent interest rates in the background, you should be able to invest all of your money in things that will return it many times over, and the fact that you’re out of ideas, maybe it’s a political problem, the government has outlawed things. But, it still is a problem.
ADAM LASHINSKY: I’m going to go to the audience very soon, but I want you to have the opportunity to address your quality of investments, Eric.
ERIC SCHMIDT: I think I’ll just let his statement stand.
ADAM LASHINSKY: You don’t want to address the cash horde that your company does not have the creativity to spend, to invest?
ERIC SCHMIDT: What you discover in running these companies is that there are limits that are not cash. There are limits of recruiting, limits of real estate, regulatory limits as Peter points out. There are many, many such limits. And anything that we can do to reduce those limits is a good idea.
PETER THIEL: But, then the intellectually honest thing to do would be to say that Google is no longer a technology company, that it’s basically, it’s a search engine. he search technology was developed a decade ago. It’s a bet that there will be no one else who will come up with a better search technology. So, you invest in Google, because you’re betting against technological innovation in search. And it’s like a bank that generates enormous cash flows every year, but you can’t issue a dividend, because the day you take that $30 billion and send it back to people you’re admitting that you’re no longer a technology company. That’s why Microsoft can’t return its money. That’s why all these companies are building up hordes of cash, because they don’t know what to do with it, but they don’t want to admit they’re no longer tech companies.

Außerdem lästert Thiel wie immer über die Ausbildungsblase ab. Ein echter Querdenker.
Alle Welt redet von der großen Bedeutung eines Studiums, nur Thiel sagt das Gegenteil.

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27 Gedanken zu „Die Grenzen der Regulation. We’ve basically outlawed the world of stuff.

    • Thiel hält nur Dinge fest. Da vertraue ich auf seine Einschätzung. Die Dinge, die du aufzählst, sind doch nicht wirklich innovativ. Thiel ist ein Visionär, ein Träumer. Thiel will viel mehr: Fliegende Autos, ewiges Leben, Teleportation, Time Travel. Was wurde aus den Menschheitsträumen? Die Menschheit muss sich wieder auf das besinnen, was wichtig ist. Nicht den 100sten Browser, das 100ste Betriebssystem und das 1000ste Handy.

      • Thiel will viel mehr: Fliegende Autos, ewiges Leben, Teleportation, Time Travel

        Das ist aber nicht besonders innovativ, da fast jeder Mensch an so etwas denkt.
        Hätte man die Handys und die Betriebssyseme nicht verbessert, würde man immer noch mit Backsteinen telefonieren und mit Blechkisten durch die Gegend rollen.

      • Das ist aber nicht besonders innovativ, da fast jeder Mensch an so etwas denkt.

        Es geht hier nicht ums Denken, es geht ums Machen. Da kommt Thiel besser voran als Google.

      • Und warum muss/soll Google alles entwickeln? Wäre es so wie du es gern hättest, also Google haut eine neue Technologie, Entwicklung nach der nächsten raus, wäre Google absoluter Monopolist.

      • Monopol oder nicht ist total egal. Google hat wie Apple Milliarden an Cash und das was sie gerne damit machen, ist Juristen, Lobbyisten und Politiker bezahlen, damit diese für sie die Konkurrenz klein halten. Das ist kein Kapitalismus wie er sein soll, das ist mafiös.

  1. Google ist nicht nur einfach die Suchmaschine: die haben Google Mail, Google Maps, Youtube, den Chrome Browser, Android, dverse Cloud-Services (etwa Online-Office) und nicht zu vergessen Motorola Mobility. Klar, viel davon haben sie zugekauft oder nachgemacht, aber die haben auch viel ausprobiert und eben wieder eingestampft, wenn es nicht so funktioniert hat.
    Was Google nicht macht, ist, wirklich langfristig zu planen, wie z.B. Amazon: die machen nicht viel Gewinne, aber investieren sehr viel in die langfristige Entwicklung des Konzerns. Man wird sehen, ob es Google dann so geht wie Microsoft, die langsam aber sicher in Schwierigkeiten kommen (was z.B. vor 10 Jahren noch undenkbar war).
    Was die Cash-Reserven betrifft: die sind bei Apple noch größer, z.T. werden die auch nicht investiert, weil es zuviel kosten würde, das Geld in die USA zurückzuschaffen. Da würden zig Milliarden Dollar Steuern anfallen…

    • Danke für den Kommentar. Gleiche Antwort wie an Rainer Lang. Das sind doch alles keine Meilensteine, die ihr aufzählt, das ist doch nüchtern betrachtet alles ziemlicher Schrott. Über diese „Erfindungen“ redet in fünf bis zehn Jahren kein Mensch mehr.

      Thiel hat Facebook mit gerade einmal 500k nach vorne gebracht. Sagen wir einmal Google würde von seinen 50 Milliarden Cash, fünf Milliarden für wirklich ambitionierte Start-ups verwenden. Das ist nun wirklich nicht viel. Sagen wir weiter jedes Start-up kostet im Schnitt 500k. Dann könnte Google ungefähr in 10.000 Unternehmen dieser Art investieren.

    • Ja natürlich. Allerdings sehe ich mal wieder nicht den Zusammenhang zum Text.

      Manche Kritiker behaupten ja, Microsoft selbst war selten wirklich innovativ. Ich kann das nicht beurteilen. Gates hatte aber wohl die wichtige Gabe den Markt richtig einzuschätzen. Es wird oft behauptet, IBM dachte PCs würden keine große Rolle spielen in der Zukunft. Gates und Jobs dagegen waren vom PC überzeugt.

      So ähnlich ist es bei Google und Thiel. Thiel glaubt an die Zukunft, Google glaubt an seinen neuen Browser.

      • Hier der Anhang für den besseren Zusammenhang.

        Die Innovationen auf die wir hier warten kommen eben nicht von Microsoft, sondern wahrscheinlich aus einer noch unbekannten Richtung. Das Pech von Google, Microsoft und co, zu fett und unbeweglich, ergo wenig innovativ geworden zu sein, wird das Glück eines neuen Bill Gates sein. Hätte ich eine Idee für ein gutes Startup, für welches sich Google zB interessieren könnte, ich würde den Wert der Firma erstmal ordentlich steigern, um sie eben nicht für 500k verscherbeln zu müssen. Und dann könnte ich das Baby nicht mehr hergeben.
        Und ja, Microsoft war selten innovativ. Genau einmal. Alles andere waren nur logische Folgeentwicklungen.
        „Gates hatte aber wohl die wichtige Gabe den Markt richtig einzuschätzen.“
        Genau so war es. Keine gute Idee setzt sich durch, wenn sie nicht irgend einen Nerv der Menschen trifft. Was habe ich damals über die „Unhandlichkeit“ meines C64 geschimpft. Einfachste Funktionen zu programmieren dauerte Stunden oder Tage. An 15 Sekunden Musik habe ich einen halben Tag gesessen. Damals träumte ich von einem Computer, der wichtige Funktionen bereits fest einprogrammiert hat, der sich ähnlich einer Maschine bedienen lässt, nur eben mit virtuellen Hebeln und Knöpfen. Onkel Bill hat geliefert. Wenn seine „Maschinen“ auch anfangs meinerseits mit einer zu hohen Erwartungshaltung begutachtet wurden. Und unzuverlässig waren diese Kisten sowieso. Da habe ich dann bis ca1995 doch lieber mit OS/2 gearbeitet. Seitdem ist Windows besser geworden.
        Google glaubt schon auch an die Zukunft. Nur stellen die sich die Zukunft mit zu wenig Fantasie vor.
        Hättest Du vor 200 Jahren einen afrikanischen Buschtrommler gefragt wie sich die (auf Trommelzeichen basierende) Buschkommunikation verbessern liesse, er hätte sofort angefangen von riesigen Trommeln zu schwärmen, aber eben nicht das Funkgerät erfunden.
        Die (hier zitierten) Ansichten Thiels teile ich zu 100%.
        Das Phänomen der russischen Schachspieler kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen. Leute mit Grips in der Birne waren nur interessant, wenn sie sich 100%ig von aussen steuern liessen, vollkommen durchschaubar und berechenbar waren. Nur so wurde man mit wirklich wichtigen Sachen betraut. Die nahmen lieber einen Idioten als einen Selberdenker.

      • Danke für die Erläuterung.

        Hätte ich eine Idee für ein gutes Startup, für welches sich Google zB interessieren könnte, ich würde den Wert der Firma erstmal ordentlich steigern, um sie eben nicht für 500k verscherbeln zu müssen. Und dann könnte ich das Baby nicht mehr hergeben.

        Jede Idee braucht früher oder später Geld. Thiel bringt Geld und Idee zusammen. Dieses erfolgreiche System könnte Google kopieren, machen sie aber nicht. Aus welchen Gründen auch immer. Thiel sagt ja selbst es ist die Regulation, aber offensichtlich nicht nur, denn Thiel investiert ja trotzdem noch. Google ist nur noch ein Verwaltungsapparat. Ein Monopolist, der seine marktbeherrschende Position halten will. Google fehlt, wie du richtig sagst, offenbar der Mut, die Fantasie, der Glaube an ganz neue Technologien.

      • Ja.
        Irgendwie denke ich aber gerade diese Thema gibt eigentlich mehr her.
        Es ist ein guter gedanklicher Ansatz, die zZ herrschenden Um-und Zustände zu sortieren.
        Der kalte Krieg wurde beendet. Bis dahin wurden alle erdenklichen Resourcen in die industrielle Produktion, das Wettrüsten gesteckt.
        Paradigmenwechsel.
        Ganze Staaten werden anhand kleinerer und grösserer Revolten „umstrukturiert“.
        Das erfordert Intelligence und vor allem IT (Cyberwar, auch als Wirtschaftsspionage etc). Wirtschaftskriege werden jetzt weniger mit Embargos und Strafzöllen ausgetragen, sie erfolgen mittels Einflussnahme einer immer mächtiger werdenden Finanzindustrie. (Raketentechniker -> Banker)
        Banken sind in der Folge bald wichtiger als die Produzenten materieller Dinge. Das schien früher mitunter auch schon einaml so zu sein, allerdings zeigten sich nun völlig neue Qualitäten. Man hatte dazugelernt.
        Beispiel SIEMENS. Eine „moderne“ Verknüpfung von Produktion, Bankensektor und IT. Das ist wohl die Zukunft.
        Ob Thiel das ähnlich sehen würde?
        Sehen wir diese neue Phase mit Befremden, weil wir in einer anderen Phase aufgewachsen sind?

      • Thiel hat ja nichts gegen IT. Im Gegenteil. Er will, dass alle Bereiche so große Fortschritte machen wie Internet und IT in den letzten Jahren.

      • Apropo den Markt richtig einschätzen-Maxeiner und Miersch haben eine Seite mit falschen Prognosen in allen Bereichen wie Politik,Technik,Kultur,Markt usw. Da liest man dann Sätze wie diese
        „Flugzeuge sind interessante Spielzeuge, aber haben keinen militärischen Nutzen.“
        Marschall Ferdinand Foch, französischer Militärstratege, 1911
        Quelle: Newsweek 27.01.1997″
        oder
        „Die Amerikaner haben Bedarf für das Telefon, wir haben es nicht. Wir haben reichlich Laufburschen.“
        Sir William Preece, Chefingenieur der Britischen Post, im Jahr 1876
        Quelle: NZ-Herald, 15.12.2008″
        http://www.maxeiner-miersch.de/dumm_gelaufen.htm

  2. Ich bin zwar auch libertär. Doch was die Zitate uns erklären wollen ist grober Unsinn und nicht weniger polemisch als das Gewäsch der Linken. Der Vergleich in der Entwicklung zwischen der Informatik und Raketentechnik ist schon sau dämmlich.
    Warum sollte Google nicht innovativ sein? Es kommt doch auch niemand auf die Idee Kik, Netto oder die Pizzeria von neben an als nicht innovativ zu bezeichnen. Ich glaube der Mann hat einfach jegliche Maßstäbe verloren. Nebenbei wäre gerade die Informatik für diesen Herrn doch über reguliert. Für jeden Murks, wie Schnittstellen, Programmiersprachen, etc. gibt es Normen. Selbst bei Betriebssytemen-Hardware haben sich nur die mit 0 und 1 durch gesetzt.
    Google und Microsoft kann man nur vorwerfen, dass sie viele gute Monopole sich erkauft haben. Youtube, Skype und viele Dinge „nur“ nachgemacht haben. Microsoft war so gesehen nie innovativ. Also klares Fail Herr Thiel.

    • Doch was die Zitate uns erklären wollen ist grober Unsinn und nicht weniger polemisch als das Gewäsch der Linken. Der Vergleich in der Entwicklung zwischen der Informatik und Raketentechnik ist schon sau dämmlich.

      Deine überhebliche Ausdrucksweise gefällt mir nicht. Ich halte die Ideen von Thiel für interessant und neu. Wenn man wie Thiel aus einfachen Verhältnissen kommt und mit guten Ideen ein Vermögen von über 500 Millionen Dollar anhäuft, dann halte ich „dämlich“ nicht für eine hinreichend gute Erklärung.

      Ich glaube der Mann hat einfach jegliche Maßstäbe verloren.

      Ich glaube der Mann ist ein Visionär, der sich nicht so schnell mit „kleinen“ Facebook-Erfolgen zufrieden gibt. Thiel will den ganz großen Wurf. Das ist doch bewundernswert. Der Mann könnte sich wie Google auf die faule Haut legen und sein Vermögen nur noch verwalten, aber er macht es nicht. Er will noch etwas wirklich Großes erreichen im Leben.

      • Ich halte die Ideen von Thiel für interessant und neu.

        Von mir aus.

        Wenn man wie Thiel aus einfachen Verhältnissen kommt und mit guten Ideen ein Vermögen von über 500 Millionen Dollar anhäuft, dann halte ich “dämlich” nicht für eine hinreichend gute Erklärung.

        Na und? Deswegen muss ich doch nicht aus dem Fenster springen, wenn er verkündet das heute die Schwerkraft aussetzen wird.
        Er berücksichtigt garnichts und argumentier auch nicht, warum soll ich dann mich ernsthaft erklären.

        Außerdem gefällt mir diese großmundige Interpretation von Innovation nicht. Wobei ich auch teilweise nicht mehr unterscheiden kann, wovon wir hier eigentlich schreiben. Mal ist sind es Erfindungen, dann Marketing oder Investment.
        Ich finde, dass kommerzielle Weiterentwicklungen und Innovationen mit denen sich kein/kaum Geld verdienen lassen, zu wenig, bis garkeine Rolle in dieser Innovations-Interpretation spielen. Obwohl gerade auch diese Dinge, die Menschheit voran bringen. Außerdem sind in vielen Fällen die Entwickler/Erfinder nicht am späteren kommerziellen Erfolg, der später folgt, beteiligt.

  3. Da bricht aus mir der Wirtschaftswissenschaftler hervor:

    Anreize sind das Stichwort. Der Kapitalmarkt ist kein idealer Markt da sich aus den wachsenden Informationsasymmetrien starke Machtungleichgewichte ergeben die von den Akteuren ausgenutzt werden.

    Unser System des Kapitalinvestments krankt an massiven Principal-Agent Problemen. Egal ob man als Investor zum Bankberater geht oder Aktien einer AG oder gar Anteile an Investmentfonds besitzt, es wurde nie geschafft sicherzustellen dass die Interessen der Prinzipale (die Anleger) mit denen der Agenten (Banken, Aufsichtsräte, Vorstände, Fondsmanager) ausreichend übereinstimmen. So haben die Agenten immer den Anreiz die bestehenden massiven Informationsasymmetrien zu Schaden der Agenten zum eigenen Vorteil auszunutzen. Das erklärt z.B. die obszönen Bezüge, insbesondere Boni, für „Banker“ aber auch Vorstände in Kapitalgesellschaften die ironischerweise gerade mit der Principal-Agent Theorie begründet wurden. Da dieser Anreiz zur Ausnutzung von Informationsasymmetrien im System verankert ist sind die handelnden und gestaltenden Akteure immer auch angereizt diese Informationsasymmetrien zu erhalten und auszubauen. Ein Weg dazu sind unnötig komplexe Finanzinstrumente die sich vom eigentlichen Kern ihres Zweckes immer weiter entfernen und bei denen diese Entfernung vom „Kern“ des Geschäfts (z.B. die Finanzierung von Unternehmensaktivitäten wie einer Produktneuentwicklung) so groß wird dass dieser nicht mehr erkennbar ist. Dafür braucht man natürlich Leute mit immensen mathematischen Fähigkeiten. Für jemand der als theoretischer Physiker in immer komplexeren Formeln denkend der „Weltformel“ hinterherjagen könnte ist die Erstellung von komplexen Finanzinstrumenten ein Leichtes.

    Deregulation des Bankensystems erleichterte es diesen Agenten noch mehr ihre Prinzipale (und das sind wir alle als wirtschaftlich handelnde Menschen) auszunutzen. Gerade dies wurde mit dem Argument des ach so „fairen“ Marktes durchgesetzt. Dieser ist nur dann fair wenn alle handelnden Akteure über die gleiche Information verfügen und diese auch auswerten können. Da dieser Idealzustand nur auf Tafeln in VWL Vorlesungen zu finden ist brauchen wir Regeln welche die Marktteilbnehmer vor Macht- und Informationsasymmetrien schützen.

    • Danke für ihren wunderbar fundierten Kommentar.

      Unser System des Kapitalinvestments krankt an massiven Principal-Agent Problemen. Egal ob man als Investor zum Bankberater geht oder Aktien einer AG oder gar Anteile an Investmentfonds besitzt, es wurde nie geschafft sicherzustellen dass die Interessen der Prinzipale (die Anleger) mit denen der Agenten (Banken, Aufsichtsräte, Vorstände, Fondsmanager) ausreichend übereinstimmen. So haben die Agenten immer den Anreiz die bestehenden massiven Informationsasymmetrien zu Schaden der Agenten zum eigenen Vorteil auszunutzen.

      Genau so sehe ich das auch. Ich sehe es nicht nur so, ich kann es sogar eine Anekdote dazu erzählen.

      Ein guter Freund von mir ist Vermögensverwalter bei einer großen bekannten amerikanischen Bank. Davor war er bei einer großen europäischen Bank. Es dreht sich in diesen Kreisen alles nur um Provisionen.

      Der vorgesetzte 30jährige Yuppie kommt morgens in das Büro und sagt: „Angestellte XY, Sie haben ihren Soll für diesen Monat nicht erfüllt.“

      Mein Freund ist schon über 50 und ein alter Hase im Geschäft. Ihn ärgert diese Kundenbehandlung schon lange. Immer wenn der Yuppie-Idiot seine Quoten fordert, greift der Freund einmal im Monat zum Telefon und ruft einen seiner superreichen Kunden an: „Hallo du ich verkaufe jetzt mal ein paar Tausend Aktien von Microsoft für dich und kaufe dafür Apple, das lohnt sich gerade total.“ Antwort des superreichen Freundes, der gerade in irgendeinem Aufsichtsrat seinen Hintern breitsitzt: „Ja ok, ist mir doch egal.“

      Natürlich lohnen sich diese Transaktionen nicht wirklich. Aber die Provision ist für ihn so hoch, dass er seine ganze Monatsquote auf einmal erfüllt und damit den ganzen Monat keine Kunden mehr über den Tisch ziehen muss. Das ist noch die sehr humane Variante der Principal-Agent-Probleme, die mein Freund anwendet.

      Wer Vermögen hat, sollte es, so gut es geht, selbst verwalten. Aber auch dann sind natürlich noch längt nicht alle Principal-Agent-Probleme gelöst. Der Aktienmarkt selbst ist voller Insider und krummer Geschäfte. Auch in anderen Märkten, ist es nicht viel anders. Als Kleinanleger hat man dort von vorneherein extreme Nachteile.

      Ich sehe aber noch nicht, wie Regulation das Problem konkret lösen kann.

      Im Grunde ist dieses Ungleichgewicht so alt wie die Banken selbst. Man müsste vielleicht an die Banken selbst gehen. Sie müssen wieder pleite gehen können. Und wenn sie nicht pleite gehen dürfen, dann muss man sie wenigstens verstaatlichen. Die amerikanischen und europäischen Banken wären doch alle pleite, wenn der Staat nicht gewesen wäre. Also alles unter Staatshand. Und dann Free Banking erlauben. Vielleicht ist das ja eine Lösung.

  4. @AV
    Den muß ich noch loswerden,das ist mein Liebligszitat 🙂
    „Wenn jetzt nach der Wiedervereinigung demnächst auch noch all die Fußballer aus dem Osten dazukommen, dann wird Deutschland auf Jahre hinaus unschlagbar sein.“
    Franz Beckenbauer, 1990
    Quelle: http://www.dailysoccer.de/national/national11.html
    Was wiederum viele linke Westdeutsche zum Thema Wiedervereinigung von sich gegeben haben ist nur noch peinlich auch noch so kurz davor 89/90.Dabei war das was die Ostdeutschen geschafft haben eins der besten Dinge die aus unseren Lande kamen.Vielleicht das beste

    • Dabei war das was die Ostdeutschen geschafft haben eins der besten Dinge die aus unseren Lande kamen.Vielleicht das beste.

      Die Ostdeutschen?! Von wegen! Das war David Hasselhoff! 😀

      Siehe auch hier:
      http://news.bbc.co.uk/2/hi/3465301.stm

      Jetzt mal im Ernst, ich halte den ostdeutschen Widerstand nur für den allerletzten Baustein. Der Druck von Reagan und Thatcher hat die UdSSR wirtschaftlich ruiniert und realpolitisch isoliert. Diese günstige Lage hat der polnische Widerstand mit als Erstes ausgenutzt. Alles ging relativ unblutig über die Bühne, weil mit Gorbatschow ein humaner Reformer die Macht ergriff, der blutige und sinnlose Niederschlagungen relativ gut verhindert hat. Wenn WWI und II Beispiel dafür sind wie dutzende Ereignisse und Personen zu einer Katastrophe führen, dann ist das Ende des Kalten Krieges ein Beispiel dafür, dass Geschichte auch genau andersherum verlaufen kann. Man weiß es leider nur selten vorher. Ich denke, wenn es Menschen wie Reagan und Gorbatschow gibt, die einen starken Willen und klare moralische Prinzipien haben, dann kann Geschichte gut ausgehen.

      • Klar ich habe niemals behauptet die Ostdeutschen hätten den Löwnanteil an der Beseitigung des Kommunismus was letztlich zur Öffnung der Mauer führte.Ich glaube auch Reagen hat sie kaputtgerüstet.Ich sagte dass nur auf DL. bezogen und das war eins der Besten Dinge die DL vollbracht hat.Sie haben ihr Leben riskiert,niemand wußte vorher dass die Panzer nicht kommen werden wie 53.Wenn ich aber dann die Reaktionen vieler Deutschen dazu sehe oder lese z.B. Schilly der die Banane rausholte als er im TV gefragt wurde was er von der Ergebnis der erste freien Wahlen in Ostdeutschland denkt da fehlen mir echt die Worte.Was ist denn falsch daran dass die Ossis auch die Banane (Freiheit und Wohlstand) wollten?Sie haben ihr Leben dafür riskiert und was hat Schilly und seine 68er bei ihren Demos riskiert?Vielleicht ein Schnupfen wenn man bisschen Wasser von dem Wasserwerfer abgekriegt hat

  5. Knight Rider auf der Mauer?Na das habe ich nicht gewußt.Danke!Auch an Dich Knigt Rider! Ehre wem Ehre gebührt 🙂
    „I find it a bit sad that there is no photo of me hanging on the walls in the Berlin Museum at Checkpoint Charlie,“ he told the magazine“
    Ja das würde ich auch gern sehen!

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