Achgut beschneidet die Debatte

Es ist kein Geheimnis, dass die Achse des Guten zu meinen Lieblingsblogs im deutschsprachigen Raum gehört. Umso enttäuschender ist ihr Vorgehen in der Beschneidungsdebatte. Achgut benutzt hier Methoden, die sie eigentlich sonst nicht benutzen.

Sie schüren unbegründete Ängste.
Sie benutzen kaum sachliche Argumente.
Sie schwingen ganz große Keulen.
Sie benutzen Falschdarstellungen.
Sie sind extrem einseitig.

Für alle Thesen könnte ich nun ausführlich Belege anführen, aber ganz ehrlich dafür ist mir meine knappe Zeit zu schade. Der aufmerksame Leser wird auch selbst erkennen, was ich meine. Eine kleine gedankliche Auffrischung müsste genügen.

Aron Sperber hat zum Beispiel die Einseitigkeit und Heuchelei schon sehr schön auf den Punkt gebracht. Man liest auf Achgut plötzlich gar nichts mehr von Autoren wie Necla Kelek und Ayaan Hirsi, die sonst gerne und oft verlinkt wurden.


 
Wo sind eigentlich Kelek, Hirsi, Yaron, Kaya und Wolffsohn?
Henryk M. Broders raffinierter Trick hat mir dabei besonders gut gefallen. Er nennt uns den bisher unbekannten Beschneidungsgegner Jonathan Enosch, der von der taz als „jüdischer Kronzeuge“ ausgegraben wurde. Diese Argumentation von Broder ist bekannt und sie leuchtete mir bisher auch immer ein. Es ist in der Tat so, dass linke MSM gerne irgendwo in Israel einen „Kritiker“ hervorkramen, wenn es darum geht „Israelkritik“ zu üben. Dumm ist nur, dass Broders Trick im Falle der Beschneidung nicht funktioniert. Das Gegenteil ist der Fall. Broder schießt sich ein Eigentor.

Broder hätte nämlich gar nicht bis Enosch gehen müssen. Der Arzt Gil Yaron hätte sich wie Kelek und Hirsi sicherlich auch über eine Verlinkung durch Achgut gefreut. Er wurde aber nicht verlinkt. Dabei war auch Gil Yaron ein bekannter Kommentator auf Achgut, der bis zur Beschneidungsdebatte eigentlich oft und gerne von Achgut verlinkt wurde. Seine differenzierte Meinung in der FAZ gefällt mir sehr gut. Sie ist meiner Meinung sehr ähnlich. Ein paar Auszüge:

In der Universitätsbibliothek von Jerusalem suchte ich nach Studien, die eindeutig die Vorteile männlicher Beschneidung erweisen. Vergeblich.

Ein Lehrsatz bildete die Grundfeste meiner medizinischen Ausbildung: Primum non nocere. Zuallererst keinen Schaden zufügen. Ein Arzt muss Vorsicht und Bescheidenheit walten lassen, darf einen Eingriff nur ausführen, wenn dessen mögliche Vorteile gegenüber den Risiken und Nebenwirkungen überwiegen. Die allgemeine männliche Beschneidung ist in Industriestaaten nicht indiziert.

Das Urteil der nichtjüdischen Richter in Köln sollte Anlass für zwei urjüdische Akte sein: nachdenken und diskutieren. Wir brauchen keine Rechtssicherheit, sondern eine Denkpause.

Wenn meine Erziehung zum Judentum dazu führt, dass mein Sohn eines Tages als mündiger, überzeugter Jude von seinem Vater fordert, ihn endlich zu beschneiden, dann werde ich seinen Wunsch erfüllen, mit Liebe, Stolz und Schmerz. Aber nicht früher.

Diese Meinung von Gil Yaron hätte der Achse gut getan.
Sie wäre eigentlich typisch Achgut gewesen. Allein schon zum Ausgleich.

Das nächste Beispiel ist Cahit Kaya. Auch er war bisher ein gern gesehener Gastkommentator auf Achgut. Seine Meinung zur Beschneidung und die Kampagne vom Zentralrat der Ex-Muslime sucht man auf Achgut ebenso vergeblich.

Auch Michael Wolffsohn wäre sicherlich einen Link wert gewesen.

Soweit Google und ich das eruieren können, wurde kein Einziger der genannten Personen zum Thema Beschneidung verlinkt. Kelek, Hirsi, Yaron, Kaya und Wolffsohn werden offenbar von einem oder mehreren Achse-Machern bewusst ignoriert.

Der Jonathan Enosch der Achse
Stattdessen schreibt nun ein gewisser Murat Altuglu auf der Achse. Laut Google zum allerersten Mal. An dieser Stelle lohnt sich eine Persiflage auf Broders Wahnartikel:

Was, Sie haben noch nie etwas von Murat Altuglu gehört? Das muss an den gleichgeschalteten Medien in Europa liegen. Wir von der Achse haben ihn gefunden! Kelek, Hirsi, Yaron und Kaya konnten wir leider, leider nicht erreichen, aber dafür haben wir zügig einen Ersatz-Schreiber organisiert.

Die Achse möge es mir verzeihen, wenn ich diesen Brei nicht esse.

Nachtrag 25. Juli
Christoph Horst hat auf Achgut doch noch eine andere Meinung zur Beschneidung gefunden. Sehr gut. Sie kommt von Gideon Böss. Ich habe sie offenbar übersehen.
Der Titel „Gott, bitte melden!“ war nicht gerade ein Hinweis auf einen Beitrag zur Beschneidungsdebatte. Bin jetzt happy.

Nachtrag 26. Juli
Cora Stephan verlinkt auf Achgut zu Gil Yaron!

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36 Gedanken zu „Achgut beschneidet die Debatte

  1. Wobei ich den Artikel von Murat Altuglu (den ich bisher auch nicht kannte) sehr gelungen finde. Zumal ich auch, ehrlich gesagt, etwas verblüfft bin über die Positionierung des AV bei diesem Thema.

    • Der Artikel von Altuglu ist genau so wie ich es beschreibe: Er schürt Ängste. Er benutzt kaum sachliche Argumente. Er schwingt ganz große Keulen. Er stellt die Sache fast komplett falsch dar. Kelek, Arsli, Yaron und Kaya ignoriert man und dafür dürfen jetzt solche Stümper schreiben.

      Zumal ich auch, ehrlich gesagt, etwas verblüfft bin über die Positionierung des AV bei diesem Thema.

      Ich glaube Sie kennen meine Position zum Thema gar nicht.

    • Ich spiele den Ball flach. Oder lesen Sie in meinem Artikel irgendwelche großen Keulen? Auch ist nirgendwo die Rede davon, dass ich Gemeinsamkeiten vergesse. Aktuell werden eben unterschiedliche Meinungen deutlich. Das ist keine große Sache, darf aber ruhig auch mal benannt werden.

  2. Die Beiträge auf der Achse zur Genitalverstümmelung sind unterste Schublade. Hannes Stein als fundamentalistischer Träumer ist ja nicht wirklich neu, aber Broder als beleidigter Zyniker mit Doppelstandards ist echt enttäuschend. Broders Anwalt und jetzt Murat Altuglu sollten mit ihren Beiträgen wohl Fachwissen suggerieren, sind aber auch nicht besser. Für so eine Tradition gibt es eben keine vernünftigen Argumente. Besonders nervt aber auch die große Zahl der Beiträge auf der Achse. Sowas dauerhaft einseitiges gibts ja sonst nirgendwo. Ich finde, die können jetzt auch mal wieder aufhören mit dem Thema.

    • Genitalverstümmelung würde ich die Beschneidung nicht nennen. Das ist Geschmackssache. Es sieht hinterher oft besser aus als vorher. Aber ein säkularer Rechtsstaat kann eine Beschneidung nicht offiziell per Gesetz unterstützen. Es sollte die Devise gelten, die auch bei der Abtreibung gilt: Formal gesetzeswidrig, aber straffrei. Paul und andere sehen das genauso.

      Es überrascht mich auch nicht, dass Altuglu über die Abtreibung ablästert. Jetzt schreiben mehr und mehr Abtreibungsgegner auf Achgut. Das ist nicht mehr schön.

      • Naja Abtreibung ist aber auch nicht schön. Aber das ist nun wieder ein ganz anderes Thema 😉

      • Sicher es ist ein anderes Thema, aber es gibt auch Ähnlichkeiten. Ich sehe zum Beispiel nicht wie man als Libertärer (oder meinetwegen auch als Liberaler) auch nur eines der beiden Dinge verbieten lassen kann, ohne seine Grundprinzipien zu verraten.

  3. Im Hinblick auf die Achse gebe ich Ihnen völlig recht. Besonders unschön ist, wie sich der bekennende Atheist Broder für religiös motivierte Körperverletzung in die Bresche wirft. Aber immerhin gab es auch das hier: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/gott_bitte_melden/

    Zum Thema Abtreibung möchte ich Folgendes zu denken geben: Das durch § 218 StGB geschützte Rechtsgut ist menschliches Leben. Das ist das höchste Einzelrechtsgut. (Hier gibt es wohl keine zwei Meinungen, jedenfalls nicht in diesem Bog. Als Umweltschützer kommt man vielleicht zu anderen Ergebnissen.) Die Verfassung (Art. 3 GG) sagt uns: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, was in diesem Zusammenhang vor allem heißt: gleich viel wert. Unendlich viel. In den Worten des großen Sir Karl Popper: Kein Mensch ist mehr wert als irgendein anderer. Das ist ein bisschen wie Mathematik: Unendlich ist immer gleich viel. So banal sich das anhört, es kann nicht stark genug betont werden. Ich möchte in keinem Land leben, in dem das schon vom Grundsatz her anders geregelt ist.

    Vor diesem Hintergrund bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich richtig ist, eine Abtreibung so leicht zu machen, wie das bei uns der Fall ist. Denn eins ist klar: Wer in Deutschland eine „Indikation“ haben möchte, bekommt auch eine. Und fast immer ist es die soziale Indikation. Etwas provokant formuliert: Menschen werden getötet, weil sie stören. Und zwar diejenigen, die sich am wenigsten wehren können.

    Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin nicht der Ansicht, dass Abtreibung genauso wie Mord bestraft werden müsste. Aber gar so leicht sollte man es sich auch nicht machen.

    • Einen Zellklumpen mit einem Menschen gleichzusetzen ist offensichtlicher Blödsinn.

      Ihr Augenmerk liegt darauf Abtreibungen zu erschweren/verbieten, anstatt Schwangerschaften und Kinderziehung zu erleichtern. Erst die Frauen zur Geburt zwingen und ach so für das Leben einstehen, sich dann aber einen Dreck darum scheren. Daran kann man ablesen wie sehr es Ihnen tatsächlich um das Wohl der Menschen geht.

      • Erst die Frauen zur Geburt zwingen und ach so für das Leben einstehen, sich dann aber einen Dreck darum scheren

        Meine Güte warum denn so agressiv?Sind Sie etwa ein Betroffener?
        Man soll es sich nicht so einfach machen das ist alles was er gesagt hat,den Rest unterstellen Sie ihm einfach so.
        Aber gar so leicht sollte man es sich auch nicht machen.
        Hört sich das so schlimm an?

    • Danke für ihren Kommentar und das Fundstück des Autoren Böss. Habe gleich mal einen Nachtrag gemacht. Mir fällt gerade auf, dass ich ihren schönen Beitrag zum Jugendstrafrecht gar nicht beantwortet habe. Das tut mir aufrichtig Leid. In der Regel sind es immer Zeitgründe, wenn ich mal nicht antworte. Keine böse Absicht.

      Das durch § 218 StGB geschützte Rechtsgut ist menschliches Leben. Das ist das höchste Einzelrechtsgut. (Hier gibt es wohl keine zwei Meinungen, jedenfalls nicht in diesem Blog.)

      Oh doch die gibt es. Zwei Juristen drei Meinungen und bei Ärzten ist es nicht anders. Was soll das heißen „menschliches Leben“?! Man sieht ja schon daran, dass es eben kein vollwertiger Mensch ist, sonst würden Sie ja schreiben „Mensch“ und nicht „menschliches Leben“. Außerdem wäre Abtreibung dann Mord. Das wollen auch Sie dann doch lieber nicht.

      Vor diesem Hintergrund bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich richtig ist, eine Abtreibung so leicht zu machen, wie das bei uns der Fall ist.

      So leicht?! Auch das ist relativ. Ich schrieb in meinem Beitrag zur Beschneidungsdebatte, dass Deutschland formal eines der strengsten Abtreibungsgesetze der westlichen Welt hat. Es gilt das Prinzip: „Gesetzeswidrig, aber straffrei.“ Ein einleuchtendes Prinzip, das man wie gesagt auch sehr gut bei der Beschneidung anwenden könnte.

      • „In der Regel sind es immer Zeitgründe, wenn ich mal nicht antworte. Keine böse Absicht.“

        Kein Problem, das geht mir genauso. Ich finde es sowieso bewundernswert, dass Sie noch die Zeit finden, sich um diesen Blog zu kümmern. Schnurr.

        Mit „menschlichem Leben“ meine ich natürlich Menschen bzw. Menschenleben. § 218 StGB steht im Kontext der „Straftaten gegen das Leben.“ Alle hierzu gehörigen Strafnormen schützen das (menschliche) Leben, auch die §§ 211 und 212 (also Mord und Totschlag). Im vorliegenden Zusammenhang fragt sich ja nur, wen man alles als Mensch ansieht, oder anders ausgedrückt: Gibt es wertbestimmende Faktoren, die eine bestimmte Art von menschlichem Leben gegenüber anderen abwerten? Und wenn ja, welche sind das? Alter, Größe, Hautfarbe, Herkunft, Aussehen („Zellhaufen“), Grad der Selbständigkeit oder der Sichtbarkeit (also außerhalb des Mutterleibs oder drinnen)? Ich glaube, solche Faktoren gibt es nicht. Diese Tür sollte geschlossen bleiben.

        Es stimmt, das geltende Abtreibungsrecht ethält immerhin ein Unrechtsurteil. Angesichts der immer noch ca. 100.000 Abtreibungen jährlich in Deutschland (http://www.svss-uspda.ch/de/facts/deutschland.htm) bin ich mir aber nicht sicher, ob § 218 StGB seinen Zweck – Schutz des ungeborenen Lebens – wirklich erfüllt. Dabei geht es mir nicht darum, dass möglichst viele Frauen oder Ärzte bestraft oder „zur Geburt zu gezwungen“ werden sollten. Sondern einfach um die Erkenntnis (oder vielmehr die von Art. 3 GG aufgestellte Behauptung), dass kein Mensch mehr wert ist als ein anderer. Auch wenn er noch ganz klein ist und wie ein „himbeerartiges Gebilde“ aussieht (so der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Zeidler).

  4. Die Achse ist kein wissenschaftliches Journal sondern ein Blog, das von der persönlichen Meinung seiner Autoren lebt. Und das Thema Beschneidung wird nun allenthalben und überall mehr als ausreichend diskutiert. Es handelt sich ja genau genommen um ein juristisches Problem: Ist die unzweifelhaft vorgenommene Körperverletzung strafbar oder aufgrund der Religionsfreiheit und dem unbestrittenen Recht der Eltern auf Erziehung mit dem Kindeswohl, das der Staat im Zweifel zu schützen hätte, vereinbar. Danach verbietet sich der Vergleich mit der Abtreibung, weil die ja nur ohne den Rechtsbegriff des Kindeswohls funktioniert, weil dies dem „ungeborenem Leben“ abgesprochen wird. Zur Diskussion hat LaLibertine bei FdoG alles gesagt: http://fdogblog.wordpress.com/2012/07/18/manner-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/
    Das mag auch das merkwürdige Verhalten der Achsisten erklären.

    • Die Achse ist kein wissenschaftliches Journal sondern ein Blog, das von der persönlichen Meinung seiner Autoren lebt.

      Richtig. Und ein großer Teil kommt nun erst gar nicht mehr zu Wort.

      Wolffsohn stellt richtig fest: Die Beschneidungsdebatte „ist Teil einer Debatte, die seit Jahren geführt wird, ob und in welcher Intensität traditionelle religiöse Rituale, die nicht der christlichen Welt angehören, in die europäische Welt gehören – Stichwort Kopftuch, Stichwort Burka und so weiter.“

      Und bei dieser Debatte kamen auf Achgut bisher immer auch die von mir genannten Personen zu Wort. Bis zum Thema Beschneidung.

      Zur Diskussion hat LaLibertine bei FdoG alles gesagt.

      Alles gesagt? Was hat sie denn in dem Artikel gesagt? Da steht doch gar nichts drin. Eine Kernaussage lautet „Zu der eigentlichen Diskussion habe ich keine dezidierte Meinung.“.

      Andere Kernaussagen drehen sich um die Pille. Ein schlechtes Beispiel. Ich dachte bisher Frauen sind im Gegensatz zu kleinen Kindern mündig und selbst für sich verantwortlich. Aber vielleicht sieht LaLibertine das anders. Interessant. Zurück in die 50er.

      Der Rest des Artikels dreht sich um Kastrationsangst und Oben-Ohne-Stolz. Mit Links zu Artikeln, die noch weniger zum Thema sagen. Logisch, dass man so nicht weiterkommt und „keine dezidierte Meinung“ hat.

      • @AV
        Auch wenn ich mich jetzt blamiere aber was bedeutet Oben-Ohne-Stolz?Oder habe Sie sich verschrieben und meinten Sie Unten-Ohne-Stolz?

      • Von Oben-Ohne-Stolz schreibt LaLibertine. Ich übernehme den Begriff nur. Ich schätze, sie meint damit die fehlende Vorhaut. Die Eichel ist nun mal oben, die Vorhaut ist weg, also oben ohne. Unten ohne ginge natürlich auch. Wäre vielleicht sogar logischer, da oben ohne schon für Oberkörper gebraucht wird.

      • 1. Was die Achse angeht, liegt wohl tatsächlich ein Missverständnis vor. Es handelt sich dort – wie bei den meisten Blogs – nicht um eine pluralistische Gruppierung, die auf Mehrheitsfindung und Vollständigkeit bedacht ist. Sondern um drei Leute, die den Kern der Veranstaltung darstellen: Maxeiner, Miersch und Broder. Und die haben das Sagen. Wenn sie eine Meinung nicht teilen, kommt sie dort wohl nicht vor. Das ist ihr gutes Recht. Wie zitiert, bieten von FAZ bis ich weiß nicht was alle möglichen Medien den Anhängern aller anderer Meinungen eine Heimstatt.
        2. Ich hatte in meinem Artikel auf das der Diskussion zugrunde liegende juristische Problem hingewiesen. Beschneidung ist eine Körperverletzung, die Frage ist nur, ob es ausreichende Rechtsgründe gibt, diese zu rechtfertigen und straffrei zu stellen. Wenn ja, dann gehört diese Diskussion in die entsprechenden Religionsgemeinschaften oder Familien und nicht in die Öffentlichkeit. Wenn nein, ist es eine Frage für die Gerichte. Offensichtlich gibt es hier ein Urteil des Landgerichts Köln, dass die Strafbarkeit bejaht und ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Beschneidung verneint. Wie LaLibertine bin ich der Meinung, dass das eine schwierige Frage ist, bei der man vielleicht nicht zu einer einheitlichen Meinung kommt.
        3. Der Artikel beschreibt nicht das Problem, sondern die Diskussion darüber. Die geht mir gehörig auf den Senkel, weil alle möglichen Juden, Muslime, ?-Phoben und Schwanzfixierten ihr Süppchen auf der Vorhaut minderjähriger Knaben kochen. Und diese Diskussion geht mir im wahrsten Sinn des Wortes genau deshalb auf den Sack. Die gute provoziert natürlich ein bisschen aber rund 70 Kommentare belegen, dass sie „die Eichel“ gut getroffen hat. In diesem Fall sinnbildlich für des Pudels Kern.

      • Wenn sie eine Meinung nicht teilen, kommt sie dort wohl nicht vor. Das ist ihr gutes Recht.

        Natürlich ist das ihr gutes Recht. Genauso ist es mein gutes Recht diese Einseitigkeit zu kritisieren. Es ist auch nicht so, dass nur Broder, Miersch und Maxeiner das Sagen haben. Von Miersch und Maxeiner hört man sowieso wenig in dieser Debatte. Federführend sind in diesem Fall wohl eher Broder und Stein. Differenzen gab es auf Achgut auch schon oft genug. Stein zum Beispiel widerspricht bei anderen Themen gerne mal Broder und Co. Diese Pluralität hat mir besser gefallen und das werde ich auch weiterhin sagen.

        Wenn ja, dann gehört diese Diskussion in die entsprechenden Religionsgemeinschaften oder Familien und nicht in die Öffentlichkeit.

        Die Öffentlichkeit darf diskutieren über was sie will. Mich stört das nicht.

        Der Artikel beschreibt nicht das Problem, sondern die Diskussion darüber. Die geht mir gehörig auf den Senkel, weil alle möglichen Juden, Muslime, ?-Phoben und Schwanzfixierten ihr Süppchen auf der Vorhaut minderjähriger Knaben kochen.

        LaLibertines Artikel ist irgendwas zwischen Feuilleton und Küchenpsychologie. So ähnlich schreiben auch Stein, Lau und Broder bei diesem Thema. Viel Inhalt ist da nicht. Wen will man so überzeugen und von was? Vielleicht auch deshalb ist die Mehrheitsmeinung in Deutschland anders. Und nicht nur in Deutschland wie Frau Werner richtig anmerkt.

        Interessant ist auch, dass sich gerade Broder so über angeblichen Voyeurismus pikiert. Broder selbst landet bei jedem Thema früher oder später immer bei Sex und schönen Frauen. Es ist auch kein Zufall, dass er es war, der Sex und Voyeurismus beim Thema Beschneidung ins Spiel brachte. Andere Leute haben daran nicht im Traum gedacht, Broder dagegen sofort. Ist ja auch nicht verwerflich, nur künstlichen Wind produzieren sollte er dann nicht. Das wäre wieder ein Eigentor.

      • AV
        Und wieder was gelernt! Vielen Dank!.Aber Oben ohne ist wirklich irreführend da es schon eindeutig besetzt ist.Ich plädiere für Unten Ohne aber das werden die Beschneidungsbefürworter bestimmt nicht akzeptieren.Klingt zu sehr nach Kastration -:)

    • Danke! Hatte den Namen extra noch kopiert. Offenbar aus einer falschen Quelle.
      Guter Artikel vom Feuerbringer. Ich war so stolz auf meinen kreativen Titel. Jetzt sehe ich, der Feuerbringer war schneller. 😉
      Der Feuerbringer wäre noch so ein Beispiel. Auch er war ja schon ab und an mal Gastautor.

  5. Fassungslosigkeit. Das ist alles, was ich über Herrn Broder und einige andere Verfasser von Beiträgen in „Achgut“ empfinde. Sie argumentieren allzu oft irrational, paranoid, hysterisch, polemisch. Jedes Mindestmaß an Rationalität scheint ausgeschaltet zu sein. Und das passiert ausgerechnet bei Menschen, die wir bislang für ihren Scharfsinn und ihre Argumentationsfähigkeit bewundert haben, auch dann, wenn wir ihre Meinung nicht geteilt haben. Gut begründet, war uns diese andere Meinung zumindest eine Überlegung wert.

    Ich denke, dass die Brit Mila ein unglaublich starkes emotionales Moment hat. Auch die Tatsache, dass über die eigenen Kronjuwelen diskutiert wird, mag irgendwie unangenehm sein. Daneben werden Ängste wach, wenn ein Großteil der Deutschen etwas kritisiert, was mit jüdischer Kultur zu tun hat. In schierer Panik wird alles als „antisemitisch“ diskreditiert, was sich auch nur ansatzweise kritisch mit dem Thema Beschneidung befasst. Wären sie nicht so verletzend, so wären manche Antisemitismus-Vorwürfe in ihrer ganzen Absonderlichkeit einfach nur unfreiwillig komisch. Wie die Ängste der Salafisten vor christlichen Tomaten.

    Vielleicht hilft es dem einen oder anderen Blogger jüdischen Glaubens, sich zu vergegenwärtigen, dass diese Debatte momentan in der gesamten westlichen Welt geführt wird. Allein in „the Guardian“ erschienen hierüber drei Artikel innerhalb einer einzigen Woche, und jeder Artikel bekam weit über 1000 Kommentare. In Australien sind mehr Menschen als in Deutschland der Meinung, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes das Recht der Eltern überwiege. Es ist ein wichtiges Thema, bei dem sich wesentliche Werte unserer Gesellschaften und zentrale religiöse Traditionen aneinander reiben. Monster indessen sind es nicht, die sich mit diesem Konflikt beschäftigen. Diese Welt besteht nicht nur aus Menschen, die entweder pro-Isrealisch oder antisemitisch sind. Die westliche Welt besteht zum allergrößten Teil aus Menschen, für die Juden schlicht Bürger unter Bürgern sind. Im Guten wie im Schlechten.

  6. Der Kelek-Artikel wurde sogar von Achgut verlinkt, allerdings nicht alleine, sondern als Teil einer Linksammlung (wobei diese Linksammlung unterschiedliche Positionen zu dem Thema enthielt, wenn ich mich richtig erinnere).

    Auf dem MRF-Blog geht es zu dem Thema übrigens auch ganz schön ab:

    Hier vor allem den Kommentarbereich lesen:
    http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de/page8.php?post=1002

    Die Sicht von Serap Cileli:
    http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de/page8.php?post=1006

    Meine Sicht:
    http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de/page8.php?post=994

    Die Sicht von „N. Lightenment“ (Pseudonym):
    http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de/page8.php?post=1001

    • Der Kelek-Artikel wurde sogar von Achgut verlinkt.

      Der Link würde mich interessieren. Das ist dann in der Tat beruhigend. Böss wurde ja auch schon verlinkt. Danke für ihren Kommentar und ihre Links. Ihre Sicht kann ich voll und ganz unterstützen, den Rest habe ich noch nicht gelesen.

  7. Noch eine kurze Bemerkung: 1. Ich und auch LaLibertine haben uns nicht auf Broder bezogen. Er steht also weder in einem Zusammenhang zu unseren Posts oder Kommentaren. Ich habe seine Posts zum Thema eher am Rande verfolgt und mir zu ihnen keine Meinung gebildet. Mir geht es um zwei Dinge: Ein Blog erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit oder eine ausgewogene Darstellung. Und zweitens handelt es sich hier um Traditionen oder Vorschriften, die im Zusammenhang mit einer Religion stehen. Und das ist dann Sache der Religionsgemeinschaft, die ich als Liberaler so lange akzeptiere, wie die Menschenwürde, die körperliche Unversehrtheit oder das Kindeswohl nicht gefährdet werden.
    Ich halte nichts vom Zölibat, bin aber weder katholisch noch dem Priesteramt zugetan und neige deshalb nicht dazu, darüber zu polemisieren. Wenn ein Zeuge Jehovas aber für sein Kind eine lebensrettende Behandlung verweigert, dann ist die Sache für mich klar. Sie muss im Zweifel auch gegen den Willen der Eltern durchgeführt werden. Bei der Beschneidung habe ich tatsächlich keine dezidierte Meinung. Bis zu jenem Kölner Urteil war das kein Thema, obwohl sicher ein paar hunderttausend Knaben dieser Praxis unterworfen werden. Und das weltweit.Und obwohl ich meinen Sohn keiner Beschneidung unterziehen würde. Ob ich als Jude anders darüber denken würde, weiß ich nicht. Ich bin keiner. Und habe außerdem eine Tochter. Deshalb finde ich diese öffentliche Diskusion, die selbstverständlich „erlaubt“ ist, nicht besonders gut.

  8. Warum versuchen Broder und seine Freunde, die Debatte ins Lächerliche zu ziehen, die Gegner der Beschneidung zu beschimpfen und zu verunglimpfen und warum haben sie solche Angst davor, die andere Meinung zuzulassen? Dieses Video gibt tiefe Einblicke. Ali Utlu erzählt von seiner Beschneidung und von den sexuellen Einschränkungen, die sie verursacht:

    Mein YouTube Video-Tipp:

      • Ach ich denke schon das seine Kritik für gewöhnlich zumindest immer einen sachlichen Kern oder Ansatzpunkt hat. Jetzt kritisiert er Personen nur deswegen, weil sie überhaupt debattieren. Es fällt mir bei Beschneidungsgegnern generell auf, dass sie überwiegend persönlich werden, die Gegner also als Menschen angreifen, statt in der Sache zu diskutieren. Die Sache selbst betreffend darf’s dann gern mal gepfeffert hergehen, das ist normal. Nun wie auch immer, die Debatte ist inzwischen eher eingeschlafen aber dieses Video fand ich sehenswert. 🙂

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