Uwe Böhnhardt. Ein verzogenes Hätschelkind, das alles durfte?

Heute um 23.25 sendet der deutsche Sender RTL eine Dokumentation über die Jugend des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt.

Der Spiegel schreibt wie immer bei RTL-Dokus, die nicht vom Spiegel selbst produziert werden, einen Veriss. Der Film halte nicht, was der Titel verspricht. Fragen blieben unbeantwortet. (Wer hätte es gedacht). Das Umfeld hätte reagieren müssen. Der Zuschauer werde nicht erreicht.

Die Welt berichtet aus meiner Sicht besser über die gleiche Dokumentation.
Sachlicher. Fairer. Aus beiden Artikeln erfährt man, dass Uwe ein Hätschelkind gewesen sein soll.


 
Mord ist nicht gleich Mord.
Die taz lässt den protestantischen Jugendpfarrer Lothar König als Kritiker zu Wort kommen. Die Sozialarbeiter und Lehrer im Film wollten sich reinwaschen, meint König. Ihnen habe das „politische Bewusstsein“ gefehlt. Für die taz ist König „Zeitzeuge Nummer Eins“. Was König unter „politischem Bewusstsein“ versteht, wird im Zeitzeuge-#1-Artikel präzisiert. Es ist die altbekannte Leier. Rechtsextremismus und Linksextremismus dürfe man nicht gleich setzen. Das verharmlose Rechtsextremismus. Es fehlt nur noch, dass König erklärt, warum es einen Unterschied macht, wenn RAF-Terroristen Menschen ermorden. Warum damals alles anders war. Diese feinen „Unterschiede“ kann das linke bis linksextreme Milieu, zu dem auch König gehört, wortreich „erklären“.

Zwei Dinge sind bei der Betrachtung des linken Mainstreams im Umgang mit der NSU besonders interessant und amüsant:

Repression ist nicht gleich Repression.
Erstens der Umgang mit einer Ursachentheorie, die ich einmal als „Repressionstheorie“ bezeichnen will. Diese eigentlich typisch linke Theorie besagt, dass „Repression“ und „soziale Probleme“ Gewalt verursachen. Unter Repression und sozialen Problemen wird dabei so ziemlich alles verstanden. Die Begriffe sind sehr dehnbar und sie werden von besagtem Milieu gerne maximal gedehnt, wenn es nützlich erscheint.

Das Interessante ist nun, dass Repression im Falle von Rechtsextremen in linken Kreisen überhaupt keine Rolle zu spielen scheint. Die Theorie ist plötzlich nicht existent. Die Ursache für die Entstehung der RAF war laut linker Mainstream-Geschichtsschreibung immer Repression. Die Ursache für die Entstehung der NSU wird darin gesehen, dass es nicht genug Repression und Druck gibt. Interessant.

Du darfst. Linker. Lehrer. Pfarrer. Ensslin. Alle Wege stehen Dir doch offen.
Punkt zwei ist eine weitere Motivation, die zur Entstehung der NSU beigetragen haben könnte: Rebellion. Es will dem linken Milieu nicht in den Kopf, warum Jugendliche heute noch Nazis werden. Die Jugendlichen hätten doch alles was sie brauchen. Pfarrer wie König geben ihnen das „richtige“ politische Bewusstsein. Die Mütter sind am besten Lehrerin und dann auch noch für besonders schwer erziehbare Kinder. Der Staat heißt DDR und BRD. Alles hat seine Ordnung. „Perfekte“ Systeme, die einen liebe- und hingebungsvoll zum besseren Menschen mit dem „richtigen“ politischen Bewusstsein formen. Quasi 24 Stunden am Tagen schallt es diesen Jugendlichen entgegen: „Junge du kannst alles werden. Wir haben für alles Verständnis. Geh kiffen, studiere Soziologie oder Theaterwissenschaften. Lerne die glorreiche Historie des Sozialismus. Mach’ irgendwas mit Medien. Geh zu Greenpeace. Nur konservative oder rechtsextreme Gedanken darfst du nicht haben. Da hört der Spaß auf. Auch Kapitalist, Libertärer, Pharmakologe, Kernphysiker, Gentechniker und Nestlé-Chef solltest du besser nicht werden. Eifere am besten deinen Eltern nach. Was du auf keinen Fall werden darfst, ist ein Neo-Nazi. Das ist der Teufel in Person. Dazu haben wir den Kampf gegen Rechts. Damit würdest du uns maximal provozieren. Damit würdest du deine Systemablehnung maximal zum Ausdruck bringen. Damit würdest du deine Eltern extrem unglücklich machen. Du kannst ja ein linksextremer Terrorist werden, dann sind immer verständnisvolle Briefe und Filme für dich drin. Nur Nazi wirst du nicht! Ist dir das klar, Uwe?“

Uwe wurde nur nicht gut genug geschult.
Uwe war es nicht klar, so die offizielle Theorie. Pfarrer König und Sozialarbeiter X haben es ihm nicht oft genug gesagt. Um die Zahl der Nazis endlich nahe Null Komma Null zu drücken, empfiehlt sich deshalb dringend die maximale Ausweitung des Kampfes gegen Rechts. Mehr Pfarrer, mehr Sozialarbeiter. Gedankenverbrechen und Gesinnungsjustiz müssen fester Bestandteil des Rechtstaates werden, damit man Nazis schon einsperren kann, bevor und während sie den Mund aufmachen. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder Gedanken- und Meinungsfreiheit für sich einfordern würde? Es würde noch enden wie in Amerika. Der Faschismus kommt bekanntlich aus Amerika, das weiß jedes Kind. Auch die GOP kann natürlich so nicht fortbestehen, das müsste endlich auch einmal dem letzten dummen Amerikaner klar werden. Auch CDU und FDP sollten aufgelöst werden, denn trotz Merkel und Rösler halten sich unbestätigte Gerüchte, es gebe noch konservative und rechte Politiker in diesen Parteien. Auch die DDR war offensichtlich nicht perfekt genug, denn schon dort, hat die taz 1000 Nazis gezählt. Da müssten andere Lösungen her. Umerziehungslager. Die Kinder den Eltern nach der Geburt wegnehmen. Das gab es ja im Menschenrechtsstaat DDR so nicht, da hätte vielleicht mal jemand drauf kommen können. Natürlich hat das wenig mit ehemals linker Aufklärung zu tun, aber bei „Nazi-Familien“ mit neugeborenen „Nazi-Kindern“ kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Wenn man diese Probleme „gelöst“ hat, wird sich auch das Nazi-Problem in Luft auflösen. Amen.

Fazit
Die deutsche Ministerin Bilkay Öney hat einmal über ihre Kindheit den schönen Satz gesagt: „Ich durfte alles. Und weil ich alles durfte, habe ich nichts gemacht.“ Bei diesem Satz musste ich schmunzeln, denn meine Kindheit war sehr ähnlich. Das Umfeld und die Medien sehen es bei Menschen wie Böhnhardt vielleicht auch so. „Die durften doch alles.“ Ich glaube das nicht. Mir scheint es Menschen wie Böhnhardt wuchsen in einem sehr engen, beschränkten Rahmen auf, der ihnen herzlich wenig Spielraum gegeben hat. Ein Umfeld, dass gerne und viel von „Freiheit“ und „Gerechtigkeit“ spricht, aber in Wirklichkeit einen ganz engen Korridor meint. Diesen Korridor hat Böhnhardt brutal verlassen. In wie weit die Erziehung des engen Korridors, der beschränkten Weltsicht daran eine Mitschuld trägt, will ich nicht abschließend beurteilen. Es fällt allerdings auf, dass Böhnhardt nach seinem Ausbruch noch einen viel engeren, viel extremeren Korridor für sich gewählt hat. Den Nazismus. Man möchte fast sagen: Er hat es nicht anders gelernt.

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10 Gedanken zu „Uwe Böhnhardt. Ein verzogenes Hätschelkind, das alles durfte?

  1. Sehr gut geschrieben AV!Und so treffend
    Die Linken am einen Tag schreien sie gegen die Nazis wehren den Anfängen und so und am nächsten Tag marschieren sie mit auf einer Hisbollah oder Hamas-Demo wo die Araber „Juden in den Ofen“skandieren.Ohne was zu sagen!
    Sie hätten den Artikel für den Spiegel schreiben sollen.Wer weiß vielleicht kommt es ja noch so weit:-)

      • NOch besser dann können Sie as als Ihr persönliches Opfer für die Allgemeinbildung verkaufen!

      • So opferbereit bin ich nicht. Aber ich biete wie Henryk M. Broder an den Reichtum Augsteins zu übernehmen. Er wird mit seinem rein ererbten Reichtum bekanntlich moralisch nicht fertig, wie man aus dutzenden seiner Artikel entnehmen kann. Andererseits schreibt er das nun so viele Jahre, dass man fest davon ausgehen darf, dass solche immer gleichen Worte nichts weiter sind als Worte. Extreme Heuchelei. Aber es funktioniert offenbar. Die Spiegel-Leser huldigen ihrem Meister im Spiegel-Forum.

  2. Dazu passend ein Kommentar von „Urlauber“ aus Zettels Raum:
    „Bei seiner zweiten Reise lag James Cook einige Wochen zwischen beide neuseeländischen Inseln vor Anker. Erfreut stellte er fest, dass er sich mit seinen polynesischen Sprachkenntnissen (die er auf seiner ersten Reise erworben hat) auch sehr gut mit den Maori unterhalten konnte. Beide Seiten hatten was zu bieten, der Tauschhandel florierte.
    Weil kleine Geschenke die Freundschaft erhalten fragte Cook seine „Geschäftspartner“, ob er Ihnen was Gutes tun kann. Aber ja doch, sie wären ihm sehr verbunden, wenn er die Bewohner des nächsten Dorfes abschlachten würde.
    Damals gab es noch keine Sozialwissenschaft, weshalb Cook sich die Ursache dieser Brutalität nicht erklären konnte. Heute wissen wir, dass der staatsmonopolistische Kapitalismus, das Profitstreben, zu wenig Frauen in Führungspositionen, der Faschismus in der Gesellschaft und die Hartz-IV-Sklaverei, oder kurz: soziale Ursachen, die Menschen zu Verzweiflungstaten treiben.
    Es sei denn, es sind politisch Rechte. Die sind von Natur (nicht genetisch bedingt, denn Gene sind bäh bäh) aus schlecht.“

    • Die Anekdote gefällt mir, die muss ich mir merken. Ich mag die Pointe:

      Weil kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, fragte Cook seine „Geschäftspartner“, ob er Ihnen was Gutes tun kann. Aber ja doch, sie wären ihm sehr verbunden, wenn er die Bewohner des nächsten Dorfes abschlachten würde.

      Die Pointe erinnert mich stark an die Naivität von Leuten, die immer solche Scheinweisheiten veröffentlichen. Und an die Menschen, die dann hergehen und diesen Aussagen ganz im Ernst mit bedächtigem Kopfnicken zustimmen.

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