Für jeden Baum ein Kreuz (Update)

Die deutschen S21-Gegner betrauern Bäume und Juchtenkäfer als wären es Menschen. Eine Trauernde schreibt:

Noch immer sitzt bei vielen Bürgern der Schock über diese brachiale Zerstörung des Parks, und zu diesem Zeitpunkt nicht notwendigen Vorgehen der Regierenden und der Bahn, tief. Trauer, Schmerz über den Verlust der Bäume und Tiere, zudem maßloses Unverständnis über eine Politik, die noch vor den Landtagswahlen ganz andere Ansichten verkündet hatte. Kann es noch schlimmer kommen?

Mit Fotos. Woraus sind eigentlich die Kreuze? Sieht mir nicht nach Plastik aus.
Eher nach den fehlenden Latten am Zaun.


Dem Skandal auf der Spur
Brigitte Dahlbender und ihre Mitarbeiter vom BUND haben glücklicherweise noch alle Latten am Zaun. Sie sind einem ungeheuren Skandal auf der Spur, wie eine weitere Anti-S21-Gruppe und die Stuttgarter Zeitung vermelden. Die deutsche Bahn hat eventuell einen Juchtenkäferbaum gefällt! Der BUND berichtet in einem göttlichen Text:

Die rund 150 Jahre alte Platane Nr. 101 stand am Ausgang der Klett-Passage und erfüllte so eine wichtige Brückenfunktion zwischen der Juchtenkäferpopulation am Ferdinand-Leitner-Steg und den Populationen im nördlichen Teil des Mittleren Schlossgartens. Offenbar hat die Bahn also mindestens einen von Juchtenkäfern besiedelten Baum gefällt und damit mutmaßlich gegen die Tötungs- und Zugriffsverbote des §44 BNatschG verstoßen.

Brigitte Dahlbender führt weiter aus:

Offensichtlich hat die Bahn gehofft, den Vorfall vertuschen zu können, indem sie die Larven entfernt. Wir fordern die Bahn und das Eisenbahn-Bundesamt auf, die Vorfälle schnell und lückenlos aufzuklären.

Der BUND behält sich weitere rechtliche Schritte vor, das ist klar. Es geht auch um zwei Fledermaus-Bäume, die man jetzt noch einmal untersuchen müsse. Das Gutachten von Claus Wurst sei fehlerhaft, meint der BUND.

Warum hat man mich nicht einfliegen lassen, als die Juchtenkäfer-Larven um ihr Leben kämpften? Hat man keine Mund-zu-Larve-Beatmung versucht? Das alles sagt der Text leider nicht. Ich hätte meinem manuellen Defi auf 200 Joule gesetzt und alles probiert was geht. Der BUND darf sich gerne bei mir melden. Wir verpflanzen auch Hirnschrittmacher.

Zurück zu den Opfern
Es liegen begraben:
114 Stieleiche
151 Rotbuche
162 Winterlinde
201 Plantane

Das weitere Aufzählen der „Opfer“ ist mir an dieser Stelle zu dumm. Man sollte aber das Plakat im Hintergrund beachten. Ein Deutscher wäre kein Dichter und Denker, wenn er nicht wüsste, wo der Feind steht. Das „internationale Finanzkapital“ soll mal wieder schuldig sein. Ohne Worte.

Update
Jetzt mit „Traueranzeige“ und „Kreuz-Frevlern“!

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21 Gedanken zu „Für jeden Baum ein Kreuz (Update)

  1. Was mich wundert, ist der Umstand, dass selbst Mitarbeiter der Bahn von diesem Ökowahn angesteckt zu sein scheinen:
    »Bahnmitarbeiter aus dem im Feuerbacher Stadtwald abgelegten Stamm versuchten, Juchtenkäferlarven im weit entwickelten 3. Larvenstadium zu bergen.«
    und:
    »Wolfgang Dietrich, der Sprecher des Bahnprojekts […], dass ein Parkschützer Juchtenkäfer gemeldet hatte. Die Bahn habe daraufhin ihren vereidigten Sachverständigen beauftragt, den Verdacht zu prüfen. Er hat am Freitag Larven im Baumstamm gefunden.«

    Dass die sich nicht blöd vorkommen, wenn sie sich vor aller Augen als Bekloppte outen, sich vor aller Augen der totalen Lächerlichkeit preisgeben. Unvorstellbar, wenn ich’s nicht selbst gelesen hätte und für glaubwürdig halten würde. Nachdem ich meiner 12-jährigen Tochter die beiden verlinkten Artikel gezeigt hatte, hat sie sich an die Stirn getippt und gesagt: »Verarsch‘ dich selber, Papa!«.

    Dear americanviewer, You made my week.

    Mit freundlichem Gruße

    Uwe Richard

    • Das stimmt. Andererseits sind das ja real existierende deutsche Gesetze mit denen die deutsche Bahn hier permanent zu kämpfen hat. Man sieht ja wie diese Bäume-mit-Holzkreuzen-Bestatter reagieren, wenn gegen „BNatschG“ verstoßen wird. Die gehen hoch bis zum EGMR.

      • ich bin mir sicher, wenn die Bäume mit dem Juchtenkäfer einem Windrad im Weg stehen würden, hätte der BUND nichts gegen eine Fällung einzuwenden.
        Schließlich kommt es darauf an warum man baut, nicht ob da ein Käfer lebt.
        Pumpspeicherkraftwerk als Atomstrombatterie ? Nein Danke.
        Pumpspeicherkraftwerk als Batterie für Windräder ? Ja Bitte !
        http://www.mitwelt.org/atdorf-pumpspeicherbecken.html

        Kleine Interessante Randbemerkung:
        Der Bereich des Stuttgarter Stadtparks ist vor Stuttgart 21 nicht wegen der schönen alten Bäume oder der ökologischen Vielfalt bekannt gewesen.
        Nein, wer in Stuttgart lebt kannte diesen Bereich des Parks zwischen Busbahnhof und Planetarium als berüchtigte Ecke wo Drogen gehandelt wurden und Stricher auf Freier warteten. 😉

        Viele Stuttgarter haben deswegen auch mit einem herzhaften WTF ??? reagiert als sich die Parkschützer zum Erhalt der schönen Bäume formierten.

      • ich bin mir sicher, wenn die Bäume mit dem Juchtenkäfer einem Windrad im Weg stehen würden, hätte der BUND nichts gegen eine Fällung einzuwenden.

        Keine Sorge auch dagegen ist der BUND. Sie bringen ja mit Atdorf selbst ein Beispiel. Der BUND ist gegen alles was nicht Natur ist. Im Prinzip müsste sich der BUND also selbst abschaffen, den er ist keine Natur. Allerdings ist der „Einsatz für die Sache“ auch immer die Daseinsberechtigung für diese Leute.

        Die PETA-Vizepräsidentin ist auch strikt gegen Tierprodukte, sie benutzte aber dann doch über Jahrzehnte tierisches Insulin, damit sie andere Tiere retten kann. Das ist ein Typus, der für die Linke typisch ist. Der eigene Einsatz für etwas rechtfertigt den Verstoß gegen die eigenen Regeln. Klimaretter oder die deutschen Grünen jetten auch gerne durch die Welt, um das Klima zu retten. Superreiche wie Augstein, Soros und Buffett dürfen superreich sein, weil sie ja die Schere zwischen Arm und Reiche bekämpfen und für Chancengleichheit eintreten. Man muss sich Chancengleichheit bei Augstein so vorstellen: Chancengleichheit ist für Augstein erreicht, wenn alle dank Papi an ihren Job und ihr Vermögen kommen. Sahra Wagenknecht meinte so etwas Ähnliches als sie bei einem Luxusessen erwischt wurde: Das sei keine Doppelmoral, was sie da betreibe. Im Gegenteil, jeder müsse Hummer essen können. Das sei das Ziel der Linken. Nicht Reichtum bekämpfen, sondern Hummer für alle. Ich glaube da hat der BUND dann wieder etwas dagegen…

  2. Einschlägiges Lied zum Thema: Alexandra, „Mein Freund der Baum“ (http://www.youtube.com/watch?v=Fvcv4C1CG6M) aus dem Jahr 1968. Wenn ich mich recht erinnere, wurde es in den siebziger und frühen achtziger Jahren oft im Radio gespielt; es handelt sich gleichsam um die Hymne der von Ihnen sezierten Weltanschauung.
    Anti-Humanismus auch dort: Es ist natürlich keine Rede davon, daß die „grauen Mauern“, für die der Baum gefällt wird, Menschen ein Obdach bieten, Arbeitsplätze oder ein Krankenhaus beherbergen werden.

    Zum Stichwort „internationales Finanzkapital“: Großartig ausgewähltes Bild! Es veranschaulicht, daß und wie sich Baum-Kitsch, Antikapitalismus, Antisemitismus und Angelsachsenfeindschaft („internationales Finanzkapital“ = Wall Street = USA = „jüdische Lobby“) verflechten.

    Was ich wirklich schlimm finde: Das Problem ist älter, die Haltung tiefer in die „deutsche“ Haltung zur Welt eingegraben, als die (für sich genommen ganz richtige) Rede von der „Generation Marx“ (=“68″) und der „Generation Adolf“ nahelegt. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hat die „Generation Friedrich“ (Nietzsche) Ähnliches verkündet. So schreibt Max Scheler in seinem Werk „Der Genius des Krieges und der Deutsche Krieg“, „der“ Engländer verwechsle Denken und Rechnen, Vernunft und Ökonomie, Kultur und Komfort (S.413 der dritten Aufl., 1917).

      • Ich persönlich lese Nitzsche – nicht weil er etwas sagt, sondern hauptsächlich deswegen, wie er es sagt. Der Mann war des deutschen mächtig, wie auch Karl Kraus. Diese Leute kann man lesen, auch wenn, oder besser: selbst wenn man nicht mit ihnen übereinstimmt. Sie schrieben sprachmächtig und unterhaltsam.

        Mit feundlichem Gruß

      • Die präzisen Analysen der menschlichen Psyche, vor allem der Massenpsyche, machen Nietzsche einfach zu einem der größten Denker. Man muss sicherlich nicht mit allen Sachen in Eintracht sein, aber es gibt nur einen modernen Autor, der in seiner Sprache an Nietzsche heran reicht und das ist Thomas Mann – wenn auch in einer ganz anderen Art und Weise. Alleine der Beginn vom Zarathustra ist in der deutschen Literatur unerreicht. Was mir eben auch imponiert ist Nietsches absoluter Drang zur Wahrheit, egal wie unbequem sie ist. Das schöne ist, man kann einfach auch mal in seiner Studienausgabe was raus greifen und ein paar andere Gedanken bekommen. Das ist sicherlich nicht adäquat, wenn man Nietzsches Philosophie verstehen möchte, aber das wollen (!) die wenigsten. Das ist ein tiefer Fluss, den man durchschreiten muss und man kann nur all zu schnell davon gerissen werden. Aber auch seine Lebens-, Leistungs- und Kulturbejahung ist sehr anregend.

        Aber gerade die kleineren Diagnosen sind einfach oft auch köstlich:

        „Es kennzeichnet die Deutschen, dass bei ihnen die Frage »was ist deutsch?« niemals ausstirbt.“ – Aph. 224, Fröhliche Wissenschaft

        „Gewissensbisse erziehn zum Beißen.“ – 2. Teil; Von den Mitleidigen, Zarathustra

        Oder einer meiner Lieblings-Aphorismen:
        „Verderblich. – Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn anleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten, als den Andersdenkenden.“ Aph. 297, Viertes Buch, Morgenröthe

      • Alleine der Beginn vom Zarathustra ist in der deutschen Literatur unerreicht.

        Genau dieses Buch findet mein Freund auch so toll. Er hat damit Deutsch gelernt. Ich verstehe die Sprache in diesem Buch nicht wirklich und ich behaupte mal, ich spreche eigentlich besser Deutsch als mein Freund. Auch Thomas Mann finde ich schrecklich. Alte Sprache muss ja nicht so sein. Goethes Faust zum Beispiel gefällt mir gut. Das kann man lesen. Oder Ernst Jüngers Stahlgewitter. Das ist Sprachkunst. Da kann Thomas Mann mit seinen langatmigen, öden Schachtelsätzen einpacken. Ich habe mal den Zauberberg und Die Buddenbrooks versucht. Im Vergleich dazu ist Valium ein Aufputschmittel.

        Auch Zarathustra kann ich kaum lesen. Wie machen Sie das? Haben Sie mir vielleicht kurze Zitate aus dem Buch, die als Beispiel für diese „unerreichte Literatur“ gelten können? So als Appetithäppchen.

        Mein Freund hat mir schon Zitate vorgelesen und ich meinte dann nur: Na und? Gut, mein Freund liest auch Die Phänomenologie des Geistes von Hegel und ist ganz aus dem Häuschen. Ich halte das Buch für lächerliche Scharlatanerie. Andererseits habe ich nur eine kleine Durchschnitts-Uni besucht, während besagter Freund Physik am MIT studiert hat. Von daher ist es vielleicht einfach ein Intelligenzdefizit von meiner Seite aus. Mein Gefühl ist allerdings, dass es an diesen Unis viel prätentiöse Schauspielerei gibt. Alle tun so als ob und keiner sagt, dass der Kaiser eigentlich nackt ist.

        Nietzsche schrieb viele gute Aphorismen, das stimmt. „Gott ist tot“ wäre ein weiteres Beispiel.

  3. man muss sich vor Augen führen, dass das ganze Theater wegen eines Bahnprojekts durchgeführt wird.

    der Ausbau der Bahn ist im Gegensatz zum Klima-Ablasshandel eine reale Maßnahme gegen den „Klimawandel“.

    aber wenn dabei ein Käferchen umkommt, ist es halt besser, einen abstrakten Ablasshandel zu betreiben.

    in Österreich wurde dieses Spiel zur Spitze getrieben:

    erst das schon gebaute Atomkraftwerk per Volksabstimmung nicht in Betrieb genommen.

    dann auch noch das Wasserkarftwerk abegewendet, und so die Au gerettet.

    die Lösung?

    Import von tschechischem Atomstrom

    • >> der Ausbau der Bahn ist im Gegensatz zum Klima-Ablasshandel eine reale Maßnahme gegen den “Klimawandel”.<<

      Stimmt leider so auch nicht. Zum einen, weil das wirklich relevante "Klimagas" H2O ist (also Wasserdampf), zum anderen, weil relevante CO2-Konz.-Anstiege in der Atmosphäre PRIMÄR temperaturabhängig sind, also die FOLGE von Erwärmungen (und nicht die Ursache) sind, und zum dritten, weil das Zusammenspiel der Faktoren immer noch zu komplex ist, um es letztgültig durchschauen zu können. Zum Beispiel ist immer noch nicht wirklich klar, wie hoch der menschengemachte Anteil innerhalb der tats. steigenden CO2-Konzentration ist, und wie hoch der sog. "Treibhauseffekt" tatsächlich ist. Mit Sicherheit ist dieser Effekt aber aus dem (derzeitig herrschenden) Faktor CO2 im Vergleich zum Faktor H2O vernachlässigbar. In der Erdgeschichte hatten wir schon klimarelevante CO2-Peaks, aber da bewegte sich die Konzentration im hohen ein- bis zweistelligen Prozentbereich. Heute liegt sie übrigens bei 0,039 % . Oder 39 Tausendstel Prozent. Oder 390 ppm (in 1 Million "Teilchen" der Atmosphäre kommen sagenhafte 390 "Teilchen" CO2 vor).

      Hieraus eine "Treibhaus-Effekt"-Relevanz abzuleiten, grenzt an Alchemie.

      Unabhängig davon müssen wir aber die Energiebilanz der Bahn betrachten. Die ist katastrophal. Die Bahn, und hier vor allem das "Zugpferd" (kicher) ICE, ist das Gegenteil von energieeffizient. Mich persönlich stört das nicht (fahre keine Bahn mehr und vermisse die alten rumpelnden Kisten, die billig und pünktlich waren und in denen man die Fenster öffnen konnte) (und bevorzuge heute offene schnelle Sportwagen). Aber es sollte dennoch erwähnt werden bei einer Milliarden-Investition, deren verkehrsinfrastrukturell strategische Bedeutung sagen wir: zumindest umstritten ist. Vor allem, weil das Kostenrisiko mal wieder zumindest in (großen) Teilen auf den Steuerzahler abgewälzt wird.

      Kein Taxiunternehmer, kein Busunternehmer, kein Spediteur kann sich das erlauben.

      Und niemand hat bis heute die Rechnung aufgemacht, wieviel eine Bahnfahrkarte wirklich kosten müsste, wenn derartige Investitionen (Objektstudien könnten ja mal am neuen HBf Berlin beginnen) wie bei allen anderen Unternehmen auf den Dienstleistungsangebotspreis umzurechnen wären.

      Die Bahn ist bei allen "Börsen"-Bemühungen bis heute de facto ein viel zu teurer und viel zu fetter Staatsbetrieb, der vom Steuerzahler subventioniert wird.

      Weshalb auch ich gegen den Stuttgarter Bahn-Größenwahn bin.

      Was mich vom irren Juchti unterscheidet, ist die Fähigkeit, eine eigene Meinung zu besitzen und zu behalten, gerade weil ich andererleuts Entscheidungen nolens volens mittrage. Der Volksabstimmungsbürger in BW hätte ja die Chance gehabt, den fiskalischen Aspekt zu erkennen. Gut, der Schwab fand's aber nett, auch noch andere für seine Bauten zahlen zu lassen. Das muss man akzeptieren.

      Die Bahn ist jedenfalls alles andere als ein Ökoprojekt, und ebenso wie alle Stromverbraucher mit dem Wegfall von Kernenergie entweder zum Tode verurteilt oder auf Kohlekraftwerke angewiesen.

      Niemand aber erzählt den Leuten, welche tatsächlich relevanten Gesundheitsschäden auch die modernsten Kohlekraftwerke ganz konkret beim Menschen anrichten. Aber die Kohle ist ja auch ein Sozenthema. Und deswegen ganz toll gut kuschlig schön.

  4. Stehen nicht ähnliche Kreuze nur in schwarz überall im westlichen Teil Russlands? Gefallen auf dem Felde der Ehre in festem Glauben an Führer und Reich, äh Pardon im festen Glauben an das BNatschg und an den BUND. In stolzer Trauer Familie J. Uchtenkäfer Statt Kränzen bitte irgendwas ressoucenschonendes.

  5. Die „Todesanzeige“ ist interessant. Tun doch deren Autoren so, als seien sie sozusagen richtig echte am gesellschaftlichen Leben teilnehmende Bürger. So wie in einem schönen Monet: Mit Kind und Kegel lustwandelnd im von den eigenen Steuergeldern und dem eigenen bürgerlichen Engagement hergestellten Park. Im Frühling, mit Sonnenstrahlen.

    Und jetzt hat die Bahn all das Schöne getötet.

    Aber die Autoren der Todesanzeige wie überhaupt der ganzen dortigen Website sind ja gar keine Bürger im Sinne dieser Todesanzeige. Sie beteiligen sich ja gar nicht am gesellschaftlichen Prozess. Sie akzeptieren keine abgeschlossenen und jahrelang für sie und ihre möglichen Einsprüche offen gewesenen Bauordnungsverfahren. Sie akzeptieren keine trotzdem noch durchgeführten Volksabstimmungen. Sie müllen den angeblich so geliebten Park mit ihrem Unrat voll (und killen so nicht nur den ja nur vielleicht vorhandenen Juchtenkäfer, sondern auch die wertvolle Feldmaus oder den Engerling und seinen Jäger, die Spitzmaus).

    Vor allem scheißen sie auf den wirklichen Bürger, der sein Votum abgegeben hat – und sie lassen „ihren“ Park, der ja gar nicht ihnen gehört, scheiße aussehen und verrotten.

    Ein netter Versuch, einerseits. Aber erstaunlich und seltsam, dass es gegen diese Nihilisten keine juristsiche Handhabe zu geben scheint.

    Sie sind so nutzlos, lästig und hässlich wie: The Knights who say „NI“.

    • Ja Demokratie muss ja ihre Grenzen haben (wenn ich meine eigene Meinung nicht durchboxen kann). Naja ich finde aber die Infrastrukturprojekte schon sehr gut. Davon profitieren über Jahre die Menschen schon enorm. Ich denke man kann das nicht einfach mit den Baukosten gleichsetzen, gerade die Bahn hat definitiv positive externe Kosten, die aber schwer einzupreisen sind. Und die ganze Schimpferei auf die Bahn mag zwar teils zurecht sein, aber das sie zu fett oder was auch immer ist, das halte ich für einen unberechtigten Vorwurf. Woran man aber festmachen möchte, dass H2O und nicht CO2 oder Sonneneinstrahlung die Ursache sein soll, finde ich albern. Es gibt, wie ja auch richtig gesagt wurde, keine verlässlichen Vorhersagen. 2001 hat das auch noch im Weltklimabericht gestanden … auf Seite 774. ^^ Heute haben die hinter jedem Kapitel eine Methodeneröterung, die sie mit statistischen Begriffen aufblähen, um die Mangelhaftigkeit zu verdecken. Einst haben die Klartext geredet: „In climate research and modelling, we should recognise that we are dealing with a coupled non-linear chaotic system, and therefore that the long-term prediction of future climate states is not possible. The most we can expect to achieve is the prediction of the probability distribution of the system’s future possible states by the generation of ensembles of model solutions.“ (http://www.ipcc.ch/ipccreports/tar/wg1/505.htm) Wie man Wahrscheinlichkeiten da ermittelt soll mir mal jemand erklären. Wir können ja nicht mal volkswirtschaftlich sagen, wie das Wachstum im laufenden Jahr ist. Und die Datenlage ist dabei mit Sicherheit weit größer.

  6. Ich habe Stahlgewitter noch nicht gelesen, aber nach dieser Aussage ist es so eben auf Rang 1 meiner „zu-lesen“ Liste gerückt. Ich wollte schon lange etwas von Jünger gelesen. Naja nun zu ihren Aussage bzgl. Thomas Mann / Nietzsche / Hegel.

    „Ich halte das Buch [Phänomenologie] für lächerliche Scharlatanerie. Andererseits habe ich nur eine kleine Durchschnitts-Uni besucht, während besagter Freund Physik am MIT studiert hat. Von daher ist es vielleicht einfach ein Intelligenzdefizit von meiner Seite aus. Mein Gefühl ist allerdings, dass es an diesen Unis viel prätentiöse Schauspielerei gibt.“

    Was soll ich dazu sagen? 🙂 Ich denke Sie haben den Nagel ganz gut auf den Kopf getroffen. Und wenn ich das so sagen darf – Ihre Sprachwahl ist mit Sicherheit dem Großteil der meisten deutschen Schreiberlinge überlegen. Es ist mit Sicherheit albern sich von diesen Uni´s blenden zu lassen. Aber natürlich muss man zugeben, dass die Ausstattung, das Personal etc. eine Lehre garantiert, die man in anderen Uni´s niemals erreichen kann. Und das nicht nur in einem Lehrstuhl, sondern eben durch die Bank weg. Insofern würde ich hinzufügen, dass für die Leute mit dem entsprechenden Potential und Wissensdurst diese Umgebung sehr befruchtend wirkt. Aber solche Beispiele wie Ramanujan zeigen, dass das nicht alles ist. Insbesondere in dem Informationswust in dem wir heute leben.

    Thomas Mann hat bspw. im Zauberberg soooo viele Anspielungen, zum einen auf den Kulturbetrieb, auf Nietzsche und so weiter. Das heißt, wenn man nur das ein oder andere Buch gelesen hat, dann erschließt sich einem erst die Meisterschaft. Ob es einem dann gefällt ist dann sicherlich nicht gesagt. Im Übrigen habe ich nach 200 Seiten aufgehört, als begriffen habe, dass ich noch nicht „reif“ genug bin für das Buch.
    Das gleiche gilt für Nietzsche und insbesondere für den Zarathustra. Ohne Grund hat es auch nicht den trefflichsten Untertitel: „Ein Buch für Alle und Keinen“. Schon daran kann ich mich ewig ergötzen. Aber wie gesagt ist auch hier die Intertextualität unglaublich hoch, insbesondere zur Bibel – als dessen lebensbejahenden Gegenstück der „Zarathustra“ gedacht ist.

    Ich müsste jetzt als „Leckerbissen“ das kompletten ersten Teil von „Zarathustras Vorrede“ 1 bis 2 hier reinkopieren. Sozusagen, die ersten beiden Kapitel. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass einige unerreichte Sprachspiele für einen Nicht-Muttersprachler nicht sofort ersichtlich sind. Zum Beispiel die Zweideutigkeit im Wort „Untergang“. Ich kann Ihnen nur empfehlen, lesen Sie die Vorrede 1-2 mal und dann hören Sie sich von Karajan die Aufnahme zum Zarathustra an. Das ist mit das Imposanteste, was kulturell je geleistet wurde. Es ist berauschend … Allein der Satz im zweiten Kapitel gegenüber dem Eremiten: „Nein, antwortete Zarathustra, ich gebe kein Almosen. Dazu bin ich nicht arm genug.“
    —————————————————————————————————–
    1:
    Als Zarathustra dreißig Jahr alt war, verließ er seine Heimat und den See seiner Heimat und ging in das Gebirge. Hier genoss er seines Geistes und seiner Einsamkeit und wurde dessen zehn Jahr nicht müde. Endlich aber verwandelte sich sein Herz, – und eines Morgens stand er mit der Morgenröthe auf, trat vor die Sonne hin und sprach zu ihr also:
    „Du großes Gestirn! Was wäre dein Glück, wenn du nicht Die hättest, welchen du leuchtest!
    Zehn Jahre kamst du hier herauf zu meiner Höhle: du würdest deines Lichtes und dieses Weges satt geworden sein, ohne mich, meinen Adler und meine Schlange.
    Aber wir warteten deiner an jedem Morgen, nahmen dir deinen Überfluss ab und segneten dich dafür.
    Siehe! Ich bin meiner Weisheit überdrüssig, wie die Biene, die des Honigs zu viel gesammelt hat, ich bedarf der Hände, die sich ausstrecken.
    Ich möchte verschenken und austheilen, bis die Weisen unter den Menschen wieder einmal ihrer Thorheit und die Armen einmal ihres Reichthums froh geworden sind.
    Dazu muß ich in die Tiefe steigen: wie du des Abends thust, wenn du hinter das Meer gehst und noch der Unterwelt Licht bringst, du überreiches Gestirn!
    Ich muß, gleich dir, untergehen, wie die Menschen es nennen, zu denen ich hinab will.
    So segne mich denn, du ruhiges Auge, das ohne Neid auch ein allzugroßes Glück sehen kann!
    Segne den Becher, welche überfließen will, daß das Wasser golden aus ihm fließe und überallhin den Abglanz deiner Wonne trage!
    Siehe! Dieser Becher will wieder leer werden, und Zarathustra will wieder Mensch werden.“
    – Also begann Zarathustra’s Untergang.
    2:
    Zarathustra stieg allein das Gebirge abwärts und Niemand begegnete ihm. Als er aber in die Wälder kam, stand auf einmal ein Greis vor ihm, der seine heilige Hütte verlassen hatte, um Wurzeln im Walde zu suchen. Und also sprach der Greis zu Zarathustra:
    Nicht fremd ist mir dieser Wanderer: vor manchen Jahre gieng er her vorbei. Zarathustra hieß er; aber er hat sich verwandelt. Damals trugst du deine Asche zu Berge: willst du heute dein Feuer in die Thäler tragen? Fürchtest du nicht des Brandstifters Strafen?
    Ja, ich erkenne Zarathustra. Rein ist sein Auge, und an seinem Munde birgt sich kein Ekel. Geht er nicht daher wie ein Tänzer?
    Verwandelt ist Zarathustra, zum Kind ward Zarathustra, ein Erwachter ist Zarathustra: was willst du nun bei den Schlafenden?
    Wie im Meere lebtest du in der Einsamkeit, und das Meer trug dich. Wehe, du willst an’s Land steigen? Wehe, du willst deinen Leib wieder selber schleppen?
    Zarathustra antwortete: „Ich liebe die Menschen.“
    Warum, sagte der Heilige, gieng ich doch in den Wald und die Einöde? War es nicht, weil ich die Menschen allzu sehr liebte?
    Jetzt liebe ich Gott: die Menschen liebe ich nicht. Der Mensch ist mir eine zu unvollkommene Sache. Liebe zum Menschen würde mich umbringen.
    Zarathustra antwortete: „Was sprach ich von Liebe! Ich bringe den Menschen ein Geschenk.“
    Gieb ihnen Nichts, sagte der Heilige. Nimm ihnen lieber Etwas ab und trage es mit ihnen – das wird ihnen am wohlsten thun: wenn er dir nur wohlthut!
    Und willst du ihnen geben, so gieb nicht mehr, als ein Almosen, und lass sie noch darum betteln!
    „Nein, antwortete Zarathustra, ich gebe kein Almosen. Dazu bin ich nicht arm genug.“
    Der Heilige lachte über Zarathustra und sprach also: So sieh zu, daß sie deine Schätze annehmen! Sie sind mißtrauisch gegen die Einsiedler und glauben nicht, daß wir kommen, um zu schenken.
    Unse Schritte klingen ihnen zu einsam durch die Gassen. Und wie wenn sie Nachts in ihren Betten einen Mann gehen hören, lange bevor die Sonne aufsteht, so fragen sie sich wohl: wohin will der Dieb?
    Gehe nicht zu den Menschen und bleibe im Walde! Gehe lieber noch zu den Thieren! Warum willst du nicht sein, wie ich, – ein Bär unter Bären, ein Vogel unter Vögeln?
    „Und was macht der Heilige im Walde?“ fragte Zarathustra.
    Der Heilige antwortete: Ich mache Lieder und singe sie, und wenn ich Lieder mache, lache, weine und brumme ich: also lobe ich Gott.
    Mit Singen, Weinen, Lachen und Brummen lobe ich den Gott, der mein Gott ist. Doch was bringst du uns zum Geschenke?
    Als Zarathustra diese Worte gehört hatte, grüsste er den Heiligen und sprach: „Was hätte ich euch zu geben! Aber laßt mich schnell davon, daß ich euch Nichts nehme!“ – Und so trennten sie sich von einander, der Greis und der Mann, lachend, gleichwie zwei Knaben lachen.
    Als Zarathustra aber allein war, sprach er also zu seinem Herzen: „Sollte es denn möglich sein! Dieser alte Heilige hat in seinem Walde noch Nichts davon gehört, daß Gott todt ist!“ –

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