New Money Theory

Man kennt ja diesen ewigen Zweikampf Links versus Rechts.
So auch in den Wirtschaftswissenschaften und natürlich auch in der Weltwirtschaftskrise.

Rechte Politiker und Wissenschaftler sehen die Ursache für die Krise verstärkt in den Haushaltsdefiziten und wollen die Krise durch einen ausgeglichenen Haushalt überwinden. Sofort. Wie soll der Haushalt möglichst schnell ausgeglichen werden? Am besten durch Austerität. Sprich: Sparen, sparen, sparen. Ausgaben kürzen, eventuell auch die Einnahmen ein bisschen erhöhen oder vielleicht sogar: Steuern senken.

Linke Wissenschaftler vertrauen dagegen wie immer auf Keynes. Sicherlich kein ganz falscher Ansatz: Jetzt auf gar keinen Fall sparen, sondern im Gegenteil: Klotzen, klotzen, klotzen. Und dann, wenn die Krise „überwunden“ ist, dann will man den Haushalt ausgleichen und Schulden abbauen.


Kreditklemme! Kreditklemme!
Auch die linke Theorie hat allerdings ihre Haken. So habe ich zum Beispiel noch nie eine Epoche erlebt, in welcher linke Wissenschaftler feststellen momentan sei die Kreditmenge genau richtig. Diesen Zustand gibt es bei diesen Leuten irgendwie nicht. Diese Leute kennen nur zwei Zustände. In Zustand eins sagen sie: „Es gibt zu wenig Kredite! Kreditklemme! Kreditklemme! Druckt endlich mehr Geld! Konjunkturprogramme müssen her. Hilfe! Macht doch was!“ Dieser Zustand wir immer abgelöst von Zustand zwei, in der linke Ökonomen hinausposaunen: „Oh ihr gierigen kapitalistischen Trottel, warum habt ihr nur so viel Geld gedruckt? Wer hat denn das gewollt? Wer war denn so blöd? Eure dumme Politik des billigen Geldes hat eine massive Blase verursacht!“ Auf dieses heuchlerische, hysterische Geschrei folgt dann umgehend wieder Zustand eins: „Kreditklemme! Kreditklemme! Konjunkturprogramme müssen her! Druckt endlich mehr Geld! Chicagoer Schule, Freshwater-Ökonomen, österreichische Schule. Ihr seid ja alle so doof.“

Schulden, Schulden, Schulden
Das ist noch nicht einmal der größte Haken der linken Ideologie für die Öffentlichkeit. An diese Schizophrenie hat sich die Öffentlichkeit offenbar schon so gewöhnt, die merken das gar nicht mehr. Nein, das Problem ist ein anderes. Die Öffentlichkeit kapiert langsam, dass die Schulden nie wieder wirklich abgebaut werden. Das beschert den Linken ein kleines Image-Problem, denn bisher hieß es immer: „Jaja, wenn die Wirtschaft wieder brummt, dann bauen wir die Schulden wieder ab und sammeln das billige Geld wieder ein“. Passiert ist das nie.

Den Keynesianismus gibt es jetzt ungefähr seit WWII oder genaugenommen seit Hitler. Hitler war lustigerweise der erste, der Keynes umgesetzt hat. Das ist keine moralische Wertung, das ist eben so. Der Punkt ist: Noch nie hat ein wichtiger westliche Staat seinen Haushalt wirklich ausgeglichen, geschweige denn in nennenswerter Weise Schulden zurückbezahlt. Das ist interessanterweise eines der Probleme, die die Leute jetzt plötzlich mit den Keynesianern haben. Die Lügnerei was die Rückbezahlung ihrer Schulden angeht.

Für dieses Glaubwürdigkeitsproblem haben nun einige linke Ökonomen eine Lösung gefunden. Die Washington Post schrieb vor einigen Tagen.

In contrast to “deficit hawks” who want spending cuts and revenue increases now in order to temper the deficit, and “deficit doves” who want to hold off on austerity measures until the economy has recovered, Galbraith is a deficit owl. Owls certainly don’t think we need to balance the budget soon. Indeed, they don’t concede we need to balance it at all. Owls see government spending that leads to deficits as integral to economic growth, even in good times.

Was steht drin? Das was ich oben schon beschrieben habe: Es gibt rechte Falken, die das Defizit sofort klein haben wollen und es gibt linke Tauben, die sagen: Eigentlich keine schlechte Idee, aber nicht jetzt!

Ehrliche Eulen
Was ist neu? Eine dritte Kategorie: Linke Eulen. Ein treffender Name. Ist das wirklich neu? Nein, eigentlich nicht. Linke Eulen, sind nur ehrliche Tauben. Oder andersherum ausgedrückt: Linke Tauben sind Eulen, die meinen, sie wären keine Eulen.

Was sagen Eulen? Nun ganz einfach: Der Staat sollte sein Defizit niemals (!) ausgleichen. Haushaltsdefizite sind immer gut, Staatsüberschüsse sind immer schlecht.

Ich werde das jetzt nicht aufheulend moralisch bewerten. Moral in Economics ist selten gut. Ich werde das Gegenteil sagen: Der Gedanke ist interessant und aus meiner Sicht kann das sogar funktionieren. Faktisch funktioniert das in Amerika schon mindestens seit WWII. Durchaus mit Erfolg. Eine zu klärende Frage wäre allerdings: Leben wir damit nicht von der Substanz? Eine andere: Fördert das Moral Hazard? Eine dritte: Führt das nicht zu immer mehr Staat? Eine vierte: Ist Bankrott im Zweifel nicht besser? Und so weiter. Und so weiter. Die vierte Frage wird im Artikel beantwortet.

Diese Theorie hört sich im ersten Augenblick sehr falsch, aber wenn man das System mal näher betrachtet, dann muss man sagen: Es kann unter gewissen Kriterien (leider) funktionieren. Die Realität beweist es.

Was sind die notwendigen Kriterien? Nun. Dazu muss man sich anschauen, wo dieses System offensichtlich nicht funktioniert. In Europa. Europa hat jetzt ungefähr seit einem Jahrzehnt den Euro. Das ist sehr, sehr kurz. Trotzdem hat man es in dieser kurzen Zeit geschafft, ein extremes Schlamassel anzurichten. Warum? Weil gewisse Grundregeln nicht eingehalten wurden. Wie diese Kriterien aussehen, ist der Stoff für einen anderen Artikel. Aber man kann es sich auch denken, wann man eins und eins zusammenzählt.

Fazit
Einige linke Wissenschaftler sind endlich ehrlich. Sie nennen sich Eulen.
Die Theorie ist wahrscheinlich der Traum jedes Politikers!
Auf seine glorreiche Umsetzung darf man in Zukunft gespannt sein.
Hier der Artikel zur New Money Theory.

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22 Gedanken zu „New Money Theory

  1. Ich stimme mit den linken Eulen in einem Punkt überein, allerdings aus einem anderen Grund: Staatliche Ueberschüsse sind schlecht. Diese Ueberschüsse nimmt der Staat in wirtschaftlich guten Zeiten ein. Leider braucht er das Geld nicht, um Schulden abzutragen oder, Gott bewahre, Steuern dementsprechend zu senken, sondern er gibt einfach mehr Geld aus. Diese Ausgaben (meistens soziale Wohltaten, siehe vorherigen Artikel) generieren dann in wirtschaftlich schlechteren Zeiten wieder neue Schulden. Der übliche halbe Keynes also.

  2. Wirtschaftspolitik nach Keynes führt zwangsläufig zu einer Serie von Blasen, und von dort aus zu einem Übermaß an Staat, Bevormundung und letztenendes irgendeiner Art von Sklaverei / Knechtschaft. Sehr schön beschrieben in Hayeks „The road to Serfdom“, das Sie aber sicher schon kennen.

    Insofern wundert mich Ihre Theorie etwas, daß eine Art Politik nach Keynes ohne Gedanken an eine Rückzahlung der Schulden funktionieren kann: Der Staat braucht so oder so immer weitere Rechtfertigung für die immer neuen Ausgaben. Er wird sich daher zwangsläufig immer weiter in das Wirtschaftsgeschehen und auch direkt oder indirekt in das Privatleben seiner Bürger einmischen. Der einzige relevante Unterschied wird darin bestehen, dass Investoren dem Staat mehr und mehr mißtrauen, da er ja eh nicht daran denkt, seine Schulden zu bezahlen. Insofern wird eine zusätzliche Kapitalflucht einsetzen, je nach Veranlagung in Aktien, Rohstoffe oder Gold (wobei ich letzteres für ausgemachten Schwachsinn halte). Um seine Programme bezahlen zu können, wird der Staat mehr und mehr Geld drucken müssen und das lustige Spiel mit der Inflation geht los. Wenn der Staat geschickt ist – und das ist er in diesem Fall ausnahmsweise – verkauft er das ganze dann als die Schuld derjenigen, die ihm das Geld nicht mehr geben wollen bzw. früher mal gegeben haben und fordert entsprechende Repressalien für diese. Und schon geht das spaßige Spielchen von vorne los. Insofern erscheint mir diese Art von Wirtschaftspolitik nur als der letzte Schnaufer eines in sich kaputten Systems. Ein Schelm, wer hiermit aktuelle Geschehnisse verbinden würde.

    Das Problem ist, dass der Weg von Hayek nach Keynes einfach und verlockend ist, die Rückkehr aber irgendwo zwischen Blut, Schweiß und Tränen und unmöglich (ohne größeren gesellschaftlichen Umbruch), jenachdem wie weit obiger Prozess schon fortgeschritten ist und wie degeneriert die Politikerkaste ist. Keynes an sich mag funktionieren können (fähige Politiker vorausgesetzt, haha), ist aber immer ein Spiel mit dem Feuer. Hayek funktioniert auch so, bedient aber nicht die Fullservice-Mentalität der heutigen Bevlkerung, die zu einem großen Teil vergessen zu haben scheint, woher ihr Wohlstand eigentlich kommt: Aus einer Zeit, in der Freiheit und Selbstverantwortung gepaart auftraten und jeder seines Glückes Schmied war, in einem groben Rahmenwerk, das der Staat bereitgestellt hat (fast) ohne sich in Detailfragen einzumischen. Die andere Hälfte wurde schlichtweg gekauft, auf Rechnung kommender Generationen, ohne jede Scham. Das ist der perfide Punkt: Ab einem gewissen Wohlstandsniveau bringt der Wechsel von Hayek zu Keynes zunächst augenscheinlich einen zusätzlichen Fortschritt, zusätzlichen Wohlstand für alle (würgs). Der Preis dafür wird erst irgendwann in der Zukunft bezahlt werden müssen (in etwa jetzt). So einfach, und so angenehm für den nach Wählerstimmenden lechzenden Politiker. Nach ihm die Sintflut, umso höher desto lauter er „Nachhaltig!“ schreit (aber das ist ein anderes Thema).

    Nur frage ich mich, warum es in der deutschen und europäischen Politik absolut niemanden mehr gibt, der den Ansatz nach Hayek vertritt. So klein kann das Wählerpotential doch nicht sein – oder sind meine Ansichten doch so krude?

    • Da haben Sie mich offensichtlich missverstanden. Selbstverständlich funktioniert Keynes nicht. Die Realität ist aber, dass vor allem in Westeuropa der von mir beschriebene „halbe Keynes“ praktiziert wird. Und das führt eben noch schneller in die Ueberschuldung. An dem Tag, an dem ein Linker sagt:“ So Leute, jetzt ist die Zeit gekommen, die staatliche Tätigkeit zurückzufahren und Schulden zu bezahlen“ werd ich ein schwarzes Kreuz an die Decke malen. Ich glaube allerdings, meine Decke bleibt so, wie sie ist…

      • Mein Kommentar war nicht auf Sie bezogen sondern auf den Blog-Eintrag selbst. Und keine Sorge, Ihre Decke bleibt sauber.

      • Da haben Sie mich offensichtlich missverstanden. Selbstverständlich funktioniert Keynes nicht.

        Das ist so eine Ausgangsfrage, die ich mir immer wieder stelle. Was heißt schon „nicht funktionieren“? Keynes dominiert die westliche Politik wie gesagt schon mindestens seit WWII und man kann nun wirklich nicht sagen, dass der Westen und die ganze Menschheit seither ärmer geworden sind. Im Gegenteil. Fortschritt und Wohlstand sind noch einmal explodiert. Von daher funktioniert das System aus meiner Sicht durchaus.

        Natürlich hält das Keynes’sche System nicht ewig, aber das gilt für alle Systeme. Von daher ist dieser „Nachhaltigkeitswahn“, den man heute so antrifft für mich kein Thema. Das System von Keynes kollabiert eben immer wieder, das ist klar. Blasen platzen und so weiter. Ich halte das nicht für schlimm. Es folgen dann eben immer Steuererhöhungen, Inflation, Bankrott oder alles zusammen. Aber auch das ist nicht der Weltuntergang, wenn man es mal nüchtern betrachtet. Es ist nur schade.

        Die Frage ist für mich eigentlich nur, ob das System von Hayek nicht besser wäre. Hayek hat das ja immer behauptet. Nicht unbedingt im Sinne von mehr Wohlstand, oder gar mehr Arbeitsplätze, aber im Sinne von mehr Freiheit. Man sieht ja gar nicht, was in unserem quasi-sozialistischen System alles verloren geht. Man kann es nur ahnen und abschätzen, wenn man sich die Politik und ihre absurden Entscheidungen anguckt. Deshalb vermissen die meisten Leute im Keynes’schen System auch nichts. Was nicht existiert, kann man schlecht vermissen.

    • Wirtschaftspolitik nach Keynes führt zwangsläufig zu einer Serie von Blasen,…

      Ich denke, dass ist auf beiden Seiten die größte Heuchelei, dass man Blasen immer schlecht redet. Linke Keynesianer machen das stärker als rechte Österreicher und auf die beschriebene schizophrene Art und Weise, aber auch die österreichische Schule et al. tun zum Teil ebenfalls so als könnten sie Blasen stark reduzieren bzw. ganz verhindern. Das glaube ich nicht. Ich hätte gerne einmal eine Wirtschaftstheorie, die Blasen als normal und notwendig betrachtet und nicht immer nur als Übel.

      Sehr schön beschrieben in Hayeks “The Road to Serfdom”, das Sie aber sicher schon kennen.

      Natürlich, das ist der Klassiker schlechthin. Auch Keynes fand lobende Worte für den Bestseller. Was er genau sagte, ist mir im Moment entfallen. Aber wie ich Keynes kenne, war es ein vergiftes Lob, so in die Richtung: In der Theorie ein wunderbares Buch, in der Praxis machen wir es allerdings so pragmatisch und bequem wie ich es sage.

      • Ich hätte gerne einmal eine Wirtschaftstheorie, die Blasen als normal und notwendig betrachtet und nicht immer nur als Übel.

        Wie wär’s mit Schumpeter?

        Seine kreative Zerstörung wurde aber widerlegt. Produktivitätszuwächse und Fortschritt gibt es bei Wachstum. Eine längere Rezession nach einer Blase ist verlorene Zeit. Das ist auch Teil der griechischen Tragödie. Die schätzende Klasse spricht viel von einer Modernisierung der Griechischen Wirtschaft. Nur wer will schon in Griechenland investieren, solange sich die Wirtschaft im freien Fall befindet?

  3. Ich muss hier wieder einmal ausbalancieren.

    Sagte nicht Dick Cheney „Reagan proved that deficits don’t matter:“? Die Neokonservativen bzw. Neoliberalen vertraten bekanntlich die Ansicht, dass sich Steuersenkungen von selbst finanzierten. Die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten setzen allesamt auf unfinanzierbare Steuersenkungen.

    Die Chicagoer Schule hast du falsch eingeordnet. Der letzte Mohikaner der Monetaristen ist Scott Sumner, der auf The Money Ilusion bloggt. Die Monetaristen wollten immer stabiles Geldmengenwachstum. Scott Sumner argumentierte daher die letzten Jahre, dass die FED und Die EZB zu wenig Geld gedruckt hätten. Das Kreditklemmen-Argument kommt aus dieser Ecke und war auch die zentrale These Milton Friedmans zur Großen Depression. Paul Krugman schwenkte erst später auf diese Linie ein, nachdem er erkannte, dass fiskalische Konjunkturprogramme politisch kaum umsetzbar sind.

    Die Bankenrettungen wurden sowohl von Linken als auch von Rechten abgelehnt. Es war die politische Mitte, die private Schulden alternativlos sozialisierte.

    *****

    Von der Substanz lebt man nur, wenn sich eine Volkswirtschaft im Ausland verschuldet. Das trifft auf Griechenland und die USA zu, nicht aber auf Deutschland oder Japan. Österreicher und Deutsche vererben den kommenden Generationen nicht nur die Schulden, sondern auch die Sparbücher, die das Gegenstück zu den Schulden bilden.

    *****

    Was ich wirklich verblüffend finde ist, dass der Schuldenberg eigentlich nur durch kleine Defizite zustande kam, die sich akkumulierten. Das Schuldenproblem entsteht nicht, weil der Staat viel ausgibt, für soziales, Militär, Subventionen, Bürokratie, oder was auch immer, sondern, dass er Jahr für Jahr um ein paar wenige Prozent zuviel ausgibt.
    Es geht auch anders, wie Schweden und Dänemark zeigen.

    Das Argument, dass die unmoralisch und kurzfristig fordernden Massen Schuld wären, kann ich nicht nachvollziehen. Niemand würde es merken, wenn man die Staatsausgaben mittelfristig strukturell um ein paar Prozent zurück fährt. Das sieht man auch daran, dass sich die Staatsausgaben von Staat zu Staat um bis zehn Prozent unterscheiden.

    • Das Kreditklemmen-Argument kommt aus dieser Ecke und war auch die zentrale These Milton Friedmans zur Großen Depression. Paul Krugman schwenkte erst später auf diese Linie ein, nachdem er erkannte, dass fiskalische Konjunkturprogramme politisch kaum umsetzbar sind.

      Aus meiner Sicht ist es letztendlich egal, ob der Staat Konjunkturprogramme auflegt oder die Geldmenge ausweitet. Es stimmt, dass Friedman und Schwartz in ihrem bekannten Werk „A Monetary History of the United States“ die Rolle der FED in der Great Depression scharf kritisiert haben. Die FED hat damals allerdings die Geldmenge reduziert und die Zinsen erhöht. Dass dies Friedman nicht gefällt, ist klar. Ich weiß aber nicht, ob Friedman dafür war die Geldmenge massiv auszuweiten. Bisher habe ich Friedman immer so verstanden, dass die Geldmenge eigentlich nur zur Kontrolle der Inflation dienen sollte.

      • Aus Chicagoer Sicht sind Konjunkturprogramme korruptionsanfällig. Milton Friedman sagte ja mal „We are all Keynesians now“. Er hatte nur einen anders gewichteten Lösungsansatz zum selben Problem.

        Friedman war für ein stabiles Geldmengenwachstum. Scott Sumner ist für stabiles
        NGDP-Wachstum, also, dass das nominelle BIP konstant wachsen soll.

        Es geht nicht nur um das Zentralbankgeld, sondern um die größere Geldmenge im Privatbankensektor. Verluste in der Geldmenge im Privatsektor sollen durch die Zentralbank ausgeglichen werden.

        Ich habe es geschafft auf der umständlichen Webseite der EZB das Geldmengenwachstum abzufragen. Ich weiß aber nicht, ob der Link transferierbar ist.

        http://sdw.ecb.europa.eu/browseChart.do?node=2120793&BS_SUFFIX=A&FREQ=Q&sfl5=4&sfl1=3&sfl3=3&DATASET=0&DATASET=3

        Wie man sieht, ist das Geldmengenwachstum 2008 eingebrochen, ja es kam sogar zu einer Schrumpfung in manchen Bereichen. Friedman hätte also seit 2008 viel mehr Geld gedruckt.

      • Der Link funktioniert.

        Friedman hätte also seit 2008 viel mehr Geld gedruckt.

        Dazu kenne ich Friedman nicht gut genug. Keine Ahnung was er gemacht hätte.

        Allerdings halte ich fest, dass ihr Link aus Angaben in Prozent besteht. Wirklich negativ werden nur die grüne und kurz die blaue Linie. Versicherungen und andere Institute. Friedman hat doch auch gesagt die Geldmenge müsse immer mit dem realen Wirtschaftswachstum mithalten. Von daher wäre eine Schrumpfung in einer Rezession eigentlich angesagt. Es darf nicht negativ werden ok, aber das Wachstum darf doch wohl zurückgehen. Es spricht ja auch etwas dafür, dass die Geldmenge in den Jahren zuvor zu stark gewachsen ist. Das war ja kein reales Wirtschaftswachstum, das waren größtenteils nur unsere Häuser. Auch aus dieser Sicht ist eine Schrumpfung des Wachstums doch nichts Ungewöhnliches.

        Man muss sich mal anschauen wie die M3-Geldmengen weltweit wachsen. Das ist ja fast schon exponentiell. Wie geht das eigentlich noch mit den Inflationszielen von Friedman zusammen?
        http://en.wikipedia.org/wiki/Money_supply#European_Union
        http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge#Geldmengen_der_Europ.C3.A4ischen_Zentralbank

      • An Interview with Milton Friedman

        I’ve always been puzzled by why they insist on using the interest rate rather than the quantity of money.

        If you really carried out the logic concerning the quantity of money, you deprive the Federal Reserve of anything to do. Suppose the Federal Reserve said it was going to increase the quantity of money by 4 percent a year, year after year, week after week, month after month. That would be a purely mechanical project. You could program a computer to do that.

        4% pro Jahr ergibt freilich ein exponentielles Wachstum. Der von dir verlinkte Wikipedia-Artikel zeigt das Geldmengenwachstum nur bis 2007.

    • Was ich wirklich verblüffend finde ist, dass der Schuldenberg eigentlich nur durch kleine Defizite zustande kam, die sich akkumulierten. Das Schuldenproblem entsteht nicht, weil der Staat viel ausgibt, für Soziales, Militär, Subventionen, Bürokratie, oder was auch immer, sondern, dass er Jahr für Jahr um ein paar wenige Prozent zuviel ausgibt.

      Eine interessante Theorie.

      Das Argument, dass die unmoralisch und kurzfristig fordernden Massen Schuld wären, kann ich nicht nachvollziehen. Niemand würde es merken, wenn man die Staatsausgaben mittelfristig strukturell um ein paar Prozent zurück fährt. Das sieht man auch daran, dass sich die Staatsausgaben von Staat zu Staat um bis zehn Prozent unterscheiden.

      Vielleicht ist das ja die Erklärung. Denn es gibt sehr wohl einen Volksaufstand, wenn man auch nur die kleinsten Kürzungen vornimmt. Man denke nur mal in Deutschland an die Hartz-IV-Gesetze oder an die Rente mit 67. Aus der Psychologie weiß ich: Der Mensch kann Verluste nicht ertragen. Ganz egal wie klein sie sind. Ein Velust ist ein Verlust, den man nicht haben will. Wenn man einem Angestellten sagt, er verdiene jetzt 500€ weniger im Jahr, dann ist er darüber sehr verärgert. Wenn man seinen Lohn allerdings um 200€ erhöht und die Inflation die Lebenshaltungskosten um 800€ erhöht, dann ist er glücklich.

      So ähnlich ist es auch bei den Strompreisen. Die steigen zwar überproportional, aber die Menschen glauben trotzdem, sie würden davon profitieren. Schon alleine, weil die bösen Konzerne geschädigt wurden. Geschädigt hat man aber letztendlich auch sich selbst.

      • Hartz-IV war ja eine enorme Strukturreform und keine einfache Kürzung. Soweit ich gehört habe, sind die Sozialausgaben dadurch zunächst sogar gestiegen. Hartz-IV subventioniert Arbeit, ähnlich wie Clintons Reformen.
        Außerdem wurden die Unzumutbarkeitsregelungen abgeschafft. Man muss seither jeden Job annehmen. Und Geld gibt es erst, wenn persönliche Ersparnisse aufgebraucht sind. So ungefähr habe ich das als Nicht-Deutscher mitbekommen.

        Die Nationalratswahl in Österreich im Jahre 2008 war von Inflations-Hysterie geprägt. Damals haben sich alle Parteien mit teuren Maßnahmen gegen die Inflation überboten, die im Eilverfahren vor der Wahl durch’s Parlament gewunken wurden. Das hat bei uns ein nachhaltiges Budgetloch verursacht und die eigentlich gute Budgetentwicklung zerstört.

        Meiner Meinung nach war diese ganze Hysterie von den Parteien und den Medien inszeniert worden. Ich bezweifle, dass diese Wahlgeschenke auch nur eine Wählerstimme gebracht haben.

  4. Ich finde es schon interessant, dass die auch für mich als Deutschen zuständige europäische Zentralbank nicht auch auf Deutsch überall(!) schreib. Es ist eben wie Franz. & Engl. Amtssprache. Ich komme damit ja noch gut klar, aber mein Eltern könnten hier vieles nicht nachlesen. … naja das am Rande.

    Es ist sehr schade, dass sie Schumpeter nicht kennen. Ich denke er war der redlichste unter allen Ökonomen, die ich kenne. Es gibt eine Anekdote, wo die Studenten längere Öffnungszeiten der Bibliothek gefordert haben (woher kenne ich das nur?). Er hat die Bibliotheksleitung dazu aufgefordert, als diese sich weiter stur gestellt hat, hat er den Leiter zum Duell aufgefordert!!!

    Ich sehe auch nicht, dass Schumpeter generell widerlegt ist. Insbesondere war er einer der ersten, die die Probleme der normalen statischen Modelle Wirtschaftstheorie kritisiert hat und dynamische gefordert, in denen auch der Zins integrierbar ist. Schumpeter hat auch sehr interessante Zeilen über Keynes in seiner „History of Economic Analysis“ geschrieben. Er zeigt, dass Keynes ebenso am tautologischen Problem – dem ricardischen Laster – leidet. Meines Erachtens einer der besten Bücher ist die „Theorie der wirt. Entwicklung“ (dort schreibt er auch über das Zinsproblem in Modellen), vor allem auch toll geschrieben.

    • Schumpeter hört sich in der Tat interessant an. Meine Zeit ist allerdings momentan sehr beschränkt. Wenn sich das je ändert, gebe ich ihm mal eine Chance. Das Buch kaufe ich mir dann, aber vielen Dank für ihr nettes Angebot.

  5. Nur gut dass man in manchen Regionen der Erde noch das logische Denken gelernt hat, jeder ökonomisch gebildete Mensch müsste erkannt haben dass der Grund für dieses kranke System weder Rechte noch Linke Ökonomen sind, nein, es ist das Geldsystem selbst, weil es selbst immer wachsen will und muss, und nur um seiner selbst willen, die Sachwerte die nebenher entstehen sind lediglich billiger Pfand.
    Da drängt sich dem Logiker und Pragmatiker ja förmlich die Frage auf wieso dass so sein muss, vielleicht weil die die dahinter stehen möglichst unerkannt und ganz antiliberal jeglich Opposition unterminieren ?
    Ich mein die Ideen für Alternative Geldsysteme sind Jahrhunderte alt, dass das Geld altern sollte, als eine von Rudolf Steiners Idealen, ist nun ein Jahrhundert alt.
    Da gibt es so viel revolutionäreres als Marx, Keynes sagt es ja selbst, von ’nem Gesell sei für die Zukunft mehr zu lernen als vom Kommunisten erster Stunde.
    Auch der gute Irving Fisher, den als brillianten Mathematiker zu bezeichnen keine Übertreibung wäre, sprach sich am Ende des Leidensweges der Wirtschaftswissenschaften für eine umlaufgesicherte Währung aus, man sollte endlich darüber debatieren, um der Menschheit willen.

    • die Frage auf wieso dass so sein muss, vielleicht weil die die dahinter stehen möglichst unerkannt und ganz antiliberal jeglich Opposition unterminieren?

      Für V-Theorien und Rudolf Steiner ist das hier die falsche Seite.

      • Dinge für Nonsense zu erklären war schon die ganze Menschheitsgeschichte über einfach, wohl kann man sich damit auch fühlen.
        Andererseits sind die Wahrheiten die unbeachtet und mitunter gar missachtet nebenher existieren die Geister die einen dann am Ende wieder einholen.

        Wieso sollte man nicht darüber diskutieren ?
        So ein fantasieloser Mensch können sie doch gar nicht sein, in ihrem Blog gibts schließlich gar Verweise auf modernen Fantasy-Zeitvertreib aus dem TV.
        Sollte dass nur ein Verweis auf hirnlose Beschäftigungstherapie für die rare Freizeit arbeitender Menschen sein, oder ein ehrlicher Tipp gegenüber der Vorstellungskraft der Menschen die sie lesen.
        Wieso nicht mal versuchen die Moral von einer Geschicht zu erkennen, sich nicht kleinlich an einzelnen Punkten aufzugeilen, stattdessen den philosophischen Kontext sehen.
        Der einen im Endeffekt viel näher an die Klärung immanenter mathematischer Zusammenhänge bringt.
        Nicht umsonst stand im ALT-griechischen Theater die Katharsis an 1. Stelle.
        Im heutigen Theater dort scheint die jedoch keiner mehr erkennen zu wollen bzw. zu interessieren.

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