Spiegel Online jetzt neoliberal?

Wie hochgradig flexibel linke Medien doch sind. Zu Putins Wahlsieg titelt Spiegel Online aktuell Die falsche Mehrheit. Soweit ist das nichts Neues.

Linke Dialektik muss man verstehen. Es gibt bei Linken immer eine „richtige“ Mehrheit, die ausführt, was Linke vorgeben und dann gibt es immer auch eine „falsche“ Mehrheit, von der immer dann die Rede ist, wenn es einmal nicht so läuft wie die Linken wünschen. Diese „falsche“ Mehrheit verstößt dann meistens gegen irgendetwas: Die politische Korrektheit, den Anstand, die Moral, die Nachhaltigkeit, die Umwelt, das Klima, ein Gesetz, oder gleich gegen die ganze Verfassung. In dieser Hinsicht sind Linke sehr kreativ. Elmar Theveßen umschwurbelte das einmal gekonnt mit dem „Konsens der Demokratie“, den man eben nicht verlassen dürfe, sonst hat man es sich mit den Hütern der GEZ-Gebühren verschissen.


Neu ist allerdings das Vergehen der „falschen“ Mehrheit in Russland: Es sind Transferempfänger. Putin hat laut Spiegel Online-Redakteur Matthias Schepp „auf die mehr als 60 Millionen Russen“ gesetzt, „die von Staatsgeldern abhängen“. Ein Skandal!

Dass sich der Spiegel daran stört, kann ich gut nachvollziehen. Die Politik der Transfermilliarden wird bekanntlich gerade von linken Medien aufs Schärfste bekämpft. In jedem europäischen Land. Diese Art von schmutzigem Wahlkampf wird man in Festland-Europa nicht finden. Kein westlicher Politiker ist dafür bekannt im Wahlkampf mehr zu versprechen, als er je wird halten können. Großmäulern wie dem Franzosen Hollande wird von Spiegel Online regelmäßig das Maul gestopft. Parteien, die auf ein Heer von Transferempfängern setzen, hätten in Deutschland keine Chance. Auch Dank Spiegel Online.

Es gibt glücklicherweise nur neoliberale Parteien in Deutschland: Die Linkspartei, die SPD, die CDU, die FDP und natürlich die Grünen. Keine dieser Parteien muss sich den Vorwurf gefallen lassen ihre Klientel aus Arbeitslosen, Angestellten, Ärzten, Rentnern, Lehrern und Beamten regelmäßig zu kaufen. Zwischen diesen Parteien findet auch kein Verdrängungswettbewerb statt, wer denn nun noch schneller und noch geschickter seine Milliarden an den Mann bringen kann. Bei Gott nicht. Medien wie Spiegel Online würden das sofort aufdecken und couragiert bekämpfen.

Wenn man das Forum von Spiegel Online so durchliest, meint man, die ganze Spiegel-Leserschaft bestünde aus hochtalentierten Spezialisten, Liberalen, Libertären, Intellektuellen und Jungunternehmern, die ihre knappe Freizeit opfern, um ihrem Leitmedium zu huldigen. Qualität geht eben vor Quantität. Oder mit den Worten von Matthias Schepp: „Putins Mehrheit ist eine quantitative, aber keine qualitative.“

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7 Gedanken zu „Spiegel Online jetzt neoliberal?

  1. netter Artikel, allerdings ist die wichtige Frage ja, ob er auch die Mehrheit bekommen hätte, wenn es wirklich faire Wahlen gegeben hätte. FALLS, es so gewesen wäre, dann hätte dein Artikel vollkommen recht. Entweder es gewinnt die doofe Mehrheit die keine Ahnung hat, oder es ist gelebte Demokratie, je nach der Stimmzahl der eigenen Meinung 😉

  2. „Großmäulern wie dem Franzosen Hollande wird von Spiegel Online regelmäßig das Maul gestopft.“ Köstlich!

    Aber trotzdem eine kleine Kritik: Die Ärzte haben in Ihrer Aufzählung der Transferleistungsempfänger nichts zu suchen. Wobei ich hier ganz sicher nur für die Niedergelassenen sprechen kann. Und dann auch nur von denen, die lieber Arzt sind als Kassenbürokraten. Ich schreibe sehr bewusst: „die lieber Arzt SIND als Kassenbürokraten“, und nicht „wären“. OK: ein Insider. Aber ich manage meiner Frau die Praxis alleine (statt 2 1/2 Vollzeitstellen Helferinnen) (und würde es als Freelancer in meinem eigentlichen Beruf nicht schaffen, sichere 80K netto p.a. zu erwirtschaften, was 2 Helferinnen plus meinen Beruf zu einem Nullsummenspiel machen würde, das nur dazu, warum ich mir das antue) und weiß, wovon ich rede.

    Da Sie ja selber Arzt sind, sollten Sie wissen, dass das Klischee von der ach so mächtigen Arztlobby eben nur ein Klischee ist. Ein sehr wirkungsvolles zwar, im Spiegel, wenn die nächste Mediziner-Diffamierungskampagne gefahren wird, aber immer zum Schaden der Ärzteschaft.

    Wie auch immer.

    Jedenfalls muss ich seit dem Beginn des letzten Jahrzehnts und bei jeder Meldung über die in Russland rasant voranschreitende Transparenz, Toleranz, Meinungsfreiheit, Mitsprachemöglichkeit des einfachen Bürgers, der Stärkung einer unabhängigen Justiz, der Bekämpfung des Organisierten Verbrechens, bestehend aus früheren und aktiven KGB-Kadern, den einwandfreien Wahlabläufen ohne Mehrfachstimmabgabe etc. pp., immer an den lupenreinen Demokraten Putin denken und den, von dem dieses Zitat stammt.

    Es ist also abseits jeder Ironie eine Schande. Der Spiegel aber juckt mich schon lange nicht mehr, Abo gekündigt.

    • Was haben Sie gegen Gerdgas? Wir werden viel davon brauchen, wenn die Deindustrialisierung im Zuge der sogenannten Energiewende nicht schnell genug voranschreitet. Aber auch dann natürlich erst, wenn es staatliche Prämien für den Bau von Gaskraftwerken gibt, denn die sind leider unwirtschaftlich und keiner baut sie mehr freiwillig. Gerd wußte das natürlich, und so hat er sich heldenhaft im fernen Russland an die Schalthebel gesetzt um uns auch in zukünftigen kalten Wintern mit dem nötigen Brennstoff zu Schnäppchenpreisen versorgen. Ein Held, der Mann! Oder Vaterlandsverräter, je nach Standpunkt.

    • Das mit den Ärzten stimmt, da haben sie Recht. Was der Spiegel regelmäßig zum Thema Medizin bringt, ist lachhaft dämlich. Da könnte ich viel drüber schreiben. Allerdings war die Alliteration aus „Arbeitslosen, Angestellten, Ärzten“ für mich zu verlockend, da konnte ich nicht widerstehen.

      • shame on you…. da könnte es ja jede Menge Alliterationen zu „American“ geben, auch mit A …. höhöhö….

        Aber das wäre echt mal ein Thema, das mit den Ärzten! Bzw. mit der Anmaßung allein schon des Begriffes „GesundheitsPOLITIK“.

        Manchmal versuche ich, unseren Patienten die vollkommen anal-schizophrene Funktionsweise des Kassenarztsystems zu erklären. Dabei muss ich feststellen, dass ich mir selbst nicht glaube, was ich da erzähle, obwohl es die Wahrheit der tagtäglichen Praxis ist.

        Besser ich lass das jetzt mal.

        @Hans Eitmeier: kein Witz, wollte die Karre schon auf Gas umrüsten. Aber der 100% ungefärbte Gel- und Schmalz-Anzug hat’s mir verdorben. Mit diesem Demokratiebotschafter vor dem Herrn hab ich eh noch ne andere Rechnung offen. Tja das mit dem Helden schreib ich mal Ihrer Ironie zu? Der mal wieder fette Molli-Werfer beackert ja das andere Feld, sodass wir – Marktwirtschaft, ey! – sogar ne zumindest papierne Konkurrenzsituation haben (leider ohne Auswirkung auf die Preise… der Russ hat das nur noch nicht kapiert) (bzw. doch: wurscht die Lieferwege, Monopol an der Quelle ist halt eben Monopol, Dagobert!). Darauf ein Prösterchen (Bier bei Acker, Schampus bei JoJo-Molle).

      • Manchmal versuche ich, unseren Patienten die vollkommen anal-schizophrene Funktionsweise des Kassenarztsystems zu erklären.

        Achso Sie sind auch vom Fach. Das ist schön. Ich sehe meinen Beruf immer noch relativ positiv. Arbeitslos kann man fast nicht werden. Und in den USA oder in der Schweiz wird man auch ganz gut bezahlt. Man muss allerdings oft noch einen Tick mehr arbeiten. Für deutsche Ärzte ist das nicht vorstellbar, weil in Deutschland arbeitet man bekanntlich schon an der Leistungsgrenze und darüber hinaus. Aber es ist wirklich so. Der Urlaub in den USA z.B. ist noch einmal weniger. Allerdings kann man auch viel mehr verhandeln, wenn man wirklich top ist. Ich kenne einen Herzchirurgen, der kann aufgrund seiner Qualifikationen Konditionen herausschlagen, davon träumt der Normalmediziner nur.

        Im deutschen System kann man das meinem Gefühl nach immer weniger. So eine Politik kann man natürlich machen. Linker Gleichheitswahn und so. Die Top-Mediziner stimmen dann allerdings mit den Füßen ab, das ist klar. Man kann das heute schon immer stärker beobachen. Da ergeben sich lustige Ketten: Wir holen unsere Ärzte aus der Schweiz, die Schweiz holt sie aus Deutschland, Deutschland holt sie aus Polen und die Polen holen sie aus der Ukraine.

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