Hollande will 75%-Steuer für Millionäre

Schreibt das WSJ.

Hollande meinte kürzlich schon ganz im Ernst, er kämpfe gegen „einen Gegner ohne Gesicht“. Um dann anzufügen seine Gegner seien „die Finanzmärkte“. Die deutsche FAZ schlug daraufhin die Hacken zusammen und gratulierte zu einer „großen, außergewöhnlichen Rede“ und einem „historischen Auftritt“.

Jetzt sind seine Gegner offenbar die Superreichen. Typisch dummes Wahlkampfgerede. Keine Absurdität ist zu peinlich, kein Versprechen zu bescheuert. Noch vor ein paar Wochen hat Hollande in seiner Gegner-ohne-Gesicht-Rede groß verkündet, er werde keine Versprechungen und schon gar keine Geschenke machen. Es war eine Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede à la Churchill nur ohne Blut, Schweiß und Tränen.

Lustigerweise soll die Steuer auf Einkommensmillionäre erfolgen, nicht auf Vermögensmillionäre. Mal ein Vergleich: In Deutschland gibt es ca. 800.000 Vermögensmillionäre, aber nur ungefähr 9000 Einkommensmillionäre. In Frankreich werden beide Zahlen noch einmal kleiner ausfallen.

Fast jeder französische Politikclown kommt übrigens von der gleichen Hochschule. Es sind nur zwei bis drei. Ein Teil der Sorbonne und vor allem Sciences Po und ENA. Gerne auch in Kombination. Die ganze französische Elite rekrutiert sich aus diesen Schulen. Das ist wie Inzucht. Jeder kennt jeden. Sarkozy ist da noch die überraschende Ausnahme von der Regel.

Das Völkermord-Gesetz wurde bekanntlich auch kassiert. Von Richtern, die natürlich auch alle auf diesen Schulen waren. Die Richter begründeten spitzfindig, warum das Gesetz gegen die Leugnung des Holocausts nicht gegen die Meinungsfreiheit verstößt, das Völkermord-Gesetz aber schon. Wie genau steht in den Sternen. Das ist ein abgekartetes Spiel. Die Politiker alle Parteien wussten ganz genau, dass das Gesetz kassiert wird. Wenn man genau guckt, wird das alles bei einem Glas Rotwein abgesprochen. Die „unabhängige“ EZB sitzt auch gleich mit am Tisch. Samt EGMR. Brüssel und Strasbourg sind nicht weit. Der Spiegel spricht seit einer Weile übrigens auch vom Völkermord- und nicht mehr diffamierend vom „Armenier-Gesetz“. Sarkozy verkündet natürlich groß, er werde einen neuen Anlauf starten. Man müsse ihn nur wählen. Demokratie in Frankreich ist ein Spiel für naive Träumer. Die rechts- bis linksextreme Marine Le Pen darf ja wahrscheinlich erst gar nicht antreten. Es muss nicht erwähnt werden, dass Le Pen auch nicht viel ändern würde. Außer die Bude vielleicht ein bisschen aufmischen. Zum Guten und zum Schlechten. Asterix Spruch über die Römer ist nur halb richtig, denn die Franzosen spinnen auch. Im Grunde spinnt doch ganz Europa. Sry jetzt bricht der ratlose Amerikaner in mir durch.

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12 Gedanken zu „Hollande will 75%-Steuer für Millionäre

  1. Tja, im ganzen Westen spinnen die Menschen eben, heutzutage. Aber wer weiß schon, was kommen wird: Nach jahrzehntelanger sozialistischer Mißwirtschaft von Parteien, die vom Konsens beseelt waren, als das Land völlig ruiniert war, hatten die Engländer plötzlich die Schnauze voll und wählten Margaret Thatcher. So kann’s gehen…

    • Ein Genie wie Thatcher werden die Deutschen nie wählen. Oder glauben Sie an Wunder? Das Gegenteil ist der Fall. „Konservative“ Medien wie die FAZ bejubeln Angela Merkel als „Iron Lady“! Eine Umfallerin und eine Frau ohne Prinzipien wie Merkel als neue Thatcher zu verkaufen, das ist schon maximal pervers.

      • Da haben Sie vollkommen recht, aber manchmal geschehen eben auch Wunder. Wie zum Beispiel als Margaret Thatcher (die echte, nicht Maggie Merkel), oder Ronald Reagan wie aus dem Nichts kamen. Der Zeitgeist und die Medien Ende der 70er waren genauso links wie heute. Trotzdem ist es passiert!

        Und ohne ein Wunder sind wir verloren.

  2. „Im Grunde spinnt doch ganz Europa. Sorry jetzt bricht der ratlose Amerikaner in mir durch.“
    Kann man als Deutscher nur zustimmen. Ist das vielleicht auch der Grund, warum Amerika sich immer mehr von Europa abwendet? Es mag auch wirtschaftliche Gründe geben, aber immerhin bildeten Europa und Amerika eine Wertegemeinschaft, die ja auch historisch begründet war.
    Als ich noch in Berlin lebte und studierte wurde diese Verbundenheit auf den deutsch-amerikanischen Volksfesten auch noch gefeiert.
    Aber trotzdem ein kleiner Konter eines Europäers :
    Die Entschuldigung Obamas für die „Koranverbrennungen“, die in der deutschen Presse auch als Schändungen bezeichnet wurden tut auch weh. Wieder knickt ein westlicher Politiker vor dem Islam ein.
    Die zwei toten amerikanischen Soldaten scheinen niemanden zu interessieren. Wie sieht man diesen Fall in der amerikanischen Öffentlichkeit?
    Gruß
    Arthur

    • Das schadet Obama natürlich im Wahlkampf. Allerdings interessiert das in zwei Wochen niemanden mehr. Jetzt muss erst einmal Romney nächsten Dienstag gewinnen. Er ist der Einzige, der Obama vielleicht schlagen kann. Wenn die GOP nicht einmal Romney als Kandidat hinbekommt, dann muss man zur Wahl erst gar nicht antreten.

  3. Hast Du einen Link zu diesem FAZ-Artikel? Es würde mich nämlich sehr interessieren, ob das mal wieder im Feuilleton stand, der tendentiell sowieso mit geistigen Amokläufern besetzt ist und eigentlich eher in der TAZ eine passende Heimat finden würde, oder doch woanders – was mich schon etwas verwundern würde, denn die FAZ gehört (Feuilleton eben ausgenommen) noch zu den eher anständigen deutschen Medien…

    • Ich mache das gerne für Sie, auch wenn ich darauf Hinweise, dass man das auch sehr schnell selbst googeln kann. FAZ, Hollande und „historischer Auftritt“ zum Beispiel. Etwas anderes mache ich auch nicht. Hier der Artikel. Es ist natürlich aus dem Feuilleton, von Ninkmar.

      …,denn die FAZ gehört (Feuilleton eben ausgenommen) noch zu den eher anständigen deutschen Medien…

      Dem widerspreche ich so ein bisschen. Der Wirtschaftsteil war immer ganz in Ordnung. Aber auch dort gibt es immer mehr Aussetzer. Ich erinnere nur an den Artikel „Der Sozialismus ist gar nicht so übel“ von Rainer Hank. Er sollte Anstoß sein für eine „Debatte“. Der Artikel ist der FAZ offenbar selbst peinlich, denn online ist er schon lange nicht mehr abrufbar. Auch Sahra Wagenknecht durfte schon schreiben. Weiß nicht mehr ob im Feuilleton oder im Wirtschaftsteil. Ich hatte mal eine ganze Liste mit diesen Ausfällen. Irgendwann war es mir dann zu blöd, die FAZ weiter zu lesen.

      • Tja, seit der Herr Wirrmacher da Mitherausgeber ist, geht’s leider abwärts. Es war aber lange die beste Zeitung in Deutschland, und vor allem die Printausgabe ist manchmal immer noch sehr schön. Die Online-Ausgabe ist wesentlich schlechter.

      • Zur FAZ: Ich habe es immer sehr an dieser Zeitung geschätzt, dass man dort auch Leute zu Wort hat kommen lassen, die der „Verlagsmeinung“ diametral entgegengesetzt standen. Derartiges halte ich für dringend nötig, um ein Gesamtbild der Situation zu bekommen – anders gefärbte Medien wie Spiegel Online, Süddeutsche (leider!) oder gar TAZ ertrage ich nicht länger als zwei Minuten. Ich stimmen Ihnen aber zu, dass der Kurs der Zeitung sich – in meiner persönlichen Wahrnehmung etwa seit Fukushima – zunehmend in eine unschöne Richtung ändert.

        Zur Suche: Hab freilich auch selber gesucht. Nur spuckte die FAZ-interne Suche zum Stichwort „Hollande“ diesen Artikel nicht aus. Ist ihr wohl selber peinlich. Insofern habe ich mir nicht die Mühe gemacht, auch noch Google zu bemühen – ich nahm an, dass der Artikel dann evtl. nicht mehr verfügbar ist.

      • Ja das stimmt. Medien wie FAZ und ZEIT lassen beide Richtungen zu Wort kommen. Allein dadurch entsteht schon ein gewaltiges Ungleichgewicht, weil SZ, SpOn und taz das eben nicht machen, wie Sie richtig sagen.

        Zur Suche. Die Google-Suche ist praktisch immer überlegen. Wenn eine Google-Suche nach FAZ, Hollande und “historischer Auftritt” zu viele andere Ergebnisse ausspuckt, kann man Google auch direkt Befehle geben. Mit…

        site:www.faz.net FAZ Hollande “historischer Auftritt”

        …wird zum Beispiel nur die gewünschte Seite nach den Suchbegriffen durchsucht.

  4. Das ist doch keine Politik des Verstands sondern nur Populismus mit dem Neid der Menschen die sich durch die Politik nicht (ausreichend) vertreten fühlen. Kein Land der Welt ging Pleite weil es zuviele Reiche gab. Die Schweiz ist doch auch nicht zu einem der produktivsten und wohlhabendsten Ländern mit einer der höchsten Grundsicherungen und einem der besten Bildungssystemen geworden weil dort besonders viel umverteilt wird.

    • Sie bringen es wunderschön auf den Punkt. Diese Politik des Neides hat man auch schon in der Weimarer Republik betrieben. Bei uns auch während der Great Depression. Das ist alles nichts Neues. Leider. Es wird viel geredet der „Schere zwischen Arm und Reich“ in diesen Tagen, die angeblich immer größer wird. Darüber kann man streiten, ob die Schere größer wird, je nachdem welche Daten man benutzt, wer sie interpretiert und so weiter. Aber darauf kommt es gar nicht an. Es müssten endlich einmal Politiker aufstehen und sagen: Reiche sind gut. Eine breite Schere ist gut.

      Das Gegenteil ist schlecht. Eine Schere, die immer enger wird. Das hatten wir alles schon. In der DDR, in Kuba, in China unter Mao, in Afrika heute, bei uns nach 1929 bis in die 1950s. Da waren alle Menschen gleich. Gleich arm nämlich. Eine breite Schere ist ein Zeichen von Wohlstand. Es gibt immer Menschen, die als Erstes reich werden und vorneweg marschieren. Diesen Zustand sieht man gerade in Indien, China, Brasilien und so weiter.

      Über dieses Stadium ist der Westen allerdings auch schon lange hinaus. Im Westen ist jeder reich. Dem ärmsten deutschen Sozialhilfeempfänger geht es besser als 90% der Weltbevölkerung. In meinem Buch ist das reich. In Sarrazins Buch auch.

      Das Problem heute sind aus meiner Sicht eher selbstgerechte Generationen, die alles haben, deren Mund und Wampe aber gar nicht mehr gestopft werden kann. Neue Generationen, die sich mit iPhone und einer Guy-Fawkes-Maske aus Bangladesh als 99% ausgeben und austicken, weil 1% in noch mehr Luxus schwimmen als sie selbst.

      Man könnte hier durchaus Parallelen sehen in der Maßlosigkeit der heutigen Neid-Generation und der deutschen Neid-Generation der goldenen Zwanziger, die es einfach nicht ertragen konnte, dass auf fette auch wieder magere Jahre folgen und dass es 1% Juden in der deutschen Bevölkerung gab, die im Durchschnitt besser integriert, besser ausgebildet und damit auch reicher waren als andere Deutsche.

      Eine klassische konservative Ansicht besagt: Die Menschen ändern sich nicht. Sie spielen immer das gleiche Spielchen, es wird nur ein bisschen variiert. In diesem Fall scheint das zu stimmen.

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