Merkel, Wulff, Gauck und die Linkspartei

Es ist soweit. Der Merkelismus ist auf Linkspartei-Niveau angekommen. Alle demokratischen Parteien im deutschen Bundestag sprechen sich mittlerweile für Gauck aus. Einzige Ausnahmen: Die CDU/CSU und die Linkspartei.

Sachliche Begründungen für die Ablehnung von Gauck gibt es nicht. Man hört keine Argumente. Erst Recht nicht von Merkel. Sie wolle Gauck nicht. Ende der Durchsage.

Erklärungen? Fehlanzeige. Ihre Politik erklärt Merkel grundsätzlich nicht. Was von Merkel kommt sind immer Allgemeinplätze, aber niemals Argumente, die zu überzeugen wissen.

Merkel erklärt sich nie, sie sitzt aus. Merkel argumentiert nicht, sie wartet ab. Merkels Entscheidungsschwäche ist so frappierend, dass sie regelmäßig von den Ereignissen überrollt wird.


Offensichtlich auch im Fall Wulff. Das ist verständlich: Es war absolut nicht vorhersehbar, dass Wulff am Ende abtreten wird. Der Wulff-Rücktritt kam plötzlich und überraschend. Wäre es eine Medienkampagne gewesen, die schon seit Anfang Dezember rollt, das wäre etwas anderes gewesen. Aber so?! Da hatte man natürlich keine Zeit wenigstens mit seinem Koalitionspartner schon einmal einen Nachfolger auszugucken.

Viele Deutsche sagen: Merkel ist eine unkalkulierbare Blackbox. Man weiß nie was am Ende hinten rauskommt. Man hat zwar Schwarz-Gelb gewählt, aber nie Schwarz-Gelb bekommen.

Vielleicht ist aber alles auch ganz anders.

Die FAZ hat Merkel kürzlich zur „Iron Lady“ gekürt, was total verständlich ist bei Merkels unnachahmlichem Durchsetzungsvermögen und ihrer bodenständigen, von Vernunft und Rationalität geleiteten, konservativen Politik.

Man denke nur an den Mindestlohn. Den Atomausstieg. Die Frauenquote. Die Energiewende. Die Abschaffung der Wehrpflicht. Ihre Kommentare zum Sarrazin-Buch. Die Pro-EU-egal-was-kommt-Politik. Ihre Anti-Israel-Politik. Das EEG. Die Eröffnung des ersten deutschen Islamlehrstuhls. Die europäische Transferunion, die es nicht trotz Merkel schon lange gibt, sondern dank Merkel. Das angestrengte Zusehen im Libyen-Krieg. Die atomwaffenfreie Welt als Endziel. Ein Justizministerium, das auch noch den letzten der 500 deutschen Sicherungsverwahrten in Freiheit wissen will. Und natürlich das Bundesverdienstkreuz für eine antisemitische Rakach-Kämpferin. Ach die Liste ist endlos. Mir wird ganz warm ums Herz.

Zugegebenermaßen: Da sieht die echte Iron Lady Margaret Thatcher wirklich ganz alt gegen aus. Man sieht: Merkel kämpft immer dann, wenn es wirklich wichtig ist. Ihre Prioritäten liegen genau richtig. Das Amt des deutschen Bundespräsidenten ist für Merkel nun offenbar essentiell wichtig. Deshalb missbraucht sie es auch nicht für billige Parteispielchen und ewige Taktiererei. Ich mag’ die Frau von ganzem Herzen.

Merkel widersetzt sich heldenhaft diesem Gauck, der in allen Umfragen seit Monaten meilenweit in Führung liegt. Sie kämpft mit der Linkspartei für, ja für wenn eigentlich? Egal! Merkel ist intelligent, Merkel ist logisch, Merkel ist sympathisch.

Merkel setzte Wulff damals noch gegen Gauck durch. Es ist schwer begreiflich, warum sie nicht wenigstens diese eine Mal die richtigen Schlüsse aus ihrem groben Fehler zieht.

Update 21.30
Die „Iron Lady“ ist ganz überraschend umgefallen. Was allerdings wirklich neu ist: Zum wahrscheinlich ersten Mal in ihrer unvergleichlichen AgitProp-Karriere stolperte Merkel in die richtige Richtung. Ich warte ja sehnsüchtig auf den Tag an dem sie nicht nur stolpert und wieder aufsteht, sondern auch mal liegen bleibt. Rein politisch betrachtet natürlich.

Schnelle Einschätzung: Gauck ist mit großem Abstand der beste Kandidat, der zur Verfügung stand. PI und seine Kommentatoren haben einige interessante Positionen von Gauck zusammengefasst. Natürlich weiß niemand wie Gauck wirklich wird. Auch ist es ein kleines Rätsel, warum Grün-Rot so auf Gauck besteht. Denn wirklich grün-rot ist Gauck nicht. Mögliche Erklärungen: Grün-Rot hat nicht damit gerechnet, dass Merkel umfällt. Eher unwahrscheinlich. Grün-Rot wollte die SED ärgern. Kein starkes Motiv. Grün-Rot wollte Merkel mit Gauck schaden, Merkel sollte ihr Gesicht verlieren. Die beste Erklärung aus meiner Sicht, aber auch ein Schuss der ganz böse nach hinten losgehen kann für die Einfaltspinsel von Grün-Rot. Gauck ist wirklich die beste Variante, die in Deutschland zur Zeit möglich ist. Ich bin froh, dass es Gauck wurde. Hoffen wir das Beste.

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12 Gedanken zu „Merkel, Wulff, Gauck und die Linkspartei

  1. nun haben wir eine Bundeskanzlerin aus derDDR und einen Bundespräsidenten aus der DDR. Beide waren im SED Staat involviert. Auch Gauck, der mitnichten der SED-ferne Freiheitskämper war.

    In der BRD wackelt der Schwanz mit dem Hund. Alles dreht sich um den „Teil“ Deutschlands, der 1933 fast durchgängig die NSDAP wählte und nach der Befreiung der Sowjet-hörigste Satellit der verbrecherischen Sowjettyranei war und heutzutage weitgehend von Transferbillionen lebt und es mit Die Linke, NSU und NPD dankt.

    • Ich beurteile Menschen nicht nach ihrer Herkunft. Ich kenne dumme und kluge Menschen in allen Formen und Farben. Ich sehe auch nicht wie du jetzt auf die DDR kommst, nur weil Merkel und Gauck aus dem Osten Deutschlands sind. Man kann sich den Ort seiner Geburt schlecht heraussuchen.

      Zu den Fakten: Merkel ist inkompetent bis zur Unerträglichkeit und Gauck scheint ein ganz vernünftiger Kerl zu sein. Ich werde mir jedenfalls erst ein endgültiges Urteil über Gauck bilden, wenn er lange genug im Amt ist. Und schon gar nicht werde ich mir ein Vor-Urteil aufgrund seiner Herkunft bilden.

    • @zrwd
      Immer noch die Mauer im Kopf?
      Ist doch jetzt schon fast 25 Jahre her und immer noch fallen Worte wie DDR und Osten und Die Linke.
      Wie sollten denn die Ostdeutschen denn dir danken?,Dass der Westen den Osten hilft und nicht umgekehrt ist eine Laune der Geschichte hat nichts mit der Leistungsfähigkeit der Menschen oder dem Wahlverhalten von 33 zu tun.Davon würde ich gerne ein paar Belege sehen übrigens denn meine Vermutung ist dass es im Westen vor allem im katholischen Süden der Republik viel mehr Naziwähler gab.Hauptstadt der Bewegung war ja nicht im Ruhrgebiet oder in Sachsen sondern in München und das liegt ja bekanntlich nicht im Osten
      MfG;Peter

  2. Das Bild von Merkel wird erst so richtig rund, wenn man sich mal Ihre Kandidaten ansieht: Huber und Töpfer. Da zieht es einem doch wirklich die Socken aus. Ein linker Glückskecksspruchabsonderer und ein frühdementer Verschwörungstheoretiker. Das entspricht zwar dem Niveau der Merkel-Roettgen-Schavan-van der Leyen Kamarilla, für so einen Vorschlag wäre man allerdings in der CDU noch vor wenigen Jahren aus dem Saal geprügelt worden.

    • Prantl und einige andere vertreten ja die Theorie Gauck wäre sozusagen Merkels „Meisterstück“ geworden. Merkel habe absichtlich völlig ungeeignete Kandidaten vorgeschlagen. Sie habe nur darauf gewartet, dass Grün-Rot wieder Gauck vorschlägt.

      Was spricht gegen diese Theorie?
      1. Die Kandidaten, die gehandelt wurden (Töpfer, Göring-Eckardt, Huber), hätten Grün-Rot durchaus gefallen.
      2. Merkels Raffinesse wird mal wieder maßlos überschätzt.

      Was spricht vielleicht ein bisschen für die Theorie?
      Nun, hätte sich Merkel gleich von Anfang an klar auf Gauck festgelegt, dann wäre Grün-Rot viel eher dagegen gewesen. Einfach aus Prinzip, weil der Vorschlag von Merkel kommt. Sie hat also einfach Grün-Rot im Glauben gelassen, Gauck würde grün-roten Zielen dienen. Das wäre dann in der Tat ein Meisterstück, das man im Falle von Merkel allerdings getrost ausschließen kann.

      • Was die Medien so aus internen Sitzungen streuen, glaube ich absolut nicht mehr. Ich habe selber Connections in eine Regierung und da sehe ich immer ganz deutlich wie sehr sich die Medienberichterstattung über die Sitzungen und die tatsächlichen Vorfälle in der Sitzung widersprechen.

        Warum sagt sie, dass Gauck ein Mann der Vergangenheit ist? Weiß er vielleicht etwas über Merkels Vergangenheit?

        Gauck kennt sicherlich die unter Verschluss gehaltenen Akten über Merkel. Er war ja Leiter der „Gauck“-Behörde. Das kann also in der Tat ein Grund sein, warum Merkel Gauck nicht mag.

        Aus meiner Sicht spielt es eine größere Rolle, dass Merkel einfach keine starken Persönlichkeiten neben sich duldet. Merkel ist ein extremer Machtmensch. Jeder der ihre Kreise real oder vermeintlich stören könnte, wird aus dem Weg geräumt.

  3. Absolut genialer Beitrag! Besonders der Teil mit den Einfaltspinseln hat mir gefallen. Ich habe eine etwas abweichende Theorie. Rot-Grün haben den Gauck, damals bei der letzten Wahl, ausgesucht um der Koalition zu schaden, weil der Gauck auch sehr viele Stimmen bei FDP-Union bekommen würde. Die Kandidatur war somit nur ein Bluff. Und falls doch Gauck damals rangekommen wäre, hätte es Neuwahlen gegeben.

    Gauck scheint vielversprechend zu sein, zumindest das Gesicht von Roth bei der Frage über die Standpunkte von Gauck hat sie einen Grimasse gezogen.
    Und die Antworten von Grün und Rot waren alle positiv, bla bla Meinungsfreiheit.
    Die FDP ist zumindest der Gewinner der Präsidentschaftsfrage.

    • Danke für den Kommentar.

      Rot-Grün haben den Gauck, damals bei der letzten Wahl, ausgesucht um der Koalition zu schaden, weil der Gauck auch sehr viele Stimmen bei FDP-Union bekommen würde. Die Kandidatur war somit nur ein Bluff. Und falls doch Gauck damals rangekommen wäre, hätte es Neuwahlen gegeben.

      Das habe ich mit „Grün-Rot wollte Merkel mit Gauck schaden, Merkel sollte ihr Gesicht verlieren“ gemeint. Gauck war schon damals nur ein Scheinkandidat von Grün-Rot und er war es dieses Mal. Grün-Rot hatte nur machtpolitische Überlegungen im Sinn. Diese Heuchler. Allerdings ging der Plan nicht auf. Gauck wurde tatsächlich als Kandidat ernannt und langsam dämmert es Grün-Rot was für einen potentiellen Boomerang sie abgeschossen haben.

      Das ist ja das „Lustige“ an Deutschland: Dass die Opposition noch dümmer ist als die sowieso schon unterirdische Regierung. Ist bei uns aber auch nicht so viel anders. 😉

      • Gauck gefällt den Grünen, Linken und unseren Islamverstehern gar nicht.
        http://www.taz.de/!88071/
        Also für mich ist er der richtige Präsident.
        Der größte Zuspruch kommt von Rechts der Mitte (Junge Freiheit) bis Links der Mitte (SPD)
        ich wiederhole DER MITTE! Die radikalen Ränder schauen in die Röhre.
        Ein guter Tag für Deutschland.

      • Diesen taz-Kommentar habe ich heute morgen auch schon gesehen und verschickt. Es gibt noch einen anderen von einem Kollegen. Der ist genauso doof. Die ganzen linken Medien schäumen vor Wut. Sie haben erst jetzt recherchiert, wofür Gauck bisher immer stand. Da sieht man mal wie dumm diese Bagage ist.

  4. Und Merkel hat dieses Mal die FDP unterschätzt.
    Auf dem Kölner Karnevalszug wurde Mutti Merkel gezeigt wie sie mit Pinscher Rösler an der Leine auf dem Wagen steht.
    Der Pinscher hatte keinen Maulkorb und kann auch mal zubeißen.

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