Der Fall Shafia – How to deal with Ehrenmord

Verfolgen Sie heute gut deutsche Medien und halten sie Ausschau nach diesem Fall. Ein spektakulärer Ehren-Massenmord aus Kanada, der dort schon seit Monaten die Schlagzeilen beherrscht. Aber auch bei uns und in Großbritannien wurde groß darüber berichtet. Wie groß wurde in Deutschland darüber berichtet? Ich weiß es nicht. Aber ich kann es mir denken.

Angeklagt war eine Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan: Mohammed (58), der Patriarch. Seine Frau Tooba (42) und sein Sohn Hamed (21).

Was war geschehen? Nun im Juni 2009 fand man die drei Töchter Mohammeds und Toobas im Alter von 19, 17 und 13 sowie die unfruchtbare Erstfrau Mohammeds in einem kanadischen Fluss. In einem Nissan. Tot.


Patriarch Mohammed hatte seine vier Frauen zuvor korrekt als „vermisst“ gemeldet. Aus späteren Tonbandaufzeichnungen weiß man, dass Mohammed nichts wichtiger ist „als seine Ehre“. Das kann ich bestätigen. Wirklich nichts war diesem Mann wichtiger als seine „Ehre“. Und wie das nun mal in diesen Ehrenfällen so ist, hat der gute Mohammed zwei Dinge ganz gewaltig vernachlässigt, die man als Mörder nicht vernachlässigen sollte: Intelligenz und Planung.

Mohammed Shafia war nicht nur dumm, er war auch noch dreist: Am selben Tag der Vermisstenmeldung hat er einen „Unfall“ an seinem Lexus gemeldet. Der Unfall sei angeblich auf einem leeren Parkplatz passiert. Geniale Taktik. Die Polizei hat sich den Lexus glücklicherweise etwas genauer angeschaut und schnell kam heraus: Der Lexus hat den Nissan in den Fluss geschoben.

Die Polizei hat dann natürlich eine Untersuchung angefangen, die Familie abgehört und Mohammed Shafia durfte sich austoben mit Sätzen wie „Gott verfluche ihre Generation, es waren dreckige, miese Kinder“ und „Zur Hölle mit ihnen und ihren Boyfriends, möge der Teufel auf ihre Gräber sch**ßen“, unsere Töchter haben uns verraten“ und natürlich das schon erwähnte „Und wenn sie mich am Galgen aufhängen, nichts ist mir wichtiger als meine Ehre“.

Auslöser für den „Ehrenmord“ war die älteste Tochter Zainab, die sich in ein kanadisches Frauenhaus geflüchtet hatte. Die männlichen Mitglieder des zehnköpfigen Shafia-Clans hatten die vier Töchter massiv wegen ihres „zu“ westlichen Lebensstils und vermeintlicher Boyfriends aus Pakistan angegriffen. Die erste Frau Mohammeds hatte sich auf die Seite der Töchter geschlagen, wollte die Scheidung einreichen und mit den Mädchen die Familie verlassen. Das war dann wohl der Zeitpunkt der den „Honor-Chip“ von Herr Shafia und seinem Sohn hat heiß laufen lassen. Samt dem Durchbrennen aller Sicherungen.

Eine kanadische Jury aus sieben Frauen und fünf Männern hatte nun über Mohammed, Tooba und Hamed zu urteilen. Das Urteil wurde gestern gefällt:

Vierfacher Mord ersten Grades. Alle drei Personen schuldig.

Laut der englischen wikipedia beträgt die automatische Strafe für einen First Degree Mord lebenslange Haft ohne die Möglichkeit einer Entlassung nach 25 Jahren.

Das hätte ich meinen ansonsten so liberalen Nachbarn gar nicht zugetraut. Hut ab!

Welche Strafen hätte es wohl in Deutschland gegeben? Nun ich kann mich hier nur an alten Fällen orientieren. In Deutschland ist es offenbar so, dass oftmals nur der Ausführende verurteilt wird, während der Vater völlig ungeschoren davonkommt. Ein Beispiel ist der Fall Morsal. Eine anderer deutscher Tick ist das Verurteilen von über 20 Jahre alten Mördern nach Jugendstrafrecht. Ein Beispiel ist der Fall Gülsüm.

Man kann also zusammenfassen, dass die Söhne in der Regel eine Jugendstrafe von maximal zehn Jahren bekommen und die Väter spielen Lotto, wobei von gar nichts bis lebenslang alles drin ist. Man muss allerdings dazu sagen, dass in Deutschland „lebenslang“ wohl nur bedeutet, dass man nach 15 Jahren die erste Chance auf Entlassung erhält. Laut der deutschen wikipedia wird man in der Regel dann nach 17 bis 20 Jahren entlassen. Bei Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld soll es laut wikipedia auch mal bis zu 25 Jahre dauern.

Außerdem ist eine „Sicherungsverwahrung“ möglich, die im Urteil oder nachträglich angeordnet werden kann. Der Europäischen Gerichtshof gegen Menschenrechte ist allerdings massiv gegen eine Sicherungsverwahrung und zumindest den nachträglichen Teil schon für ungültig erklärt.

Wie lange muss man nun also in Deutschland tatsächlich einsitzen? Massenmörder Christian Klar ist ein geeignetes Beispiel. Wegen neun Morden und elf Mordversuchen verurteilt zu fünf Mal lebenslänglich plus 15 Jahre plus besondere Schwere der Schuld. 1992 noch einmal zu lebenslänglich, weil’s so schön war. Was ergibt diese Kakaphonie der deutschen Juristerei nun in Jahren? Richtig. Entlassung nach 26 Jahren und dann ab in Hartz IV. Also sorry die deutsche Justiz kann man nicht ernst nehmen. Der deutsche Staat hat ein Autoritätsproblem. Er macht sich regelmäßig lächerlich und was noch schlimmer ist: Die Deutschen verlieren durch unzählige Urteile dieser Art das Vertrauen in den Staat.

Der links-liberale Toronto Star kommentiert das Urteil so:

Mohammad Shafia: Guilty on four counts of first-degree murder.
Tooba Mohammad Yahya: Guilty on four counts of first-degree murder.
Hamed Shafia: Guilty on four counts of first degree murder.
And may the devil s—t on their graves.
In our country, men and women are equal.
A female’s life is worth as much as a male’s.

Die konservative National Post schreibt ebenfalls Klartext:

The Shafia girls were likely the victims, not only of a crime, but of our perverse national habit: We emphasize multicultural propriety more than the welfare of individual human beings. And this goes triple for Muslims.

That’s the background that shapes the day-to-day policies of teachers, social workers and even police. It makes them overly anxious to conciliate, to mollify. It disarms their best instincts and prevents them from doing what they would want to do: Get potential victims out of danger.

Official Canada has been terrorized by fear of the word Islamophobia. We live by a rule that is implicitly stated in the media every day and privately drummed into every schoolteacher, social worker and cop: Don’t dare show the smallest sign of insensitivity to the customs of Muslim immigrants.

But what is insensitivity? Sometimes it’s no more than asking questions of a proud Muslim patriarch. Sometimes it may be saying “honour killing” in a discussion among professionals, one of whom may disapprove of the term.

Die National Post hat wie viele englischsprachige Medien eine ganze Themenseite zum Fall. Einen deutschen wiki-Artikel zum Thema gibt es natürlich nicht. Bin gespannt, ob und was die deutschen Medien zum Fall bringen.


Nachtrag, 03.02.12

Die BILD, die FR, die FAZ und die Stuttgarter Zeitung haben mittlerweile kurz über das Urteil berichtet. Andere Shafia-Artikel deutscher Medien findet Google nicht. Ich habe auch die Seiten von Medien wie Spiegel und SZ noch einmal extra gescannt. Nichts.

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4 Gedanken zu „Der Fall Shafia – How to deal with Ehrenmord

  1. Pingback: Der Fall Shafia « kopten ohne grenzen

  2. Ich wette, daß das in Deutschland nicht oder kaum berichtet wird. Falls doch, wird man vielleicht die arabischen Namen – wie schon des öfteren geschehen – durch andere, „unverdächtige“ ersetzen.
    Pfui Teufel, was ist Deutschland für ein Land geworden!

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