Wolfgang Münchau – der deutsche Krugman

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Eigentlich wollte ich den neuen Spiegel-Kolumnisten Wolfgang Münchau geflissentlich ignorieren. Ich kenne Münchau nur zu gut durch seine Kommentare bei der FTD. Es ist schwer seine Ansichten in einem Satz oder gar einem Wort zu beschreiben, aber ich glaube „Öko-Keynesianer“ trifft es ganz gut. Man könnte auch sagen Münchau ist der „deutsche Krugman“. Münchau empfände das sicher als Lob. Andere titulieren ihn auch einfach als „Baron Münchausen“. Wenn ich schon keinen Artikel über Krugman hinbekomme (wäre Zeitverschwendung), dann also wenigstens einen über Münchau.


Münchaus Kommentare sind in der Regel sehr polemisch. Krugman-Style. Seine Kolumnen im Spiegel bilden da keine Aussage. Argumente kann man in seinen Texten selten erkennen, da seine Unsachlichkeit und Rage alles überdecken. Ungefähr so wie mein Artikel bis an diese Stelle. Mit solchen Texten überzeugt man nur Leser, die sowieso schon auf der eigenen Seite stehen. Vielleicht liegt es auch einfach an mir und ich will seine Argumente nicht erkennen, aber eigentlich versuche ich immer offen zu sein.

Seine aktuelle Kolumne ist jedenfalls der erste Kommentar von ihm, der mich positiv überrascht hat. Er stellt darin ein paar Dinge fest, die bisher von vielen deutschen Mainstream-Ökonomen aus seiner ideologischen Richtung vehement bestritten wurden:

1. Seit der Euro-Einführung sind massive Kapitalströme in die Peripherie-Staaten der Euro-Zone gelangt. (Selbst Krugman hat das vor ein paar Tagen zugegeben).

2. Geldpolitik löst die Probleme nicht, man gewinnt höchstens ein bisschen Zeit.

3. Hans-Werner Sinn hat diese Vorgänge in Deutschland als Erster klar aufgezeigt und benannt.

4. Warum kommen die Peripherie-Staaten nicht wieder auf die Beine?
Weil sie keine eigene Währung mehr haben.

5. Wie kommen die Peripherie-Staaten am Einfachsten wieder auf die Beine? Mit einer eigenen Währung. Dann werten sie ab, dann sparen sie ein bisschen und wenn das nicht hilft, kommt noch einen Schuldenschnitt obendrauf.

Punkt, fertig, aus. Problem solved. Natürlich schwurbelt Münchau noch mächtig um diesen Kern herum: Trotz (!) der von ihm zugegebenen Sinn-Argumente ist das nicht wirklich sein Lösungsansatz, aber so ist das nun mal, so kennt man ihn.

Für die klare Benennung dieser selbsterklärenden Mechanismen wurde Sinn bisher von seinen Promi-Kollegen ausgelacht. Kollegen, die immerhin für die meinungsbildenden deutschen Wirtschaftsblätter FTD und Handelsblatt schreiben.

Von daher ist diese Kolumne heute durchaus eine Art Fortschritt für Herr Münchau und die deutschen Krugmänner an sich. Die Einsicht kommt nur zwei Jahre zu spät.

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