Europäische Politiker sehen sich im Krieg mit Amerika

Wir sind an allem schuld, nicht nur an den deutschen Nazis wie aronsperber schön erläutert, sondern natürlich auch am Euro. Das mit dem Euro sagen allerdings keine deutschen Nazis, sondern deutsche CDU-Kader. Der Unterschied wird nur immer unklarer.

Herr Brok ist ganz dicht dran an Merkel und Sarkozy. Praktisch bei jeder Verhandlung sei er dabei, schreibt Lachmann auf seinem Blog. Das Interview gewährt seltene Einblicke wie die europäischen Führer wirklich ticken.


Diese Verschwörungstheorien sind in Europa so alt wie der Wald. Es sind, wie man sieht, auch nicht nur deutsche Nazis betroffen, sondern die ganze europäische Elite von ganz rechts bis ganz links. Man muss ja irgendwie kompensieren, dass kaugummi-kauende Neger aus Alabama den Festland-Europäern den Arsch gerettet haben. Das ist die eine Erklärung. Die reicht aber nicht aus. Es war ja auch schon vor WWII so.

Die Österreichische Nationalbibliothek hat ein interessantes Projekt namens ANNO, in dem man endlich einmal kostenlos alte Zeitungen aus der Weimarer Republik und dem Dritten Reich einsehen kann.

Erster Fund aus der Zeitschrift „Die Arbeiterin“ mit der Antidemokratin Rosa Luxemburg im Titel. Seite 2, Spalte 2, Absatz 1: „Aber die mehr oder weniger unverhüllte faschistische Diktatur in Österreich ist nur ein Glied in der Kette…“

Einfach mal weiterlesen. Nur ein Beispiel von vielen. So viele Menschen können gar nicht nach Europa einwandern, dass man diesen Kontinent jemals wieder zur Vernunft bringt. Es ist zu spät, der Zug ist abgefahren. Wahrscheinlich schon mit Marx, aber spätestens mit dem ersten Weltkrieg. Ein ganzer Kontinent hat Seppuku begangen.

Die letzten Europäer mit Anstand und Hirn habe ich auch schon mehrfach genannt. Herr Henkel zum Beispiel. Hier ein gutes neues Interview mit ihm.

Ansonsten habe ich schon lange einen Artikel zu Lösungsmöglichkeiten der Eurokrise vor. Szenario A, Szenario B. Mehr Varianten gibt es sowieso nicht.

Nachtrag:
Selbst ein junger Spiegel-Autor hat das Spielchen durchschaut.
Man beachte auch die Karrikatur von 1882!

Nachtrag 2:
Toller Artikel von Karsten Dahlmanns zum Thema.
Mit Link zum unwiderstehlichen Daniel Hannan vom Telegraph!

Nachtrag 3:
Clemens Wergin hat es auch gesehen und mehrfach kommentiert. Die Leser-Kommentare darunter bestätigen allerdings meine schlimmsten Vorurteile. Und wenn man es genau nimmt auch Clemens Wergin, der in der Eurokrise immer zielsicher am Thema vorbeizuschreiben scheint.

So schrieb Wergin zum Beispiel am 18. November:

Economic rational would have called for an early bail-out for Greece of huge proportions in order to stop the markets from worrying about other countries as well.

Wenn die Ausgangsanalysen der Deutschen wirklich so daneben liegen wie die von Wergin, verstehe ich besser, warum sie so hilflos herumeiern. Aber eine Entschuldigung ist das nicht. Falsche Analysen sind nie entschuldigbar. Vor allem nicht, wenn alle wesentlichen Informationen auf dem Tisch liegen.

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12 Gedanken zu „Europäische Politiker sehen sich im Krieg mit Amerika

  1. Verschwörungstheorien gibt es auch in den USA, Monsieur Le Spectateur, die REPs haben doch mal Gerüchte gestreut dass Obama Moslem sei und nicht wenige haben es geglaubt.

    • Verschwörungstheorien gibt es auch in den USA

      Das stimmt natürlich. Allerdings ist das eine Binsenweisheit. Sie könnten genauso gut sagen bei uns gäbe es schließlich auch Regen und Schnee. Ich habe das auch nie bestritten, das Gegenteil ist der Fall. Wir sind quasi das Mutterland vieler conspiracy theories. Man denke nur an Kennedy, die Mondlandung, 9-11 usw. Allerdings gibt es bei uns einen Unterschied: Die Regierenden und die Mächtigen der Opposition vertreten solche Theorien nicht. In Deutschland allerdings, das sich gerne „vernünftig“ und „moderat“ gibt, sind Wahnvorstellungen und Verschwörungstheorien offensichtlich Staatsdoktrin, egal bei welcher Partei. Man schaue sich aktuell nur mal die Reaktionen auf das Erdbeben in Japan, die Verleugnung von islamistischen und linksextremen Gefahren oder eben jetzt die Eurokrise an.

      die REPs haben doch mal Gerüchte gestreut dass Obama Moslem sei und nicht wenige haben es geglaubt.

      Bei uns gibt es keine REPs vielleicht meinen Sie ja die GOP. Das Kürzel Rep. tragen bei uns alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Es kann schon sein, dass dieses Gerücht mal ein Hinterbänkler der GOP gestreut hat, allerdings fehlt mir dazu die Quelle. Solche Gerüchte kommen eher von der Straße und sie werden bei uns wiegesagt NICHT von der Regierung oder den wichtigen Köpfen der Opposition vertreten. Das ist der Unterschied.

  2. Okay, das ist wirklich traurig und auch peinlich für uns Europäer, besonders die Deutschen. Und ja, da haben die Amerikaner uns vielleicht einen Schritt voraus.

    Als Verteidigung möchte ich aber doch mal vorbringen, was ich einmal in einem Bericht über den US-Wahlkampf gehört habe. Dort unterstützen auch eher wirre Typen die künftigen US-Politiker bisweilen bei ihren Wahlkampf.
    Und bei uns haben einzelne Abgeordnete längst nicht den Entscheidungsspielraum eines US-Reps oder Senators.

    • Als Verteidigung möchte ich aber doch mal vorbringen, was ich einmal in einem Bericht über den US-Wahlkampf gehört habe.

      Diese „Berichte“ der deutschen „Qualitätsmedien“ kenne ich nur zu gut….

      Und bei uns haben einzelne Abgeordnete längst nicht den Entscheidungsspielraum eines US-Reps oder Senators.

      Brok ist kein kleiner Abgeordneter. Der Mann hat schon an der EU-Verfassung mitgeschrieben. Jetzt bei den Euro-Verhandlungen sitzt er laut dem Welt-Redakteur mit am Tisch. Im Übrigen kann man sich inhaltlich gleiche Aussagen auch von Merkel, Schäuble, Gabriel und Sarkozy zusammengoogeln, wenn man denn will. Wer weiß, vielleicht wird man sogar hier fündig.

  3. Pingback: „Starke Kräfte in den USA, insbesondere aus der Finanzwirtschaft“ « Karsten Dahlmanns

  4. wäre der Verschwörungs-Schmus auf Obskuranten-Blogger wie Jürgen Elsässer etc. beschränkt, wäre es halb so wild.

    leider war Jürgen Elsässer immerhin außenpolitischer Berater eines Oskar Lafontaine, der als ernsthafter Kanzler-Kandidat gehandelt wurde.

    die Medien sprechen den Verschwörungs-Schmus zwar selten offen aus, aber online wird jener widerlichen Folklore gerne ein Forum geboten (in Österreich ist das „Standard-Forum“ der Haupt-Treffpunkt der „Truther“

    http://aron2201sperber.wordpress.com/tag/standard/

    die erschreckend starke Nachfrage wird somit zumindest indirekt befriedigt

  5. ANNO macht süchtig. Ich lese am liebsten nach dem Zufallsprinzip.

    Den Bezug auf den Artikel in „Die Arbeiterin“ zu den Verschwörungstheorien der Eurokraten verstehe ich aber nicht. Mit imperialistischen Weltmächten war damals nicht speziell die USA gemeint, sondern alle westliche Mächte, inkl. Frankreich und GB, die beide damals ganz definitionsgemäß Imperien waren. Einige Jahre zuvor hätte man auch noch die Habsburgermonarchie dazu gezählt. Im großen und ganzen waren aus kommunistischer Sicht alle bis auf die UDSSR Imperialisten und die eigentliche Feindschaft verlief für sie streng zwischen Proletariat und Kapitalisten und dem Bürgertum, ganz so wie das von Marx „wissenschaftlich“ vorhergesagt wurde.
    Das Problem der Marxisten war eben, dass die real existierenden Konflikte schwer mit der Marx’schen Prophetie vereinbar waren. Sie versuchten dennoch die Geschehnisse in ihr Interpretationsschema zu pressen.
    Du müsstest den Artikel mit kommunistischen Schriften der gleichen Zeit aus den USA vergleichen. Amerikanische Kommunisten und Anarchisten verweigerten den Kriegsdienst im 1. Weltkrieg und wurden dafür auch politisch verfolgt.

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    Nigel Farage erzählte eine interessante Anekdote über eine gemeinsame Taxi-Fahrt mit Elmar Brok, bei der dieser seine imperialistischen, antiamerikanischen Großmachtsambitionen unverblümt herausposaunte: UKIP Nigel Farage Exposes Elmar Brok MEP, March 2011

    Auch Vivianne Reding hat in der Talkshow mit Günther Jauch den Glauben an amerikanische Aggression gegen den Euro durchblicken lassen.

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    Der Unterschied zwischen heute und damals ist aber, dass die EU-Eliten und EU-hörige Journalisten keinen Rückhalt in der Bevölkerung haben. Der Euro ist im Volk unbeliebt und daher gibt es keine Motivation dafür, die Konstruktionsfehler des Euro den bösen Amis anzulasten.

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    Im Übrigen gibt es auch jede Menge irrationale Europa-Feindlichkeit in Segmenten der amerikanischen Elite. Ein Teil der marxistischen Analyse hat meiner Meinung nach Bestand. Konflikte, Katastrophen und Zwietracht werden häufig von großmannssüchtigen, expansionswütigen Eliten verursacht und nicht vom kleinen Mann. Die Euro-Krise ist dafür ein Paradebeispiel.

    • Danke für ihren Kommentar. Ja es stimmt ANNO macht süchtig.

      Den Bezug auf den Artikel in „Die Arbeiterin“ zu den Verschwörungstheorien der Eurokraten verstehe ich aber nicht. Mit imperialistischen Weltmächten war damals nicht speziell die USA gemeint, sondern alle westliche Mächte, inkl. Frankreich und GB, die beide damals ganz definitionsgemäß Imperien waren.

      Der Bezug ist für mich sehr deutlich. Die Weltanschauungen dieser Leute gehen ganz klar in die gleiche Richtung. Nicht ihre Politik und ihre Ideologie sind schuld an den Zuständen, sondern ausländische Mächte haben sich gegen sie verschworen und deshalb geht alles schief. Das haben Nazis, Kommunisten und die „EU-Demokraten“ von heute ganz klar gemeinsam. Natürlich gibt es graduelle Unterschiede, aber das Muster ist doch dasselbe geblieben.

      Und wo sie schon mein Land, GB und Frankreich ansprechen. Nicht mal dieses Feindbild hat sich groß geändert. Nur die Franzosen sind jetzt im eigenen, im „guten“ Lager. Wir und die Briten sind immer noch die bösen Verschwörer, die am Untergang von Festlandeuropa stricken.

      Der Unterschied zwischen heute und damals ist aber, dass die EU-Eliten und EU-hörige Journalisten keinen Rückhalt in der Bevölkerung haben.

      Oh doch in dieser Hinsicht schon. Mein Eindruck ist:
      Antiamerikanismus, Antisemitismus und Antikapitalismus zieht in Europa immer noch sehr, sehr gut.

      Nur Antisemit will so direkt heute keiner mehr sein. Man nennt sich dann einfach „Israelkritiker“ bzw. sein Themengebiet „Israelkritik“. Ein interessanter Begriff. Gibt es im deutschen Sprachgebrauch eigentlich auch Begriffe wie „Schweden-Kritik“, „China-Kritik oder „Türkei-Kritik“? Ich glaube nicht…

  6. Pingback: Dr. Karsten Dahlmanns | “Starke Kräfte in den USA, insbesondere aus der Finanzwirtschaft”

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