Dönermorde

Terror ist nicht gleich Terror. Mord ist nicht gleich Mord. Bomben sind nicht gleich Bomben. Gewalt ist nicht gleich Gewalt. Alles halb so schlimm, heißt es gerne von den Terrorverstehern in Politik, Kultur und Medien. Man müsse da differenzieren und die Trittins, Bölls, Chomskys und Krugmans dieser Welt differenzieren gerne.

Bei jedem Terroranschlag zum Beispiel von islamistischer und linksextremer Seite hagelt es Verharmlosungen, Verschwörungstheorien, Ausreden.


Warum wir im Prinzip selbst schuld sind, warum neue Sicherheitsmaßnahmen nichts bringen, warum man Links- und Religionsextreme nicht überwachen darf, warum die Mörder so verzweifelt sind, warum sie politische Ziele verfolgen, warum das ein Aufstand ist, warum es Sinn macht, warum die Umwelt verantwortlich ist, warum die Kindheit schwer war, warum sie Opfer sind, keine Täter und so weiter und so fort. Der skandalöse Umgang mit Gewaltverbrechen in Deutschland ist bekannt und für mich nicht verständlich. Solche Zustände widern mich an, mir wird regelrecht schlecht, wenn ich so etwas lese. Ich schäme mich.

Bei rechtsextremen Terroranschlägen ist das deutsche Verhalten ganz anders. Da gehen breite Teile der Bevölkerung in eine überraschend vernünftige Richtung.

Warum machen sie das nicht bei allen Gewaltverbrechen?
Warum nur bei Rechtsextremen?

Margaret Thatcher hat Gewalt und Terrorismus in ihrer berühmten Belfast-Rede einmal treffend auf den Punkt gebracht:

There is no such thing as political murder, political bombing or political violence. There is only criminal murder, criminal bombing and criminal violence. We will not compromise on this. There will be no political status.

Die deutsche Presse hatte sich bisher kaum für die Dönermorde interessiert. Man hat wenn dann nur am Rande mitbekommen, dass neun Menschen in Deutschland Opfer mindestens eines Serienmörders wurden. Das ist für mich nur schwer nachvollziehbar. Selbst die Polizei hat die Mordserie offensichtlich nicht ernst genug genommen, obwohl sie genau wussten, dass es eine Serie ist. Der Ermittlungsaufwand bei der toten Polizistin war zwar ungleich größer, mündete aber in einer extrem peinlichen Pannenserie. Beide Fälle werfen kein gutes Licht auf die Arbeit so einiger deutscher Behörden einschließlich des deutschen Inlandsgeheimdienstes namens „Verfassungsschutz“.

Man hat zum Thema vor der Aufklärung auch kaum Ableger der türkischen Regierung vernommen. Jetzt plötzlich wissen die Kenan Kolats und Recep Erdogans Großeuropas ganz viel zum Fall und sind fleißig an ihrer liebsten Tätigkeit: dem Fordern.

Warum erst jetzt? Die Antwort liegt nahe:
Bisher hatte man das organisierte Verbrechen, die Wettmafia, die Schuldenmafia mit Bezug zur Türkei unter Verdacht und erst als zweites einen rassistischen Mörder. Beim organisierten Verbrechen hält man sich vornehm zurück. Omertà für alle.

Erst jetzt da man weiß, dass es Morde waren, die zwischen imaginären Rassengrenzen verliefen, ist die Konzentration auf das Thema da. Denn ein rassistischer Mord ist offenbar schlimmer als jeder andere Mord. Die Linken haben schon lange die rassistische Einteilung der Rechtsextremen übernommen und sie merken es nicht einmal. Wahrscheinlich war das schon immer so, nur fällt es mir in Zeiten von affirmative action, gender mainstreaming und Quotenwahn besonders auf.

Ivo Bozic von der „linksradikalen“ bis „unorthodox linken“ Jungle World (bei dem Verein war auch schon Jürgen Elsässer) stört sich vorhersagbar an der Bezeichnung „Dönermorde“, er insinuiert das sei rassistisch. Dabei ist es nur ein die Beschreibung für ein Verbrechen, das in einen Titel passen muss. Alternativen bietet Bozic nicht an, was logisch ist, denn es ist unglaublich schwer welche zu finden. „Mordserie an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer“ ist zwar politisch korrekt, aber nicht titeltauglich. Auch einen Artikel über die „Dönermorde“ ohne Nazis hätte er wohl kaum geschrieben. Er schreibt ihn jetzt nur, weil klar ist, dass es Nazis waren. Diese Fokussierung ginge ja, wenn es Einzelne wären, nur agieren so ja alle. Da reagiere ich mit Reaktanz à la Martenstein.

Bei uns sieht es nicht anders aus. Um präziser zu sein: Wir sind das Ursprungsland und der Motor eines politisch korrekten Rassenwahns, der in allen anderen westlichen Ländern kopiert wird. Obama hat als einer seiner ersten Amtshandlungen ein neues hate-crime-Gesetz verabschiedet. Wenn zum Beispiel eine bestimmte „Rasse“ einen „Andersrassigen“ aus rassistischen Motiven heraus ermordet oder verletzt, sei das besonders verwerflich. Das ist die Logik hinter hate crime. Es reicht nicht mehr, wenn man einen Menschen ermordet oder eine Körperverletzung begeht, nein wenn es sich um ein „hate crime“ handelt, ist es quasi doppelt so schlimm. Welche Strafe gibt es dann für einen Mord? Doppelte Todesstrafe? Nach der Giftspritze die firing squad oder wie darf man sich das vorstellen?

Das ist jetzt keine reine Scherzfrage. Es gab bei uns zum Beispiel den Fall James Byrd, der von drei weißen Rassisten ermordet wurde. Einer der Mörder, Lawrence Brewer, wurde am gleichen Tag hingerichtet wie Troy Davis. Bei Brewer gab es keine Gutmenschenproteste gegen die Todesstrafe, die ja angeblich so „barbarisch“ sein soll. Nein, das Gegenteil war der Fall. NGOs haben George Bush unter Druck gesetzt und härtere Strafen verlangt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Die beiden Haupttäter haben die Todesstrafe bekommen und der dritte Beteiligte lebenslang, wobei in Texas lebenslang wirklich lebenslang bedeutet, und was fällt den Gutmenschen ein? Härtere Strafen! Ich bin immer für härtere Strafen, aber zweimal lebenslang bzw. doppelt hinrichten. Das wird schwierig.

Welches Gewaltverbrechen ist eigentlich kein hate crime? Töten und prügeln andere Gewaltverbrecher bei Nicht-hate-crimes aus Nächstenliebe und Mitgefühl? Man weiß es nicht.

Wenn ich je ermordet werde, dann sollen es bitte Rassisten sein. Am besten weiße Nazis. Dann kann ich wenigstens davon ausgehen, dass die Mörder gefasst werden und mein Fall die Aufmerksamkeit bekommt, die jeder Mordfall eigentlich verdient. Außerdem soll die Tat bitte in meiner Heimat passieren, denn dort bekommen Gewalttäter Strafen, die das Wort „Strafe“ wirklich verdienen. Die Prozesse drehen sich außerdem nicht nur um den oder die Täter, sondern auch die Opfer und ihre Angehörigen werden stark berücksichtigt. Wiedergutmachung und Sühne – auch gegenüber der Gesellschaft – spielen eine zentrale Rolle.

Es geht mir nicht darum, Nazi-Verbrechen zu verharmlosen, es geht mir darum Verbrechen generell ernst zu nehmen.

Apropos. Wer interessiert sich wirklich ernsthaft für den aktuellen Fall der Arzu Ö. in Deutschland? Niemand. Point made.

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9 Gedanken zu „Dönermorde

  1. Ich denke, bei der Feststellung von sogenannten Hate Crimes geht es nicht um eine härtere Bestrafung, sondern um ein anderes Motiv. Wenn jemand einen anderen Menschen aus rassistischen Gründen umbringt, ist das ein Unterschied zu Fällen bei den es um Geld oder Liebe geht. Aber natürlich sollte man sie nicht stärker bestrafen (ich denke da z.B. an den 20-Cent-Mörder aus Hamburg, der ist nicht besser als ein NSU-Mörder).

    Das manche Multikultifanatiker sowas fordern, ist eine Form von umgekehrten Rassismus.

    • Naja es geht schon um eine härtere Bestrafung. Jedenfalls bei uns. Außerdem ist die Aufmerksamkeit von vielen Seiten ganz anders. Politik. Polizei. Bei „hate crimes“ werden viel mehr Ressourcen mobilisiert. Bei uns gibt von Washington bestens ausgerüstete hocbezahlte Spezieleinheiten nur dafür. Da werden also durchaus Unterschiede gemacht. Würdigung durch Gesellschaft, Medien, Finanzen, Strafen, Betreuung, alles.

      Über das Beispiel Dönermorde schreibe ich ja in meinem Artikel: Vor der Aufklärung wurden normale bis zu geringe Ressourcen eingesetzt, jetzt kommt die Kavallerie. Siggi Pop turnt in Köln herum und Özdemir macht Dortmund unsicher. Das ist schon maximale Heuchelei.

      Man kann Dinge natürlich immer an ihren Unterschieden beleuchten. Du benennst die Unterschiede im Motiv, was ja ok ist. Die Gesellschaft macht das ja genauso, siehe Artikel.

      Nur warum geht man nicht einmal auf die Gemeinsamkeiten ein? Das will ich mir immer bewusst machen: Wie wird argumentiert. Werden Unterschiede oder Gemeinsamkeiten betont? Ich übernehme dann den Part der vergessen wurde.

      Sagen wir doch mal in anderen Morden dreht es sich „um Geld“ bzw. „um Liebe“. Ist das wirklich wahr? Ist es nicht viel mehr so, dass das Motiv der Täter bei allen Morden und mutwilligen Körperverletzungen sehr ähnlich ist: Es ist immer eine Art von Hass. Es ist ja kein Mord „aus Liebe“, sondern die „Liebe“ ist in Hass umgeschlagen. Das ist doch der Punkt.

      Der Bewertungsmaßstab ist sogar identisch: Die Täter beschließen die Gesundheit ihrer Opfer ist ihnen nichts wert oder weniger wert, als ihre Ziele. Sie haben keinen Respekt vor dem Leben eines anderen und deshalb begehen sie Verbrechen. Da gibt es nichts zu beschönigen wie die Gesellschaft das in anderen Fällen gerne macht. Stichwort Familientragödie, crimes of „passion“ oder Morde der „Ehre“ wegen. Alles mehr oder weniger Verharmlosungen, aber das hatten wir ja schon mal auf deiner Seite.

  2. „Multikultifanatiker“ was ist das denn für ein beklopptes Wort. Das Einteilen von Menschen in unzählige Kategorien wie es hier an vielen Stellen der Texte und Kommentare stattfindet, finde ich persönlich schon lange nicht mehr up to date und geht mir ganz schön auf den Sack. Im Laufe meines bisherigen Lebens war es mir möglich durch Toleranz, Reisen, Offenheit und Interesse die Unmengen an Schubladen in meinem Kopf auf die zwei einzig relevanten zu reduzieren: Arschloch und Nicht-Arschloch. Das kann ich jedem empfehlen.

    In anderen Artikeln hier schimmert durch, dass eine Tötung ansich nicht unbedingt einem gemeinen Verbrechen gleichzusetzen sei. Was schlussfolgern lässt, dass es ein richtiges und ein falsches Töten gibt. Gleichzeitig wird kritisiert, dass es in Deutschland eine unterschiedliche mediale Bewertung von Verbrechen gibt. Du verwechselst meiner Meinung nach sowieso das von Medien erzeugte Bild mit der kollektiven Meinung der Bürger (welche für einen Menschen, der sich selbst offensiv kategorisiert eigentlich irrelevant sein sollte).

    Kurz: Ich bin mit kaum einem Text hier einer Meinung, unabhängig davon finde ich sie aber durchaus unterhaltsam und gut umgesetzt. Ein guter Blog.

    • Ganz vergessen: Die hier kritisierten „Strafen“ der deutschen Justiz sind zumindest so abschreckend, dass die Rate der Mordverbrechen lediglich bei 0,8 pro 100.000 EInwohner liegt (Japan: 0,5; China: 1,1; Frankreich: 1,4; UK: 1,5). In den USA liegt sie bei 5,0. (Quelle: UNODC Homicide Statistics 2010)

    • Im Laufe meines bisherigen Lebens war es mir möglich durch Toleranz, Reisen, Offenheit und Interesse die Unmengen an Schubladen in meinem Kopf auf die zwei einzig relevanten zu reduzieren: Arschloch und Nicht-Arschloch. Das kann ich jedem empfehlen.

      auf der anderen seite mögen sie also keine schubladen bzw. kein einteilen von menschen bzw. nicht das „unzählige“ einteilen von menschen und ersetzen das ganz dann durch zwei schubladen: arschloch und kein arschloch. auf deutsch: schwarz und weiß, gut und böse. also entschuldigung da bleibe ich lieber bei meinen vielen, vielen tausend „schubladen“. platz für zwischentöne muss schon sein, selbst bei mir.

      Was schlussfolgern lässt, dass es ein richtiges und ein falsches Töten gibt.

      correcto mundo. ich weiß die deutschen schießen nicht einmal ein entführtes flugzeug ab, wenn es ein akw ansteuert (obwohl ihr doch so angst habt vor akws?!). nur ist eben nicht jeder menschh so moralisch „hochüberlegen“ wie die deutschen und am deutschen wesen genesen will ich schon gar nicht.

      Du verwechselst meiner Meinung nach sowieso das von Medien erzeugte Bild mit der kollektiven Meinung der Bürger (welche für einen Menschen, der sich selbst offensiv kategorisiert eigentlich irrelevant sein sollte).

      nö.

      Kurz: Ich bin mit kaum einem Text hier einer Meinung, unabhängig davon finde ich sie aber durchaus unterhaltsam und gut umgesetzt. Ein guter Blog.

      danke. das gleiche kann ich über ihren blog sagen. gefühlte zwei drittel der bilder gefallen mir rein inhaltlich nicht, aber die die mir gefallen, die sind verdammt gut. inhalt, graphik, alles.

      Ganz vergessen: Die hier kritisierten „Strafen“ der deutschen Justiz sind zumindest so abschreckend, dass die Rate der Mordverbrechen lediglich bei 0,8 pro 100.000 EInwohner liegt (Japan: 0,5; China: 1,1; Frankreich: 1,4; UK: 1,5). In den USA liegt sie bei 5,0.

      ich glaube statistiken nicht, schon gar nicht, wenn sie von der UN sind. außerdem ist statistik das eine und interpretation das andere.

      was soll man jetzt aus den zahlen machen? man könnte auch schließen, dass wir die meisten unsere morde entdecken, ihr aber viele nicht. als mediziner mit erfahrungen in beiden ländern kann ich sagen: da kann sogar was dran sein. bei uns wird viel, viel, viel, viel häufiger eine obduktion gemacht als in deutschland.

      oder die deutschen behörden registrieren und ermitteln einfach schlampig. siehe dönermorde. bei uns wird wirklich jedem vergehen nachgegangen. morde sowieso. bei uns wäre schon lange eine einzige zentrale behörde am start gewesen. ihr habt 16 bundesländer verteilt auf eine fläche, die kleiner ist als kalifornien und lasst es zu, dass jeder vor sich hinwurschtelt.

      oder aber es sind die vielen großen städte bei uns während ich die meisten eurer städte als ziemlich provinziell bezeichnen würde. ja selbst berlin ist für meinen geschmack niedlich.

      oder aber wir amerikaner sind eben verstärkt blutrünstige, waffengeile mörder. das wird wohl eher die deutsche interpretation sein. aber wissen sie was? mir ist diese statistik total egal. ich bin in einem vorort von nyc aufgewachsen und habe nie einen mord erlebt. so who cares. man muss gleiches mit gleichem vergleichen und nicht die bronx und philly mit der nordseeküste und dem alpenvorland.

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