Was sind Tyranneien und was sind Menschenrechte?

Ich schätze Ayn Rand sehr und stimme ihr und dem Feuerbringer gerne zu,
aber in diesem Fall absolut nicht.

Wer sagt uns denn was ein „Rechtsstaat“ ist und was „Menschenrechte“ sind? Wer sagt uns außerdem welche Staaten diese Kriterien erfüllen und welche nicht? Wen befragen wir als höchste Instanz? Ayn Rand? Unseren Präsidenten? Den Papst? Den UN-Menschenrechtsrat mit den illustren Mitgliedern Pakistan, China, Russland, Kuba und Saudi-Arabien?!

Jeder dieser Staaten behauptet von sich er wäre ein „Rechtsstaat“ und achte die „Menschenrechte“. Die DDR nannte sich meines Wissens frei und demokratisch. Die Kommunisten des Kalten Krieges träumten davon die ganze Welt nach ihrem vorbildlichen „Rechtsstaat“ umzuwandeln. Ich finde es schade, wenn wir ähnliche Fehler wiederholen.

Ich mag unser westliches System und ich halte das amerikanische System für am besten und allen anderen etablierten Systemen überlegen. Trotzdem, nein gerade (!) aus Verpflichtung zu den amerikanischen Werten will ich sie niemanden aufzwingen. Die Menschen müssen revolutionäre Ideen immer noch zuerst selbst artikulieren.


Natürlich darf ein Land aus diversen Gründen Kriege führen: Zur Verteidigung. Aus nationalen Interessen. Aus wirtschaftlichen Interessen. Wenn es unbedingt sein muss auch „für Menschenrechte“ und den „Rechtsstaat“. Diese Begründung ist allerdings ein modernes Modemotiv, das mittlerweile für jeden Krieg angegeben wird. Es scheint überhaupt das einzige Motiv zu sein, das noch übrig geblieben ist.

Wenn China in Tibet Aufstände niederschlägt, dann im Namen des „Rechtsstaates“ und um die dorthin verfrachteten Han-Chinesen „zu schützen“. Wenn Russland mit Georgien Krieg führt, dann machen das beide Seiten „um die Zivilpersonen in Südossetien“ zu schützen. Gaddafis Wortmeldungen aus dem Off während des Libyenkrieges war mehr oder weniger Gejammere darüber, dass die Rebellen die Menschenrechte nicht einhielten. Das ist wirklich rührend heutzutage.

Es wäre weitaus interessanter, wenn mal wieder einer offen zugeben würde: Hier geht es um Macht, Prestige, Land, Rohstoffe oder um persönliche Eitelkeiten. Oder einfach darum, dass man ein teures stehendes Heer hat, das mal wieder eingesetzt werden muss. Oder um eine explodierende Bevölkerung voller junger, testosteron-geladener Männer, die man irgendwie beschäftigen will. Das wäre wahrscheinlich alles ehrlicher.

Dieses Menschenrechtsgefasel bei jedem (!) Krieg mutet reichlich grotesk an.

Menschenrechte sind auch bei weitem nicht so selbst-evident und „ewig“ wie der westliche Mainstream immer behauptet. Menschenrechte ändern sich. Jede Kultur versteht darunter etwas anderes. Genau genommen jeder Mensch. Man muss sich immer wieder auf diese Rechte verständigen, sie neu aushandeln.

Ayn Rands Text ist doch der beste Beleg dafür. 1964 geschrieben. Da war die Segregation bei uns noch voll im Gange. Zehn Jahre vorher war es noch ein „Menschenrecht“, dass Menschen aufgrund ihre Hautfarbe im Bus stehen mussten. 1964 waren die Unis und Schulen in aller Regel noch getrennt. „Mischehen“ waren ein Mega-Tabu. Mir wäre nicht bekannt, dass Ayn Rand dies besonders gestört hätte. Es war einfach die normalste Sache der Welt. Die Menschenrechte von 1954 sind nicht die von 1964 und nicht die von 1974. Und schon gar nicht die von 2011.

Ich nehme gerne die von 2011. Aber ich zwinge diese 2011er-Rechte niemandem auf. Vielleicht basteln einige schon an einem besseren Update. Und die Menschen, die mit den „Menschenrechten“ aus dem Koran oder dem kommunistischen Manifest leben wollen: Bitte. Sollen sie doch. Und wenn sie ihnen aufgezwungen werden, müssen sie eben eine Revolution machen. Diese Menschen kann man dann gerne unterstützen, wenn ihr Wille klar und ersichtlich ist.

Ich kann auch alle amerikanischen Kriege rechtfertigen. Das ist kein Problem. Nur die offiziellen Versionen sind eben meistens erlogen, schlimmstenfalls wirklich ernst gemeint. Andererseits sind die offiziellen Versionen wenigstens nicht total dämlich. Das unterscheidet sie erheblich von absurden Verschwörungstheorien aus dem linken und rechtsextremen Lager.

Ich nehme mal das Beispiel Irak. Offizielle Version vor dem Einmarsch: Es geht um Massenvernichtungswaffen. Offizielle Version heute: Es geht um den Rechtsstaat und Menschenrechte. Sehr kreativ. Linke Querfront-Version: Es geht um Öl, um Imperialismus und außerdem steckt Israel dahinter. Noch kreativer. Yawn.

Die ehrliche Version will ich nicht explizit nennen, aber es ist auf jeden Fall nicht moralisch verwerflich. Es hat auch keine gutmenschlichen, wirtschaftlichen oder machtpolitischen Gründe. Es hatte einfach taktische Gründe. Und diese Taktik hat durchaus funktioniert.

7 Gedanken zu „Was sind Tyranneien und was sind Menschenrechte?

  1. Was sind Tyranneien und was sind Menschenrechte?

    Wer sagt uns denn was ein „Rechtsstaat“ ist und was „Menschenrechte“ sind? Wer sagt uns außerdem welche Staaten diese Kriterien erfüllen und welche nicht? Wen befragen wir als höchste Instanz?
    Die DDR nannte sich frei und demokratisch. Die Kommunisten des Kalten Krieges träumten davon die ganze Welt nach ihrem vorbildlichen „Rechtsstaat“ umzuwandeln.
    ……………………….
    All diese Fragen lassen sich mit einigem philosophischen Aufwand beantworten. Doch der Aufwand ist zu groß und reizt zu Entgegnungen, die ebenfalls beantwortet werden wollen usw. usf.

    Deshalb eine einfache einleuchtende Erklärung, die nicht von mir stammt:

    Die einzigen freien Wahlen sind die Wahlen mit den Füßen.
    Staaten, die ihren Bürgern diese Freiheit verwehren, sind Tyranneien mit eingeschränkten Menschenrechten.

    Wen befragen wir als höchste Instanz?
    Anstand und Vernunft!

  2. Kriege aus nationalen und wirtschaftlichen Gründen, bist du dir da ganz sicher?
    Willst du mir damit tatsächlich sagen dass jedes Land der Welt gegen jedes andere Land der Welt, einen Krieg vom Zaun brechen kann wenn es dies aus eben diesen Gründen für richtig hält?

    MfG Positron

    • Willst du mir damit tatsächlich sagen dass jedes Land der Welt gegen jedes andere Land der Welt, einen Krieg vom Zaun brechen kann wenn es dies aus eben diesen Gründen für richtig hält?

      „Kann“ ist ein deutsches Wort mit dem ich so meine Schwierigkeiten habe. Besonders in diesem Fall. Rein formal „kann“ natürlich jedes Land jedes andere Land angreifen. Aus welchen Gründen auch immer.

      Du meinst vielleicht „dürfen“ im Sinne der Moral und/oder des Rechtes? Moral und Recht sind nicht so mein Fall. Besonders nicht im überstaatlichen Rahmen. Da gibt es viel Heuchelei und viele schwarze Buchstaben auf viel weißem Papier, die nicht viel bedeuten und bei Bedarf geändert werden.

      Moral und Recht werden immer vom Hegemon bzw. vom Sieger gemacht. Der Hegemon der ca. letzten 100 Jahre ist Amerika. Darauf beruht unser aktuelles Recht und unsere aktuelle Moral. Viele Menschen haben das mittlerweile vergessen, weil der Hegemon schon so lange regiert. Aber wenn unsere Macht schwindet, werden vielleicht wieder mehr Menschen erkennen, was ich meine.

      • Erstens: Es freut mich im Grunde, dass du so fleißig alte Artikel von mir liest.

        Zweitens: Das Thema Irakkrieg war auch in den letzten Tagen ein Thema in diesem Blog , aber unter einem aktuellen Artikel. Ich bitte also darum, solche Fragen, wenn dann an die aktuelle Stelle zu posten, damit mehr Leser etwas davon haben.

        Drittens: Ich bin nicht übermäßig begeistert von deinen gehäuften Ein-Satz-Fragen in letzter Zeit, die alle so gestellt waren, dass ich im Grunde mehr als ein Satz schreiben musste, um die Frage zu beantworten. Das allein würde ja noch gehen, ich machte mir also zu Beginn noch die Mühe all deine Fragen zu beantworten, aber dann bekam ich nie wirklich Feedback von dir. So war das jetzt in den letzen Tagen ein paar Mal. Das ist natürlich nicht toll für mich, weil dann weiß ich nicht einmal, ob jemand die Antwort gelesen hast oder nicht. In dieser Art der „Diskussion“ (besser: Nicht-Diskussion) sehe ich keinen Nutzen für mich. Ich bevorzuge ein echtes Geben und Nehmen wie zuletzt beim Thema Sonneborn.

  3. Keine Angst, ich lese immer. Oft bin ich mit der Antwort einfach restlos zufrieden🙂 (Zu dieser Frage hab ich 1-2 Artikel später allerdings auch schon die Antwort gefunden, da war es aber bereits zu spät).b
    Irgendwie gefallen mir deine alten Artikel besser, nicht unbedingt ideologisch aber ich hab das Gefühl, dass du heute etwas verbitterter schreibst

    • Ich finde, dass meine alten Artikel deutlich radikaler waren – und oft nicht gerade durchdacht formuliert. Siehe „Wahnidee“. Die besprochenen alten Artikel fand ich zum Teil so radikal, dass ich sie aktuell deutlich moderater umformuliert habe. Aber vielleicht werde ich beim Lesen meiner aktuellen Artikel in 1-2 Jahren das gleiche denken, wer weiß.

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