Troy Davis und die Todesstrafe

Die SZ und andere deutsche Medien berichten mal wieder über einen Fall unserer angeblich so schlimmen Justiz. (Ein Glück, dass die deutsche so gut ist).

Die deutsche wikipedia schreibt Troy Davis gehöre – neben Mumia Abu-Jamal – „zu den umstrittensten Todeskandidaten der US-Justiz.“

Die SZ schreibt:
„Selten waren die Zweifel an einem Todesurteil und am US-Justizsystem so groß.
Die Frage wird bleiben: Ging es auch um Davis‘ Hautfarbe?“

Rein zufällig unterschlagen die deutschen Medien dabei gerne zwei Details:

1. Die Ermittler haben an der Hose von Troy Davis forensische Spuren gefunden. Der Richter hat dieses Beweismittel während des Prozess ausgeschlossen, weil die Polizei nicht auf den Durchsuchungsbefehl gewartet hat. Die Jury beeinflussen solche Beweismittel zum Teil trotzdem. Das ist ja das Schöne an unserem System: Die Grand Jury hat das entscheidende Wort. Es muss schon viel passieren, bevor sich amerikanische Richter trauen ein Jury-Urteil rückgängig zu machen.

2. Die Jury bestand aus sieben Schwarzen und fünf Weißen.
Reichlich lächerlich hier einen rassistisch motivierten Schuldspruch zu unterstellen.

Es spricht ja nichts dagegen sich mit diesem und ähnlichen Fällen kritisch auseinanderzusetzen. Aber so extrem einseitig und bewusst wichtige Fakten unterschlagend wie das die deutschen Medien regelmäßig machen, ist das nicht mehr Ernst zu nehmen. Das ist aufhetzende, volksverdummende Propaganda. Dem deutschen Michel gefällt das offenbar, sonst würde diese Art des deutschen Journalismus nicht existieren, schon gar nicht in dieser dominanten Einseitigkeit. Im Prinzip spricht nicht einmal etwas gegen diese einseitige Medien. Das gehört zur Meinungsfreiheit dazu. Nur fehlt in Deutschland eben die komplette Gegenseite. So entsteht ein Gesamtbild, das mit der Realität wenig gemein hat.

Anmerkung:
Das Verdict kann nur einstimmig gefasst werden. Die Jury bleibt so lange zusammen, bis sich alle einig sind. Im Falle Davis hat die Jury weniger als zwei Stunden für die endgültige Entscheidung benötigt.

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8 Gedanken zu „Troy Davis und die Todesstrafe

  1. Habe heute im österreichischischen Zwangsgebühren-Radio darüber gehört.

    natürlich wurden die Beweise, die du schilderst, mit keinem Wort erwähnt, sondern nur zugunsten des Täters bzw. angeblichen Justizopfers argumentiert.

    ich bin zwar gegen die Todesstrafe.

    in den USA werden jedoch wenigstens nur Mörder hingerichtet, während in islamischen Ländern Ehebrecher, Schwule und Gottesfeinde vom Staat ermordet werden

    • die argumente der gegenseite werden in keinem europäischen mainstreammedium erklärt.

      bei welt online genauso. das sind alles vorgefertigte ap-meldungen. große agenturen können meisterhaft gut kampagnen fahren. wenn die aussagen ins weltbild passen, drucken es alle ab.

  2. … und andere, die man praktischerweise wegen diesen Sachen verurteilt. Wie habe ich vor ein paar Tagen auf einen Blog gelesen: „Im Iran gibt es nur Kriminelle.“

    Baruch ha shem, FrankSamuel

    • ja stimmt. hier ist der fall:
      http://en.wikipedia.org/wiki/Murder_of_James_Byrd,_Jr.

      hier gab es zufälligerweise keine gutmenschen-proteste gegen die „barbarische“ todesstrafe. nein das gegenteil war der fall.
      ngos haben george w. bush dumm angemacht und „härtere strafen“ verlangt. das muss man sich mal geben. die beiden hauptäter haben die todesstrafe bekommen und der dritte beteiligte lebenslang, wobei in texas lebenslang wirklich lebenslang bedeutet. und was fällt den ngos ein? härtere strafen! LOL. da hat selbst bush gemeint: ihr spinnt doch.

      obama hat dann allerdings ein neues hate-crime-gesetz verabschiedet. es reicht nicht, wenn man einen menschen ermordet oder eine schwere körperverletzung begeht, nein wenn es ein „hate crime“ ist, sei es quasi doppelt so schlimm. was gibt es dann? doppelte todesstrafe?

      welches gewaltverbrechen ist eigentlich kein „hate crime“? prügeln andere gewaltverbrecher bei nicht-hate-crimes aus liebe und mitgefühl, oder wie darf man das gesetz interpretieren? das nimmt regelrecht groteske züge an.

      wenn eine bestimmte „rasse“ einen „gleichrassigen“ aus reiner mordlust ermordet oder schwer verletzt ist das offenbar weniger schlimm, als wenn es zwischen „rassen“ passiert. die gutmenschen übernehmen die verquere logik und die wahnhaften einteilungen der rassisten. und sie merken es nicht einmal.

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