Wenn sich der Schlachthof über Ausschlachtungen beklagt

Im Vergleich zum Fall Breivik erfolgte im Falle der Gewalt in London durch die deutschsprachigen Medien sofort der Switch auf Verständnis.

Aron Sperber spricht noch einen weiteren Punkt an, der auch immer praktiziert wird: Die Doppelmoral im Umgang mit Ängsten und Ereignissen.

Jede Reaktion der missliebigen politischen Seite wird als „Ausschlachtung der Ereignisse“ gebrandmarkt, man selber missbrauche diesselben Ereignisse natürlich nicht für eigene Zwecke.

Aron hat den Spiegel als Beispiel gebracht, mir ist auch noch Heribert Prantl aufgefallen. Prantl beklagt sich in diesem Artikel über den Fall Breivik, den man in Deutschland sogleich für innenpolitische Debatten ausgenutzt habe. Dieser Missbrauch geschehe nun auch im Falle Großbritanniens. Heuchlerischer geht es nun wirklich nicht mehr.

Erstens ist es in einer Demokratie absolut natürlich, dass solche Ereignisse und mögliche Reaktionen darauf ausgiebig debattiert werden. Mit allen relevanten Aspekten.

Zweitens ist die SZ bei diesen Angstthemen immer ganz vorne mit dabei und stellt ihre ganz eigenen Forderungen und Theorien in den Raum, die wahlweise aus Übertreibungen oder Verharmlosungen bestehen – je nach politischem Kalkül. Das war bei Breivik so und ist in diesem Fall nicht anders: Cameron, die Reichen, die Rechten, die Finanzkrise seien schuld, die Plünderer sind mehr Opfer als Täter.

Die „hochkomplexen“ Lösungen hat man auch schon: Cameron weg, kein Law and Order, mehr Sozialhilfe, mehr Sozialarbeiter, mehr Staat, mehr Kampf gegen Rechts.

Nicht kritisierbar: Einwanderungspolitik, Multi-Kulti, Schulden, Sicherheitsmaßnahmen, Wertevermittlung, Gesellschaftsbild. Der einzige Selbstkritik ist maximal, dass man die eigene Ideologie nicht noch stärker forciert hat.

Drittens berichten amerikanische Medien über alle Ereignisse ungefähr gleich. Was linke Medien liegen lassen, beleuchten rechte Medien und andersherum.

In Deutschland dagegen fehlen rechte Medien und deshalb hört man immer nur die Einseitigkeit der linken Medien. Die SZ hat zum Beispiel eine regelrechte Palin-Manie. Eine Frau ohne jede Macht und Chance auf das Präsidentenamt, aber geliebt von den deutschen Medien. Ist der Amerikaner nicht dumm? Guckt euch nur die Palin an. Ha ist das lustig. Jede Woche schreibt die SZ über die „dumme“ Palin und die „gefährliche“ Tea Party. Über die Gefahr von Rechts. Über den blonden, volksverhetzenden „Rattenfänger“ Geert Wilders. Über jeden Sack Reis. Über Fukushima. Es gibt bei der SZ immer noch kein Tag ohne Fukushima. Die aktuellen Hauptkategorien der SZ im Bereich Politik drehen sich um UK, Libyen, DSK und Fukushima. Wer redet momentan noch über DSK und Fukushima außer die SZ? In Syrien gibt es mittlerweile weit über tausend Tote, aber eine Kategorie ist der SZ das nicht wert.

Muss eigentlich jeder Unfug, der einem so im Leben einfällt, unter den Schutz der Meinungsfreiheit gestellt werden?
(Die Frage ist nicht von mir, das schreibt die SZ über Kurt Westergaard!)

Der immer als erstes schmelzende Reaktor Heribert Prantl beklagt sich also theatralisch über die tatsächlich typisch deutsche Reaktion auf Großbritannien. „Immer wenn etwas passiert, muss sofort etwas passieren – man produziert in aller Eile ein Sicherheitspaket.“

Beim Thema Fukushima dagegen war es Prantl noch ausgesprochen wichtig, dass das in aller Eile vermurkste Sicherheitspaket mit aller Macht durchgepeitscht und nicht verwässert wird. Denn der Atomausstieg sei keine Mode, keine deutsche Marotte. Und offensichtlich auch kein „Sofortismus, der die Nachdenklichkeit ersetzt“.

Über das Ergebnis einer Schweizer Volksabstimmung schrieb die SZ:

Was ihr denkt, ist uns egal! […] Das Signal der Schweizer ruft nach einer Antwort. Die Europäische Union ist auch eine Gemeinschaft des Rechts. Sie sollte nicht hinnehmen, dass ein Land, dem sie eng verbunden ist, sich mutwillig außerhalb dieser Gemeinschaft stellt.

Heftig kritisiert hat Prantl den Historiker Eckhard Jesse unter anderem aufgrund Jesses Ansicht die Gefahr von rechts werde in Deutschland hochgespielt, die von links dagegen verharmlost. So falsch liegt Jesse damit nicht, meint der Spiegel in Arons Beispiel doch tatsächlich die „verbale Gegengewalt“ der EDL sei so gefährlich wie die Plünderungen selbst. Mindestens.

Im Prantl-Artikel ist auch ein Video, das diesen Gewaltaufruf als Deckblatt benutzt. Kein Wort dazu im Video. Es ist einfach nur ein „nettes“ Deckblatt, das die SZ nicht weiter für erklärenswert hält. Gewalt von links? Gibt es nicht.

Jared Loughner war auch schwer in Mode. Bis das letzte deutsche MSM begriffen hat, dass er schizophren ist. Seither hat man in Deutschland nichts mehr von dem Fall gehört.

Was eine Mode ist und was nicht, wie lange sie dauert und wann man aufhört zu berichten, bestimmen Prantls SZ und die anderen MSM höchstpersönlich.

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8 Gedanken zu „Wenn sich der Schlachthof über Ausschlachtungen beklagt

    • Für seine Verhältnisse ist das noch richtig moderat. Sprachlich und stilistisch ist der Text interessant. Pitzke bricht permanent mit den Erwartungen des Lesers. Oder anders ausgedrückt: Er gaukelt journalistische Fairness vor, um einem dann einen Halbsatz später mit einem mit einem Lächeln den Dolch in den Rücken stoßen.

      Beispielsatz:

      Sie weiß sich zu inszenieren , nichts ist ihr zu billig, um sich zu profilieren im bisher so müden, faden Feld.

      Erst ein vergiftes „Lob“ für Bachmann, dann die rüde Ohrfeige („nichts zu billig“) und dann ein Rundumschlag gegen alle Republikaner („müde, fades Feld“).

      verblüffend zierlich für eine Frau, die so laut ist wie sie

      Auf deutsch: Eigentlich müsste sie ja fett sein. Schlank darf man sie auf keinen Fall nennen, das wäre positiv besetzt. „Verblüffend zierlich“ ist gut. Das geht so Richtung: Ist sie der Aufgabe gewachsen?

      Rhetorisch begabt, durchsetzungsfähig darf man auch nicht sagen, so ist sie einfach nur „so laut“.

      Bachmann auf einer Augenhöhe mit den anderen – dank einer schmalen, unsichtbaren Holzkiste.

      Sarkozy, Schröder und Hillary Clinton stehen auch gerne auf Kisten, bei denen ist das nur nie Thema.
      Aber eine „unsichtbare“ Holzkiste hätte ich auch mal gerne. 😉

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