Zwei Brüder – Sozialismus und Nationalsozialismus

Eigentlich keine neue These. Schon 1944 erschien Hayeks „The Road to Serfdom“ bei uns in den USA und in England. Die deutsche Wikipedia schreibt dazu:

In diesem Werk legte er dar, dass der Nationalsozialismus in Deutschland und der Faschismus in Italien nicht – wie sozialistische Intellektuelle behaupteten – Formen der kapitalistischen Reaktion seien, sondern Weiterentwicklungen des Sozialismus.

Hayeks Hauptargument ist, dass alle Arten von Sozialismus, Kollektivismus und Planwirtschaft zwangsläufig in Widerspruch zu liberalen Individualrechten und rechtsstaatlichen Prinzipien geraten. Die Gewaltherrschaft in den totalitären Staaten sei also nicht Folge von besonderer Bosheit der entsprechenden Völker, sondern die Umsetzung der sozialistischen Lehre einer geplanten Wirtschaft. Diese führe notwendig zu Unterdrückung, selbst wenn dies nicht die ursprüngliche Absicht der Sozialisten war.

Erst sieben Jahre später folgte dann die bekennende Sozialistin Hannah Arendt mit ihrem Werk „The Origins of Totalitarianism“ aus dem Jahr 1951.
Sie stellte fest Nationalsozialismus und Stalinismus seien „Variationen des gleichen Modells“. Kein schlechtes Buch, aber im Vergleich zu Hayek doch die deutlich abgeschwächte Version mit dem unterschwelligen Fazit: „Sozialismus ist eigentlich keine schlechte Idee, Stalin war nur ein böser Psychopath.“

Ich glaube die Frage wer im deutschsprachigen Mainstream an- und bekannter ist – Hayek oder Arendt – muss ich weder stellen noch beantworten.

In den USA und in den baltischen Staaten dagegen sind Hayeks Thesen mittlerweile beinahe Allgemeinbildung.

Gegen den Nationalsozialismus ist der deutschsprachige Raum mittlerweile immun, was aber wahrlich keine Kunst ist bei seiner Geschichte. Es wäre dann doch arg peinlich, wenn man exakt den gleichen Fehler ein zweites Mal machen würde. Kein Land der Erde geht auch nur annährend in diese Richtung. Ganz zu Schweigen davon, dass Hitler keinen Doppelganger hat.

Der Marxismus hingegen ist bei deutschsprachigen Intellektuellen (und nicht nur bei denen) nicht selten immer noch „die gute Idee“, die nur noch nicht „richtig“ umgesetzt wurde. In etlichen Staaten dieser Welt wird diese Theorie weiterhin erprobt, so that it really, really works out this time.

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9 Gedanken zu „Zwei Brüder – Sozialismus und Nationalsozialismus

  1. Ich habe es nicht an der Schule gelernt!
    Fuck the Nazis & pseudo „Sozialist“!
    Der „Sozialist“ is’ne Pissnelke!
    We go hip!:
    Roce Royce – R.R. Express 12

    Beste Gruesse
    jack

  2. Wiederum gut beobachtet! Glückwunsch!

    Auch ich habe ganz entsprechende Beobachtungen gemacht. Meinen Landsleuten sind die wichtigsten neueren Freiheitsdenker deutscher Zunge fremd geblieben: von Mises, von Hayek und auch Popper. Man möchte darüber verzweifeln.

    Das Problem zeigt sich auch an Denkern aus der „zweiten Reihe“, die – natürlich – immer noch groß genug sind. So etwa im Falle des von Seiten Poppers und von Hayeks sehr geschätzten Schoeck. Nicht nur, daß Schoecks Hauptwerk „Der Neid“ derzeit bloß in englischer Sprache, nicht aber im deutschen Original zu haben ist (von Antiquariaten abgesehen). Er scheint in Deutschland schlichtweg vergessen worden zu sein. – Dafür bin ich in Polen von zwei klugen Studenten unabhängig von einander auf ihn angesprochen worden, die beide „Envy“ gelesen hatten.

    Machen Sie weiter, lieber American Viewer, mit der guten Arbeit!

    • Danke für das Lob, das freut mich. Ihren Beobachtungen kann ich ebenfalls zustimmen. Wenn man unter Deutschen mit Hayek, Popper, von Mises oder Schoeck anfängt, dann werden die Augen ganz groß. An deutschen Schulen lernt man in aller Regel nicht einmal Grundlagen der Ökonomie. Das erklärt so manches.

      Zu Büchern habe ich auch eine Story:
      Atlas shrugged ist bei uns seit Jahrzehnten ein Bestseller, in Deutschland ist es praktisch nicht bekannt und wird gar nicht mehr aufgelegt. Dafür kann man die alte deutsche Ausgabe mittlerweile auf eBay für 200€ und mehr versteigern. Ein Taschenbuch!

      Was wurde denn aus wallenrod? Der Link führt ins Leere.

  3. Pingback: Proteste in Israel: "Das Volk fordert soziale Gerechtigkeit" - Seite 2 - PolitikPla.net

  4. ich möchte nicht bestreiten, dass von Hayek, Popper, von Mises oder Schoeck im wiedervereinigten Deutschland nicht sonderlich gut bekannt sind, jedoch möchte ich darauf hinweisen, dass es einmal anders war. Wir hatten nämlich einmal einen Kanzler, der bekenneder kritischer Rationalist und damit Popperianer war und von Hayek, und von Mises gehörten damals zum Inventar eines VWL Studiums. Von Hayek’s Fundamentalkritik an der sozialistischen Planwirtschaft war ziemlich bekannt, auch und gerade den Marktsozialisten. Ich rede hier nicht von der Steinzeit und auch nicht vom Mittelalter. Solange es ist nämlich nicht her. Der Kanzler lebt immer noch. Er gehört weder der CDU, noch der FDP an. Ich rede von den 1970ern und von Helmut Schmidt, SPD.

    • Helmut Schmidt kenne ich als den Mann der Anekdoten und Geschichten. Als einen Mann, der zu seinem Wort steht, der offen über seine Kriegsvergangenheit redet, der markige Sprüche liefert, die ankommen.

      Mittlerweile bin ich aber kritischer geworden: War seine Haltung gegenüber den Terroristen der 70er Jahre wirklich so hart wie kolportiert? Wird er von den Medien nicht extrem hofiert? Da scheint mit viel Nostalgie im Spiel zu sein: Je älter die deutschen Kanzler werden, desto nachsichtiger scheinen die Deutschen zu werden. Das geht jetzt auch schon mit Kohl und Schröder los.

      Sie sprechen die Wirtschaftspolitik an. In diesem Punkt war Helmut Schmidt ein Totalversager. Sein Credo war „Lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit“. Am Ende hatte er beides. Die 70er waren die erste große Krise der Keynesianer. Das Zeitalter der Stagflation. Milton Friedman hat dies im Sinne Hayeks erkannt. Schmidt hätte damals auf Friedman und Hayek hören sollen. Er hat es aber nicht gemacht. Er hat das glatte Gegenteil gemacht und den Keynesianern vertraut. Ein katastrophales Spielchen, das Frau Merkel nun wiederholt.

      Der einzige deutsche Kanzler, der wirklich Ahnung von Wirtschaft hatte, war Ludwig Erhardt. Der letzte Kanzler, der wirtschaftliche Reformen durchgesetzt hat, war Gerhard Schröder. Ansonsten gehen die wirtschaftlichen Verdienste der deutschen Kanzler gegen Null. Man musste schon froh sein, wenn sie wenigstens keine allzu große Behinderung dargestellt haben.

      Es gibt momentan in Deutschland keinen einflussreichen Politiker, der über das so bitter benötigte wirtschaftliche Know-how verfügt. Das sind alles Amateure. In den Medien wird dieser Steinbrück als „der Wirtschaftsexperte“ und „die Alternative“ hochgejubelt. Ein Mann, der während des großen Crashes im Herbst 2008 seine totale Ahnungslosigkeit mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

      Fachleute mit internationalem Rang wie Köhler und Weber haben das Schiff feige im Stich gelassen, ein Sarrazin will nicht in die Politik, auf Ruheständler wie Joachim Starbatty, Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling und Karl Albrecht Schachtschneider hat man noch nie gehört. Aus heutiger Sicht wird das ganz bitter für Deutschland und Europa. Mein Rat: Schweiz oder USA. Die sind sicher. Der Rest ist ein ganz großes Fragezeichen.

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