Inzest auf Erden

Entscheidungen des EGMR kann ich in der Regel nicht nachvollziehen. Besonders beim Thema Sicherungsverwahrung. Im Fall von Inzest muss ich dem EGMR aber ausnahmsweise mal zum Teil zustimmen. Hierzu ein paar Ausführungen.

Spezifisches Erkrankungsrisiko bei bekannter Erbkrankheit
Die Zahlen die man immer wieder hört von wegen 50% der Kinder von Geschwistern und 25% der Kinder von Cousins kämen behindert zur Welt, sind ein Mythos.
50% der Allele von Geschwistern sind identisch und 25% bei Cousins. So ist es richtig. Was hat das für Folgen? Erst einmal keine. Die Allele sind ja in der Regel nicht krank. Gibt es allerdings kranke Allele in der Familie liegt das Risiko, dass beide Elternteile diese defekten Allele in sich tragen eben bei besagten 50% bzw. 25%. Damit ist das Kind aber immer noch nicht krank. Ein Beispiel: Ein Mann heiratet seine Schwester. Das Merkmal XY wird rezessiv vererbt und durch das Allel A und das Allel a bestimmt, wobei A die gesunde Form ist, a die kranke. Es gibt folglich Menschen mit AA, Aa oder aa. Menschen mit AA sind völlig gesund, Menschen mit Aa sind symptomfreie Überträger und Menschen mit aa sind krank.
In unserem fiktiven Beispiel haben nun beide Geschwister die Formel Aa. Die Chance hierfür liegt bei 50%, aber nur (!) wenn ein Elternteil der Geschwister bereits selber Aa besitzt.
Die Kinder der Aa-Geschwister haben folglich zwangsläufig eine der folgenden Kombinationen: AA, Aa, aA oder aa. Nur aa macht krank, also erkranken selbst im Fall von Aa-Geschwistern nur 25% der Kinder!

Allgemeines Erkrankungsrisiko, wenn keine Erbkrankheiten bekannt sind
Wie wir gesehen haben, ist das Risiko, dass Aa-Geschwister aufeinandertreffen bei Verwandten erhöht und damit das Risiko, dass das Kind an einer rezessiven Erbkrankheit erkrankt. Dies führt natürlich auch zur Erhöhung des allgemeinen Risikos, wenn noch gar keine Erbkrankheit in der Familie entdeckt wurde.
Ich habe die genauen Zahlen nicht griffbereit, aber für nicht-verwandte Ehen müsste das allgemeine Risiko für Kinder mit schweren Erbkrankheiten bei ca. 1% liegen.
Die Cousins haben dann ca. 2-4% und die Geschwister meinetwegen bei ca. 4-16% Risiko. Viel oder wenig? Das soll jeder selbst entscheiden. Man sollte aber bedenken:
Individuell betrachtet variiert das spezifische Risiko sowieso zwischen fast 0% und fast 100%. Je nach Art der Erbkrankheit und ob man überhaupt Überträger ist oder nicht.

Das Alter der Eltern
Das Alter der Eltern spielt beim Neuauftreten von vielen Erbkrankheiten auch eine entscheidende Rolle. In der Regel gilt: Je älter desto größer das Risiko. Darf eine 40jährige Frau nicht mehr schwanger werden, weil sie ein deutlich erhöhtes Risiko für ein Kind mit Trisomie 21 hat? Nein natürlich nicht. Sie macht eine Pränataldiagnostik und ca. 90% der Frauen entscheiden sich dann für eine Abtreibung, wenn das Kind tatsächlich behindert ist. Das führt interessanterweise dazu, dass es meistens junge Frauen sind, die Kinder mit Down-Syndrom zur Welt bringen. Erstens weil es mehr junge Schwangere gibt und zweitens weil bei jungen Frauen die Diagnostik nicht so gründlich durchgeführt wird wie bei den älteren Risikopatientinnen.

Fehlende Logik
Selbst bei nicht-verwandten Menschen mit schweren Erbkrankheiten deren Kinder zu 100% krank werden, ist die Fortpflanzung in Deutschland nicht verboten. Es ist also nur schwer nachvollziehbar, warum Inzest dann verboten sein soll. Das lässt sich juristisch und medizinisch kaum rechtfertigen, ist weder gerecht noch logisch, sondern eher kulturell bedingt. In anderen Zeiten war das ganz anders. Schon die Pharaonen haben über Jahrtausende Inzest betrieben. Auch in den europäischen Königshäusern war Inzest keine Seltenheit. Erbkrankheiten traten in diesen Kreisen auch durchaus auf, aber die ägyptischen Gottkönige und die europäischen Monarchen sind wohl kaum deshalb untergegangen.

What would Hitler do?
Der ganz spezielle deutsche Oberhammer kommt allerdings erst noch: Menschen die ein hohes Risiko auf Vererbung einer schweren Erbkrankheit haben, dürfen ihr Risiko vor der Schwangerschaft in Deutschland nicht senken (Stand: Mai 2011), obwohl das durch die PID in vielen Fällen auf praktisch 0% möglich ist.

Was dagegen in Deutschland vernünftigerweise kein Problem darstellt, ist die Abtreibung bis zur allerletzten Woche. Absurd ist aber: Abtreiben darf man bis ganz zum Schluss, ein paar befruchte Mehrzeller aussortieren, darf man nicht. Lachhaft.
Betroffene deutsche Eltern sollten vor dem EGMR klagen, wenn das deutsche PID-Gesetz so erbärmlich wird, wie es der deutsche Bundestag unter Führung von Merkel-CDU und Grünen gerade plant. Alle aussichtsreichen Entwürfe, die dort gerade diskutiert werden, sind lächerlich dämlich. Deutschland ist seit 1933 von Hitler besessen. In jeder politischen Debatte nach 1945 bestimmt man eine fiktive „Hitler-Position“, die überwunden wird, in dem man einfach das glatte Gegenteil vom fiktiven Hitler macht und sei es noch so absurd. Dass die Deutschen noch keine „What would Hitler do?“-Broschen und Armbänder tragen, ist auch schon alles.

Man könnte in vielen dieser Fälle durch eine PID das Risiko für bekannte Erbkrankheiten noch vor der Schwangerschaft auf praktisch 0% senken. Aber das wollen die deutschen Moralpächter erst Recht nicht. Das wäre ja Autobahn.

Die bittere Realität
Was macht nun jemand, der unter einer schweren Erbrkankheit wie Chorea Huntington leidet, darüber Bescheid weiß, sie wie in diesem Fall zu 50% (!) auf seine Nachkommen übeträgt, gerne Kinder hätte, aber in einem so beschränkten Land wie zum Beispiel Deutschland lebt?
Drei Möglichkeiten aus Theorie und Praxis:

1) Ihn kümmert es nicht, dass seine Kinder zu 50% das gleiche Schicksal erleiden. Diesen Fall habe ich real noch nicht erlebt.

2) Er zeugt keine Kinder. Dieses Beispiel ist typisch für Länder mit so absurden Gesetzen wie Deutschland. Wer wirft schon eine Münze, wenn es um eine schwere Erbkrankheit geht? Niemand!

3) Er geht ins Ausland, macht eine künstliche Befruchtung mit PID und schließt damit praktisch zu 100% aus, dass sein Kind die Erbkrankheit bekommt. Eine rationale Lösung, aber nur wenn man reich genug ist. Alle anderen Paare mit Kinderwunsch werden von der grün-scharzen Amoral in die Kinderlosigkeit gezwungen.
Es ist ja nicht so, dass Deutschland dringend Kinder braucht. Nein, nein.
Möge die Welt am deutschen Wesen genesen.

Anmerkung:
In Zypern ist die Thalassämie so eine Plage, dass Paare nicht kirchlich getraut werden, wenn sie sich nicht genetisch untersuchen und beraten lassen. Bis vor ein paar Jahren konnte die genetische Selektion nur durch Pränataldiagnostik und Abtreibung sichergestellt werden. Heute ist die PID eine Alternative geworden, die künstlich befruchtete, fehlerhafte Eizellen aussortieren kann und so die Abtreibungen reduziert. Den Zyprioten bleibt gar nichts anders übrig, wenn sie nicht an dieser Krankheit finanziell und biologisch zu Grunde gehen wollen. Es ist der einzig vernünftige Ausweg. Ich vermute die Deutschen würden in einer ähnlichen Lage lieber aussterben als diesen Weg zu beschreiten.

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Ein Gedanke zu „Inzest auf Erden

  1. Pingback: Das Inzest-Verbot kommt vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte | ars libertatis

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