Israel und die Grenzen von 1967

Obama hat mal wieder eine seiner Jimmy-Carter-Gedächtnisreden gehalten und der Spiegel ist wie immer ganz aus dem Häuschen. Eine Stelle ist dabei typisch:

Erstmals empfahl der US-Präsident den Grenzverlauf von 1967 als Grundlage für eine Friedenslösung. Die Grenze zwischen Israel und einem unabhängigen palästinensischen Staat sollte auf dem Verlauf vor dem Sechstagekrieg 1967 basieren, sagte Obama. Dies wird von der israelischen Regierung strikt abgelehnt.

Ich habe und werde nie verstehen warum von den Israelis immer und immer wieder ernsthaft verlangt wird, ihre Gebietsgewinne aus dem Sechstagekrieg wieder abzugeben.

Das sind Forderungen, die wohl ziemlich einmalig sind in der Geschichte und die das jüdische Volk niemals erfüllen kann. Und wenn sie es je doch erfüllen, sind sie nicht ganz bei Trost.

Die Aggression im Sechstagekrieg ging von den Arabern aus und Israel hat den Krieg gewonnen. So lief das in den Kriegen von 1948 bis heute ab:
Araber greifen übermütig an, Israel wehrt den Angriff ab.

1967 war das einzige Jahr in dem die Israelis aus ihren Kriegsgewinnen auch wirklich nennenswerte Gebietsgewinne geschlagen haben. Und diese Gewinne sollen sie jetzt wieder abgeben? Lachhaft.

Dann sollte Deutschland wohl auch Schlesien zurückbekommen. Ich war kürzlich im früheren Breslau und musste feststellen: Schlesien gehörte seit dem Vertrag von Namslau aus dem Jahr 1348 (!) nicht mehr zu Polen. Der Kriegsgewinner Polen
hat sich 1945 nach Westen erweitert, die Deutschen von dort vertrieben und Stalin hat sich östliche Teile Polens einverleibt.

Im Gegensatz dazu haben die Israelis 1967 niemanden wirklich vertrieben.
Sie haben die Gebiete nur besetzt. Dieses humane Vorgehen wird von der Weltgemeinschaft nun bitter bestraft.

Außerdem sollten wir unbedingt die 1848 eroberten Gebiete an Mexiko zurückgeben:
Kalifornien, New Mexico, Texas und so weiter und so weiter.
Nur mal um die gleiche Logik zu benutzen.

Der Fehler der Israelis ist nicht der Gebietsgewinn 1967, sondern dass sie aus den anderen vielen gewonnen Kriegen nicht mehr Kapital geschlagen haben.
Sie haben nie den Deckel zugemacht und das rächt sich jetzt.

Vor allem 1948 haben ca. 700.000 Palästinenser ihre Heimat verlassen, sind geflohen oder wurden vertrieben. Ein Thema auf das viele Europäer ausgesprochen auffällig fixiert sind.

Ab ca. 1948 bis in die frühen 1970er Jahre sind ca. 800.000 – 1.000.000 Juden aus den islamischen Staaten nach Israel geflohen mit dem Ergebnis, dass heute die meisten arabischen Staaten „judenfrei“ sind. Darauf sind die Araber offenbar mächtig, mächtig stolz. Bemerkenswert auch: Einen deutschen wikipedia-Eintrag zu diesem Thema scheint es erst gar nicht zu geben.

Wie ging es dann weiter? Die arabischen Juden wurden in Israel integriert und fanden dort ihre neue Heimat, während die Palästinenser von ihren „arabischen Brüdern“ in Flüchtlingslagern gepfercht wurden und werden. Sie sind Bürger zweiter bis dritter Klasse, werden nicht integriert, sondern nur geduldet, wenn überhaupt. Von Bildung und Arbeit wollen wir gar nicht reden. Von Kindheit an lernt die mittlerweile dritte und vierte Generation meist nur eines: Schuld an eurer Lage ist der Jude und wenn ihr erstmal wieder Palästina zurückerobert habt, ist die Welt wieder in Ordnung. Viele Europäer und Amerikaner bestärken sie fatalerweise in diesem Glauben.

Auf dieser Grundlage beruht der Nahostkonflikt und trotzdem haben die Israels 2006 ein erobertes Gebiet aus dem Sechstagekrieg abgegeben: Den Gazastreifen.
Aus Dankbarkeit haben die Einwohner des Gazastreifens umgehend die Hamas an die Macht gewählt. Nachdem die arabischen Staaten judenfrei sind, soll nun der jüdische Staat unter islamische Herrschaft fallen. Dieses Ziel existiert nun seit 1948 und die arabischen Muslime werden offensichtlich nicht ruhen bis sie ihren religiösen Wahn erfüllt haben.

Obama sollte eines nicht machen:
Von den Juden verlangen ins eigene Grab zu steigen.

Die Israelis werden ihre Selbstbestimmung niemals mehr in der Geschichte aufgeben. Bevor es so weit kommt, werden sie kämpfen bis in den Tod.
Das sollte doch auch dem naivsten US-Präsidenten seit Jimmy Carter klar sein.
Aber offensichtlich nicht.

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9 Gedanken zu „Israel und die Grenzen von 1967

  1. man verlangt von Israel also, dass es sich als Verlierer der von den Arabern ausgehenden Kriegen verhält. Wirklich einmalig.

    • Es gab auch Vertreibungen, natürlich. Das wird heute nicht mehr bestritten. Das Problem ist aus meiner Sicht heute eher, dass es nicht genug Vertreibungen gab. In den 1940s bis 1960s hätte man das eher noch machen können. Insbesondere nach den gewonnenen Kriegen, in denen Israel zum Teil recht überraschend angegriffen wurde und sich trotzdem behaupten konnte.

      • Wie würdest Du die ersten Vertreibungen rechtfertigen? Ich finde das immer ziemlich schwierig, obwohl Pro-Israel bin. Die Frage nach Vertreibungen ist ja da schon irgendwie des Pudels Kern, zumindest aus historischer Sicht.

  2. Als sich die Juden nach dem zweiten Weltkrieg dort zwecks Staatsgründung gesammelt haben. Also Vertreibungen, die man gemacht hat, um den Staat überhaupt zu gründen. Die arabische Welt hat mit Vernichtung gedroht, sicherlich waren auch die „Palästinenser“ sehr antisemitisch. Aber kaum staatlich organisiert und damit keine große Gefahr (meiner Meinung, im Vergleich zum Iran oder ähnliches). Daher finde ich die Frage schwierig, ob diese Vertreibungen gerechtfertigt waren und folglich auch entsprechende, differenzierte Forderungen, die nicht von opportunistischen Terroristen kommen.

    • Es ging damals gar nicht ohne Vertreibungen. Die Araber haben jegliche Einwanderung von Juden abgelehnt. Die Briten haben die Juden schon zu Tausenden am Einwandern gehindert, aber das war den Arabern immer noch nicht genug, weshalb die Familienclans um Husseini bekanntlich zu den Nazis überliefen.

      Es herrschte damals so eine Art Bürgerkrieg. Natürlich kommt es dann zu Vertreibungen. Das ist in Bürgerkriegen immer der Fall. Wie soll man neben Nachbarn leben, die einen töten wollen? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

      Der Fehler der Israelis war wie gesagt, dass sie nach den später gewonnenen Kriegen nicht auch den Gazastreifen und das Westjordanland komplett geräumt haben. Man wollte immer moralisch überlegen sein und den Arabern noch eine Chance geben. Und noch eine. Und noch eine. Das funktioniert eben nicht.

      Palästina ist nebenbei gesagt ein gutes Beispiel dafür wie schnell eine Region von einem anderen Volk durch Einwanderung und Migration nahezu komplett übernommen werden kann.

      Ich habe nur nie verstanden, was an Palästina so toll sein soll. Dieser ganze Hass von den Arabern bis heute. Das macht einem Angst. Das ist extremer Stress. Da kann man jede Lebensfreude verlieren. Mal abgesehen von den extremen Kosten.

      Ich hätte es besser gefunden, man hätte den Juden einen geeigneten amerikanischen Bundesstaat zum Einwandern überlassen. Wenn Juden zum Beispiel heiße, versalzene, wüstenähnliche Gegenden so mögen, wir hätten doch Utah. Oder New Mexico. Oder Südkalifornien. Oder jeden anderen Bundesstaat. Es gibt so viele israelische Innovationen. Davon hätte Amerika nur profitiert. Und die Juden könnten endlich in Frieden leben.

      Vielleicht sollte Obama eine Initiative in diese Richtung starten? Obama und seine Entourage ziehen zu ihrer geliebten Hamas und wir nehmen dafür alle 8 Millionen Israelis auf, die kommen wollen. Außer die extrem Orthodoxen. Die eher nicht. Die kommen mit der Scharia besser zurecht, als mit westlichen Systemen.

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